mini|Emmanuel d’Hooghvorst (rechts) und sein Bruder Charles mini|Manifest wider Leon Degrelle, von Emmanuel d'Hooghvorst
Emmanuel d’Hooghvorst, mit vollem Namen Emmanuel van der Linden d’Hooghvorst, (* 30. April 1914 in Brüssel; † 17. Mai 1999 ebenda) war ein belgischer Literat, spagirischer Philosoph und Alchemist. Er war ein Schüler von Louis Cattiaux.
Familie Emmanuel d’Hooghvorst war der Sohn von Victor van der Linden d’Hooghvorst (1878–1942) und Marthe Descantons de Montblanc (1887–1978) und das älteste von sechs Kindern.Bernard Chauvière: Aperçus alchimiques. Arqa, Marseille 2015, ISBN 2-7551-0078-8, S. 76. 1939 heiratete er die Gräfin Elisabeth de Marnix de Sainte Aldegonde. Aus der Ehe stammten vier Kinder.
Leben und Wirken D’Hooghvorst besuchte das Humanistische Gymnasium Cardinal Mercier in Braine-l’Alleud, wo er Latein und Griechisch lernte. Anschließend studierte er Philosophie an der Katholischen Universität Löwen.J.-P. Deschepper, P. Seys: Chronique de l’Institut Supérieur de Philosophie. In: Revue philosophique de Louvain, Peeters Publishers, Löwen, Band 91, Nummer 92, November 1993, S. 715.Bernard Chauvière: Aperçus alchimiques. Arqa, Marseille 2015, ISBN 2-7551-0078-8, S. 76. 1935 unternahm er mit dem befreundeten Nicolas de Staël eine vierwöchige Spanien-ReiseLaurent Greilsamer, Le Prince foudroyé. La Vie de Nicolas de Staël. Fayard, Paris 1998, ISBN 2213595526, S. 64. und verbrachte danach ein Jahr in Belgisch Kongo als Goldsucher.
Im April 1936 publizierte er als katholisches Mitglied der „L’Action Nouvelle“ ein Pamphlet – J’accuse Léon Degrelle (deutsch: Ich klage Léon Degrelle an) – das die Absichten des Rexismus aufdeckte. Dort schrieb er: „Die Rex-Kampagne ist eine schauderhafte Ausnutzung volkstümlicher Leichtgläubigkeit. Doch ist es erforderlich, dass das Publikum die wahre Persönlichkeit des Anführers der Rex-Bewegung, seine letzten Absichten und die Mittel, die er zur Realisierung benutzt, erkennt.“Emmanuel d’Hooghvorst: J’Accuse Léon Degrelle. Établissements Delplace, Koch & Co, 49, Longue rue Porte aux Vaches, Antwerpen, April 1936, S. 1.Marie-Pierre d’Udekem d’Acoz: Pour le roi et la patrie. La noblesse belge dans la Résistance. Racine, Brüssel 2002, ISBN 2-87386-287-4, S. 88, 89.
Während des Spanischen Bürgerkrieges war er als Kriegskorrespondent bei der Tageszeitung La Libre Belgique tätig. Während der Zeit der deutschen Besatzung wurde er zweimal von der Gestapo inhaftiert, dann aber freigelassen.Marcel Roggemans: De Fudosi. Lulu.com, Brüssel 2002, ISBN 978-1446677056, S. 23.
Er begann, sich dem Studium klassischer Texte zu widmen, besonders dem Neuplatonismus und dem Pythagoreismus.Emmanuel d'Hooghvorst: unveröffentlichter Brief an den Professor Stéphane Feye.
Um die Heiligen Schriften aller Nationen zu studieren, schrieb sich d’Hooghvorst später an der Schule eines Rabbiners, des Philosophie-Professors Joèl Ashkenazi in Paris ein, um Hebräisch und Aramäisch zu lernen. Außerdem studierte er Arabisch an der Université Libre de Bruxelles.Bernard Chauvière: Aperçus alchimiques. Arqa, Marseille 2015, ISBN 2-7551-0078-8, S. 76, 77. Seinerseits lehrte er gratis kleine Gruppen von Freunden die Grammatik sowie Texte der hebräischen Kabbala (u. a. Auszüge aus dem Zohar von Ashlag, aus der Mishnat Hazohar von Isaiah Tishby, des Midrasch Rabba, des Midrasch Hagadol und des Talmud).
Von 1975 bis zu seinem Tod verfasste d’Hooghvorst zahlreiche Artikel sowie Abhandlungen und gab hin und wieder Konferenzen.Zum Beispiel: L’Astrologie dans l’Antiquité (Die Astrologie in der Antike), eine Konferenz, die er am 15. Dezember in der Niederlassung der Société Théosophique, in „L’Atelier“, 51, rue du Commerce, in Brüssel gab, wovon der Text wieder aufgenommen wurde in der erweiterten Ausgabe des Fil de Pénélope, Band II, Beya, Grez-Doiceau 2019, ISBN 978-2-930729-11-4, S. 361–380. Er kommentierte Texte zu unterschiedlichen Themen wie die Odyssee von Homer,Wir erinnern daran, dass seit der Antike und bis zu einer neuzeitlichen Epoche des Humanismus und des späten Humanismus die allegorische Interpretation von Homer die Norm war. Man lese z. B.: Héraclite, Allégories d’Homère, ein von Félix Buffière abgefasster und übersetzter Text, Paris: Les Belles Lettres, 1962, S. 66, Par. 60.1: „Ist es nicht genug, wenn in der gesamten Ilias der ununterbrochene Gesang der homerischen Weisheit hervortritt, somit allegorisch die Wahrheit über die Götter ausdrückend?“ die Äneide oder die Bucolica von Vergil, die Tarot-Karten, die Märchen von Perrault, die Göttliche Komödie von Dante, König Midas von Ovid, die Texte der jüdischen Kabbala und die alchemistischen Schriften. Er kommentierte dabei gemäß seiner eigenen Worte: im hermetischen Sinne, der auf einer einzigen Erfahrung basiert.
D’Hooghvorst stand u. a. im schriftlichen Austausch mit Persönlichkeiten wie Henry Corbin, Roch Boulvin, Lanza del Vasto, José Gifreda, Georges Finet, Jean Mallinger, Marcel de Corte, Alexander von Bernus und Serge Mayassis.Raimon Arola: Croire l’Incroyable, ou l’Ancien et le Nouveau dans l’histoire des Religions, Beya, Grez-Doiceau 2006, ISBN 2-9600364-7-6, S. 48.
Begegnung mit Louis Cattiaux 1949 entdeckte er das Werk Le Message Retrouvé von Louis Cattiaux, das in einer Pressekritik als ein lesenswertes Werk des Hermetismus bezeichnet wurde.Kritik von René Guénon in der Zeitschrift Études Traditionelles Nr. 270, 1948. Er nahm daraufhin Kontakt mit Louis Cattiaux aufCharles d’Hooghvorst: Louis Cattiaux, le méconnu. In: Epignôsis Initiation, Nummer 21, 1990, S. 43–72.Geneviève Dubois: Ces hommes qui ont fait l'alchimie du XXe siècle: Louis Cattiaux, Emmanuel d’Hooghvorst, José Gifreda, Henri Coton-Alvart, Henri La Croix-Haute, Roger Caro, Alphonse Jobert, Pierre Dujols de Valois, Fulcanelli, et Eugène Canseliet. Geneviève Dubois Éditions, Grenoble 1999, ISBN 2-84461-007-2, S. 9. und wurde Cattiaux’ Schüler. Es entstand eine Freundschaft mit einem lebhaften Briefwechsel. Geneviève Dubois: Ces hommes qui ont fait l’alchimie du XXe siècle: Louis Cattiaux, Emmanuel d’Hooghvorst, José Gifreda, Henri Coton-Alvart, Henri La Croix-Haute, Roger Caro, Alphonse Jobert, Pierre Dujols de Valois, Fulcanelli, et Eugène Canseliet. Geneviève Dubois Éditions, Grenoble 1999, ISBN 2-84461-007-2, S. 10–14 Im Juli 1953 verstarb Louis Cattiaux unerwartet. Ab 1954 veröffentlichte Emmanuel d’Hooghvorst in der Schweizer Zeitschrift Inconnues einen Artikel mit dem Titel: Le Message prophétique de Louis Cattiaux (deutsch: Die prophetische Botschaft von Louis Cattiaux). Die Brüder Emmanuel und Charles d’Hooghorst veröffentlichten im Jahr 1956 die vollständige Ausgabe von Cattiaux’ Werk Le Message Retrouvé, da die erste Ausgabe von 1946 nur 12 der 40 aus Versen bestehenden Kapitel enthielt.Raimon Arola: Croire l’Incroyable, ou l’Ancien et le Nouveau dans l’histoire des Religions, Éditions Beya, Grez-Doiceau Juni 2006, ISBN 2-9600364-7-6, S. 12.
Ein Großteil des umfangreichen Briefwechsels mit Cattiaux wurde von d’Hooghvorst als Blütenlese in der belgischen Zeitschrift Le Fil d’Ariane veröffentlicht. Er ordnete und betitelte sie nach Themen (nicht chronologisch) unter der Bezeichnung Florilège Cattésien. Der spanische Professor Raimon Arola publizierte 1999 die gesamte Blütenlese, zunächst in kastilischer Übersetzung in Tarragona, 2006 erneut unter dem Titel Florilegio Epistolar, Reflejos de una busqueda alquimica (deutsch: Briefwechsel-Blütenlese, Widerspiegelung einer alchemistischen Suche).Louis Cattiaux: Florilegio Epistolar, Reflejos de una busqueda alquímica. Arola Editors, Tarragona März 1999. 2006 wurde dieses Werk auch in französischer Sprache aufgelegt.Raimon Arola: Croire l’Incroyable, ou l’Ancien et le Nouveau dans l’histoire des Religions, Éditions Beya, Grez-Doiceau Juni 2006, ISBN 2-9600364-7-6, S. 239, 240.
Schriftsteller und Übersetzer mini|Plakat, welches 1998 das Erscheinen des Fil de Pénélope Band II ankündigt.
D’Hooghvorst veröffentlichte ab 1951 zahlreiche Artikel über Le Message Retrouvé.Emmanuel d’Hooghvorst: Le Message Retrouvé. In Les Cahiers trimestriels Inconnues, Pierre Genillard, Lausanne 1951, Nummer 6, S. 3–54. In seinem Essai sur l’Art d’Alchymie setzte er sich kritisch mit zahlreichen Büchern über Alchemie und deren Verfassern auseinander:
D’Hooghvorst setzte außerdem seine Studien authentisch originaler hermetischer und alchemistischer Abhandlungen fort. Um die Texte dieser bis auf wenige Ausnahmen üblicherweise auf Griechisch oder Latein verfassten AbhandlungenBezüglich der griechischen Abhandlungen, vergleiche M. Berthelot: Collection des Alchimistes grecs, Georges Steinheil, Paris 1888 (die drei Bände ergeben zusammen 1219 Seiten), oder die Bände Les Alchimistes grecs, Les Belles Lettres, Paris, ISBN 2-251-00448-3|2-251-00478-5. Bezüglich der lateinischen Abhandlungen ist da vor allem das Theatrum chemicum, Zetzner, Straßburg 1659 (6 Bände) und die Bibliotheca chemica curiosa des Dr. Manget, Detournes & Co, Genf, 1702 (die beiden Bände ergeben 2242 Seiten). Diese Aufzählung ist weit davon entfernt erschöpfend zu sein; siehe z. B. Jacques van Lennep, Alchimie, Crédit Communal de Belgique, Brüssel 1984, 448 S. einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, veröffentlichte er 1955 in der Zeitschrift Inconnues seine eigene französische Übersetzung des Kapitels IV von Hydrolithus Sophicus seu Aquarium Sapientium (deutsch: Das Aquarium der Weisen), welches Johann Ambrosius Siebmacher zugeschrieben wird. Durch seine Anregung und Unterstützung wurde dieses Werk 1989 beim Verlag La Table d’Émeraude in Paris veröffentlicht.Claude Froidebise (Übersetzer): La Pierre Aqueuse de Sagesse ou l’Aquarium des Sages, La Table d’Émeraude, Paris 1989, ISBN 2-903965-14-5, S. 8. Im Vorwort schrieb d’Hooghvorst:
1958 verfasste er die Einführung zu Traité du Ciel terrestre von Eugenius Philalethes (alias Thomas Vaughan), den sein Freund Armand Deruyt zuvor für die Zeitschrift Inconnues übersetzt hatte.Siehe Didier Kahn, Einführung in: T. Vaughan: L’Art hermétique à découvert, J.-C. Bailly, Paris 1989, ISBN 2-86554-019-7, S. 9. Das Werk erschien in zwei Teile gegliedert 1958 und 1960. Diese Einführung wurde wenige Tage nach d’Hooghvorsts Tod unverändert von Clément Rosereau in seiner Ausgabe der Œvres Complètes de Thomas Vaughan übernommen.Thomas Vaughan: Œuvres Complètes, La Table d’Émeraude, Saint-Leu-la-Forêt 1999, ISBN 2-903-965-50-1, S. III.
Seine deutlich „kabbalistische“ Herangehensweise an den Roman Don Quichotte von Miguel Cervantes inspirierte die Cervantes-Studie von Pere Sánchez Ferré, mit dem Untertitel Cábala y alquimia en el Quijote (deutsch: Kabbala und Alchemie im Quijote), die dieser Emmanuel d’Hooghvorst widmete.Pere Sánchez Ferré: El Caballero del oro fino, MRA, Barcelona 2002, ISBN 84-88865-69-4, S. 5.
D’Hooghvorsts Artikel wurden regelmäßig in der 1977 von Jean-Marie d’Ansembourg gegründeten, religiöse und hermetische Themen behandelnden Zeitschrift Le Fil d’Ariane (deutsch: Der Faden der Ariadne) veröffentlicht. Er schrieb ebenfalls für die spanische Zeitschrift La Puerta, Retorno à las fuentes traditionales sowie für die von 1977 bis 1986 erschienene französische alchemistische Zeitschrift La Tourbe des Philosophes. Das Manuskript seines letzten Werkes in Form von poetischen Sentenzen mit dem Titel Les Aphorismes du Nouveau Monde (deutsch: Die Aphorismen der Neuen Welt) lieferte er kurz vor seinem Tode ab.
Rezeption