mini|hochkant|T. E. Lawrence bei Rabegh, nördlich von Jidda, 1917 Lawrence von Arabien ist ein britischer Monumental- und Historienfilm des Regisseurs David Lean und des Produzenten Sam Spiegel, angelehnt an den autobiografischen Kriegsbericht Die sieben Säulen der Weisheit von Thomas Edward Lawrence. Das bildmächtige Wüstenepos hatte am 9. Dezember 1962 in London Weltpremiere und machte die Hauptdarsteller Peter O’Toole und Omar Sharif international bekannt. Es erhielt sieben Oscars und zählt zu den angesehensten Werken der Filmgeschichte.

Handlung Der Film beginnt mit dem Tod von Lawrence im Jahre 1935 durch einen Motorrad-Unfall und seinem Begräbnis in der St.-Pauls-Kathedrale. Ein prominenter Besucher der Beerdigung, der von einem Reporter um eine Würdigung der Person von Lawrence gebeten wird, lobt diesen vordergründig und erzählt nachher seinem Begleiter von den Defekten im Charakter von Lawrence.

Im Ersten Weltkrieg wird der bislang in Kairo tätige britische Offizier Thomas Edward Lawrence für drei Monate auf die arabische Halbinsel entsandt, um die Entwicklungen um den arabischen Führer Prinz Faisal zu beobachten. Der exzentrische und wenig soldatisch auftretende Lawrence macht sich mit einem Führer auf den Weg, wobei er versucht, sich der Lebensweise des Beduinen anzupassen. An einem Brunnen kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem arabischen Reiter, der Lawrence’ Führer erschießt: Der Führer gehörte einem anderen Beduinenstamm an und durfte daher nicht aus diesem Brunnen trinken.

Lawrence lehnt die Führung des Fremden ab und erreicht das Lager der Beduinen zu deren Erstaunen auch ohne Führer. Er findet die Armee Faisals als unorganisierten Haufen vor, der den Möglichkeiten der modernen Kriegsführung überfordert gegenübersteht. Hier begegnet er dem fremden Reiter wieder und lernt ihn als den mächtigen Sherif Ali kennen. Er nennt den Arabern Damaskus als das ehrgeizige Ziel des Kriegszuges.

Lawrence überredet Sherif Ali, mit ihm und einem kleinen Trupp von 50 Mann unter hohem Risiko die kaum passierbare Wüste Nefud zu durchqueren und so in den Rücken der zur See hin gut geschützten Hafenstadt Akaba zu gelangen. Die Stadt ist von türkischem Militär besetzt. Unbemerkt reiten die zwei Waisenjungen Farraj und Daud mit, die Lawrence auf ihren Wunsch hin zu seinen Dienern ernennt. Den Kameraden Gasim, der beim nächtlichen Ritt durch die Wüste vom Kamel stürzt und zurückbleibt, sowie Daud rettet er durch seine tollkühn erscheinende Umkehr in der glühenden Tageshitze. Dafür erhält er von Sherif Ali ein Beduinengewand. Vor Akaba gewinnt er mit psychologischem Geschick die Unterstützung lokaler Stämme unter Auda Abu Tayi und vergrößert so seine Streitmacht. Am Abend vor dem Angriff muss er ausgerechnet Gasim, den er aus der Wüste gerettet hat, als Mörder hinrichten, um eine Blutfehde zwischen den Arabern zu verhindern. Zu seinem Schrecken muss er sich im Nachhinein eingestehen, dass er diese Tat genossen hat. Am nächsten Tag gelingt es ihm, Akaba im Überraschungsangriff einzunehmen, dessen Kanonen dem Meer zugewandt waren.

Bei der Feier ihres Sieges kommen Unruhen auf, als Auda merkt, dass in Akaba kein Gold, sondern Geld liegt. Lawrence beruhigt ihn, indem er ihm den Gegenwert des Geldes in Gold von Großbritannien verspricht.

Er reitet daraufhin mit Daud und Farraj zurück zu den Briten. Dabei gerät Daud in Treibsand, woraus Lawrence und Farraj ihn nicht befreien können, sodass Daud stirbt. Beim britischen Militär angekommen, begibt Lawrence sich ins Hauptquartier und verursacht große Aufregung und Verwunderung, da er Beduinenkleidung trägt und darauf besteht, dass Farraj ihn ins Offizierskasino begleitet. Hier bestellt er für beide ein Getränk und gibt seine Einnahme von Akaba bekannt. Nachdem er sich mit seinen Vorgesetzten besprochen hat, kehrt er zu den Arabern zurück.

Nach dem Sieg verfällt die Disziplin der arabischen Kämpfer, die nur an Kriegsbeute interessiert sind und nicht an langfristige Erfolge denken. Es gelingt Lawrence jedoch, durch eine Guerillataktik weitere Erfolge gegen die Türken und deren Versorgungslinien zu erzielen. Bei einer dieser Aktionen wird Farraj in einem Unfall durch Sprengpatronen schwer verletzt und von Lawrence erschossen, um ihn vor der türkischen Gefangenschaft zu bewahren. Er wird zum bewunderten Anführer „El ’awrence“, der aber dem Fatalismus der Araber den Gedanken der Willensfreiheit entgegenhält. Nebenbei werden seine Taten von einem amerikanischen Reporter festgehalten, der den Auftrag hat, die Öffentlichkeit seines Landes durch eine Heldengeschichte auf einen Kriegseintritt vorzubereiten.

Lawrence beginnt, sich in seiner Selbstüberschätzung für nahezu unverwundbar zu halten. Inkognito sucht er die Stadt Dera im südlichen Syrien auf, wird dort aber von türkischen Soldaten, die ihn nicht erkennen, festgenommen und misshandelt. Durch diese Demütigung fast gebrochen, kehrt er nach Kairo zurück, trägt fortan wieder Uniform und bittet schließlich um seine Entlassung aus dem britischen Militär. Dabei erfährt er, dass die britische und die französische Regierung keineswegs beabsichtigen, den Arabern nach dem Krieg wie versprochen ihre Unabhängigkeit zuzubilligen. Deshalb fasst er den Entschluss, gemeinsam mit den Arabern noch vor den Briten Damaskus einzunehmen, um so einen späteren Einfluss der Briten zu verhindern. Mit einer Gruppe frisch angeheuerter Leibwächter macht er sich auf den Weg. Unterwegs stößt Ali mit seinen Männern zu ihm. Gegen den Willen Alis kommt es zu einem Massaker an Soldaten der geschlagenen türkischen Armee, die sich auf dem Rückzug befindet. Die Araber erreichen Damaskus kurz vor den Briten.

Die Araber sind zu zerstritten, um eine funktionierende Regierung zu bilden und sich so dem Einfluss der Kolonialmächte zu entziehen. Lawrence kehrt mit einem Auto desillusioniert nach Europa zurück. Auf dem Weg überholt sie ein Motorrad, was seine Leidenschaft für Motorräder weckt, um diese Desillusion ausgleichen zu können, eine Leidenschaft, die er befolgt bis zu seinem tödlichen Unfall mit seiner Brough Superior SS100.

Entstehung Besetzung Ursprünglich sollte Montgomery Clift die Rolle des Lawrence spielen. Clift lehnte jedoch ab, darauf diskutierte man über Marlon Brando und Albert Finney, übrigens ein Kommilitone von O’Toole an der Royal Academy of Dramatic Art. Produzent Sam Spiegel schlug dann den nahezu unbekannten Peter O’Toole vor, den er bei The Day They Robbed the Bank of England kennen gelernt hatte. O’Toole begründete mit dem Film seine jahrzehntelange Karriere als einer der führenden Charakterdarsteller.

Die Nase von Anthony Quinn war in Wirklichkeit weniger markant, weshalb sie von der Maske für den Film vergrößert werden musste.

Dreharbeiten Als Peter O’Toole am 24. März 2008 bei dem amerikanischen Talkmaster Jay Leno zu Gast war, gab er folgende Anekdote zum Besten: „Am Tag, als der Sturm auf die Stadt anstand und die Massenszene mit Omar Sharif und mir auf Pferden und den unzähligen Statisten auf Kamelen gedreht werden sollte, beschlossen Omar und ich – da wir eine Heidenangst vor diesem Teufelsritt hatten – uns gründlich zu betrinken. Omar band sich zur Sicherheit noch an seinem Pferd fest. Nachdem wir in der Stadt angekommen waren, musste jemand von der Requisite Omar vom Pferd losschneiden, da dieser mittlerweile vom Pferd herunter hing. In einem Zeitungsartikel bewunderte man später die unglaubliche Entschlossenheit, die während des Ritts in meinem Blick gelegen hatte. In Wahrheit war ich zu dem Zeitpunkt einfach nur sternhagelvoll.“

Die Flugzeuge, die den Angriff auf das Lager der Araber fliegen, sind vom Typ Tiger Moth. Dieser Flugzeugtyp war zu der Zeit, als der Film spielt, noch gar nicht entwickelt, und hatte erst 1931 seinen Jungfernflug. Dennoch nutzen viele Filme diesen Typ, um Flugzeuge des Ersten Weltkrieges darzustellen, vor allem, weil er als fragiler Doppeldecker zu gängigen Vorstellungen passt, leicht verfügbar war/ist und zudem noch eine sehr ausgereifte Konstruktion ist.

Am Filmset lernte König Hussein von Jordanien bei einer Inspektion seiner als Statisten eingesetzten Truppen seine zweite Ehefrau, die britische Filmassistentin Antoinette Avril Gardiner kennen.

Drehorte Die Mehrzahl der Wüstenszenen wurde in Jordanien gedreht und somit an Originalschauplätzen. Die schwarze Basaltlandschaft des Jebel Tubayg an der Grenze zu Saudi-Arabien zählt dazu, ebenso die Wüste Nefud. Das Wadi Rum mit seinen roten Klippen und den riesigen, zerklüfteten Felsen aus Sandstein ist wohl der spektakulärste unter den jordanischen Drehorten. Im Film wurde u. a. das Lager von Prinz Faisal hier angesiedelt.

Weitere Wüstenaufnahmen entstanden in der spanischen Wüste von Tabernas, im marokkanischen Ouarzazate sowie in den Imperial Sand Dunes von Kalifornien.

Die Stadt Akaba wurde an einem Strand namens Playa del Algarrobico in der Nähe der spanischen Stadt Almería errichtet. Ebenso wurde im spanischen Naturpark Cabo de Gata gedreht. Verschiedene maurische Paläste von Sevilla dienten als Kulisse für Schauplätze wie Kairo oder Jerusalem.

In Marokko gehörte die Siedlung Ait Benhaddou, nordwestlich von Ouarzazate, zu den Drehorten. Die Lehmbausiedlung, heute ein UNESCO-Weltkulturerbe, diente später auch als Kulisse für Filme wie Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil, Gladiator, Jesus von Nazareth und Die Mumie.

Die Anfangsszene, in der Lawrence mit dem Motorrad tödlich verunglückt, wurde in Chobham, Surrey, England, gedreht.

Rezeption Kritiken

Lawrence von Arabien gilt als Meisterwerk, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Verbrieft Frisch“ ein. Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Höchstwertungen „Einhelliges Lob“.

Der Filmhistoriker Ulrich Gregor sah in dem Film eine „romantische Glorifizierung eines ‚Übermenschen‘“.Ulrich Gregor: Geschichte des Films ab 1960. Bertelsmann, München 1978, ISBN 3-570-00816-9, S. 200.

Kritisiert wurde gelegentlich, dass Lawrence von Arabien sich viele Freiheiten in Chronologie und Geographie nimmt. Lawrence’ Bruder A. W. Lawrence kritisierte den Drehbuchautor: „From opening […] to the end, almost every event in this script is either fictitious or fictionalized.“

René Malgo schrieb bei Filmstarts: „Ist die spontane Begeisterung nach einem Film erst einmal verflogen, macht sich oftmals eine kleinere Ernüchterung breit.“ Nicht so bei diesem Film, denn selbst „Klischeehafte Charaktere […] [wurden] allesamt von hervorragenden Darstellern zum Leben erweckt und glaubwürdig gemacht.“ „Die Vergangenheit spürbar machen, dafür braucht es neben überzeugenden Darstellern durchaus auch einen Schuss verklärender Romantik. Diese bietet Lawrence von Arabien ihrer fast zuviel, macht dafür aber die Faszination und Begeisterung des T. E. Lawrence für die Wüste deutlich spür- und greifbar.“ Fazit: „Es ist das Epos schlechthin. Ein Werk der Superlative. Eine meisterliche Leistung seinesgleichen. Die großspurige Rede ist vom abenteuerlichen Wüstenklassiker Lawrence von Arabien. Ein mit Huldigungen überhäufter Meilenstein seines Genres.“René Malgo: Lawrence von Arabien-Filmkritik bei filmstarts.de, abgerufen.