Diese Liste beschreibt das Gedeck für Mary Wollstonecraft auf dem Tisch der Kunstinstallation The Dinner Party von Judy Chicago. Sie ist Teil der Liste der 999 Frauen des Heritage Floor, die den jeweiligen Gedecken auf dem Tisch zugeordnet sind. Die Namen der 999 Frauen befinden sich auf den Kacheln des Heritage Floor, der unterhalb des Tisches angeordnet, zur Kunstinstallation gehört.

Beschreibung Die Installation besteht aus einem dreiseitigen Tisch, an dem jeweils 13 historische oder mythologische Persönlichkeiten, somit insgesamt 39 Personen, von der Urgeschichte bis zur Frauenrechtsbewegung Platz finden. Diesen Personen wurde am Tisch jeweils ein Gedeck bestehend aus einem individuell gestalteten Tischläufer, einem individuell gestalteten Teller sowie einem Kelch, Messer, Gabel, Löffel und einer Serviette zugeordnet. Die erste Seite des Tisches widmet sich der Urgeschichte bis zur Römischen Kaiserzeit, die zweite der Christianisierung bis zur Reformation und die dritte von der Amerikanischen Revolution bis zur Frauenbewegung. Jedem Gedeck auf dem Tisch sind weitere Persönlichkeiten zugeordnet, die auf den Fliesen des Heritage Floor, der den Raum unter dem Tisch und die Mitte des Raumes zwischen den Seite des Tisches einnimmt, einen Eintrag erhalten haben. Diese Liste erfasst die Persönlichkeiten, die dem Gedeck von Mary Wollstonecraft zugeordnet sind. Ihr Platz befindet sich an der dritten Tischseite.

Hinweise Zusätzlich zu den Namen wie sie in der deutschen Transkription oder im wissenschaftlichen Sprachgebrauch benutzt werden, wird in der Liste die Schreibweise aufgeführt, die von Judy Chicago auf den Kacheln gewählt wurde.

Die Angaben zu den Frauen, die noch keinen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia haben, sind durch die unter Bemerkungen angeführten Einzelnachweise referenziert. Sollten einzelne Angaben in der Tabelle nicht über die Hauptartikel referenziert sein, so sind an der entsprechenden Stelle zusätzliche Einzelnachweise angegeben. Bei Abweichungen zwischen belegten Angaben in Wikipedia-Artikeln und den Beschreibungen des Kunstwerks auf der Seite des Brooklyn Museums wird darauf zusätzlich unter Bemerkungen hingewiesen. Gedeck für Mary Wollstonecraft mini|Mary Wollstonecraft von John Opie (etwa 1797)

Mary Wollstonecraft wurde am 27. April 1759 in Spitalfields, London geboren. Sie war Engländerin irischer Abstammung, ihr Vater war Weber und Landwirt. Die Familie zog oft um, was ihre Schulbildung durch die häufigen Schulwechsel beeinträchtigte, jedoch war sie sehr an Bildung interessiert, auch an gleichberechtigter Schulbildung für Mädchen. Sie arbeitete im Alter von 19 Jahren für ein Jahr, bis 1779, als Gesellschafterin in Bath, danach gründete sie zusammen mit ihren Schwestern eine private Schule in London. Dort unterrichtete sie bis 1787. Sie reiste im Jahr 1785 nach Lissabon, um ihrer Freundin bei der Geburt ihres ersten Kindes beizustehen. Als sie Ende 1786 zurück an ihre Schule nach London kam, stellte sie fest, dass die Schule bankrottgegangen war. Um die aufgelaufenen Schulden zu bezahlen, arbeitete Wollstonecraft als Gouvernante in Irland. Nachdem sie 1787 die Stelle verloren hatte, kehrte sie nach London zurück, wo sie sich eine kleine Wohnung leisten konnte, da ihr erster Roman Mary veröffentlicht worden war.

Im Herbst 1792 reiste sie nach Frankreich. Dank eines Empfehlungsschreibens ihres Verlegers kam sie in Kontakt mit weiteren Schriftstellern, Politikern und anderen Künstlern. Auch kam sie mit Frauenrechtlerinnen in Kontakt und wurde durch die britische Frauenrechtlerin und Historikerin Catherine Macaulay beeinflusst. Ihr bekanntestes Werk, A vindication of the rights of woman, in dem sie für die Gleichberechtigung eintrat, entstand in Frankreich. In ihrem ersten Winter in Frankreich lernte sie auch den amerikanischen Geschäftsmann Gilbert Imlay kennen. Wollstonecraft und Imlay begannen im April 1793 eine Beziehung, aus der die gemeinsame Tochter Fanny stammte. Um Wollstonecraft und ihre Tochter zu schützen, ließ Imlay sie als amerikanische Staatsbürgerin registrieren, jedoch heiratete er Mary Wollstonecraft nicht. Den Sommer 1794 verbrachte Wollstonecraft mit einer dreimonatigen Reise durch Skandinavien. Ihre Letters Written During a Short Residence in Sweden, Norway, and Denmark wurden 1796 veröffentlicht. Mit ihrer Tochter kehrte sie 1795 nach London zurück. Die Trennung machte sie depressiv und im Oktober unternahm sie auf der Putney Bridge einen Suizidversuch.

Bereits 1791 hatte sie auf einem Empfang den proto-anarchistischen Schriftsteller William Godwin kennen gelernt, den sie 1796 wieder traf und ein Jahr später heiratete. Nach ihrer Heirat führte sie den Doppelnamen Mary Wollstonecraft-Godwin. Die gemeinsame Tochter Mary kam 1797 zur Welt. Mary Shelly wurde später als Autorin des Romans Frankenstein bekannt. Die Geburt ihrer Tochter Mary überlebte sie nur um elf Tage, da der in der Gebärmutter verbliebene Mutterkuchen zu einem Infekt führte und sie am Kindbettfieber starb.

Das Gedeck für Mary Wollstonecraft auf dem Tisch der Dinner Party wurde gestaltet, um den starken Charakter der Autorin zu beleuchten, auch ihren Glauben an die Gleichstellung der Frau. Der Tischläufer ist in unterschiedlichen Handwerkstechniken gestaltet. Es finden sich Nadelspitzen, Petitpoints, Stickereien, Häkelarbeiten und Stumpfarbeiten. In Bildern wird Wollstonecrafts Leben mit Szenen aus dem häuslichen Umfeld dargestellt. Auf der Rückseite ist ihr tragischer Tod dargestellt. Die Bilder mit Vögeln, Blumen und Äpfeln auf der Vorderseite sollen die Trivialität der weiblichen Existenz im 18. Jahrhundert hervorheben. Im Gegensatz zu der schlichten, häuslichen Gestaltung des Tischläufers ist der Teller aufwändig und dreidimensional gestaltet. Die erhabene Oberfläche dient Chicago als Metapher für Wollstonecrafts Willen und Intelligenz. Der Initial-Buchstabe „M“ auf der Vorderseite des Tischläufers wird mit zwei Ikonen, einem Zylinder und einem Handschuh, verziert, die Wollstonecrafts Lebenswerk darstellen. Auf ihrem Sterbebett sagte sie dazu: „Ich habe den Handschuh hingeworfen. Es ist an der Zeit, Frauen wieder zu ihrer verlorenen Würde zu verhelfen und sie zu einem Teil der menschlichen Spezies zu machen .“