antiX ist eine schlanke Linux-Distribution, die für das gesamte Leistungsspektrum aktueller und alter Computer (der letzten ca. 20 Jahre) geeignet ist. Eines ihrer Merkmale ist, dass sie seit der Version 22 sowohl vollständig systemd- als auch elogind-frei ist. antiX fußt auf Debian Stable und ist für x86-basierte Systeme (Intel und AMD) verfügbar. Ein weiteres Kennzeichen sind die ausgereiften und vielseitigen Live-Technologien. Erklärtes Ziel der Entwickler ist es, die Nutzungsdauer vorhandener Hardware durch gezielte Auswahl effizienter Software- und Betriebssystemkomponenten deutlich zu verlängern. Von dem damit erzielten Effizienzgewinn können auch moderne Hochleistungssysteme profitieren.

Distributions-Motto Das Motto der antiX-Distribution lautet: Proudly anti-fascist. Herausgeber ist Paul Banham (anticapitalista) aus Thessaloniki, Griechenland, der sich als Vertreter einer linken politischen Idee sieht.

Varianten antiX wird in Form von ISO-Abbildern (englisch ISO images) zur Erstellung von Live-Bootmedien (CD, DVD, USB-Stick etc.) zum Download bereitgestellt. Es gibt jeweils eine 32-Bit- und eine 64-Bit-Version, die sowohl auf AMD- als auch für Intel-Prozessoren lauffähig ist. Alle ISO-Abbilder werden in den Varianten „full“ (ca. 2 GiB), „base“ (1,2 GiB, bis antiX 23), „core“ (ca. 660 MiB) und „net“ (ca. 220 MiB, bis antiX 23) angeboten. Die Variante „full“ eignet sich für Anwender, die Wert darauf legen, sich sofort in einer vollständigen grafischen Umgebung wiederzufinden und ist für die meisten Anwender die beste Wahl. Die Variante „base“ eignete sich, falls aus Platzgründen die Variante „full“ nicht verwendet werden konnte oder sollte. In dieser Variante waren bestimmte Komponenten (Programme aber auch viele Gerätetreiber und Dienste) nicht vorinstalliert und mussten je nach Bedarf vom Nutzer einzeln selektiert und hinzugefügt werden. Seit antiX 26 gibt es die „Base-Variante“ nicht mehr, jedoch kann bei Bedarf mittels eines zusätzlich erhältlichen Scriptes eine „full“ Installation (oder ein „full“ Live-Medium) zu Base konvertiert werden. Die Core- und Net-Varianten sind für Nutzer geeignet, die sich ihr System auf Basis von antiX von Grund auf selbst zusammenstellen möchten.

Seit dem Jahr 2020 lassen sich zusätzliche Sid-(Debian unstable)-Versionen nachweisen.

Mit antiX 26 wird ein Multi-Init-System bereitgestellt, in dem die bisher in separaten ISO-Dateien bereitgestellten Initsystemvarianten Runit und SysVinit durch S6-RC, S6-66 und Dinit ergänzt und in einem einzigen ISO zusammengeführt werden. Beim Systemstart kann das gewünschte Init-System ausgewählt werden; das antiX-Kontrollzentrum bietet die Möglichkeit, eines der Systeme als Standard zu definieren, in das fortan automatisch gebootet wird.

Nutzungsvarianten antiX kann als Live-System sofort von einem bootbaren, aus dem ISO-Abbild erstellten Medium gestartet und verwendet werden. Es gibt ausgefeilte Live Nutzungsvarianten „Persistenz“, „Root-Persistenz“ „Home-Persistenz“, sowie frugale Installationen („Frugal“, „Persistentes Frugal“ etc.), die das vorhandene Betriebssystem eines Rechners nicht verändern.

Die sogen. Persistenz erlaubt eine Nutzung eines Live-Systems, die einer Komplettinstallation nahekommt, alle Programminstallationen und individuellen Systemeinstellungen werden dauerhaft in verschiedenen separaten Containern (rootfs, homefs) auf dem Live-Bootmedium hinterlegt. Das rootfs-Dateisystem enthält dabei nur die Unterschiede zum ursprünglichen Bootmedium, wird beim Start komplett in den Arbeitsspeicher kopiert und überlagert jenes, während das Dateisystem des homefs-Containers als normal beschreibbares Verzeichnis eingehängt ist. Diese Container lassen sich auch in jedem anderen Linux als Datenträger ins Dateisystem einhängen (Einhängeoption „loop“), sodass alle darin gespeicherten Daten auch außerhalb von antiX stets zugänglich sind.

Die Frugale Installation ist ein Live-System, das aus einem Container von der Festplatte gestartet wird; auch dabei sind die verschiedenen Persistenzen anwendbar. In der Nutzung und Wahrnehmung unterscheidet sich eine persistente Live- oder persistente frugale Installation nicht von einem klassisch installierten antiX-System.

Auch in Live- und Frugalsystemen erlaubt es der „antiX Live Kernelupdater“, weitgehend automatisiert eine Aktualisierung des Linux-Systemkerns vorzunehmen, der ab dem nächsten Systemstart aktiv ist. Mittels des integrierten automatischen Live-Remaster-Werkzeugs kann auch das Live-Medium stets auf dem aktuellen Stand gehalten werden oder wie eine Festplatteninstallation dauerhaft individuell angepasst werden. Dabei wird u. a. die Containerdatei linuxfs komplett neu erstellt. Je nach Rechenleistung und Übertragungsgeschwindigkeit des Speichermediums und Gesamtgröße der Installation dauert dieser Vorgang durchschnittlich 20 Minuten (antiX full, auf einer 32-Bit-CPU mit 1,7 GHz, USB-2.0-Speichermedium mit 24 MB/Sec), kann auf moderner Hochleistungshardware aber schon nach 3 Minuten beendet sein, und auf sehr alten Geräten mit USB 1.0 sehr viel länger dauern.

Eine klassische Festplatteninstallation ist ebenfalls möglich.

Technik antiX enthält keine klassische schwergewichtige Desktop-Umgebung, die alle Funktionen zentral verwaltet. Stattdessen werden alle Funktionen der Desktop-Umgebung aus Einzelkomponenten bereitgestellt, die z. T. für antiX speziell konzipiert oder angepasst wurden (beispielsweise ein Kontrollzentrum, in dem wesentliche Systemeinstellungen zusammengefasst in einer GUI zur Verfügung stehen). Dieses Vorgehen erlaubt die freie Auswahl und Kombination verschiedener Programme, die eine bestimmte Aufgabe in der Nutzerumgebung auf dem Desktop bereitstellen. Standardmäßig ist antiX mit vier vorinstallierten Fensterverwaltungen (IceWM, Fluxbox, JWM, HerbstluftWM) ausgestattet, zwischen denen der Nutzer live hin- und herwechseln kann, um die für ihn am besten geeignete Umgebung zu erproben bzw. unterschiedliche Aufgaben in unterschiedlichen Arbeitsumgebungen auszuführen. Weitere Fensterverwaltungen können bei Bedarf aus den Repositorien installiert werden.

Die noch unterstützten antiX-22-ISO-Abbilder enthalten eine sicherheitsaktualisierte Kernelversion 4.09 LTS, die mit sehr vielen älteren Computersystemen kompatibel ist. Als aktuelle (auch auf Live-Systemen) aus den Repositorien installierbare sicherheitsaktualisierte antiX-Kernel stehen (Stand 3. Oktober 2022) die LTS-Kernel 5.10.142, 4.19.0-256, 4.9.0-326 und 4.4.0-296. zur Verfügung, jeweils in den Varianten 64 Bit und 32 Bit „pae-686“ und „non-pae-486“.

Die noch unterstützten 23.2-ISO-Abbilder enthalten zwei antiX-Kernel: 5.10.224 („legacy“) und 6.1.105 („modern“), in die das System aus dem Bootmenü heraus gestartet werden kann. Aus den Repositorien stehen (Stand 7. Oktober 2024) die sicherheitsaktualisierten Kernel 6.1.55 und 5.10.199 sowie 4.19.276 und 4.9.0-326 sowie weitere zur Verfügung, die 6.x antiX-Kernel jedoch nur für 64-bit Systeme. Daneben können bei Bedarf beliebige andere Kernel verwendet werden, z. B. Liquorix oder Realtime- bzw. Standard-Debian Kernel. Die 32-Bit antiX-Kernel sind als pae und non-pae Versionen abrufbar.

Das aktuelle 26-Multi-Init-ISO-Abbild enthält, wie bereits seine Vorgänger, zwei antiX-Kernel: 6.6.119 (nur x64) und 5.10.240. Weitere Kernelvarianten können aus den Repositorien (auch anderer Quellen) installiert oder aktualisiert werden.

Eine Vollverschlüsselung des Systems mit Luks-encryption ist aktivierbar.

Versionen VersionCodenameVeröffentlichungsdatumAnmerkungen und wichtige ÄnderungenSpartacus9. Juli 2007 Lysistrata30. Oktober 2007 Vetëvendosje16. Mai 2008 Toussaint Louverture24. August 2008 Intifada!14. Februar 2009 Tȟašúŋke Witkó24. Juli 2009Antix Team does it again with AntiX 8.2 Final | MEPIS LinuxDistribution Release: antiX 8.2 (DistroWatch.com News)AntiX MEPIS 8.2 Released Marek Edelman12. April 2010Distribution Release: antiX 8.5 (DistroWatch.com News) Jayaben Desai3. Mai 2011antiX-M11 'Jayaben Desai' released - antiX ForumDistroWatch Weekly, Issue 434, 5 December 2011 Edelweißpiraten7. August 2012Old News - antiXDistribution Release: antiX 12 (DistroWatch.com News)A distribution for less-powerful systems: antiX-12 [LWN.net] Luddite2. Juli 2013Distribution Release: antiX 13.2 (DistroWatch.com News), Everyday Linux User Symbiosis23. März 2015 Killah P30. Juni 2015Distribution Release: antiX 15 (DistroWatch.com News)DistroWatch Weekly, Issue 622, 10 August 2015 Fusion24. Dezember 2015 Berta Cáceres26. Juni 2016Distribution Release: antiX 16 (DistroWatch.com News) Heather Heyer24. Oktober 2017Basis: Debian 9.2 „Stretch“, Systemdfrei, LTS18. März 2018Basis: Debian „Stretch“, Systemdfrei, LTSHelen Keller5. Oktober 2018Basis: Debian „Stretch“, Systemdfrei, LTS28. März 2019Basis: Debian „Stretch“, Systemdfrei, LTS9. Januar 2022Basis: Debian „Stretch“, Systemd- und Elogindfrei, LTSMarielle Franco17. Oktober 2019Basis: Debian „Buster“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 202523. Dezember 2019Basis: Debian 10 „Buster“, Systemdfrei, enthält erstmals zusätzlich „runit“ als Alternative. LTS, offiziell unterstützt bis 2025Hannie Schaft28. März 2020Basis: Debian 10 „Buster“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 202529. März 2020Basis: Debian „Sid“, Systemdfrei, nur in den Varianten „Core“ und „Net“ für 32 und 64 Bit.Manolis Glezos16. Oktober 2020Basis: Debian 10 „Buster“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 202516. Oktober 2020Basis: Debian „Sid“, Systemdfrei, nur in den Varianten „Core“ und „Net“ für 32 und 64 Bit.Grup Yorum21. Mai 2021Basis: Debian „Buster“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 202525. Januar 2022Basis: Debian 10 „Buster“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 2025.31. Oktober 2021Basis: Debian 11 „Bullseye“, Systemdfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 2027.10. Januar 2022Basis: Debian Unstable „Sid“, Systemdfrei, nur in den Varianten „Core“ und „Net“ für 32 und 64 Bit.19. Oktober 2022Basis: Debian 11 „Bullseye“, Systemdfrei, Elogindfrei. LTS, offiziell unterstützt bis 202728. Oktober 2022Basis: Debian Unstable „Sid“, Systemdfrei, Elogindfrei, nur in den Varianten „Core“ und „Net“ für 32 und 64 Bit.Arditi del Popolo27. August 2023Basis: Debian 12 „Bookworm“, Systemdfrei, Elogindfrei, LTS, 32 bit und 64 bit (beide wahlweise runit und sysvinit).22. Februar 20246. Oktober 2024Stephen Kapos21. März 2026Basis: Debian 13 „Trixie“, Systemdfrei, Elogindfrei, LTS, 32 and 64 Bit, Multi-Init (runit, s6-rc, s6-66, dinit, sysvinit).

Geschichte antiX weist Einflüsse von sidux, TinyMe, Puppy Linux, Absolute und SliTaz auf, die sich in der aktuellen Version finden lassen.

MEPIS antiX mini|Bildschirmfoto von MEPIS antiX 8 antiX ging aus der Distribution SimplyMEPIS hervor, der ursprüngliche Name war Flepis. Zeitgleich mit der SimplyMEPIS-Version 6.5 wurde, von der Community unterstützt, MEPIS antiX als schlankes Derivat für ältere Computer ab 64 MB RAM unter dem Namen MEPIS antiX veröffentlicht. Als Fenstermanager wurde zunächst ausschließlich Fluxbox verwendet. Der Wechsel der Systembasis bei Mepis von Debian zu Ubuntu führte zu Bestrebungen, antiX als von Mepis unabhängige Distribution weiter auf Debian-Basis fortzuführen. Die Rückkehr von Mepis zu Debian machte dies unnötig, doch hat sich antiX seither zu einer eigenständigen Distribution entwickelt. Seit Februar 2013 wird antiX Linux bei Distrowatch als eigene, von Mepis unabhängige Distribution geführt.

Derivate und Ableger MX Linux

MX Linux entstand ab 2014 als Gemeinschaftsprojekt der antiX community und Mitgliedern der früheren Mepis community als antiX Linux “MX” edition. Seit November 2016 wird die Distribution bei Distrowatch als eigene, von antiX unabhängige Distribution geführt. Nach wie vor besteht jedoch ein reger technologischer Austausch zwischen den beiden Distributionen. MX übernimmt gezielt einzelne Besonderheiten von antiX und umgekehrt.

Siehe auch Liste von Linux-Distributionen