mini|Johann Helmann Jung Johann Helmann Jung (* 9. März 1734 in Kreuztal-Littfeld; † 28. August 1809 in Hilchenbach-Müsen) war ein deutscher Unternehmer im Bergbau und Hüttenwesen.

Leben Johann Helmann Jungs Eltern waren Johann Heinrich Jung (1711–1786) und dessen Ehefrau Anna Eva geb. Schloos (1714–1774). Als Oranien-Nassauischer Oberbergmeister zu Littfeld hatte sich der Vater um die Grube Stahlberg bei Müsen besondere Verdienste erworben. 1755 hatte er dort eine neuartige Wasserhaltungsanlage errichtet und die sogenannte „Treppe“ von der Tagesoberfläche bis zum tiefsten Stollen eingebaut. Darüber hinaus betätigte er sich erfolgreich als Gewerke an mehreren Gruben in der Region um Littfeld und als Betreiber eines dortigen Reckhammers sowie einer kleinen Feilenfabrik.

Johann Helmann Jung folgte, wie sein jüngerer Bruder Johann Heinrich (1740–1816), seinem Vater und betätigte sich im Montanwesen. So war er bereits von 1761 bis 1772 Schichtmeister und Verwalter des Burgholdinghäuser Anteils von 52 Kuxen an der Grube Stahlberg bei Müsen. Die Grube Stahlberg teilte sich in 312 Kuxe auf, die sechs Hüttengewerkschaften besaßen: die landesherrschaftliche Hütte zum Lohn 55, die Hütte zu Burgholdinghausen 52, die Hütte zur Allenbach 54, die Hütte auf dem Dahlbruch 55, die unterste Hütte zu Müsen 49 und die oberste Hütte zu Müsen 47 Kuxe. Diese sechs Hütten hatten das alleinige Recht zur Verhüttung der geförderten Roherze vom Stahlberg.

Johann Helmann Jung wurde noch während seiner Schichtmeistertätigkeit zum Hüttenkommissar für die gewerkschaftlichen Hüttenbetriebe und am 6. August 1770 zum Aufseher über den landesherrschaftlichen Kuxenanteil am Stahlberg ernannt. Schließlich folgte am 29. August 1771 die Berufung zum Bergmeisterassistenten bei seinem Vater Johann Heinrich Jung und zum Rechnungsführer des Bergreviers Müsen. Allerdings geriet er in den Verdacht, dass bei den Bergmeisterrechnungen für die Jahre 1772 bis 1777 Unregelmäßigkeiten aufgetreten seien. Die vorgesetzte Dillenburger Berg- und Hüttenkommission leitete daraufhin eine umfangreiche Untersuchung gegen ihn ein, deren Ergebnis für Helmann Jung nur als ein bedingter Freispruch angesehen werden kann. Die Dillenburger Behörde sprach ihn von den Vorwürfen nur insofern frei, als dass er die Rechnungsfehler nicht vorsätzlich, sondern nur irrtümlich begangen habe. Möglicherweise führte diese eingeschränkte Entlastung mit dazu, dass er nach dem Tod seines Vaters 1786 nicht die väterliche Stellung des Oberbergmeisters erhielt, sondern nur zum Bergkommissar mit den entsprechenden Privilegien befördert wurde. Helmann Jung führte in dieser Position die Arbeiten seines Vaters bei der Treppenanlage auf der Grube Stahlberg in Müsen bis zum tiefsten Stollen fort.Merk 1989, S. 54. Becher 1789, S. 969. Golze 2019.

Johann Helmann Jung betrieb seit 1778 mit seinem Vater eine kleine Feilenfabrik in Müsen, die allerdings nach 1784 wieder aufgegeben wurde. Nach dem Ableben seines Vaters Johann Heinrich Jung führte er dessen Bergwerke und den Reckstahlhammer, den sein Vater 1772 zusammen mit den erwachsenen Kindern errichtet hatte, erfolgreich weiter. Die Gewinne aus dem Bergwerks-, aber insbesondere aus dem Reckhammerbetrieb bildeten den finanziellen Grundstock für die unternehmerischen Aktivitäten der nachfolgenden Generationen der Familie Jung.Merk 1989, S. 44 Mit seinen Miterben veräußerte Johann Helmann Jung im März 1792 den Reckhammer für 1.150 Reichstaler an den Hammermeister Martin Schleifenbaum vom Birlenbacher Hammer bei der Birlenbacher Hütte in Birlenbach.Dillenburgische Intelligenz=Nachrichten 1792, Sp. 140

Heirat und Kinder Johann Helmann Jung verheiratete sich am 19. Mai 1758 in Hilchenbach-Grund mit der Tochter des Bergmeisters und Gerichtsschöffen Johann Jacob Meusborn (1701–1757) zu Müsen Maria Christina, die am 25. März 1741 in Hilchenbach-Müsen geboren wurde und dort am 23. Januar 1814 verstarb. Dieser Ehe entstammten acht Kinder. Vier seiner Söhne folgten ihrem Vater und ergriffen einen berg- und hüttenmännischen Beruf. Der jüngste Sohn, Johann Jacob Jung (1779–1847), initiierte den späteren Hessen-Nassauischen Hüttenverein und begründete mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten das Ansehen der Familie Jung als erfolgreiche Montanunternehmer im Dillenburger Raum. Die älteren Brüder von Johan Jacob Jung – und zwar Johann Justus, Heinrich Wilhelm und Johann Heinrich– machten in der landesherrlichen Berg- und Hüttenverwaltung eine beachtliche Karriere.

Johann Justus Jung Johann Justus Jung (1763–1799) wurde nach seiner Zeit als Bergmeisterassistent 1786 zum zweiten Bergmeister des Fürstentums Siegen ernannt und unterstützte seinen Vater Helmann Jung bei der Fortführung der Arbeiten an der Treppe in der Grube Stahlberg. Johann Justus Jung setzte sich für die Einführung des Amalgamierverfahrens im Bergrevier Müsen ein, um mit dieser bereits seit dem 16. Jahrhundert in Südamerika erprobten Technologie mithilfe von Quecksilber das Silber aus den Erzen zu gewinnen. Johann Justus Jung stand mit diesem Vorhaben ganz in der seinerzeit in internationalen Fachkreisen geführten Diskussion, das Amalgamierverfahren auch in den europäischen Montanrevieren zur Anwendung zu bringen. Einer der aktivsten Befürworter für diesen Technologietransfer aus Südamerika war der führende österreichische Montanexperte Ignaz Elder von Born (1742–1791), der zusammen mit Friedrich Wilhelm Heinrich von Treba (1740–1819) 1786 die „Societät der Bergbaukunde“ als die erste internationale montanwissenschaftliche Gesellschaft gegründet hatte.

Johann Justus Jung und sein jüngerer Bruder Heinrich Wilhelm gründeten im Juli 1794 die „Amalgamations=Societait“ zum Bau und Betrieb der Rothenbacher Amalgamierhütte oberhalb von Müsen. Die nicht geringen finanziellen Aufwendungen für diese Unternehmungen sollte die Gewerkschaft der Grube Jungfer, nachdem sie ein entsprechendes Privileg von der Dillenburger Berg- und Hüttenkommission erhalten hatte, übernehmen. Allerdings kam es innerhalb der Gewerkschaft, an der neben weiteren Anteilseignern der Hüttenverwalter Susewind von der Lohehütte und Schwager von Johann Justus Jung, der Hüttenverwalter Jung in Steinbrücken und der Bergmeister Jung zum Lohe beteiligt waren, zu einer kontrovers geführten Diskussion über die Finanzierung dieses Vorhaben. Die Gewerkschaft einigte sich in einer Gewerkenversammlung im Frühjahr 1795 schließlich darauf, dass diejenigen Gewerken, die sich nicht an diesem Unternehmen beteiligen wollten, ihr Privileg an die bauwilligen Gewerken abtraten. Diese verbliebenen Gewerken, zu den hauptsächlich die Familie Jung und Susewind zählte, übernahmen „auf alleinige Gefahr, Kosten und Rechnung“ den Bau und Betrieb der neuen Hütte. Die Hütte ging später in den Besitz des Schwiegersohnes Franz Jacob Schmitz aus Keppel von Johann Justus Jung über.Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten 1786, Sp. 679. Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, E 403, I E Nr. 15. Diese Akte im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen in Münster enthält umfangreiche Schriftwechsel und Berichte zum Bau des Amalgamierwerks.

Johann Justus Jung heiratete am 6. August 1790 in Kreuztal-Ferndorf die Tochter des Verwalters Wilhelm August Susewind (1709–1784) von der Loher Hütte Charlotte Justine, die am 28. August 1761 in Kreuztal-Lohe geboren wurde und am 11. Juni 1841 in Hilchenbach im Stift Keppel verstarb. Johann Justus Jung starb bereits mit 36 Jahren im August 1799 in Littfeld.

Heinrich Wilhelm Jung Heinrich Wilhelm Jung (1771–1828) war der einzige Sohn von Johann Helmann Jung der studierte. Er schrieb sich am 4. Mai 1792 in der Universität Marburg unter der laufenden Nummer 72 als Student der Hüttenkunde ein: „Henricus Guillielemus Jung Sigena Nassoicus Oeconomiae metallicae Studiosus“. Sicherlich war die Wahl seines Studienortes Marburg mit darauf zurückzuführen, dass sein Onkel Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) dort seit 1787 als Professor für Ökonomie, Kameral- und Finanzwissenschaften lehrte und er wahrscheinlich auch bei ihm wohnte. Ein weiterer Mitbewohner war der spätere Oberpräsident der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherr von Finke (1774–1844), der Jura und Kameralwissenschaften studierte. Beide planten für 1793 eine Studienreise über Eger und Karlsbad zu den Bergrevieren in Joachimsthal, Schemnitz und Freiberg. Diese Studienreise kam jedoch nicht zustande und Jung trat nach dem Studium als Bergwerkskandidat in den Dienst des Fürstentums Siegen. Er beantragte 1799 zur Vervollständigung seines Fachwissens bei der Dillenburger Berg- und Hüttenkommission ein Stipendium für eine Studienreise in die bedeutenden Montanregionen Harz und sächsisches Erzgebirge. Die Dillenburger Behörde konnte ihm aber aus Geldmangel lediglich mit einem Empfehlungsschreiben an die dortigen Bergbehörden weiterhelfen. Jung unternahm diese Studienreise nun aus eigenen Geldmitteln und beschränkte sich daher nur auf das Erzgebirge mit der bekannten Bergstadt Freiberg. Er schrieb sich als 538igster Student an der Bergakademie zu Freiberg ein und hörte einige Vorlesungen in Mineralogie und Geognosie.

Das Studium in Freiberg war seinerzeit mit recht hohen finanziellen Aufwendungen verbunden, die nur Söhne aus dem wohlhabenden Wirtschaftsbürgertum oder dem Adel aufbringen konnten. Die jährlichen Unterhaltskosten betrugen je nach Lebensführung für einen Studenten zwischen 306 und 383 Taler. Dazu kamen noch etwa 380 Taler an Gebühren für die Vorlesungen und 50 bis 60 Taler an Ausgaben für Lehrmittel, wobei sich allerdings diese beiden Posten auf die dreijährige Studiendauer verteilten. Die Kosten für ein dreijähriges Studium beliefen sich auf rund 1.478 Talern. Im Vergleich dazu verdiente ein Steiger in Sachsen in drei Jahren nur etwa 270 Taler.

Heinrich Wilhelm Jung brach sein Studium aus familiären Gründen nach kurzer Zeit wieder ab und kehrt zurück nach Müsen. Im Jahre 1801 wurde er als Nachfolger von Johann Daniel Engels zum Bergmeister des oberen Bergreviers im Fürstentum Siegen berufen. Heinrich Wilhelm Jung behielt dieses Amt auch nach 1806 in dem unter französischer Ägide gegründeten Großherzogtum Berg und nach der französischen Niederlage 1815 nun im unter preußischer Herrschaft stehenden Siegerland.

Heinrich Wilhelm Jung führte die Arbeiten nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Johann Justus an der Treppe im Stahlberg fort und noch unter seiner Aufsicht begannen 1826 die Arbeiten an einen neuen tiefer liegenden Erbstollen, den späteren „Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Erbstollen“, der von Ernsdorf aus vorgetrieben wurde. Neben seiner Funktion als Bergmeister war Heinrich Wilhelm Jung auch unternehmerisch tätig. Er war Teilhaber an der Müsener Amalgamations Sozietät und Mitgewerke an den Gruben Kuhlenberg, Landeskrone Jungfer und Heinrichssegen.

Heinrich Wilhelm Jung ehelichte am 5. Mai 1799 in Dietzhölztal-Ebersbach die jüngere Schwester der Ehefrau seines Bruders Johann Heinrich Luise Philippine, die eine Tochter des Amtmanns und Prokurators Carl Christian Becker (1742–1802) war. Luise Philippine Becker wurde am 21. Januar 1775 in Dillenburg geboren und verstarb am 6. Oktober 1816 in Hilchenbach-Winterbach. Heinrich Wilhelm Jung verschied am 25. Mai 1828 in Müsen.

Johann Heinrich Jung