mini|Muslimische US-Amerikaner: Keith Ellison, André Carson, Saqib Ali, Malcolm X, Siraj Wahhaj, Jermaine Jackson, Hamza Yusuf, Dave Chappelle, Kareem Abdul-Jabbar, Rasheed Wallace, Louis Farrakhan, Muhammad Ali, Mike Tyson, Ice Cube, T-Pain, Lupe Fiasco Die Geschichte des Islam in den Vereinigten Staaten beginnt noch vor der Unabhängigkeitserklärung. Seit der kolonialen Ära, als schätzungsweise 200.000 muslimische Afrikaner über den Atlantik als Sklaven verkauft wurden, über das beginnende 20. Jahrhundert, als sich Zehntausende islamischer Emigranten aus Europa, dem Nahen Osten und weiteren Teilen Asiens in den Vereinigten Staaten niederließen, ist der Islam bis in die Gegenwart ein wesentlicher Teil der US-amerikanischen Geschichte. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 hat sich die Schere zwischen erfolgreich integrierten muslimischen Amerikanern und solchen am Rande der Gesellschaft bedeutend erweitert.

Demographie Der Islam ist nach dem Christentum und dem Judentum die drittgrößte Religion in den Vereinigten Staaten.Religious composition by Country, 2010. Pew Research Center, Washington D.C.2015. Nach einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center aus dem Jahre 2017 leben momentan in den USA knapp 3,5 Millionen Muslime, die 1,1 % der Gesamtbevölkerung ausmachen.New estimates show U.S. Muslim population continues to grow Pew Research Center, 3. Januar 2018. Die genaue Anzahl der Muslime in den Vereinigten Staaten ist unbekannt, weil das US Census Bureau im Sinne der Religionsfreiheit in den USA keine Angaben zur Religionszugehörigkeit erhebt. Entsprechende Schätzungen schwanken zwischen einer und sieben Millionen Muslimen in den USA.Kambiz Ghaneabassiri: North America. In: The Princeton Encyclopedia of Islamic Political Thought. S. 398. 2009 erhielten über 115.000 muslimische Einwanderer eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in den USA.The Future of the Global Muslim Population Pew Research Center, 27. Januar 2011. Fast ein Viertel der Muslime in den USA ist zum Islam konvertiert.Muslim Converts Face Discrimination Andrea Elliott in: The New York Times, 30. April 2005.

Chronologie 16. bis 19. Jahrhundert Als erster Muslim, dessen Anwesenheit in Nordamerika dokumentiert ist, gelangte der marokkanische Sklave Estevanico 1528 schiffbrüchig an den Ort des heutigen Galveston in Texas.

1765 kaufte der spätere US-Präsident Thomas Jefferson eine Koranübersetzung des Engländers George Sale.

1788 wurde der muslimische Adlige Abdulrahman Ibrahim Ibn Sori (1762–1829) aus dem heutigen Guinea, ein Angehöriger der Fulbe, als Sklave nach Natchez (Mississippi) verkauft und nach 40 Jahren auf Befehl von Präsident John Quincy Adams freigelassen.

1856 wurde der türkische Konvertit Hadschi Ali bzw. Hi Jolly von der US-Kavallerie als Kameltreiber in Arizona und Kalifornien angestellt. Er änderte später seinen Namen zu Philip Tedro und starb 1903.

1888 konvertierte der Schriftsteller und Konsul Alexander Russell Webb (1846–1916) als erster Prominenter in den USA zum Islam. Webb war 1893 am ersten Weltparlament der Religionen der erste muslimische Vertreter.

Zwischen 1869 und 1898 wanderten 20.690 Asian Turks („Asiatische Türken“, d. h. Immigranten aus dem türkischen und arabischen Raum) legal in die USA ein.Encyclopedia of Muslim-American History, S. XXIV.

20. Jahrhundert Nachdem das Gesetz zum Ausschluss der Chinesen von 1882 chinesischen Migranten die Zuwanderung in die USA untersagt hatte, wurde dieses Verbot mit dem Einwanderungsgesetz (Immigration Act) von 1917 auf Immigranten aus Arabien, Süd-, Zentral- und Südostasien ausgedehnt.

Im Ersten Weltkrieg wurden ab 1917 in den American Expeditionary Forces fast 14.000 Soldaten syrischer Herkunft, darunter zahlreiche Muslime, auf europäischem Boden eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg dienten ab 1941 mindestens 1500 muslimische Amerikaner von arabischer, afrikanischer und südasiatischer Herkunft in der US-Army.

1981 wurde Robert Dickson Crane, der später eine leitende Funktion beim IIIT innehatte, von Präsident Ronald Reagan als erster muslimischer US-Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten ernannt.

21. Jahrhundert Am 11. September 2001 ermordeten 19 saudi-arabische und ägyptische Mitglieder des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida in vier koordinierten Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten fast 3000 Menschen.

Keith Ellison wurde 2006 der erste muslimische US-Kongressabgeordnete. Er legte seinen Amtseid nicht auf die Bibel, sondern auf eine englische Koranübersetzung ab, was in den USA zu einer heftigen Kontroverse führte. Als zweiter muslimischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus wurde André Carson 2008 gewählt.

2009 hielt Präsident Barack Obama in der Universität Kairo eine Rede an die islamische Welt, unter dem englischen Titel („Ein Neuanfang“).

Entwicklung im 21. Jahrhundert Meinungsumfrage durch Newsweek bei nicht-muslimischen US-Bürgern im Juli 2007 Aussage Einverstanden Nicht einverstanden Muslime in den Vereinigten Staaten sind gegenüber den USAgleich loyal wie gegenüber dem Islam 40 % 32 % Muslime sehen nicht stillschweigend über Gewalt hinweg 63 % Der Koran sieht nicht stillschweigend über Gewalt hinweg 40 % 28 % In der islamischen Kultur wird Selbstmord nicht glorifiziert 41 % Besorgt über islamische Extremisten 54 % Ich unterstütze die Telekommunikationsüberwachung durch das FBI 52 % Muslime in den USA sind friedlicher eingestellt als solche vonaußerhalb der USA 52 % 7 % Muslime in den USA werden durch polizeiliche Maßnahmen benachteiligt 38 % 52 % Gegen Massenverhaftungen von Muslimen 60 % 25 % Bin der Meinung, dass die meisten Muslime Immigranten sind 52 % Würde meinen Kindern ein Date mit einem Muslim erlauben 64 % Muslimische Studentinnen sollten ein Kopftuch tragen dürfen 69 % 23 % Würde für einen qualifizierten Muslim als politischen Amtsträger stimmen 45 % 45 % Erfolgreiche Muslime Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Newsweek aus dem Jahre 2007 repräsentieren muslimische Amerikaner „die wohlhabendste, am meisten integrierte und politisch engagierte muslimische Gemeinschaft in der westlichen Welt.“American Dreamers: Islam in America Lisa Miller in: Newsweek. 29. Juli 2007. Dieser finanzielle und soziale Erfolg steht in engem Zusammenhang mit der steigenden Mobilität von Einwanderern aus Ost- und Südasien, die seit 1965 in die USA gelangten, nachdem Präsident Johnson den Hart-Celler Act unterzeichnet hatte, mit dem die bisherige Quotenregelung der Einwanderung abgelöst und durch teils liberalere Bestimmungen ersetzt wurde. Um 1990 waren Immigranten von südasiatischer Herkunft bezüglich Einkommen und abgeschlossener Ausbildung anderen Gruppen deutlich voraus, wobei ein überdurchschnittlicher Anteil unter ihnen in leitenden Funktionen und freien Berufen tätig war. Obwohl aus Südasien wahrscheinlich weniger muslimische Immigranten als solche mit einem Hindu- oder Sikh-Hintergrund in die USA gelangten, wies die Anthropologin Karen Leonard 2004 in einem Referat an der Stanford University darauf hin, dass sie in einer allgemein herrschenden Sichtweise als „besonders privilegierte Gruppe“ mit einem Ruf als „Modellimmigranten“ eingeschätzt werden.American Muslims: South Asian Contributions to the Mix Stanford, 12.–14. September 2004.

Islamische Schulen

Vollzeitschulen – bieten einen vollständigen Lehrplan zusammen mit islamischer Erziehung. Wochenendschulen (Sunday Schools) – konzentrieren sich auf islamische Studien sowie Arabisch und ergänzen öffentliche Schulen. Hafiz-Programme – haben spezialisierte Programme für Schüler, die den Koran auswendig lernen möchten.

Beispiele für muslimische Schulen in den USA

Islamic Foundation School (Illinois) Al-Noor Academy (Massachusetts) Baytul-Iman Academy (Kalifornien) Islamic Academy of Delaware County

Diese Schulen befinden sich meist in Regionen mit großen muslimischen Gemeinschaften. Das erste muslimische College zum Studium der Islamwissenschaft, das Zaytuna College, wurde 2010 in Berkeley (Kalifornien) gegründet.

Islam im staatlichen Strafsystem Am unteren Ende des sozialen Spektrums wird davon ausgegangen, dass von den rund 2,3 Millionen Strafgefangenen in den USA etwa 350.000 bzw. 15 % Muslime sind, ein vielfacher Prozentsatz im Vergleich zu ihrem Gesamtanteil an der Bevölkerung.Malise Ruthven, in: Jonathan Curiel: Islam in America. S. VIII. Zu den US-Prominenten, die im Gefängnis zum Islam konvertiert sind, gehören Malcolm X, der Gangster Jeff Fort, der Wrestler Montel Vontavious Porter sowie die Boxer Bernard Hopkins und Mike Tyson.A prayer from Mike Tyson before the madness The Guardian: Archiv, 25. März 1995. In amerikanischen Gefängnissen erfolgen 80 % aller religiösen Übertritte zum Islam.How to Produce Fewer Terrorists in Prison Leonid Bershidsky in: Bloomberg, 27. März 2017.

Umfrageresultate In einer Newsweek-Umfrage unter nicht-muslimischen US-Amerikanern waren 46 % der Befragten der Meinung, dass die USA zu viele Einwanderer aus islamischen Ländern in die USA einreisen lasse. 52 % der Befragten erklärten sich mit der Überwachung von Moscheen durch das FBI einverstanden. 36 % der Befragten gaben an, einen in den USA lebenden Angehörigen des Islams persönlich zu kennen. 52 % der Befragten war bekannt, dass Muslime in den USA mehrheitlich Immigranten sind, während 19 % glaubten, die meisten unter ihnen seien in den USA geborene Konvertiten.

Untergruppen Nach einer Schätzung aus dem beginnenden 21. Jahrhundert lebten damals 786.000 Schiiten in den USA. Sie sind von unterschiedlicher geographischer und soziokultureller Herkunft und führen einen Dachverband namens North American Shia Ithna-Asheri Muslim Communities (NASIMCO). Das Islamic Center of America in Dearborn, Michigan steht unter schiitischer Leitung.Daniel Brumberg, Dina Shehata: Conflict, Identity, and Reform in the Muslim World: Challenges for U.S. Engagement. US Institute of Peace Press, 2009, S. 366. Online-Teilansicht Die Präsenz der Ahmadiyya-Bewegung geht in den USA auf die frühen 1920er-Jahre zurück, als Mufti Muhammad Sadiq den Bau der al-Sadiq-Moschee in Chicago initiierte.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gründeten Afroamerikaner einige synkretistische Bewegungen mit islamischen Elementen, die vom traditionellen Islam nicht anerkannt werden. Dazu gehört der 1913 von Noble Drew Ali errichtete Moorish Science Temple of America. 1930 folgte Wallace Fard Muhammad mit der Gründung der Nation of Islam, die die rassistische Ideologie der Black Supremacy sowie laut der Anti Defamation League auch antisemitische Standpunkte vertritt.Southern Poverty Law Center: Anti Defamation League: https://web.archive.org/web/20100304171120/http://www.adl.org/PresRele/NatIsl_81/5711_81.htm Der Boxweltmeister Muhammad Ali und der Menschenrechtler Malcolm X gehörten zunächst der Nation of Islam an, traten jedoch später aus. Malcolm X schloss sich nach seiner Pilgerfahrt nach Mekka der traditionellen sunnitischen Richtung des Islam an, Muhammad Ali wurde 2005 unter der Anleitung von Scheich Hisham Kabbani, dem Vorsitzenden und Mitbegründer des Islamic Supreme Council of America, ein Anhänger des Sufismus.Muhammad Ali: Five things you never knew about the boxing legend Conor Lane, CNN. 28. April 2016. Einige Vertreter des Koranismus, wie Ahmed Subhy Mansour und der Kurde Edip Yüksel aus der Türkei, mussten ihre Herkunftsländer verlassen und leben seither in den USA. Zu weiteren Untergruppen zählen Salafisten, Anhänger der Muslimbrüder, der Gülen-Bewegung und der Tablighi Jamaat. Etwa 15 % der in den USA lebenden Muslime gehören keiner islamischen Organisation an.