La verità in cimento (RV 739, deutsch etwa: „Die Wahrheit auf dem Prüfstand“) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „dramma per musica“) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Giovanni Palazzi und Domenico Lalli. Sie wurde am 26. Oktober 1720 im Teatro Sant’Angelo in Venedig uraufgeführt.
Handlung
Vorgeschichte
Sultan Mamud von Cambaja besitzt zwei Söhne, die am selben Tag geboren wurden: einen legitimen mit seiner Ehefrau Rustena und einen Bastard von seiner Favoritin Damira. Da er letztere sehr liebt und sein Versprechen, sie zur Gattin und Sultanin zu machen, nicht erfüllen kann, gibt er ihrem Wunsch nach, die beiden Säuglinge zu vertauschen. Damiras Sohn Melindo wird offizieller Thronfolger, während Zelim als Bastard aufwächst. Weder Rustena noch die Kinder wissen von der Täuschung. Nach vielen Jahren sollen die schon lange andauernden Spannungen zwischen Cambaja und dem von der Erbprinzessin Rosane beherrschten Reich Joghe durch eine Ehe Rosanes mit dem Thronfolger Cambajas beigelegt werden. Da Mamud mögliche Komplikationen vermeiden will, beschließt er, seine Lebenslüge aufzuklären.
Kurzfassung
Erster Akt. Mamud erklärt Damira seine Entscheidung. Sie kann das nicht akzeptieren und will zu einer List greifen. Zelim, der Rosane liebt, sucht bei seiner vermeintlichen Mutter Damira Trost, weil er noch immer glaubt, dass sie seinen Bruder heiraten soll. Rosane weist ihn ab, weil ihr mehr an der Macht als an der Liebe liegt. Es kommt zum Streit zwischen den Brüdern, denn Melindo glaubt, Zelim wolle ihm den Thron rauben. Mamud versucht noch einmal vergeblich, Damira zu überzeugen. Um ihm zuvorzukommen, teilt sie Rustena mit, dass Mamud fälschlicherweise und gegen ihren eigenen Willen erklären wolle, die Kinder vertauscht zu haben. Rosanes zwiespältiges Verhalten bringt die Gefühle ihrer beiden Verehrer durcheinander.
Zweiter Akt. Mamud klärt Rosane über den Kindertausch auf und bittet sie, den wahren Thronfolger Zelim als Gatten anzunehmen. Sie teilt das Melindo mit, der wiederum Damira die Schuld an seinem Unglück zuweist. Zelim akzeptiert die Wahrheit und will großmütig handeln. Rustena glaubt noch immer Damiras Behauptung, dass Mamuds Erklärung eine Lüge sei. Sie verspricht dem verzweifelten Melindo, ihm wieder zu seinem Recht zu verhelfen. Mamud erklärt Zelim und Rosane zu seinen Erben. Damira behauptet jedoch, dass Zelim ihr Sohn sei, und überredet ihn, auf den Thron zu verzichten. Melindo greift zu seiner Waffe. Alle sind verwirrt.
Dritter Akt. Mamud zwingt Damira, ein Dokument zu unterschreiben, in dem sie gesteht, die Kinder vertauscht zu haben. Sie erzählt das Rustena und rät ihr, es vor der Hochzeit öffentlich zu machen, um Mamud zu diskreditieren. Rustena sorgt sich um die Zukunft. Melindo wird immer verzweifelter. Zelim zeigt Verständnis für ihn und ist sogar bereit, seinetwegen auf Rosane zu verzichten. Mamud legt Rustena Damiras Geständnis vor. Diese erklärt jedoch, dass es erzwungen war. Zelim beendet die Streitigkeiten, indem er offiziell auf Rosane und das Reich Joghe verzichtet und sich mit Cambaja als Erbe begnügt. Da ihr Sohn Melindo nun glücklich werden kann, gibt auch Damira den Kindertausch zu. Beide Mütter schließen ihre wahren Söhne in die Arme.
Erster Akt
Abgelegener Teil des Palasts mit verschiedenen Wohnungen
Szene 1. Mamud versucht, Damira seine Entscheidung zu erklären. Selbstverständlich ist sie nicht froh darüber, dass ihr Sohn Melindo nun auf den Thron verzichten soll. Sie droht, ihm öffentlich zu widersprechen und tausend Intrigen gegen ihn zu spinnen. Mamud lässt sich dadurch nicht beeinflussen (Arie Mamud: „Mi fe reo l’amor d’un figlio“).
Szene 2. Zelim sucht Trost bei seiner vermeintlichen Mutter Damira. Er liebt Rosane und kann es nicht ertragen, dass sie seinen Bruder heiraten soll. Damira täuscht weiterhin Mutterliebe vor, rät aber, die Entscheidung seines Vaters zu akzeptieren (Arie Damira: „Vorrei vorrei veder anch’io“).
Szene 3. Rustena, Rosane und Melindo treffen auf den unglücklichen Zelim. Rosane verzichtet gerne auf Zelims Liebe, um an seiner Stelle den Thronfolger zu heiraten (Arie Rosane: „Solo quella guancia bella“ oder „Con più diletto il mio cupido“).
Szene 4. Rustena versichert Melindo ihrer Zuneigung und bemüht sich, Zelim zu trösten (Arie Rustena: „Ne’ vostri dolci sguardi“ oder „Il ciglio arciero“ oder „La pena amara“).
Szene 5. Zelim bittet seinen Bruder um Entgegenkommen, erhält aber nur hochmütige Beleidigungen zur Antwort (Arie Zelim: „Tu m’offendi“).
Szene 6. Melindo glaubt, sein Bruder wolle ihm hinterlistig sein Reich und seine Braut rauben (Arie Melindo: „Là del Nilo su l’arene“).
Privatgemach des Sultans
Szene 7. Unglücklich über den Streit zwischen seinen Söhnen versucht Mamud noch einmal, Damira von der Richtigkeit seines Vorgehens zu überzeugen. Sie erinnert ihn an ihre frühere Liebe und sein Versprechen und schwört Rache, falls er dabei bleiben sollte. Für einen kurzen Moment scheint Mamud nachgeben zu wollen, zeigt aber schnell wieder Entschlossenheit.
Szene 8. Damira begibt sich zu Rustena, um zugunsten ihres Sohnes zu intrigieren. Sie behauptet, dass der Sultan als Entschädigung dafür, dass er sie damals nicht heiraten konnte, öffentlich erklären wolle, die beiden Kinder kurz nach der Geburt vertauscht zu haben. Sie selbst sei dagegen, da sie ihren Sohn mehr liebe als das Königreich (Arie Damira: „Se l’acquisto di quel soglio“ oder „Se vincer non si può“).
Szene 9. Obwohl Rustena ihrer Rivalin nicht traut, erscheint ihr ihre Behauptung glaubwürdig. Sie beklagt ihr unglückliches Schicksal (Arie Rustena: „Fragil fior ch’appena nasce“).
Lieblicher Garten mit Zitronatbäumen
Szene 10. Während sich Rosane und Melindo ihre gegenseitige Zuneigung zeigen, leidet Zelim unter Eifersucht (Terzett Rosane/Zelim/Melindo: „Aure placide e serene“). Er kann ihre Erklärungen nicht akzeptieren und glaubt ihr nicht, als sie behauptet, dass sie sich wieder ihm zuwenden wolle, falls sie Melindo nicht heiraten könne (Arie Zelim: „No non ti credo“ oder „Non posso prestar fede“ oder möglicherweise „Sei tiranna“).
Szene 11. Auch Melindo findet Rosanes Liebesbeteuerungen wenig glaubwürdig (Arie Melindo: „So che piace alle belle vezzose“ oder „I lacci tende“ oder „Mi vuoi tradir lo sò“).
Szene 12. Rosane versucht, ihr Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen. Ihr persönliches Glück ist ihr wichtiger als die Liebe (Arie Rosane: „Amato ben tu sei la mia speranza“).
Zweiter Akt
Atrium mit Säulenreihen
Szene 1. Mamud hat Rosane inzwischen über den Kindertausch aufgeklärt und bittet sie, Zelim anstelle von Melindo als künftigen Gemahl zu akzeptieren (Arie Mamud: „Vinta à piè d’un dolce affetto“).
Szene 2. Rosane teilt Melindo mit, dass sie sich nun wieder Zelim zuwenden müsse, obwohl sie eigentlich ihn liebe (Arie Rosane: „Addio caro; tu ben sai quanto fida“).
Szene 3. Der enttäuschte Melindo gibt Damira die Schuld an seinem Unglück. Zelim dagegen akzeptiert Rustena gern als seine wahre Mutter. Er vergibt Damira die Täuschung, dankt ihr für ihre vielen Wohltaten und versichert Melindo seiner brüderlichen Liebe. Zu seiner Überraschung erklärt Rustena, dass sie nicht glaube, dass er ihr Sohn sei. Damira redet beschwichtigend auf alle ein. Ihre Intrige scheint aufzugehen (Arie Damira: „Semplice semplice non temer“).
Szene 4. Trotz Rustenas Zweifeln ist Zelim überzeugt davon, der wahre Thronerbe zu sein. Er versichert ihr und seinem Bruder, dass er sie trotz seines veränderten Standes weiterhin liebe (Arie Zelim: „Un tenero affeto“).
Szene 5. Rustena verspricht Melindo, dass sie Mamuds Lüge aufdecken und ihm zu seinem Glück verhelfen werde (Arie Rustena: „Il ciglio arciero“ oder „Quel bel ciglio, quel bel volto“ oder „Non veglia così cauto il pastorello“).
Szene 6. Melindo ist zutiefst enttäuscht vom Verhalten seines Vaters und der Treulosigkeit seiner Geliebten (Arie Melindo: „Sguardo/Occhio non gira“).
Königlicher Saal mit zwei Thronen
Szene 7. Mamud erklärt Zelim und Rosane zu seinen Thronerben. Er gibt Damira die Schuld für die ursprüngliche Täuschung. Rustena widerspricht ihm und erklärt, dass seine angebliche Aufklärung eine Lüge sei. Damira setzt ihre Intrige fort, indem sie Zelim als ihren Sohn bestätigt. Sie überredet ihn, auf den Thron zu verzichten, um den Konflikt zu beenden. Mamud wird wütend auf die beiden Frauen und beharrt darauf, dass Zelim beide Throne erben werde.
Szene 8. Melindo wirft seinem Vater Ungerechtigkeit, seinem Bruder Machtgier und Rosane Untreue vor. Letztere fleht Mamud an, die Täuschungen zu beenden. Sie versichert Melindo, dass ihr Herz nur ihm gehöre (Arie Rosane: „Tu sei sol dell’alma mia“).
Szene 9. Mamud fordert Zelim auf, den Thron wieder zu besteigen. Melindo zieht sein Schwert, um ihn daran zu hindern. Zelim verzichtet freiwillig und bemüht sich, seinen zürnenden Vater zu besänftigen. Der Akt endet in allgemeiner Verwirrung, als die beiden Mütter ihre vermeintlichen Söhne zu sich rufen und Mamud auf seiner gegenteiligen Meinung beharrt (Quintett: „Anima mia, mio ben“).
Dritter Akt
Königliche Gemächer
Szene 1 (in der späteren Fassung gestrichen). Zelim und Melindo zürnen Mamud: Zelim glaubt ihm nicht, und Melindo ist enttäuscht über seine Zurücksetzung. Obwohl Mamud verspricht, einen Beweis für Zelims Legitimität vorzulegen, schwankt dieser weiterhin zwischen Hoffnung und Verzweiflung (Arie Zelim: „Lo splendor ch’à sperare“).
Szene 2 (in der späteren Fassung gestrichen). Melindo will die Tyrannei seines Vaters nicht akzeptieren (Arie Melindo: „Crudele tu brami“).
Szene 3. Mamud verspricht Damira Vergebung, sofern sie unterschreibt, dass sie selbst die Kinder vertauscht habe. Als sie das ablehnt, droht er, Melindo zum Tode zu verurteilen, weil er sein Schwert gegen seinen Vater und seinen Bruder erhoben habe. Daraufhin unterzeichnet Damira das Dokument. Mamud hält seine Methoden für legitim, da sie der Vernunft dienen (Arie Mamud: „Quando serve alla ragione“).
Szene 4. Damira hat noch nicht aufgegeben. Sie erzählt Rustena, dass Mamud sie unter Androhung von Gewalt zur Unterschrift gezwungen habe, und rät ihr, das vor der Hochzeitszeremonie im Tempel öffentlich zu verkünden. Insgeheim lacht sie über die Leichtgläubigkeit ihrer Rivalin (Arie Damira: „Lagrimette alle pupille“).
Szene 5. Rustena gibt ihrer Verzweiflung über Mamuds Grausamkeit Ausdruck. Sie fürchtet, ihren Sohn, ihren Gatten und den Thron zu verlieren (Arie Rustena: „Cara sorte di chi nata“ oder „Io son fra l’onde“).
Vorhalle zum Tempel
Szene 6. Melindo greift seinen Bruder wütend an, wird aber schnell entwaffnet (Accompagnato: „Cadrai, fellon placa ò German, lo sdegno“). Rosane versucht vergeblich, ihn zu beschwichtigen.
Szene 7. Trotz allem zeigt Zelim Verständnis für seinen Bruder. Er teilt Rosane mit, dass er lieber auf sie verzichten wolle, als ihn unglücklich zu sehen. Rosane ist dankbar (Arie Rosane: „Con cento, e cento baci“).
Szene 8. Zelim tröstet sich über den Verlust Rosanes damit, dass er sie glücklich sehen wird (Arie Zelim: „Sia conforto alle tue piaghe“ oder „Lo splendor ch’ha sul volto il mio bene“).
Offener Tempel
Szene 9 (größtenteils gestrichen). Mamud hat Rustena das unterschriebene Geständnis gezeigt. Als es sie fragt, ob sie ihm jetzt glaube, verkündet Damira, dass ihre Unterschrift erzwungen war.
Szene 10. Zelim gibt bekannt, dass er Rosane und den Thron Joghes Melindo überlässt. Er begnügt sich mit der künftigen Herrschaft über Cambaja. Damit sind alle zufrieden. Damira gibt den Kindertausch zu, und die beiden Mütter schließen ihre wahren Söhne in die Arme (Chor: „Dopo i nembi e le procelle“).
Gestaltung
Libretto