Im Missbrauchsskandal von Rochdale wurden minderjährige Mädchen im englischen Rochdale von Gruppen missbraucht und zur Prostitution gezwungen. Neun Männer wurden wegen Vergewaltigung, Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und sexuellen Kindesmissbrauchs im Mai 2012 verurteilt. Von der Polizei von Manchester wurde danach die Operation Doublet gestartet, um weitere Missbrauchsanschuldigungen zu untersuchen. Dabei wurden bis jetzt 19 Männer verurteilt. 47 Mädchen wurden als Opfer von sexueller Ausbeutung identifiziert. Die Täter waren Männer aus Großbritannien mit pakistanischer Herkunft. Es wurde zunächst vermutet, dass die Polizei aus Angst vor Rassismusvorwürfen Hinweisen nicht nachgegangen ist, interne Untersuchungen fanden allerdings Vorurteile gegenüber den Opfern und fehlendes Interesse für die Verfolgung von sexualisierter Gewalt auf verschiedenen Ebenen. Die meisten Opfer waren weiße britische Mädchen, die zumeist in Pflegeheimen wohnten. Im März 2015 entschuldigte sich die Polizei Manchesters dafür, Hinweisen auf sexuelle Ausbeutung von Kindern, die es zwischen 2008 und 2010 gab, nicht ausreichend nachgegangen zu sein. Sara Rowbotham, eine Sozialarbeiterin, die als Erste sexuellen Missbrauch in der Community der Polizei meldete, wurde 2017 entlassen.

Täter Anfangs wurden zwölf Männer wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung, Vergewaltigung und sexuellen Kindesmissbrauchs angezeigt. Neun wurden verurteilt. Von ihnen waren acht britisch-pakistanisch und einer ein afghanischer Asylsuchender. Von den drei nicht Verurteilten wurden zwei freigesprochen und der Dritte floh, während er gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen war, nach Pakistan. Die meisten der Täter waren verheiratet und galten in ihrer Community als ehrenhafte Männer. Einer von ihnen, der wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung verurteilt wurde, war zum Beispiel ein Religionslehrer und verheirateter fünffacher Vater. Die Männer waren im Alter zwischen 24 und 59 Jahren. Zwei arbeiteten beim gleichen Taxiunternehmen, zwei arbeiteten für ein Takeaway-Restaurant; einige kamen aus dem gleichen Dorf in Pakistan und zwei waren Mitbewohner. Sie agierten als Gang mit dem Ziel, minderjährige Mädchen sexuell auszubeuten.

Missbrauch Der Missbrauch zentrierte sich um zwei Takeaway-Restaurants in Heywood in der Nähe von Rochdale. Obwohl eines der Opfer sich 2008 an die Polizei wandte, um Grooming durch die Männer zu melden, entschied der Crown Prosecution Service (CPS), die beiden beschuldigten Männer nicht anzuklagen, da die Glaubwürdigkeit des Opfers angezweifelt wurde.

Die Leiterin des Rochdale Crisis Intervention Teams, Sara Rowbotham, versuchte wiederholt, die Polizei auf Muster, die auf organisierte sexuelle Ausbeutung von Kindern hindeuten, hinzuweisen, aber sie wurde ignoriert. Zwischen 2003 und 2004 machte sie mehr als 180 Mal den Versuch, die Polizei dazu zu bringen, Untersuchungen zu starten. Ihr wurde aber wiederholt gesagt, dass die Opfer keine glaubwürdigen Zeugen seien.

Da der Kinderschutzdienst den Anschuldigungen ebenfalls nicht nachging, stoppte die Polizei ihre Untersuchungen, bis im Dezember 2009 ein weiteres Mädchen ähnliche Vorwürfe machte. Die Entscheidung der Sozialdienste, den Anschuldigungen nicht nachzugehen, wurde 2011 widerrufen, als ein neuer Generalstaatsanwalt, Nazir Afzal – ein Brite pakistanischer Herkunft – berufen wurde.

Die Opfer waren zumeist Jugendliche aus gestörten und ärmlichen Verhältnissen. Sie wurden an Orten, an denen sich typischerweise Jugendliche aufhalten (wie Takeaway-Restaurants), aufgegriffen. Eines der Opfer, ein 15-jähriges Mädchen, das unter dem Spitznamen Honey Monster bekannt war, rekrutierte andere Mädchen (bis 13-Jährige) für das Netzwerk. Die Opfer wurden zum Schweigen gezwungen oder bestochen. Dabei wurden Gewalt, Drogen, Essensgeschenke, Bestechungsgeld und andere Geschenke benutzt, um den Missbrauch zu verheimlichen.

Der älteste Täter war Shabir Ahmed. Er war zuerst der Haupttäter. Abdul Aziz, ein verheirateter dreifacher Vater, übernahm die Leitung von Shabir Ahmed und bezahlte Männer, damit sie neue Mädchen heranschafften.

Opfer sagten aus, dass sie geschlagen und vergewaltigt wurden (manchmal von fünf Männern gleichzeitig). Sie gaben auch an, dass sie genötigt wurden, „mit mehreren Männern pro Tag, mehrere Tage pro Woche“ zu schlafen. Die Opfer wurden mit Alkohol und anderen Drogen ruhig gestellt und zu Bekannten und Familienangehörigen der Täter in verschiedene Orte Englands verschleppt, wie Rochdale, Oldham, Nelson, Bradford und Leeds. Für die „Treffen“ wurden relativ kleine Geldbeträge gezahlt. Ein 13-jähriges Opfer erzählte, dass sie gezwungen wurde, gegen Wodka mit einem Mann zu schlafen. Danach habe ihr Zuhälter sie ebenfalls vergewaltigt und ihr 40 Britische Pfund gezahlt, damit sie nichts davon weitererzähle. Ein 15-jähriges Mädchen erzählte, dass es mit Alkohol abgefüllt wurde und dann von 20 Männern hintereinander vergewaltigt wurde. Ein anderes Opfer erzählte, dass sie abgefüllt wurde und sich über den Bettrand erbrach, während sie von zwei Männern vergewaltigt wurde. Ein 13-jähriges Opfer hatte eine Abtreibung, nachdem es von einem der Vorfälle schwanger wurde.

Gerichtsprozess und Verurteilungen Die Täter sagten während des Prozesses, dass die Mädchen nicht gezwungen worden seien und mit Spaß Sex mit den Männern gehabt hätten. Der Anführer, Shabir Ahmed, bezeichnete die Mädchen als „Prostituierte“ und bezeichnete seine Handlungen als Geschäftshandlungen. Die Anschuldigungen seien Lügen. Er rief im Gerichtssaal: „Wo sind die weißen Leute? Wieso werden nur wir als Ausländer hier angeklagt?“ Da Shabir Ahmeds sich im Gerichtssaal aggressiv verhielt und den Richter Gerald Clifton ein „rassistisches Schwein“ nannte, wurde er aus dem Saal verbannt und war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Der Prozess endete im Mai 2012. Die Tabelle zeigt die Namen der Verurteilten, Straftatbestände und Strafen. +Name des VerurteiltenStraftatbeständeStrafeShabir AhmedVergewaltigung, Beihilfe zur Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Menschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch19 JahreMohammed SajidVergewaltigung, sexuelle Handlungen mit einer Unter-16-Jährigen, Menschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch12 JahreKabeer HassanVergewaltigung, sexueller Kindesmissbrauch9 JahreAbdul AzizMenschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch9 JahreAbdul RaufMenschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch6 JahreAdil KhanMenschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch8 JahreMohammed AminSexuelle Nötigung, sexueller Kindesmissbrauch5 JahreAbdul QayyumSexueller Kindesmissbrauch5 JahreHamid SafiMenschenhandel, sexueller Kindesmissbrauch4 Jahre Vier der Verurteilten mit doppelter Staatsbürgerschaft – Shabir Ahmed, Adil Khan, Abdul Rauf und Abdul Aziz – wurde von Innenministerin Theresa May die britische Staatsbürgerschaft entzogen, sodass sie nach Pakistan abgeschoben wurden. May sagte, dass die Abschiebungen „für das Wohl der Allgemeinheit“ stattfinden würden.

Zweiter Sexring und Operation Doublet Nach der Zerschlagung des ersten Sexrings im Mai 2012 fanden weitere Festnahmen im Zusammenhang mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Rochdale statt. Neun Männer im Alter von 24 bis 38 Jahren wurden unter dem Verdacht des sexuellen Kindesmissbrauchs festgenommen. Die Operation Doublet wurde ins Leben gerufen, um Grooming und sexuellen Missbrauch in der Region systematisch zu verfolgen. Der stellvertretende Polizeipräsident, Steve Heywood, sagte im Mai 2013, dass 550 Beamte in der Operation arbeiten würden. Er sagte, dass die Verfolgung von Grooming eine höhere Priorität für die Polizei habe als Waffengewalt und Hinweise bis ins Jahr 2003 zurückverfolgt werden würden.

Im März 2015 wurden zehn Männer im Alter von 26 bis 45 Jahren wegen Sexualstraftaten an Opfern im Alter von 13 bis 23 Jahren angezeigt. Dabei fanden die Taten im Zeitraum von 2005 bis 2013 statt. Die Straftatbestände waren Vergewaltigung, Beihilfe zur Vergewaltigung, sexuelle Nötigung Minderjähriger, sexueller Missbrauch Minderjähriger und sexuelle Nötigung.

Urteil im Jahr 2025 Am 13. Juni 2025 wurden sieben Männer für insgesamt 50 Verbrechen im Zusammenhang mit Missbrauch verurteilt. Grundlage des Urteils waren die Aussagen zweier Zeuginnen, die ab dem Alter von 13 Jahren jahrelang von den Tätern als Sexsklavinnen missbraucht worden waren. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der im Zusammenhang mit den Verbrechen in Rochdale verurteilten Täter somit auf 32.

Reaktion und öffentliche Debatte Durch die Verbrechen wurde eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, ob sie einen rassistischen Hintergrund hatten (also die Männer pakistanischer Herkunft weiße Mädchen missbrauchten, aus Hass auf Weiße). Es wurde außerdem spekuliert, dass die Polizei und Sozialdienste nicht eingeschritten sind, weil sie vor Rassismusvorwürfen Angst hatten. Außerdem wurde vermutet, dass nicht eingeschritten wurde, da es sich um Mädchen aus unteren sozialen Schichten gehandelt hat. Ein Bericht des stellvertretenden Beauftragten für Kinderrechte aus dem Jahr 2012 sagte aus, dass 33 % aller Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in Großbritannien von Briten mit asiatischer Herkunft begangen wurden, wobei diese nur 7 % der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Ann Cryer, eine Abgeordnete der Labour Party für die Region Keighley, sagte in einem Dokumentarfilm der BBC 2012, dass sie mit den Familien der Opfer zusammengearbeitet habe und „buchstäblich jede Woche auf der Polizeiwache war“ und die Polizei und Sozialdienst „angefleht“ habe, endlich etwas zu unternehmen. Cryer sagte, „Weder die Polizei noch die Sozialdienste nahmen sich der Fälle an. Ich denke, der Grund war, dass sie Angst vor Rassismusvorwürfen hatten“. Cryer hatte sich auch an die muslimische Community gewandt und versucht, sie zum Einschreiten zu bewegen: „Ich habe mich an einen Freund von mir gewendet, der im Gemeinderat saß und gleichzeitig Muslim war. Er vertrat mich vor den Vorstehern der Gemeinde. Ich habe gehofft, dass ich sie so dazu bewegen könnte, in ihren Gemeinden zu verbreiten, dass dieses Verhalten (der Grooming-Gangs) unislamisch sei. Und dass sie damit drohen sollten, die Mitglieder der Gangs in den Gemeinden öffentlich bloßzustellen. Jedoch waren die Vorsteher dazu nicht bereit“.

Tim Loughton, Minister für Kinder und Familien, sagte, dass er nicht der Meinung sei, dass sexueller Missbrauch von Kindern von einigen Ethnien geduldet wird. Jedoch habe er das Gefühl, dass einige Communities den Missbrauch nicht schnell genug melden, und rief die Polizei dazu auf, politische Korrektheit nicht ihre Arbeit behindern zu lassen.

Ende 2011 begann das Büro des Beauftragten für Kinder eine zwei Jahre lange Untersuchung zur sexuellen Ausbeutung von Kindern durch Straßengangs. Der finale Bericht wurde im November 2013 veröffentlicht. Nach den Verurteilungen in Rochdale sagte das britische Bildungsministerium Geld zur Entwicklung von besseren Strategien zum Schutz von Schutzbefohlenen zu, die unter staatlicher Obhut aufwachsen. Einige der Opfer befanden sich während der Tatzeiträume in privaten Pflegeeinrichtungen. Eine anschließende Untersuchung dieser Einrichtungen befand, dass ein Drittel der Häuser der beiden größten Anbieter unzureichend geführt wurden.

Bericht der Times vom 5. Januar 2011 In einem Bericht der Times vom 5. Januar 2011 wurden die Verurteilungen von Grooming Gangs im Norden und der Mitte Großbritanniens thematisiert. Von den 56 Verurteilten seit 1997 für Straftaten gegen 11- bis 16-jährige Mädchen waren drei Weiße, 53 waren Asiaten und 50 waren Muslime. Die meisten waren pakistanischer Herkunft. Außerdem unterstellte The Times: „mit einer Ausnahme in einer Stadt werden in der pakistanischen Community keine Anstrengungen gezeigt, das Problem anzugehen.“

Koalition für die Abschaffung der Zuhälterei (Coalition for the Removal of Pimping)