mini|Vorderseite der Goldmedaille, 1795
Die Magellanic Premium ist eine Auszeichnung, die seit 1790 von der American Philosophical Society verliehen wird, um die beste Entdeckung oder nützlichste Erfindung in den Kategorien Navigation, Astronomie und Naturphilosophie zu würdigen. Sie besteht aus der Magellanic Gold MedalBulletin of the National Research Council, 1921, S. 5. und einem Preisgeld. Die prestigeträchtigeNational Aeronautics and Space Administration (Hrsg.): NASA Activities. Band 2, Nr. 12, 1971, S. 212. Goldmedaille ist die älteste von einer nordamerikanischen Institution zur Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen vergebene Auszeichnung.Tim Stephens: Sandra Faber receives American Philosophical Society’s Magellanic Premium Medal. Website der University of California, Santa Cruz. 29. April 2019.
Geschichte Im September 1785 bot der in London lebende portugiesische Naturphilosoph Jean-Hyacinthe de Magellan (, 1723–1790)Sidney Lee (Hrsg.): Magellan, Jean Hyacinthe de. In: Dictionary of National Biography, Band 35. Smith, Elder & Co, London 1893 (Volltext auf Wikisource). der American Philosophical Society in einem Brief 200 Guineen an, um aus den Erträgen dieses Fonds einen Preis zu stiften. Die APS unter ihrem Präsidenten Benjamin Franklin nahm das Angebot im Januar 1786 dankbar an, schrieb die Magellanic Premium als Preis der Gesellschaft aus und wählte als Medaille eine ovale Platte aus massivem Gold mit einem Wert von 10 Guineen.Extracts from the Minutes of the American Philosophical Society, Respecting a Donation Proposed by Mr. J. H. de Magellan, of London. In: Transactions of the American Philosophical Society 2, 1786, S. xix–xxii, .Early Proceedings of the American Philosophical Society for the Promotion of Useful Knowledge, Compiled by One of the Secretaries, from the Manuscript Minutes of Its Meetings from 1744–1838. In: Proceedings of the American Philosophical Society 22(119), Part III, Juli 1885, . Die erste Preisverleihung fand am 17. Dezember 1790 statt.The American Philosophical Society: December 17, 1790: Scientific Honors. Celebrating 275 Years of Promoting Useful Knowledge. Wurde anfangs nur die Medaille verliehen, wird inzwischen zusätzlich ein Geldbetrag gezahlt. Im Jahr 1918 betrug dieser 139,25 US-Dollar (entspricht inflationsbereinigt 2014 ca. US-Dollar), im Jahr 2014 war der Preis mit 20.000 US-Dollar dotiert.International Congress of Distinguished Awards (Hrsg.): Total Money Awarded. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
mini|Preisverleihung an Lyman J. Briggs (links) und Paul R. Heyl im Jahr 1922 Das Prozedere bestand anfangs daraus, dass Autoren Texte (bspw. ein Traktat oder die Beschreibung einer Erfindung) unter Pseudonym bei der Gesellschaft einreichten, inklusive eines versiegelten Umschlags mit dem echten Namen der Person. Nur falls sich das Komitee nach der Begutachtung für eine Auszeichnung entschied, wurde der versiegelte Umschlag geöffnet, ansonsten wurde er ungeöffnet verbrannt und der Autor blieb unbekannt. Da die Erträge des Fonds in den Anfangsjahren größer waren als für die Verleihung der Medaille notwendig, entschied die Gesellschaft im Jahr 1804, eine „Extra Magellanic Premium“ mit niedrigeren Anforderungen und einer eigenen Medaille auszuschreiben.Early Proceedings of the American Philosophical Society for the Promotion of Useful Knowledge, Compiled by One of the Secretaries, from the Manuscript Minutes of Its Meetings from 1744–1838. In: Proceedings of the American Philosophical Society 22(119), Part III, Juli 1885, S. 366, . Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Preis nicht mehr für Einreichungen vergeben, sondern für eine Leistung oder das Lebenswerk einer Person in den Bereichen Navigation, Astronomie oder Naturphilosophie.Premium Conditions and Rules, Website der APS. Abgerufen am 31. Oktober 2019.
Zu Magellans Zeiten fand der internationale Handel primär mittels Seefahrt statt und es bestand großes Interesse an der Verbesserung der maritimen Navigation. In den ersten einhundert Jahren wurde der Preis in der Kategorie Navigation vor allem für Verbesserungen der Steuerung vergeben, wie die allererste Auszeichnung 1790 für einen Feder-Block, ein temporäres Ruder 1804 oder einen Steuerapparat 1809. Ausgezeichnete Erfindungen, die zu Ortsbestimmung und Routenwahl beitragen, sind eine verbesserte Seekarte, ein elektromagnetischer Kompass und Beiträge zur Astro- und Satellitennavigation. Bis 2018 wurden 12 Preise in der Kategorie Navigation verliehen.
mini|Rückseite der an Nicholas Collin 1795 verliehenen Goldmedaille Im 18. Jahrhundert umfasste die Naturphilosophie die wissenschaftliche und technische Forschung. Bis 2018 wurden 12 Preise in dieser Kategorie vergeben, für Verbesserungen an Blitzableitern 1792, einen „Schnellaufzug“ 1795, physikalische Phänomene an Hafeneinfahrten 1887 bis hin zu Erkenntnissen über die Sinnesorgane von Tieren sowie die Tanzsprache von Bienen 1956.
In der Anfang des 19. JahrhundertsAdvertisement. In: Transactions of the American Philosophical Society 4, 1799, S. vii–x, : ohne Astronomie.Conditions of the Magellanic Premium. In: Transactions of the American Philosophical Society 6, 1809, S. vii, : mit Astronomie. ergänzten Kategorie Astronomie wurde die Medaille erstmals über 150 Jahre später vergeben, 1966 für die Erkundung von Mond und Venus mit Düsenfahrzeugen.Award Categories . Website der American Philosophical Society. Abgerufen am 31. Oktober 2019. Seit der 13. Verleihung in dieser Kategorie an Sandra M. Faber 2018 wurde der Preis am häufigsten in Astronomie verliehen.
Liste der Preisträger Zwischen der Erstverleihung 1790 und dem Jahr 2026 wurden insgesamt 41 Medaillen an 46 Personen vergeben.The Magellanic Premium of the American Philosophical Society, Website der APS. Abgerufen am 29. September 2026. 2026: Mark Thiemens für Arbeiten zu masse-unabhängigen Isotopeneffekten und der zugrundeliegenden quantenmechanischen Symmetrie 2024: Barbara Wold für Arbeiten zur Genexpression 2021: Sara Seager (* 1971) für theoretische Arbeiten, die zur ersten Entdeckung einer Atmosphäre bei Exoplaneten führten 2018: Fabiola Gianotti (* 1960) für die Entdeckung des Higgs-Bosons und ihre führende Rolle in der Hochenergiephysik2018 Magellanic Premium: Fabiola Gianotti. Youtube-Kanal der American Philosophical Society, bei Minute 2:42: “The Magellanic Premium medal is engraved: for the discovery of the Higgs boson and the leadership in high energy physics.” 2018: Sandra M. Faber (* 1944) für ihre Beiträge zur Untersuchung der Entstehung und Entwicklung von Galaxien und die Faber-Jackson-Relation 2014: Alar Toomre (* 1937) in Anerkennung der 1972 mit seinem Bruder Juri veröffentlichten numerischen Simulationen der Interaktion von GalaxienAlar Toomre, Juri Toomre: Galactic bridges and tails. In: The Astrophysical Journal 178, 1972, S. 623–666, doi:10.1086/151823, . und des Toomre-Kriteriums, das angibt ob eine differentiell rotierende Scheibe von Sternen in einer Galaxie stabil istAlar Toomre: On the gravitational stability of a disk of stars. In: The Astrophysical Journal 139, 1964, S. 1217–1238, doi:10.1086/147861, . 2008: Margaret J. Geller (* 1947) in Anerkennung ihrer Beobachtungen des Universums mini|John E. Carlstrom wurde 2004 u. a. für seine Mitwirkung am South Pole Telescope ausgezeichnet. 2004: John E. Carlstrom (* 1957) für seine Rolle bei der Messung der Anisotropie der kosmischen Hintergrundstrahlung und die Betreuung der Instrumente an der Amundsen-Scott-Südpolstation 2002: Wendy Freedman (* 1957) für ihre Rolle bei der präzisen Entfernungsbestimmung von 18 nahen Galaxien mit dem Hubble-Teleskop gemeinsam mit ihrem Team 2000: S. Jocelyn Bell Burnell (* 1943) für die Entdeckung der ersten vier Pulsare im Jahr 1967, durch die sie ein seither florierendes Wissenschaftsfeld initiiert habe 1997: Bradford W. Parkinson (* 1935) und Roger Easton (1921–2014) für ihre Beiträge zum Global Positioning System, durch die sie Instrumente zur präzisen Navigation für alle verfügbar gemacht hätten 1994: Gordon H. Pettengill (1926–2021) als „einem der führenden Radioastronomen des letzten halben Jahrhunderts“ für die Erstellung der Venuskarte auf Basis der Bilder des Synthetic Aperture Radars der Raumsonde Magellan 1992: Edward C. Stone (1936–2024) als wissenschaftlicher Leiter des Voyager-Programms mini|Auszeichnung 1990 für Joseph H. Taylor: Die Abstrahlung von Gravitationswellen verringert die Umlaufdauer des Hulse-Taylor-Doppelpulsars.Daten aus: Joel M. Weisberg, Joseph H. Taylor: Relativistic Binary Pulsar B1913+16: Thirty Years of Observations and Analysis, Juli 2004, . 1990: Joseph H. Taylor (* 1941), der Einsteins Theorie der Gravitationswellen anhand des Hulse-Taylor-Doppelpulsars bestätigteJoseph H. Taylor: Testing Gravity with Binary Pulsars. In: Proceedings of the American Philosophical Society 137(3), September 1993, S. 357–363, . 1988: George C. Weiffenbach und William H. Guier und ihre Gruppe am Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University, die den Doppler-Effekt zur Erkennung des Orbits der Sputnik-Satelliten nutzten und das Satellitennavigationssystem Transit entwickeltenWilliam H. Guier, George C. Weiffenbach: Genesis of Satellite Navigation. Johns Hopkins APL Technical Digest 18(2), 1997, S. 178–181. 1984: J. Frank Jordon, Jet Propulsion Laboratory, für seine Rolle im Voyager-Programm, besonders für den Vorbeiflug der Sonden bei Jupiter, Saturn und ihren Monden 1980: Martin Lindauer (1918–2008) für seine Studien zur Orientierung und Flugnavigation von Tierenvgl. Bert Hölldobler: Martin Lindauer. In: Proceedings of the American Philosophical Society 154(4), Dezember 2010, S. 485–491, . 1975: Robert Herman (1914–1997) und Ralph A. Alpher (1921–2007) für ihre Vorhersage der kosmischen HintergrundstrahlungRalph A. Alpher, Robert Herman: Big Bang Cosmology and the Cosmic Black-Body Radiation. In: Proceedings of the American Philosophical Society 119(5), Oktober 1975, S. 325–348, . 1971: Paul M. Muller (1937–2013) und William J. Sjogren für die Erstellung einer gravimetrischen Karte des Mondes und ihre Entdeckung der Mascons, großräumige Bereiche erhöhter Gesteinsdichte unter der MondoberflächeWilliam L. Sjogren: The Evolution of Lunar Gravity Measurements. In: Proceedings of the American Philosophical Society 116(5), Oktober 1972, S. 357–361, .Paul M. Muller: Implications of the Lunar Mascon Discovery. In: Proceedings of the American Philosophical Society 116(5), Oktober 1972, S. 362–364, . 1966: William Hayward Pickering (1910–2004, Direktor des Jet Propulsion Laboratory) für die Leitung der Erkundung von Mond und Venus mit DüsenfahrzeugenWilliam Hayward Pickering: Navigating The Mariner Spacecraft to Mars. In: Proceedings of the American Philosophical Society 110(5), Oktober 1966, S. 332–339, . 1961: Edward L. Beach (1918–2002), in Anerkennung der Weltumrundung mit dem U-Boot USS TritonEdward L. Beach: The Nature of Submarining. In: Proceedings of the American Philosophical Society 105(6), Dezember 1961, S. 513–516, . 1960: Stuart William Seeley (1901–1978) für seine Arbeit an SHORAN (Short Range Navigation), eines militärischen Systems für Navigation und BombenangriffeStuart William Seeley: Shoran–A Precision Five Hundred Mile Yardstick. In: Proceedings of the American Philosophical Society 105(4), August 1961, S. 447–451, . 1959: Charles Stark Draper (1901–1987) für seine Pionierarbeit zur TrägheitsnavigationCharles S. Draper: Navigation–From Canoes to Spaceships. In: Proceedings of the American Philosophical Society 104(2), April 1960, S. 113–123, . 1956: Karl von Frisch (1886–1982) für seine Untersuchungen der Sinnesorgane von Tieren sowie der Tanzsprache von BienenKarl von Frisch: The "Language" and Orientation of the Bees. In: Proceedings of the American Philosophical Society 100(5), Oktober 1956, S. 515–519, .