Crusader Kings III (abgekürzt CK3) ist ein im Mittelalter angesiedeltes Globalstrategiespiel, das in pausierbarer Echtzeit gespielt wird. Das vom schwedischen Videospiel-Publisher Paradox entwickelte und vertriebene Spiel erschien am 1. September 2020 und ist der Nachfolger von Crusader Kings II aus dem Jahr 2012. Es wurde zunächst für Windows, Linux und macOS veröffentlicht. Am 29. März 2022 erschien das Spiel außerdem für die Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X/S.
Spielprinzip Grundlagen Wie in den Vorgängern steuert man in Crusader Kings III eine Herrscherdynastie durch das Mittelalter, die sich zu Beginn des Spiels auswählen lässt. Dabei blickt man aus der Vogelperspektive auf eine in mehrere kleine Gebiete unterteilte Landkarte, die Europa umfasst und im Süden bis Zentralafrika sowie im Osten zuerst nur bis zur Mongolei reichte, aber seit dem Erscheinen des DLCs All Under Heaven sich bis nach Ost- und Südostasien erstreckt. Da die Standardversion von Crusader Kings III als Sandbox-Spiel an sich keine festen Ziele definiert, ist es dem Spieler weitestgehend selbst überlassen, ob und wie er den Ausbau des eigenen Einflussbereichs, beispielsweise durch Eroberung neuer Gebiete, Diplomatie oder auch Erbschaft, die Entwicklung des Herrschercharakters, dessen Familie und Gefolgschaft sowie die Innen- und Außenpolitik im Laufe der Jahrhunderte gestaltet. Durch eine Vielzahl von entwicklerunabhängigen Mods, die vor allem durch den Steam Workshop beziehbar sind, lässt sich das Spiel darüber hinaus um weitere Mechaniken ergänzen. Neben Single- und Multiplayer verfügt es außerdem über verschiedene Schwierigkeitsstufen und einen Ironman-Modus, der es dem Spieler nicht erlaubt, das Spiel eigenständig zwischenzuspeichern oder ohne Anlegung eines Speicherstandes zu verlassen.
Dynastien und Lebensstile Ein Spieldurchlauf lässt sich im Basisspiel entweder im Jahr 867, 1066 (Frühmittelalter) oder 1178 (Hochmittelalter) beginnen und endet standardmäßig spätestens 1453 (Spätmittelalter, Frührenaissance), sofern die Dynastie des Spielers noch existiert. Nach dem Tod seines Herrschers, der auch von anderen Charakteren durch bewusste Handlungen und unterschiedliche Ereignisse herbeigeführt werden kann, übernimmt der Spieler automatisch die Rolle von dessen durch das jeweilige Erbrecht festgelegten Haupterben, der wiederum nun Herrscher wird. Sollte während eines Spieldurchlaufs das letzte erbberechtigte Mitglied der eigenen Dynastie sterben, so kann ein neues landbesitzendes Mitglied einer anderen Dynastie ausgewählt werden und das Spiel mit diesem ab dem Todeszeitpunkt fortgesetzt werden – sofern das Spiel nicht im Ironman-Modus gestartet wurde.
Der ehemalige Game Director Henrik Fåhraeus bezeichnete das Spiel als „mittelalterlichen Simulator“, in dem man nach Belieben seine Herrscherfantasien ausleben kann. Das Spiel setzt einen höheren Fokus auf sechs verschiedene Lebensstile (Diplomatie, Kriegsführung, Ränkespiel, Verwaltung, Reisen und Bildung), aus denen ein Herrscher wählen kann und welche jeweils mit drei verschiedenen Talentbäumen aufwarten. Im Spielverlauf tauchen immer wieder Ereignisse auf, bei denen der Spieler meist zwischen mehreren Reaktionsmöglichkeiten wählen kann, die jeweils verschiedene unmittelbare und mittelbare Folgen haben. Seit der Version 1.2 lassen sich zu Beginn eines Spieldurchlaufs das Aussehen und die Charaktereigenschaften inklusive Sexualität des eigenen Herrschers mithilfe des Ruler Designers selbst individuell anpassen.
Dem Spieler stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, mit anderen Herrschern und Höflingen zu interagieren – abhängig u. a. vom gewählten Lebensstil und den im Laufe des Lebens freigeschalteten Fähigkeiten. Standardmäßig kann der Spieler beispielsweise die Meinung seines Gegenübers durch Beeinflussung verbessern, ihn beschenken, verführen oder auch versuchen, ihn einzukerkern oder zu ermorden.
Lehnswesen Ein zentrales Element des Spiels ist die Nachbildung des Lehnswesens. In den meisten Fällen befindet sich nur ein begrenzter Teil des Territoriums (die Domäne) im direkten Besitz eines Herrschers. Einnahmen aus diesen Gebieten beispielsweise fließen dem Herrscher direkt zu. Wie groß die Domäne sein kann, hängt von verschiedenen Faktoren, vor allem dem Rang (Kaiser, König, Herzog, Graf) des Herrschers, ab. Die übrigen Gebiete des Territoriums sind als Lehen an Vasallen vergeben. Spielbar sind alle landbesitzenden Charaktere (Lehnsherren wie Vasallen). Der Spielercharakter zu Spielbeginn kann also ein Graf mit einem Herzog und/oder König über sich genauso sein wie der oberste Lehnsherr eines „unabhängigen“ Reiches mit einer Vielzahl an Vasallen und Aftervasallen.
Technologien und Kulturen Das Spiel verfügt über einen Technologiebaum, der in Stammesepoche, Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter unterteilt ist, sodass technologische Entwicklungen erst im historisch korrekten Zeitraum verfügbar sind. Dabei kann die Geschwindigkeit der Erforschung von Technologien regional sehr unterschiedlich sein, weswegen sich verschiedene Kulturen zum gleichen Zeitpunkt nicht immer im selben Entwicklungsstadium befinden. So ist beispielsweise ein organisierter Glaube wie das Christentum oder der Islam Voraussetzung für ein feudales Gesellschaftssystem, ohne das ein Voranschreiten in das Frühmittelalter wiederum unmöglich ist. Der mächtigste Herrscher einer jeden Kultur nimmt dabei immer die Rolle des jeweiligen Kulturoberhaupts ein und bestimmt im Namen aller Anhänger seiner Kultur, welche Technologie derzeit erforscht werden soll. Dabei kann aus vier zur Verfügung stehenden Technologiekategorien gewählt werden – den zivilen (z. B. Münzprägung), militärischen (z. B. Onager), kulturellen (z. B. Chu-ko-nu) und regionalen (z. B. Langschiffe) Innovationen.
Jede einzelne Kultur gehört zu einer größeren Kulturgruppe, in der Kulturen ähnlicher Herkunft vereint sind. So gehört beispielsweise die schwedische Kultur zur nordgermanischen Kulturgruppe, in der sich außerdem noch die norwegische, nordische und die dänische Kultur befinden. Jeder Charakter wird von Geburt an mit einer Kultur erzogen, die in der Regel vom Vormund bestimmt wird, später allerdings wechsel- oder anpassbar ist. Gleichzeitig gehört das gemeine Volk im Reich auch einer Kultur an. Unterscheidet sich die Kultur des Herrschers von der seines Volkes, kann dies die gegenseitige Meinung negativ beeinflussen.
Militär und Krieg Jeder Herrscher hat im Falle einer Kriegserklärung durch eine andere Partei die Möglichkeit, sein militärisches Aufgebot im gesamten Reich auszuheben, um die Aufgebote feindlicher Charaktere zu bekämpfen, deren Festungen zu erobern oder eigene zu verteidigen. Die Aufgebote bestehen dabei meist zum größten Teil aus wehrpflichtigen Einwohnern des eigenen Herrschaftsgebiets, aber auch aus professionell ausgebildeten Truppen (z. B. Bogenschützen und Pikeniere), Belagerungsgeräten sowie Charakteren des Ritterstandes, Dynastiemitgliedern und Vasallen. Gegen Bezahlung können für begrenzte Zeit außerdem Söldnertrupps angeworben werden, während sich niedergelassene Kriegerorden nur bei Auseinandersetzungen mit Ländern fremder Religionen einschalten lassen. Ob eine Schlacht oder Belagerung erfolgreich verläuft oder nicht, hängt dabei vor allem von der Größe und Stärke der sich gegenüberstehenden Truppen, der Art des Geländes und der Kriegsführungsfähigkeit des zugeordneten Befehlshabers ab. Um einen Krieg erklären zu können, benötigt ein Herrscher einen Kriegsgrund, den er beispielsweise durch das Fingieren eines Anspruchs auf ein benachbartes Gebiet oder bestimmte Regierungsformen und Ereignisse erhalten kann. Durch Kriegsführung lässt sich das eigene Herrschaftsgebiet erheblich vergrößern, sie kann aber auch der Geld- und Prestigegewinnung dienen. Bündnisse, durch die sich zwei Parteien verpflichten, sich im Kriegsfall militärisch beizustehen, werden insbesondere mithilfe arrangierter Heiraten geschmiedet.
Ein elementarer Bestandteil von Crusader Kings III sind wie schon in den Vorgängern die namensgebenden Kreuzzüge. Diese können im Laufe des Spiels vom Glaubensoberhaupt der römisch-katholischen Kirche ausgerufen werden und richten sich gegen Herrscher fremder Religionen, um Heilige Stätten zu erobern und den Einflussbereich fehlgeleiteter oder feindlicher Glaubensgemeinschaften zu verkleinern. Diese heiligen Kriege lassen sich entweder indirekt mit finanziellen Mitteln oder unmittelbar mit militärischer Hilfe unterstützen. Nach dem Ende eines Kreuzzugs werden die teilnehmenden Herrscher und deren Familien im Falle eines Sieges mit Gebieten im eroberten Land belohnt, abhängig von der Kriegsbeteiligung.
Religion und Glauben Jeder Herrscher und seine Bevölkerung folgen einer Religion, können diese im Spielverlauf durch Konvertierung jedoch auch wechseln. Da jede der über 100 verschiedenen Religionen über ihre eigenen Mechanismen und Effekte verfügt, hat eine Konvertierung zumeist einen strategischen Hintergrund, kann aber auch die Folge eines erlittenen Nervenzusammenbruchs des Charakters oder eines verlorenen Kriegs sein. Im Gegensatz zu den Vorgängern ist es unter anderem möglich, eine eigene Religion mit individuellen Aspekten und Doktrinen zu gründen und diese anschließend im eigenen Land und über dessen Grenzen hinaus zu verbreiten. (englisch) Während der vordergründige Glauben eines Charakters immer einsehbar ist, ist es davon unabhängig auch möglich, sich im Geheimen diversen okkulten Praktiken und Ritualen zu widmen, wie der Mitgliedschaft in einem Hexenzirkel.
Wirtschaft und Gebäude Für einige im Spiel verfügbare Mechaniken und Aktionen muss mit der Währung Gold bezahlt werden; dazu zählen die Kriegsführung und der Gebäudebau, aber auch Bestechungen und die Organisation von Veranstaltungen wie Festmähler, Jagden und Pilgerreisen. Das Gold selbst erhält ein Herrscher durch verschiedene Quellen. So werden monatlich die Ausgaben, beispielsweise für den Unterhalt des Militärs, mit den Steuereinnahmen aus der eigenen Domäne sowie den Abgaben, die von Vasallen im eigenen Herrschaftsgebiet zu entrichten sind, verrechnet und die Differenz an den Herrscher (beziehungsweise die Staatskasse) ausgezahlt. Um größere Einnahmen zu generieren, müssen in den eigenen Besitztümern Gebäude gebaut und die lokale Entwicklung vorangetrieben werden. Dabei stehen für die unterschiedlichen Arten von Besitztümern (Burgen, Städte und Tempel) jeweils verschiedene Gebäude zum Bau zur Verfügung, die auch abhängig vom Geländetyp sein können. Dementsprechend können Häfen nur in an Wasser angrenzenden Städten und Steinbrüche für Grubenarbeiten nur auf bergigem Gelände gebaut werden. Auf leeren Geländefeldern lassen sich darüber hinaus auch eigens neue Besitztümer errichten.
Entwicklungsgeschichte Die Entwicklung soll ein Jahr vor Imperator: Rome begonnen haben, was auf einen Start des Entwicklungsprozesses im Jahr 2015 hindeutet. Das Spiel wurde auf Paradox’ eigener Messe, der PDXCON 2019, am 19. Oktober in Berlin angekündigt. Die Ankündigung erfolgte mit einem Render-Trailer, der einen neugeborenen Herrscher zeigt, welchem nach den Ausführungen eines geheimnisvollen Sprechers eine Schlange ins Kindbett gelegt wird. Das Spiel bietet im Gegensatz zu den Vorgängern 3D-Modelle der Charaktere. Zudem wurden deutlich detailliertere Karten versprochen. Das Spiel basiert auf einer überarbeiteten Version der Clausewitz Engine, ähnlich wie sie in Imperator: Rome zum Einsatz kommt. Nomaden und das Inventarsystem für Artefakte, wie es sie in den DLCs von Crusader Kings II gab, wolle man nicht übernehmen, weil diese Elemente bei den Spielern weniger beliebt waren. Laut Game Director Henrik Fåhraeus wolle man mit Crusader Kings III außerdem ein größeres Publikum ansprechen.