Hefel ist ein Stadtteil von Velbert im Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen.
Geographie Geographische Lage Der Hefel liegt im Niederbergischen Land am Nordrand des Stadtgebiets von Velbert im Tal des Hesperbachs. Naturräumlich liegt der gesamte Stadtteil im Ruhrschichtrippenland (Ordnungsnummer 3371.14)Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands: Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny) 1963; 55 S. und Digitalisat der zugehörigen Karte (PDF; 7,4 MB) Der Hesperbach bildet hier ein Durchbruchstal, welches in Nord-Süd-Richtung verläuft, während die Gesteine von Südwest nach Nordost streichen.
Als linker Nebenfluss fließen hier der Hefeler Bach, als rechte Nebenflüsse die Röbbeck und die Willinghaus Beeke zu, die hier gemeinsam einen Talkessel bilden.
Der Hefel ist wegen seiner geschichtlichen Teilung als Stadtteil nicht klar abgegrenzt. Der Namensursprung geht auf den Hof Großhefel zurück, der auf das Tal übertragen wurde und von der Bevölkerung und örtlichen Unternehmen bis heute verwendet wird. In der Preußischen Neuaufnahme 1892 wird der Ort als „Dorf ohne Kirche“ verzeichnet.Topographische Karte 1892 Preussische Neuaufnahme 1:25.000, Blatt 4608 Velbert
Benachbarte Stadtteile Von West nach Süd grenzen die Velberter Stadtteile Langenhorst, Nordstadt und Röbbeck an, im Osten der dünn besiedelte Außenbezirk Rottberg, im Norden liegt das Stadtgebiet von Essen.
Geologie Der südlich des Hefels anstehende Velberter Sattel besteht in seinem Kern aus kalkigen Schiefern. Um den Velberter Sattel herum, und den Hefel streifend, liegt das schmale Kulm-Kohlenkalkband, welches aus einer dichten Folge von bankigen Kalken, Kalksandstein und Alaunschiefer aufgebaut wird. Nach Osten und Norden schließt sich eine Zone aus Grauwacken und Quarziten des flözleeren Karbons an, der eine vorgelagerte Zone aus Schiefertonen und Sandsteinen mit Magerkohlenschichten folgt.P. Kukuk: Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlegebietes, Berlin 1938, Textband S. 47 Diese große Vielfalt an geologischen Gegebenheiten tritt im Durchbruchstal des Hesperbachs besonders deutlich zutage und hat schon früh zur Ausbildung einer vielfältigen Gewinnung von Bodenschätzen geführt.
Klima Mit westlichen Luftströmungen treffen feuchte atlantische Luftmassen im Bergischen Land erstmals auf ein Hindernis und werden gestaut (Luvlage). Folge sind Steigungsregen, die hier Niederschlagsmengen von 900-1.000 mm p. a. bringen. Das Tal des Hesperbachs zeigt im Sommer ausgesprochen kühle Tendenzen und ist als Kaltluftsammelgebiet von lufthygienischer Bedeutung.
Geschichte Zugehörigkeit Die Geschichte des Stadtteils ist bis ins 20. Jhd. dreigeteilt: westlich des Hesperbachs gehörte die Honschaft Kleinumstand zur Reichsabtei Werden, ebenso die Honschaft Rodberg mit dem Friesenkotten und der Bernsmühle. Aus den Honnschaften der ehemaligen Reichsabtei Werden wurden im 19. Jahrhundert im Landkreis Essen mehrere Landgemeinden gebildet. Die südlich der Ruhr und östlich der Stadt Werden liegenden sieben Honnschaften mit Kleinumstand und Rodberg bildeten die Gemeinde Siebenhonnschaften, die zur Bürgermeisterei Werden-Land gehörte. Am 15. Januar 1875 wurde aus den Honschaften Hinsbeck und Rodbeck, die Gemeinde Kupferdreh gebildet. Die Gemeinde Kupferdreh gehörte zur Bürgermeisterei Werden-Land. Am 1. Oktober 1896 wurde Kupferdreh aus der Bürgermeisterei Werden-Land gelöst und zu Bürgermeisterei erhoben. Kommunal war der Hefel nun zeitweise sogar viergeteilt.
Der östlich des Hesperbachs liegende Teil in der Bauerschaft Rottberg gehörte zur Herrschaft Hardenberg. Infolge der französischen kommunalen Neuordnung des Großherzogtums Berg entstand die Bürgermeisterei Hardenberg.
Südlich des Hefeler Bachs und westlich des Hesperbachs lag die Honschaft Velbert, welche zum Herzogtum Berg gehörte. 1806 wurde die Munizipalität bzw. Mairie Velbert als Teil des Kanton Velbert im Arrondissement Düsseldorf geschaffen. 1816 wurde aus der Mairie Velbert wurde die Bürgermeisterei Velbert.
Genau im Zentrum des Hefels lag über siebenhundert Jahre das Dreiländereck der Territorialgrenzen.
Eingemeindung 1913 entfiel die Bezeichnung „Velbert Land“, zu welcher der südliche Teil des Hefels seit der Gründung der Bürgermeisterei Velbert gehörte. In der Stadt Velbert lag dieser Teil des Hefels nunmehr in der Feldmark (gemeint ist der Außenbereich) Friedfeld.
1928 erfolgte die Eingemeindung der Bauerschaft Rottberg mit allen östlich des Hesperbachs gelegenen Höfen, dem Gut Sondern, dem Plöger Steinbruch und dem Tal der Hesper in die Stadt Velbert.
1930 wurden die zur Honschaft Kleinumstand gehörenden Teile des Langenhorster Waldes und die zur Honschaft Rodberg gehörenden nördlichen Teile des Hefels mit der Bernsmühle und den großen Steinbrüchen in die Stadt Velbert eingemeindet. Erstmals in der Geschichte gehört der Hefel damit nur noch zu einer kommunalen Gebietskörperschaft.
mini|Typisches Arbeiterhaus im Hefel
Einwohnerentwicklung Wegen der Teilung in drei Verwaltungseinheiten sind Einwohnerstatistiken nicht verfügbar. Der Hefel war bereits im 19. Jhd. Wohnort italienischer Gastarbeiter, welche in den nahen Steinbrüchen arbeiteten.60 Jahre Velberter Wirteverein, DEHOGA 1954
Etymologie Erstmals erwähnt wurde der Hefeler Busch um 1000 n. Chr. als Hevetagel. Der hier gegründete Hof wurde später als Hefftall 1499, Hetftell 1573, Hef(f)tel 1661, Häffel 1789, Hefthal 1798 bezeichnet. Hefel oder Hevel/Heven- ist wohl ähnlich zu sehen wie Havel (der Umlaut zu ä oder e = Hefel ergibt sich immer bei nachfolgendem e oder i), was im Niederfränkischen soviel heißt wie mooriges, sumpfig-schmutziges Wasser; also ein alter Gewässername.
Mittelalterliche Besiedlung Erste Siedlungsansätze in der Umgebung des Hefels finden sich an der Alteburg in Werden, einer eisenzeitlichen Ringwallanlage die ins 3. Jhd. v.Chr zurückreicht.Stadtarchäologie Essen/Untere Denkmalbehörde Stadt Essen Hier entstand im Jahr 799 das Kloster Werden, von dem die Siedlungsvorstöße bereits um 800 ins Hespertal reichten. In einer Urkunde von 875 wurde der Werdener Zehntbezirk mit den „Villa Rottberg und Velbert“ bestätigt, in dem der Hefel lag.Horst Degen und Christoph Schotten (Herausgegeben für den Bergischen Geschichtsverein Abteilung Velbert/Hardenberg e. V.) Velbert – Die Geschichte dreier Städte, J.P. Bachem Verlag, Köln 2009 Im 11. Jahrhundert verlor die Reichsabtei Werden die Honschaft Velbert an die Grafen von Berg und im 13. Jahrhundert die Bauerschaft Rottberg an die Grafschaft Hardenberg.Ritter, Gerd, Velbert Heiligenhaus Tönisheide, A. Henn-Verlag, Ratingen, 1965 Die Werdener Äbte blieben jedoch weiter Grundherren und Oberhirten in dieser Region.
Der Hefeler Busch (um 1000 Hevetagel) gehörte später zum Velberter Oberhof, was eine Besiedlung aus dem Velberter Raum nahelegt. Die Höfe Ellingrath und Sondern entstammen dem Spätmittelalter, die Mühlen Hammerschmidt und Hefelschmidt dem 16./17. Jhd. und die Kotten In der Kuhlen und Auf`m Broegel dem 18./19. Jhd.
Bergbau Die Geschichte des Bergbaus im Raum Hefel begann wegen der besonderen geologischen Lage bereits im Mittelalter. In kürzester Entfernung wurden hier Alaunschiefer, Kalkstein, Sandsteine, Kohlen und Erze abgebaut.
1578 vergab der Werdener Abt Heinrich Duden in einem Lehnsbrief Bergrechte für den Alaunbergbau an die Gewerke Georgh Schell zu Vechen, Rentmeister zu Hörde, Arnold Scholl, Bürger zu Köln, Christoffer Scholl, Hogreven zu Schwelm, und Gerhardt Mylander, Bürgermeister zu Elberfeld.Journal 9, Jahrbuch des Kreises Mettmann 1989–1990 01; Die Alaunsieder im Bergischen Land – Geheimnisvoller Stoff – von Manfred Schürmann Der nachfolgende Abt Conradt sprach dann 1614 eine neue Belehnung für die Gewerke Johann Hugenpoet zu Stockum und Voiswinkel, Dorst zu Hamm, Johann Schell zu Goltschmedinck und Wyrich von Witgenstein, Richter zu Castrop aus. Im Dreißigjährigen Krieg kam das Alaunbergwerk zum Erliegen. 1698 erwarb Johann Christian Hermann von Neuhoff die Bergrechte. Diese Rechte gingen 1719 an den Düsseldorfer Kaufmann Egidius Micholtz über. Mit dem Alaunbergwerk wurde schließlich der Bergkommissar Haardt zusammen mit einigen anderen Gewerken belehnt. Im Schreiben vom August 1798 wurde dieses Alaunbergwerk mit angeschlossener Alaunfabrik unter dem Namen ‚Aurora‘ geführt. Der Betrieb bzw. die Ausbeutung endete ca. 1830.
1830 wurde im Hespertal oberhalb des Hefels das Blei-, Kupfer-, Zinkerzbergwerk Eduard III aufgefahren. Eigentümer war die Gewerkschaft Eduard III, vertreten durch den Repräsentanten Rechtsanwalt Dr. Müller in Velbert. Die Arbeiten wurden jedoch bald wieder eingestellt, da ein Erzgang nicht aufgeschlossen wurde.
Am 1. Januar 1834 wurde der Betrieb auf dem einzigen ausschließlich auf Velberter Gebiet gelegenen und auch gebauten Steinkohlenbergwerk Klein Umstand aufgenommen. Im Hespertal in der Nähe des Friesekottens wurde ein Stollen vorgetrieben, der am 31. Januar 1834 eine Länge von 33 m aufwies. Zwischen 1836 und 1841 erfolgte nur ein unbedeutender Abbau. Wann die endgültige Stilllegung und knappschaftliche Abmeldung erfolgte, ist nicht bekannt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an der Straße Hefel, unmittelbar vor dem Abzweig der Straße nach Kupferdreh, von Josef Dinkloh ein Sandsteinbruch angelegt. Sandstein aus diesem Bruch wurde u. a. auch an die Essener Gruga geliefert. Zuletzt wurde der Steinbruch durch die Firma Bürger betrieben. Der Betrieb lief Ende der 1970er Jahre, bedingt durch den Bau der Autobahn A44, aus.
Kurz nach Dinkloh eröffnete der Landwirt Oberlühnschloß auf der anderen Straßenseite, genau gegenüber dem Dinkloh’schen Steinbruch, einen weiteren Sandsteinbruch. Dieser wurde von dem Architekten Peter Groß bis 1968 unter dem Firmennamen Hefeler Sandsteinwerke GmbH betrieben. Ab 1968 erfolgte die Verfüllung des Steinbruchs für den Autobahnbau.
Ende der 1860er Jahre wurde im Hefel, südlich des ehemaligen Alaunbergwerks, der Sonnenscheinsche Kalksteinbruch angelegt, aber auch ältere Steinbrüche werden zum Kalkabbau genutzt. Zur Abfuhr des Kalksteins wurde ein Stollen vorangetrieben, der schließlich an die Hespertalbahn angebunden wurde. Später gingen die Steinbrüche auf die Gewerkschaft ‚Stolberg‘ über.
In der Mitte der 1870er Jahre erwarb die Gewerkschaft Stolberg die Rechte zum Abbau von Kalkstein zwischen den Höfen Im Sondern und Röbbeck. Dort gab es bereits kleinere, von den Landwirten eingerichtete alte Steinbrüche und Kalköfen. Der in dem um 1877 in Betrieb gegangenen Plöger Kalksteinbruch gebrochene Kalk wurde zunächst mit Pferdefuhrwerken abgefahren. Um 1890 wurde der Röbbecker Steinbruch über einen Bremsberg an die im Hefel verlaufende Eisenbahn angeschlossen.
1895 begann man mit Aufschlussarbeiten der Bleierzgrube Vereinigte Glückauf südlich des Hefels. Der Hauptförderschacht erreichte eine Teufe von 252 m. Anlass für die Aufschließungsarbeiten an dieser Stelle war wohl die Nähe des Fundpunktes ‚Helene‘ im Röbbecker (Plöger) Steinbruch. In dem von der Gewerkschaft ‚Stolberg‘ seit Mitte der 1870er Jahre betriebenen Steinbruch hatte man die Reste eines alten, teilweise verbrochenen Stollen in einem Erzgang gefunden. Im Jahr 1912 war die Schachtanlage ‚Schacht 2‘ bereits seit einiger Zeit stillgelegt und sollte abgerissen werden. Der erst wenige Jahre alte Schacht 2 brach jedoch aufgrund mangelhafter Standfestigkeit des Gebirges mit allen Gebäuden und Förderanlagen ein.
Nach Aufgabe der Schmalspurbahn vom Hefel über das Hespertal nach Hesperbrück bzw. bis in Höhe Zeche Richradt im Jahre 1916 wurden auch der Röbbecker Steinbruch und die anderen Kalksteinbrüche im Hefel aufgegeben.
Entwicklung nach 1945 mini|Ehem. Rottberger Schule