Die Westeuropaliga des FEI-Dressurweltcups 2019/2020 (FEI Dressage World Cup™ 2019–2020, Western European League) war die 35. Saison der west- und mitteleuropäischen Liga des FEI-Weltcups der Dressurreiter. Der Weltcup gilt im Bereich der Westeuropaliga als wichtigste Turnierserie in der Hallensaison.
Ablauf der Turnierserie Die einzige Änderung im Vergleich zur Vorsaison war die Rückkehr der Göteborg Horse Show als Etappe der Westeuropaliga. Im Frühjahr 2019 war in Göteborg das Weltcupfinale ausgerichtet worden. Damit waren in der Saison 2019/2020 insgesamt elf Etappen vorgesehen.
Alle Turniere der Westeuropaliga waren als CDI ausgeschrieben. Gekennzeichnet wurden sie mit dem Zusatz -W (also CDI-W), um sie als Weltcupturniere kenntlich zu machen. Die erste Wertungsprüfung stand am 20. Oktober 2019 an, der Abschluss der Liga hätte am 15. März 2020 erfolgen sollen. Die Qualifikation für das Weltcupfinale 2020 hätten die besten neun Reiter der Westeuropaliga sowie eventuelle Zusatzteilnehmer („extra competitors“) errungen. „Analytics Sponsor“ des Dressurweltcups war der Softwarehersteller SAP.
Der Modus der Etappen wurde beibehalten: Mit Ausnahme der Etappe von London diente der Grand Prix de Dressage als Einlaufprüfung für die Grand Prix Kür. Eine maximale Anzahl der Teilnehmer des Grand Prix war durch das Weltcupreglement nicht festgelegt. Aus dem Grand Prix waren für die Grand Prix Kür die 15 bestplatzierten Teilnehmer startberechtigt. Ausschließlich die Grand Prix Kür zählte als Wertungsprüfung für die Westeuropaliga.FEI Dressage World Cup Rules Season 2019-2020, Approved 17.11.2018 (mark-up version)
Die Prüfungen Herning Das dritte Jahr in Folge fand im Rahmen von World Cup Herning der Auftakt zur Westeuropaliga statt. Austragungsort des Turniers, welches vom 16. bis 20. Oktober 2019 durchgeführt wurde, war die Jyske Bank Boxen in Herning.
Das Vorjahres-Siegerpaar, Daniel Bachmann Andersen und sein Hengst Zack, gingen in der Kür als fünfletztes Paar an den Start. Sie waren die ersten, die die 80-Prozent-Marke überwanden (80,485 Prozent, Platz fünf). Doch waren sie mit diesem Ergebnis nur das zweitbeste dänische Paar. Cathrine Dufour trat gleich als nächste Starterin mit ihrem 9-jährigen Westfalen Bohemian an. Der Wallach hatte bereits im Sommer beim CHIO Aachen überzeugt, als er die CDIO 5*-Kür dort mit über 85 Prozent auf Rang vier abschließen konnte. In Herning konnte sich das Paar nochmals steigern: Die Richter vergaben bereits in der A-Note Wertungen von 81,250 % bis 84,500 %. Ergänzt um die B-Note kam Dufour 88,190 Prozent – ein Ergebnis, das keines der nachfolgenden Paare mehr überbieten konnte.
Eine Steigerung ihrer Leistungen gelang auch Benjamin Werndl und seinem Rappwallach Daily Mirror. Werndl, der 2019 erstmals am Weltcupfinale teilgenommen hatte, erzielte hier ein neues individuelles Grand-Prix-Kür-Bestergebnis. Daily Mirror erhielt unter anderem im starken Schritt Noten bis hin zur 10,0, ihr Endergebnis betrug 84,545 %. Helen Langehanenberg. die als vorletzte Starterin folgte, schloss mit Damsey FRH auf Rang drei ab (83,360 %). Gerade diese Entscheidung war jedoch eng, das letzte Starterpaar kam mit nur 0,040 Prozent weniger auf Rang vier: Severo Jurado Lopez stellte Fiontini vor. Die 9-jährige Stute hatte in den Jahren 2015 bis 2017 die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde ihrer Altersklasse gewonnen. Für die Stute war die Weltcupetappe erst der zweite internationale Turnierstart auf Grand-Prix-Niveau.Herning: Weltcup-Etappe an Cathrine Dufour und Bohemian, Laura Becker / St. Georg, 20. Oktober 2019
ReiterPferdProzentErgebnis Weltcupkür Herning 2019Wertungs-punkte1 Bohemian 88,190 % 202 Daily Mirror 84,545 % 173 Damsey FRH 83,360 % 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 15 Teilnehmern)
Lyon Die zweite Etappe der Westeuropaliga des Dressurweltcups wurde in Frankreich durchgeführt, konkret in der Eurexpo in Lyon. Die Dressurprüfungen des Turniers Equita Lyon, welches vom 30. Oktober bis 3. November 2019 ausgetragen wurde, standen bereits am Donnerstag und Freitag auf dem Programm.
In der Einlaufprüfung, dem Grand Prix de Dressage, gewann Charlotte Dujardin mit zwei Prozent Vorsprung vor Isabell Werth und Jessica von Bredow-Werndl. In der Weltcupkür hingegen wurde das Ergebnis völlig durcheinander gewürfelt: Jessica von Bredow-Werndl unterliefen mit ihrer 15-jährigen Stute Zaire-E Fehler in den Traversalen und in den Galoppwechsel-Touren, die ihre A-Note deutlich nach unten drückte, ein Gesamtbewertung von 76,455 Prozent brachte ihr Rang sieben. Deutliche Pluspunkte insbesondere in der B-Note sammelte Frederic Wandres mit dem Hannoveraner Duke of Britain, mit knapp über 80 Prozent reihten die Richter das Paar auf Rang drei ein.
Isabell Werth hatte bei der Auslosung der Startreihenfolge weniger Glück, ihr wurde der erste Startplatz der besten fünf aus dem Grand Prix zugelost. Doch sie nutzte ihre Chance, mit ihrem 13-jährigen Westfalen Emilio sammelte sie 9er- und 10er-Noten für Pirouetten, Piaffe und sämtliche Anforderungen der B-Note, so dass sie ihre Vorjahres-Siegeswertung nochmals um gut drei Prozent steigern konnte. Für Emilio stellten 87,090 Prozent einen neuen Bestwert dar.
Charlotte Dujardins 10-jährige Stute Freestyle, die zum Abschluss der Prüfung an den Start ging, tat sich am Tag der Kür mit der Atmosphäre der Halle von Lyon schwer. Dujardin und Freestyle zeigen eine hochklassige Kür, doch mit 83,925 Prozent lagen sie an diesem Tag deutlich hinter Werth, die damit wie im Vorjahr gewann.Lyon: Isabell Werth und Emilio mit deutlichem Kür-Sieg vor Dujardin und Freestyle, Dominique Wehrmann / St. Georg, 1. November 2019
ReiterPferdProzentErgebnis Weltcupkür Lyon 2019Wertungs-punkte1 Emilio 87,090 % –2 Freestyle 83,925 % 203 Duke of Britain 80,015 % 17 (Plätze eins bis drei von insgesamt 14 Teilnehmern)
Stuttgart Zwei Etappen führen die Westeuropaliga nach Deutschland, die erste hiervon ist Teil der Stuttgart German Masters. Dieses Turnier fand vom 13. bis 17. November 2019 in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart statt.
Nachdem der Ritt von Judy Reynolds im Grand Prix de Dressage unglücklich verlaufen war, bekam sie für die Weltcupkür am Samstagnachmittag den ersten Startplatz zugelost. Hier konnte sie mit ihrem Wallach Vancouver K an das gewohnte Leistungsniveau anknüpfen und erhielt eine Wertung von 80,755 Prozent. Diese Führung hielt die gesamte erste Hälfte des Starterfeldes an, die Prüfung schloss sie auf dem sechsten Platz ab. Charlotte Fry war die einzige nicht-deutsche Starterin in der zweiten Hälfte des Teilnehmerfeldes. Ohne wirkliche Schwächen mit konstantem Notenniveau kam sie mit ihrem 11-jährigen Wallach Dark Legend auf 78,740 Prozent (Platz acht).
Frederic Wandres erhielt mit Duke of Britain wie bereits in Lyon knapp über 80 Prozent, aufgrund der hohen Leistungsdichte in Stuttgart reichte dies hier jedoch nur zu Rang sieben. Helen Langehanenberg mit Damsey und Dorothee Schneider mit Sammy Davis jr. gingen direkt hintereinander an den Start und wurden von den Richtern auch leistungsmäßig gleichauf bewertet. Für Langehanenberg reichte es knapp zu Rang drei mit 83,735 Prozent, Schneider kam mit 83,395 Prozent auf den vierten Platz. Benjamin Werndl verlor mit Daily Mirror in der Rechtstraversale Punkte, eine ansonsten gelungene Kür brachte ihnen fast 81 Prozent und damit Rang fünf.
Anschließend eröffnete seine Schwester als vorletzte Starterin das Schlussduell: Mit ihrer Stute Dalera konnte Jessica von Bredow-Werndl an ihren Bronzemedaille bei den Europameisterschaften anknüpfen, für eine harmonische und in den Lektionen gelungene Kür erhielt sie eine Wertung von 88,440 Prozent. Letztes Paar waren Isabell Werth und ihre Rappstute Weihegold. Auch dieses Paar zeigten eine Kür auf höchstem Niveau, mit kleinen Fehlern reihte sich Werth mit 87,240 Prozent auf Rang zwei ein.Stuttgart: Jessica von Bredow-Werndl klar vor Isabell Werth in der Weltcup-Kür, Dominique Wehrmann / St. Georg, 16. November 2019
ReiterPferdProzentErgebnis Weltcupkür Stuttgart 2019Wertungs-punkte1 TSF Dalera BB 88,440 % 202 Weihegold OLD 87,240 % –3 Damsey FRH 83,735 % 17 (Plätze eins bis drei von insgesamt 15 Teilnehmern)
Madrid Zum zweiten Mal machte die Westeuropaliga Station in der Hauptstadt Spaniens: Die Madrid Horse Week fand vom 28. November bis 1. Dezember 2019 statt. Durchgeführt wurde das Hallenreitturnier in der Feria de Madrid.
Mit einem Preisgeld von 50.000 Euro zählte die Weltcupkür von Madrid zu den höchstdotierten Weltcupetappen. Dass dennoch viele der Topreiter in Madrid fehlten, lag neben dem langen Anreiseweg von Mitteleuropa aus vor allem an der zeitgleich stattfindenden Stockholm Horse Show. Im Rahmen dieses CDI 5*-Turniers wurden beim Top Ten Finale, einer Grand Prix Kür, umgerechnet über 200.000 Euro Preisgeld ausgeschüttet.
Nachdem Beatriz Ferrer-Salat ihr Vorjahres-Siegerpferd, den nun 18-jährigen Delgado, nicht mehr an den Start brachte, war der Vorjahreszweite Claudio Castilla Ruiz der beste spanische Teilnehmer in der Weltcupkür von Madrid. Mit knapp über 80 Prozent sicherte er sich zusammen mit seinem Lusitano-Fuchshengst Alcaide erneut den zweiten Rang. Einzige deutsche Teilnehmerin in der Prüfung war Dorothee Schneider. Zwei Wochen nach Stuttgart brachte sie ihren Rappwallach Sammy Davis jr. an den Start. Das Paar leistete sich einzelne Schwächen, konnte jedoch über die Prüfung hinweg überzeugen. Mit einer Endnote von über 82 Prozent sicherte Schneider sich den Sieg.Dorothee Schneider holt maximale Weltcup-Punkte, Alexandra Koch / Reiter Revue International, 30. November 2019
ReiterPferdProzentErgebnis Weltcupkür Madrid 2019Wertungs-punkte1 DSP Sammy Davis jr. 82,295 % 202 Alcaide 80,230 % 173 Zanardi 78,350 % 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 13 Teilnehmern)
Salzburg Anfang Dezember stand Österreichs Etappe der Westeuropaliga an: Das Weltcupturnier von Salzburg, die Amadeus Horse Indoors, wurden vom 4. bis 8. Dezember 2019 ausgerichtet. Die Grand Prix Kür in wurde am Abschlusstag ab 11 Uhr in der Salzburgarena durchgeführt.
Die Weltcupkür von Salzburg war mit über 36.000 Euro hoch dotiert, Österreich und Deutschland stellten mit vier bzw. drei Reitern die größten Aufgebote. Das beste österreichische Ergebnis erzielte Victoria Max-Theurer mit dem 11-jährigen Oldenburger Benaglio. Hatten beide in Herning und Stuttgart mit Ergebnissen von um 76 Prozent noch eher mittlere bis hintere Plätze belegt, konnten sie sich beim heimischen Weltcup spürbar steigern. Mit 78,525 Prozent kamen sie auf Rang drei. Knapp dahinter lagen Helen Langehanenberg und Annabelle mit einem Ergebnis von 78,150 Prozent. Die 11-jährige Holsteiner Stute hatte gut ein Jahr zuvor ihren ersten internationalen Grand Prix bestritten, in Salzburg folgte nun der erste Auftritt in der Westeuropaliga.
Benjamin Werndl trat in der Weltcupkür mit Daily Mirror, mit dem er hier ein Jahr zuvor gewonnen hatte, an. Werndl gelang es, sein in Herning erzieltes Bestergebnis nochmals knapp zu übertrumpfen. Doch der Sieg ging, mit gut einem Prozent Vorsprung, wie in Lyon an Isabell Werth und den 13-jährigen Westfalen Emilio.
ReiterPferdProzentErgebnis Weltcupkür Salzburg 2019Wertungs-punkte1 Emilio 85,905 % –2 Daily Mirror 84,705 % 203 Benaglio 78,525 % 17 (Plätze eins bis drei von insgesamt 13 Teilnehmern)
London Die einzige Wertungsprüfung der Westeuropaliga auf den britischen Inseln fand kurz vor den Weihnachtstagen statt: Die Olympia London International Horse Show wurde vom 16. bis 22. Dezember 2019 in der Olympia Grand Hall ausgetragen. Die Dressurprüfungen wurden hierbei gleich an den ersten beiden Turniertagen durchgeführt, die Grand Prix Kür stand am Abend des 17. Dezember auf den Programm.