Ernst Niefenthaler (* 31. Dezember 1894 in Bürchau; † 17. August 1970 ebenda) war ein alemannischer Mundartdichter.siehe LeoBW
Leben Niefenthaler war der Sohn eines Bergbauern und seine Ausbildung erhielt er in einer einklassigen Dorfschule. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg arbeitete er weiter auf dem Bauernhof und begann nebenbei zu dichten, wobei er alsbald von Hochdeutsch zum Dialekt wechselte. Johann Peter Hebel war sein Idol. 1920 heiratete er Marie Asal, mit der er fünf Kinder hatte, wovon aber zwei im Kindesalter und zwei im Krieg 1944/45 starben. 1926 wurde er in den Gemeinderat gewählt und wirkte dort bis 1945 mit.siehe Paul S. 147 Zum 1. März 1932 trat Niefenthaler der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 966.703).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/30561508Jürgen Sutter: Generation „Blut und Boden“? Zum Verhältnis alemannischer Dialektdichter zur NSDAP. In: Badische Heimat, Heft 1/2026, S. 101–108
Eine Plattform für erste Lesungen fand Niefenthaler u. a. im Hertinger Hebelschoppen. Erste Veröffentlichungen erfolgten in den lokalen Zeitungen und deren Beilagen, wie Feldbergs Töchterlein, der Sonntagsbeilage des Markgräfler Tagblatts. 1954 wurde im Verlag Moritz Schauenburg Niefenthalers erster Gedichtband, Dr Weg berguf. Alemannische Gedichte, veröffentlicht, der 1978 eine zweite erweiterte Auflage erlebte. Er erhielt 1960 von der Gemeinde Hausen für seine Dichtkunst als erster die Johann-Peter-Hebel-Plakette. Die feierliche Verleihung dieser Auszeichnung für besondere Verdienste um die Region am Oberrhein, sei es durch künstlerisches Schaffen (Schriftsteller, Dichter, Maler, Musiker) oder auf dem Gebiet der Denkmal- und Heimatpflege erfolgt jeweils am Hebelabend (dem Samstag vor dem 10. Mai) in Hausen im Wiesental. Niefenthaler trug von 1948 bis 1969 an den Hebelabenden seinen Prolog vor. Eine Sammlung dieser Prologe wurde 1965 vom Heimatbund Kleines WiesentalDer Heimatbund Kleines Wiesental ging 1969 im Geschichtsverein Markgräflerland auf. Siehe Mitteilung in der Zeitschrift Das Markgräflerland Digitalisat der UB Freiburg publiziert. 1967 folgte – ebenfalls im Verlag Schauenburg – ein weiterer Gedichtband, Hinterem Pflueg, der 1981 ebenfalls nochmals aufgelegt wurde.
Ehrungen Er erhielt 1960 von der Gemeinde Hausen für seine Dichtkunst als erster die Johann-Peter-Hebel-Plakette. 1964 wurde er Ehrenbürger der damals noch selbständigen Gemeinde Bürchau.siehe Paul S. 149 Digitalisat der UB Freiburg 1969 widmete die Muettersproch-Gsellschaft das Heft 5 ihrer Zeitschrift Ernst Niefenthaler. Im gleichen Jahr wurde er Ehrenmitglied des Schwarzwaldvereins Schopfheim und des Geschichtsverein Markgräflerland.Aus der Chronik des Vereins. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1970, S. 69 Digitalisat der UB Freiburg Eine Station auf dem Feldberger Dichterwegli ist Niefenthaler gewidmet. In Schopfheim-Langenau wurde die Niefenthalerstraße nach ihm benannt.
Werk Dr Weg berguf. Alemannische Gedichte. Nachwort von Emil Imm. Verlag Moritz Schauenburg, Lahr/Schwarzwald 1955 67 S. (Silberdistel-Reihe 14); 2., erweiterte Auflage 1978 Heimatbund Kleines Wiesental (Herausgeber): Prologe zu den Hebelabenden. Uehlin, Schopfheim 1965. 43 S. Hinterem Pflueg. Verlag Moritz Schauenburg, Lahr/Schwarzwald 1967. 81 S. Ill. (Silberdistel-Reihe 110); 2. Auflage 1981 Karl Seith zum Gedenken (Gedicht), In: Das Markgräflerland, Heft 2/1968, S. 53 (Digitalisat der UB Freiburg) Dr Summervogel (Gedicht). In: Das Markgräflerland, Heft 1/1969, S. 57 Digitalisat der UB Freiburg Dr Bur im Volch (Gedicht). In: Das Markgräflerland, Heft 2/3 1969, S. 79 Digitalisat der UB Freiburg Zuem 70. Geburtstag (Gedicht). In: Alemannisch dunkt üs guet. Zeitschrift der Muettersproch-Gsellschaft, Ausgabe 1/2015, S. 27 pdf; abgerufen am 27. Oktober 2019
Literatur Peter Hendrik Paul: Freundeskreis Philipp Flettner – Ernst Niefenthaler e.V., Bürchau. In: Das Markgräflerland, Band 2/1998, S. 146–152 Digitalisat der UB Freiburg Ludwig Vögely: Gedenkblatt für Ernst Niefenthaler : 1894–1970. In: Badische Heimat. – 75. 1995, S. 495–501 BLB Karlsruhe Gerhard Jung: Ernst Niefenthaler. Bauer und Mundartdichter (1894–1970). In: Das Markgräflerland, Heft 1/1985, S. 150–152 Digitalisat der UB Freiburg Gerhard Jung: Ernst Niefenthaler. In: Badische Heimat, Heft 2/1985, S. 466–468 BLB Karlsruhe Kurt Ückert: Der Bauerndichter Ernst Niefenthaler – ein Lebenslauf, 1973 Gerhard Jung: An Ernst Niefenthaler zum "Fünfundsiebzigsten." In: Das Markgräflerland, Heft 2/3 1970, S. 148–149 Digitalisat der UB Freiburg Fritz Schülin: Ernst Niefenthaler zum Fünfundsiebzigsten an Silvester d.J. In: Das Markgräflerland, Heft 2/3, 1969, S. 78 Digitalisat der UB Freiburg
Weblinks
Eintrag Niefenthaler Ernst auf alemannische-seiten.de; abgerufen am 26. Oktober 2019 Muetterspröchler widmen sich Ernst Niefenthaler. In: Badische Zeitung vom 27. März 2013
Einzelnachweise
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