mini|hochkant|Münze des Eumenes II. Eumenes II. (; * vor 221 v. Chr.; † 158 v. Chr.) war von 197 v. Chr. bis zu seinem Tod König von Pergamon aus dem Geschlecht der Attaliden. Als Bundesgenosse unterstützte er das Römische Reich im Krieg gegen den Seleukidenkönig Antiochos III. und erhielt im Frieden von Apameia 188 v. Chr. fast das gesamte seleukidische Kleinasien bis zum Taurus. Dies bedeutete eine starke territoriale Erweiterung des Pergamenischen Reichs. Im Krieg gegen die Galater und König Prusias I. von Bithynien (188–183 v. Chr.) konnte Eumenes II. seine Machtstellung mit römischer Hilfe behaupten. Auch im Dritten Römisch-Makedonischen Krieg (171–168 v. Chr.) kämpfte er auf römischer Seite gegen den Makedonenkönig Perseus. Dennoch entzweite er sich mit den Römern, die ihn gegen seine Brüder auszuspielen versuchten, was an deren innerfamiliärer Loyalität scheiterte.
Unter Eumenes II. erlebte das Pergamenische Reich eine Blütezeit. Pergamon entwickelte sich zu einem Kulturzentrum der hellenistischen Welt und war Sitz einer bedeutenden Bibliothek; Eumenes II. ordnete den Bau des monumentalen Pergamonaltars an, stiftete das Siegesfest der Nikephoria und trat als Förderer der griechischen Kultur durch Stiftungen an Athen, Delphi und Rhodos auf.
Leben Abstammung und frühe Regierungszeit Eumenes II. war der älteste Sohn des Attalos I. und der Apollonis. Seine Brüder waren Attalos II., der ihm 158 v. Chr. in der Herrschaft folgen sollte, sowie Athenaios und Philetairos. Sein Vater Attalos I. schloss als Erster seiner Dynastie ein Bündnis mit den Römern, kämpfte mit ihnen gegen König Philipp V. von Makedonien und erreichte hierbei territoriale Erweiterungen seines Reichs. 197 v. Chr. wurde Eumenes II. Koregent seines Vaters, übernahm nach dessen baldigem Tod die Alleinherrschaft und setzte die romfreundliche Politik seines Vaters fort. Er trat auch für die Freiheit der Griechen ein und wurde stets von seinem Bruder Attalos energisch unterstützt. Nach der Niederlage Philipps V. in der Schlacht von Kynoskephalai (Juni 197 v. Chr.) drohte Eumenes II. neue Gefahr vom Seleukidenkönig Antiochos III., der den Thronwechsel im Pergamenischen Reich nutzte, um die von Attalos I. erworbenen ionischen und hellespontischen Städte zu besetzen. So konnte Eumenes II. anfangs nur über ein kleines Reich herrschen. Auch die von den Pergamenern eroberten Städte Oreos und Eretria, die nach dem Plan einer Senatskommission als Dank für die von Attalos I. den Römern geleisteten Hilfe in pergamenischen Besitz hätten bleiben sollen, wurden stattdessen auf die Initiative des philhellenisch gesinnten Feldherrn Titus Quinctius Flamininus für frei erklärt. Immerhin durfte Eumenes II. die von seinem Vater erworbenen Inseln Andros und Aigina behalten.Titus Livius, Ab urbe condita 33,34; Polybios, Historíai 18,47,10. 195 v. Chr. unterstützte er mit seiner Flotte Flamininus im Kampf gegen den Spartanerkönig Nabis. Er nahm an der erfolgreichen Belagerung von Gytheion teil und wirkte später bei den Verhandlungen mit Nabis mit, ebenso beim nach dessen Kapitulation abgeschlossenen Waffenstillstand.Livius, Ab urbe condita 34,26; 34,29 f.; 34,35. Er erhielt einen Anteil an der Beute und finanzierte daraus ein Weihgeschenk für die Göttin Athena Nikephoros.
Um 195 v. Chr. bot Antiochos III., als sich sein Konflikt mit Rom abzeichnete, mehrere seiner Töchter den Königen Ptolemaios V. von Ägypten, Ariarathes IV. Eusebes von Kappadokien und Eumenes II. von Pergamon als Gattinnen zwecks des Abschlusses von Heiratsallianzen an.Appian, Syriake 5,18. Während die beiden erstgenannten Könige darauf eingingen, schlug Eumenes II. – entgegen dem Rat seiner Brüder Attalos und Philetairos und trotz Antiochos’ Versprechen der Rückgabe mehrerer den Pergamenern abgenommener Städte – das Bündnis mit dem Seleukidenkönig aus. Vielmehr setzte er weiter auf seine Allianz mit Rom. Dies war eine Abkehr von der bisherigen pergamenischen Außenpolitik bezüglich der Seleukiden und eine riskante Strategie, weil Eumenes II. darauf bauen musste, dass die Römer einen Krieg gegen Antiochos III. führen und gewinnen würden, denn andernfalls drohte seinem Reich die Vernichtung durch den Seleukidenkönig.Esther V. Hansen: The Attalids of Pergamon. 2. Auflage 1971, S. 76 f.; John D. Grainger: The Roman War of Antiochos the Great. Leiden 2002, S. 109. Laut den antiken Geschichtsschreibern Titus Livius und Appian wollte Eumenes II. lieber als autonomer, mit Rom verbündeter König in Anatolien regieren als ein Vasall von Antiochos III. zu sein.Livius, Ab urbe condita 35,13,9; Appian, Syriake 5,20.
Rolle im Syrisch-Römischen Krieg Am letzten Krieg gegen Nabis (192 v. Chr.) nahm auch Eumenes II. teil. Im gleichen Jahr reiste in seinem Auftrag sein Bruder Attalos nach Rom, um der aufstrebenden Weltmacht zu melden, dass Antiochos III. mit einer Armee den Hellespont überschritten habe und die Aitoler sich vorbereiteten, bei seiner Ankunft unter Waffen zu stehen. Die Römer sprachen Eumenes II. und seinem Bruder ihren Dank aus und versprachen ihnen Geschenke.Livius, Ab urbe condita 35,23,10; dazu Christian Marek: Geschichte Kleinasiens in der Antike. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59853-1, S. 287. Kurz vor Ausbruch des Römisch-Syrischen Kriegs segelte Eumenes II. mit einem Geschwader nach Chalkis, der Hauptstadt der griechischen Insel Euböa, um es vor den mit Antiochos III. verbündeten Aitolern zu schützen. Im Euripos traf er mit dem römischen Feldherrn Flamininus zusammen und begab sich auf dessen Aufforderung nach Athen, dessen Loyalität zweifelhaft war.Livius, Ab urbe condita 35,39. Inzwischen verstärkten 500 Pergamener und ein achäisches Kontingent die Besatzung von Chalkis, kapitulierten aber im Herbst 192 v. Chr. beim Heranrücken des Antiochos III. mit seiner Hauptmacht gegen freien Abzug, sodass der Seleukidenkönig ganz Euböa gewann.Livius, Ab urbe condita 35,46 ff.
Eumenes II. weilte zu Beginn des Jahres 191 v. Chr. in seinem Flottenstützpunkt bei Aigina und war unschlüssig, ob er zum Schutz seines von Antiochos III. bedrohten Reichs heimkehren oder weiter mit den Römern in Griechenland kämpfen sollte. Etwa zur Zeit der Schlacht bei den Thermopylen (April 191 v. Chr.), in der Antiochos III. eine entscheidende Niederlage erlitt und infolgedessen aus Griechenland abziehen musste, kam der römische Admiral Gaius Livius Salinator in Korkyra an und traf dann im Piräus auf die römische Flotte. Nun stieß Eumenes II. zunächst mit drei Schiffen zu ihm, während seine Hauptflotte in Elaia ankerte. Zu dieser kehrte er zurück und führte dann dem Geschwader des Livius Salinator bei Phokaia 24 pergamenische Deckschiffe und noch mehr kleinere Schiffe zu. Die Verbündeten gewannen im Herbst 191 v. Chr. beim zwischen Chios und Ephesos gelegenen Berg Korykos eine Seeschlacht gegen eine seleukidische Flotte.Livius, Ab urbe condita 36,42-45; Appian, Syriake 22. Dann kehrte Eumenes II. in seine Heimat zurück und unternahm im Winter 191/190 v. Chr. mit römischen Truppen des Livius Salinator nahe Thyatira einen Raubzug.Livius, Ab urbe condita 37,8.
Anfang 190 v. Chr. wollten die Römer den Krieg nach Kleinasien hinübertragen, und Eumenes II. begleitete den Livius Salinator zum Hellespont, wo sie Vorbereitungen für den Übergang der römischen Streitkräfte trafen. Nach der Kapitulation von Sestos belagerten sie Abydos, erfuhren aber von der Niederlage des mit ihnen verbündeten rhodischen Admirals Pausistratos, woraufhin Livius Salinator in die Gewässer von Samos zurückkehrte. Eumenes II. segelte inzwischen nach Elaia, schloss sich dann aber erneut den Römern an und fuhr mit ihnen nach Samos, wo bald auch eine rhodische Flotte landete. Mit ihren vereinten Seekräften segelten sie nach Ephesos und versuchten hier den Feind vergeblich zur Austragung einer Schlacht zu bewegen, woraufhin sie umkehrten.Livius, Ab urbe condita 37,9–13; Appian, Syriake 25. Lucius Aemilius Regillus, der als neuer römischer Flottenkommandant Livius Salinator abzulösen hatte, traf bald darauf in Samos ein und besprach im Kriegsrat das weitere Vorgehen. Hier widerriet Eumenes II. dem Vorschlag von Livius Salinator, den Hafen von Ephesos zu sperren. Dennoch suchte Aemilius Regillus diesen Plan umzusetzen, scheiterte aber dabei. Eumenes II. begleitete dann den römischen Admiral bei dessen Expedition gegen die lykische Stadt Patara, die erobert werden sollte; letztlich musste Aemilius Regillus aber auch dieses Vorhaben fallenlassen.Livius, Ab urbe condita 37,15; 37,17.
Inzwischen hatte Antiochos’ Sohn Seleukos IV. nach einem vergeblichen Angriff auf die Hafenstadt Elaia mit seinen Truppen pergamenisches Gebiet verheert und mit der Belagerung der Hauptstadt Pergamon begonnen. Attalos leitete die Verteidigung der Metropole. Eumenes II. begab sich deshalb rasch nach Elaia und von dort mit einer Streitmacht zu seiner Hauptstadt, in die er trotz der seleukidischen Belagerungstruppen hineinzugelangen vermochte. Doch auch Antiochos III. war bereits plündernd in das pergamenische Reich eingefallen. Als der Seleukidenkönig vernahm, dass römische und rhodische Geschwader bei Elaia angekommen waren und das Heer des mit dem Oberbefehl gegen Antiochos III. betrauten Konsuls Lucius Cornelius Scipio Asiagenes schon den Vormarsch zum Hellespont vorbereite, bot er Aemilius Regillus einen Frieden an. Auf Drängen des Eumenes II., der Antiochos III. militärisch stärker geschwächt sehen wollte und sich daher intensiv gegen die Aufnahme von Verhandlungen aussprach, lehnte Aemilius Regillus Antiochos’ Vorschlag ab. Nach dem Abzug des Seleukidenkönigs, der nun gegen Adramytteion vorrückte, brachen auch Eumenes II. und Aemilius Regillus mit ihrer Flotte zur Verteidigung dieser Stadt auf, obwohl Seleukos IV. die Belagerung Pergamons fortsetzte.Livius, Ab urbe condita 37,18 f.; Appian, Syriake 26; Polybios, Historíai 21,10. Indessen erhielt dieses durch die Ankunft eines achäischen Hilfskorps Zuzug, sodass Seleukos IV. die Einschließung der Stadt abbrach und das pergamenische Gebiet verließ.Livius, Ab urbe condita 37,20 f.; Appian, Syriake 26.
Aufgrund der pergamenisch-römischen Hilfe für Adramytteion gab inzwischen Antiochos III. den Angriffsplan auf diese Stadt auf. Eumenes II. begab sich mit seinen römischen Verbündeten daraufhin über Mytilene nach Elaia. Ihre Attacke gegen Phokaia misslang, doch machten sie auf der gegenübergelegenen Insel Bakchion reiche Beute.Livius, Ab urbe condita 37,21; Appian, Syriake 26. Eumenes II. kehrte nach Elaia zurück und zog im Herbst 190 v. Chr. zum Hellespont, um den vom Konsul Scipio Asiagenes angeführten Römern beim Übergang nach Kleinasien zu helfen.Livius, Ab urbe condita 37,33. Dieses Unternehmen konnte ohne Widerstand durchgeführt werden, weil Antiochos III. in einem verhängnisvollen Entschluss den thrakischen Chersones kampflos geräumt hatte. Anschließend wollte Eumenes II. Winterquartiere in Elaia beziehen, musste aber wegen widriger Winde beim Kap Lekton landen. An der Mündung des Kaikos stieß er zum Heer des Konsuls, das hier sein Lager aufgeschlagen hatte. Er wurde nach Pergamon zurückgeschickt, damit er von dort aus schnelle Getreidelieferungen an die Römer veranlasste.Livius, Ab urbe condita 37,37.
Während der kriegsentscheidenden Schlacht bei Magnesia (Dezember 190 oder Januar 189 v. Chr.) fungierte Eumenes II. als Oberbefehlshaber des rechten Flügels der römisch-pergamenischen Streitkräfte. Das von ihm beigesteuerte Aufgebot betrug 3000 Infanteristen und 800 Kavalleristen. Seine Schützen vertrieben die Sichelwagen des Antiochos III., woraufhin seine Reiter die schwere seleukidische Kavallerie angriffen und besiegten, um danach gegen die feindliche Phalanx vorzugehen. So trug er maßgeblich zum Sieg über Antiochos bei. Von seiner Armee sollen nur 25 Mann gefallen sein.Livius, Ab urbe condita 37,38-44; Appian, Syriake 31–36; u. a.
Friedensbestimmungen; Feldzug gegen die Galater