Diese Liste beschreibt das Gedeck für Artemisia Gentileschi auf dem Tisch der Kunstinstallation The Dinner Party von Judy Chicago. Sie ist Teil der Liste der 999 Frauen des Heritage Floor, die den jeweiligen Gedecken auf dem Tisch zugeordnet sind. Die Namen der 999 Frauen befinden sich auf den Kacheln des Heritage Floor, der unterhalb des Tisches angeordnet, zur Kunstinstallation gehört.
Beschreibung Die Installation besteht aus einem dreiseitigen Tisch, an dem jeweils 13 historische oder mythologische Persönlichkeiten, somit insgesamt 39 Personen, von der Urgeschichte bis zur Frauenrechtsbewegung Platz finden. Diesen Personen wurde am Tisch jeweils ein Gedeck bestehend aus einem individuell gestalteten Tischläufer, einem individuell gestalteten Teller sowie einem Kelch, Messer, Gabel, Löffel und einer Serviette zugeordnet. Die erste Seite des Tisches widmet sich der Urgeschichte bis zur Römischen Kaiserzeit, die zweite der Christianisierung bis zur Reformation und die dritte von der Amerikanischen Revolution bis zur Frauenbewegung. Jedem Gedeck auf dem Tisch sind weitere Persönlichkeiten zugeordnet, die auf den Fliesen des Heritage Floor, der den Raum unter dem Tisch und die Mitte des Raumes zwischen den Seite des Tisches einnimmt, einen Eintrag erhalten haben. Diese Liste erfasst die Persönlichkeiten, die dem Gedeck von Artemisia Gentileschi zugeordnet sind. Ihr Platz befindet sich an der zweiten Tischseite.
Hinweise Zusätzlich zu den Namen wie sie in der deutschen Transkription oder im wissenschaftlichen Sprachgebrauch benutzt werden, wird in der Liste die Schreibweise aufgeführt, die von Judy Chicago auf den Kacheln gewählt wurde.
Die Angaben zu den Frauen, die noch keinen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia haben, sind durch die unter Bemerkungen angeführten Einzelnachweise referenziert. Sollten einzelne Angaben in der Tabelle nicht über die Hauptartikel referenziert sein, so sind an der entsprechenden Stelle zusätzliche Einzelnachweise angegeben. Bei Abweichungen zwischen belegten Angaben in Wikipedia-Artikeln und den Beschreibungen des Kunstwerks auf der Seite des Brooklyn Museums wird darauf zusätzlich unter Bemerkungen hingewiesen. Gedeck für Artemisia Gentileschi mini|Artemisia Gentileschi, Selbstporträt
Artemisia Gentileschi wurde am 8. Juli 1593 in Rom geboren. Ihr Vater war der Maler Orazio Gentileschi und ihre Mutter Prudentia Montone, die bereits 1605 verstarb. Unterrichtet in der Malerei wurde sie durch ihren Vater, für den sie auch Modell stand. Dies beeinflusste sie stark in ihrem Stil. Um die Kunst der Perspektive zu erlernen, schickte ihr Vater sie zu seinem Kollegen und Freund Agostino Tassi, der Artemisia vergewaltigte. Danach erpresste er mit einem Heiratsversprechen ihr Schweigen, das er jedoch nicht hielt, was sie gesellschaftlich unmöglich machte. Orazio Gentileschi verklagte ihn im Mai 1612. Im Verlauf des Prozesses musste Artemisia unter Folter mit der Daumenschraube aussagen und wurde in einer entwürdigenden gynäkologischen Untersuchung begutachtet, um zu beweisen, dass sie keine Prostituierte war, wie Tassi behauptet hatte, um sich aus der Affäre zu ziehen. Tassi wurde verurteilt, jedoch konnte auch dies Artemisias Ruf nicht vollkommen wiederherstellen. Selbst ihre kurz darauf stattfindende Hochzeit mit dem Florentiner Maler Pietro Antonio di Vicenzo Stiattesi konnte dies nicht. Artemisia zog nach Florenz, dort wurde ihre Tochter geboren. Im Jahr 1615 erhielt sie von Michelangelo Buonarroti dem Jüngeren, einem Großneffen von Michelangelo, ihren ersten großen Auftrag und im Jahr 1616 wurde ihr die Ehre zuteil, als erste Frau an der Accademia dell’Arte del Disegno aufgenommen zu werden.
Artemisias Bekanntheit steigerte sich und sie arbeitete viel für die Familie Medici, wobei sie vor allem von Cosimo II. gefördert wurde. Ihr Stil entwickelte sich weiter und sie entfernte sich von der Art zu malen, wie ihr Vater. Ihr bekanntestes Werk Judith enthauptet Holofernes entstand um das Jahr 1620. Artemisia setzte sich stark mit der biblischen Legende auseinander und in ihrer Version ist Judith eine kaltblütige Mörderin und das Gemälde zeichnet sich durch eine äußerst realistische Darstellung aus. Nach Rom konnte sie mit ihren zwei Töchtern im Jahr 1623 zurückkehren, dort hatte sie mehrere Auftraggeber, zu denen unter anderem Kardinal Francesco Barberini, Neffe von Papst Urban VIII., und der Commendatore Cassiano dal Pozzo gehörten. Die wichtigste Stadt Europas und dreimal so groß wie Rom war jedoch Neapel und Artemisia zog 1630 dorthin. Ihre Werkstatt in Neapel florierte, sie erzielte höhere Honorare als ihre männlichen Kollegen. Eine Einladung nach London an den Hof König Karls I., an dem ihr Vater inzwischen als Hofmaler tätig war, erhielt sie im Jahr 1635. Vermutlich erst 1637 folgte sie der Einladung und unterstützte ihren Vater Orazio bei der Gestaltung des Deckengemäldes im Queen’s House in Greenwich. Im Jahr darauf verstarb ihr Vater in England und Artemisia kehrte nach Neapel zurück. Große Unterstützung erfuhr sie dort durch den Mäzen Antonio Ruffo von Messina. Jedoch waren ihre letzten Lebensjahre durch gesundheitliche Probleme und finanzielle Schwierigkeiten geprägt und sie starb um 1652/53.
Das Gedeck für Artemisia Gentileschi auf der Dinner Tafel lehnt sich an das Motiv ihres bekanntesten Bildes Judith enthauptet Holofernes an. Die Farben des Bildes bilden die Grundlage für das Gedeck der Dinner Tafel. Die Bemalung des Tellers spielt mit der Hell-Dunkel-Technik, die in der Zeit des Malerei des Barocks beliebt war und spielt auf den Malstil des nach Caravaggio, einem bedeutenden Maler dieses Stils, benannten Caravaggismus. Artemisia wie auch ihr Vater gelten als die bekanntesten Maler, die ihr Werk in diesem Stil schufen. Die gedrehten Formen auf dem Teller sollen auf die Anstrengungen, das „Drehen und Wenden“ hinweisen, die eine Frau zu der Zeit unternehmen musste, um Künstlerin zu werden. Der Teller ist auf einem dunklen Stoff platziert, der mit einem sich wiederholenden Granatapfelmotiv im Barockstil verziert ist und auf ihre Zeit hinweisen soll. Umgeben ist der Teller von einem üppigen, samtigen Goldstoff, der in der Farbe gehalten ist, die Artemisia gerne in ihren Gemälden verwendete und unter dem Namen „Artemisia Gold“ bekannt ist. Nach Chicago umhüllt der Stoff den Teller fast und soll eine sichere, schützende Umgebung darstellt, die Orazio Gentileschi für seine Tochter schaffen wollte. Vorder- und Rückseite des Tischläufers sind nach dem Vorbild von „bizarrer Seide“ hergestellt. Bei diesem Stil wurden mehrere Muster übereinander gelegt, um ein sich wiederholendes Design zu schaffen. Dabei ist die Rückseite auf dunklem Grund und die Vorderseite auf hellem Grund geschaffen. Auf der Vorderseite befindet sich der Namenszug mit dem ausgeschmückten Initial-Buchstaben „A“ Er wird durchbohrt durch ein Schwert, welches auf Judith hinweist und die körperliche und emotionale Stärke jeder Frau anzeigen soll, sowie mit einer Farbpalette und vier Pinseln verziert ist, was für die Künstlerin steht.
Name Schreibweise auf der Kachel Geburtsdatum kulturräumliche Zuordnung Bemerkungen Bild Adélaïde Labille-GuiardAdélaïde Labille-Guiard1749Königreich FrankreichMalerin des Klassizismus und Gründerin der ersten Pariser Frauenschule für Malerinnen.120pxAngelika KauffmannAngelica Kauffman1741Schweiz, Erzherzogtum ÖsterreichMalerin des Klassizismus.120pxCatarina van HemessenCaterina Van Hemessen1527 oder 1528AntwerpenRenaissance-Malerin. Sie war Mitglied der Antwerpener Lukasgilde.120pxElisabeth Sophie ChéronElizabeth Cheron1648Königreich FrankreichPorträtistin, Dichterin und Übersetzerin. Später verlegte sie sich auf das Anfertigen von Kupferstichen und unterhielt einen literarischen Salon.120px Élisabeth Vigée-LebrunElizabeth Vigeé-Lebrun1755Königreich FrankreichMalerin, die zahlreiche Porträts europäischer Adliger anfertigte. Ihre Werke sind dem Klassizismus zuzuordnen.120pxElisabetta SiraniElisabetta Sirani1638BolognaMalerin und Kupferstecherin. Sie gründete in Bologna eine Kunstakademie nur für Mädchen und Frauen und war eine der ersten Frauen überhaupt, die in die renommierte Accademia di San Luca in Rom als Mitglied aufgenommen wurde.120pxElizabeth FarrenElizabeth Farren um 1759EnglandEnglische Schauspielerin.120pxFede GaliziaFede Galizia1578Herzogtum MailandRenaissancemalerin, eine Pionierin des Stilllebens.Joanna KoertenJoanna Koerton1650NiederlandeKünstlerin, die sich in Malerei, Zeichnung, Stickerei, Glasätzung und Wachsmodellierung auszeichnete. Sie erlangte Ruhm als Herstellerin von Schattenrissen.120pxJudith LeysterJudith Leyster1609NiederlandeSie gilt als eine der wenigen Malerinnen des Goldenen Zeitalters, deren Werk bis heute erhalten ist. Ihre Arbeiten werden dem Barock zugeordnet.120pxLavinia FontanaLavinia Fontana1552BolognaMalerin des Manierismus, in den 1570er Jahren eine bedeutende Porträtmalerin Bolognas. Sie wurde in die Akademie Roms gewählt.120pxLeonora BaroniLeonora Baroni1611Herzogtum MantuaSängerin, Musikerin und Komponistin.120pxLevina TeerlincLevina Teerling1510/1520EnglandMalerin, Tochter des Miniaturisten Simon Bening, wanderte 1545 nach England aus, war dort bis zu ihrem Tod Hofmalerin am englischen Königshof.Luisa Ignacia RoldánLuisa Roldain1652Königreich SpanienErste in Spanien dokumentierte Bildhauerin.Luísa TodiLuiza Todi1753Königreich PortugalOpernsängerin.120pxMarguerite GérardMarguerite Gerard1761Königreich FrankreichMalerin und Radiererin, ihre Werke sind dem Klassizismus zuzuordnen.120pxMaría de AbarcaMaria de Abarca † um 1656Königreich SpanienMalerin, wirkte Mitte des 17. Jahrhunderts in Madrid und betätigte sich auch als Dichterin. Vor allem ihre Miniaturen und Bildnisse fanden große Anerkennung.Maria Sibylla MerianMaria Sibylla Merian1647Heiliges Römisches Reich, Republik der Sieben Vereinigten ProvinzenNaturforscherin und Künstlerin, gehört zur jüngeren Frankfurter Linie der Basler Familie Merian, ihr Werk Metamorphosis insectorum Surinamensium gilt als wichtiger Wegbereiter der modernen Insektenkunde.120pxMarie ChampmesléMarie Champmeslé1642Königreich FrankreichSchauspielerin, Ehefrau von Charles Chevillet.120pxMarie VenierMarie Vernier um 1590Königreich FrankreichSchauspielerin, Hauptdarstellerin und Ko-Direktorin der Theatergruppe von Valleran-Lecomte, die im Hôtel de Bourgogne auftrat, erste namentlich bekannte Pariser Schauspielerin.Nell GwynNell Gwyn1650England, SchottlandSchauspielerin und die im englischen Volk beliebteste der vielen Mätressen des englischen Königs Charles II.120pxOnorata RodianiHonorata Rodiana1403Herzogtum MailandMalerin und Condottiere.Properzia de’ RossiProperzia de Rossi um 1490BolognaBildhauerin der italienischen Renaissance.120pxRachel RuyschRachel Ruysch1664NiederlandeStilllebenmalerin des Barocks.120pxRosalba CarrieraRosalba Carriera1675Republik VenedigPastell-Malerin, ihre Werke sind im Geist des Rokoko geschaffen und zeichnen sich durch ihre Weichheit der Farbgebung und große Anmut aus.120px Sabina von SteinbachSabina Von Steinbach N/AElsassDer Legende nach eine Steinmetzin der Gotik. Soll am Straßburger Münster gearbeitet haben.120pxSarah SiddonsSarah Siddons1755WalesEine der größten tragischen Schauspielerinnen ihrer Zeit im englischen Theater.120pxSofonisba AnguissolaSophonisba Anguisciola um 1531/1532Herzogtum MailandMalerin der Renaissance und die erfolgreichste Künstlerin dieser Epoche.120px
Einzelnachweise
Weblinks
Brooklyn Museum, Artemisia Gentileschi The Dinner Party auf der Website von Through the Flower, Non-Profit-Organisation von Judy Chicago
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