mini|Irland um 1300, pink die von England beherrschten Gebiete Der Krieg der Bruce in Irland von 1315 bis 1318 war der Versuch des Königreichs Schottland, das unter englischer Herrschaft stehende Irland zu erobern. Der Feldzug scheiterte mit einer völligen Niederlage und der Vertreibung der Schotten aus Irland.
Vorgeschichte Während des Ersten Schottischen Unabhängigkeitskriegs kämpfte Robert Bruce seit 1306 gegen die englische Oberherrschaft in Schottland. Im März 1306 hatte er sich zum König der Schotten erhoben. Nach anfänglichen Rückschlägen gelang es ihm ab 1307, Schritt für Schritt die von englischen Truppen besetzten Burgen und Festungen in Schottland zu erobern und die Engländer zurückzudrängen. Als der englische König Eduard II. 1314 ein großes Heer nach Schottland führte, konnten die Schotten es unter Führung von Robert Bruce in der Schlacht von Bannockburn entscheidend schlagen. Trotz der schweren Niederlage gab der englische König aber seine Ansprüche auf Schottland nicht auf und weigerte sich, Robert Bruce als schottischen König anzuerkennen. Daraufhin nahmen die Schotten ihre Überfälle auf Nordengland wieder auf.
Ziele des Feldzugs Nach dem Sieg bei Bannockburn wollte Robert Bruce den Kriegsschauplatz ausweiten. Er nahm nicht nur die schottischen Überfälle auf Nordengland wieder auf, sondern plante auch einen Angriff auf das weitgehend unter englischer Herrschaft stehende Irland. Dieser Angriff hatte mehrere Ziele. Zum einen waren aus Irland beständig Männer und Nachschub für die englischen Angriffe nach Schottland gekommen. Die Häfen von Dublin, Dundalk und Drogheda dienten als Stützpunkte für englische Schiffe, die die westschottische Küste angriffen. Erst im Februar 1315 hatte der von Robert Bruce aus Schottland vertriebene John of Lorne, der nun in englischen Diensten stand, die Isle of Man erobert. Er wollte die strategisch wichtige Insel offenbar als Basis für weitere Angriffe auf die westschottischen Inseln nutzen. Der schottische Angriff auf Irland war als Gegenschlag zum Angriff auf Man geplant.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 212. Möglicherweise sollte Irland auch erobert werden, um Schottland zusätzlich mit Getreide und Vieh zu versorgen.Michael Penman: Robert the Bruce. King of the Scots. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-14872-5, S. 164. Die Schotten erwarteten Hilfe von der einheimischen irischen Bevölkerung, da Irland nicht vollständig von England unterworfen war und Teile der irischen Häuptlinge weiter gegen die Engländer kämpften. Diese strategischen Ziele der Schotten wurden durch familiäre Ambitionen der Brüder Bruce ergänzt. Edward Bruce, der jüngere Brucer von Robert Bruce, strebte selbst nach einer Königswürde und wollte sich zum Hochkönig von Irland erklären. Neben dem Traum von einem geeinten schottisch-irischen Reich spielten bei dem Vorhaben auch die engen traditionellen Bindungen von Westschottland nach Ulster eine wichtige Rolle. Unter den Verbündeten des mit Bruce verbündeten westschottischen Adligen Angus Og MacDonald in Ulster fand Edward Bruce seine wichtigsten Verbündeten. Der Führer dieser Verbündeten, Domhnaill O’Neill aus Tyrone soll Edward Bruce nach Irland eingeladen und an ihn seinen Anspruch auf den Königstitel abgetreten haben. Dabei hoffte O’Neill, mit Hilfe der Schotten seine eigenen irischen Gegner, vor allem Aed O’Domhnaill zu besiegen. Dieser wurde von schottischen Exilanten unter Führung von John MacSween unterstützt. Die Landung von Bruce in Irland fachte damit alte lokale Konflikte an.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 265.
Die schottische Invasion von Irland Landung in Ulster Edward Bruce landete am 26. Mai 1315 bei Larne in Antrim.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 253. Seine Armee war vermutlich klein, aber kampferprobt. Neben Edward Bruce gehörten ihr mit Thomas Randolph, 1. Earl of Moray, John Soulis und Philip Mowbray erfahrene Militärs an. Dazu bildeten Krieger von den Hebriden, vor allem von den MacDonalds und MacRuairis, die teils schon Erfahrungen im Kampf in Irland gesammelt hatten, den Kern der schottischen Streitmacht.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 264. Am 6. Juni 1315 wurde Edward Bruce mit Unterstützung von Domhnaill O’Neill und anderen irischen Adligen als Hochkönig von Irland inthronisiert.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 254.Michael Penman: Robert the Bruce. King of the Scots. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-14872-5, S. 167. Zugleich begann Edward Bruce mit der Belagerung von Carrickfergus Castle, der wichtigsten Burg von Ulster, die auch die Nachschublinien nach Schottland bedrohte. Obwohl die Burg erst nach einjähriger Belagerung erobert werden konnte, war die Festung durch die Belagerung neutralisiert.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 255. Am 29. Juni eroberten die Schotten nach einem harten Kampf Dundalk, wo sie unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichteten. Dies sollte die teils zögerliche irische Bevölkerung bewegen, sich den Schotten anzuschließen, denn im anderen Fall würden die Schotten sie als Gegner behandeln.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 68. Richard de Burgh, 2. Earl of Ulster hatte seine Vasallen gegen die Schotten aufgeboten. Nach einigen kleineren Gefechten und Zerstörungen von Städten und Dörfern konnte Edward Bruce das Aufgebot aus Ulster und den anderen Besitzungen des Earls am 10. September bei Connor in Down in der sog. Schlacht von Connor besiegen. Daraufhin ging de Burgh nicht mehr aktiv gegen die schottischen Invasoren vor und beschränkte sich auf die Verteidigung seiner übrigen irischen Besitzungen.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 256. Die Niederlage des Earls of Ulster sicherte Edward Bruce eine Basis in Ulster, die er nun versuchte, auszubauen. Mitte September 1315 kehrte der Earl of Moray mit fünf mit Beute aus Irland beladenen Schiffen nach Schottland zurück. Ein Schiff sank auf der Fahrt, doch die anderen vier Schiffe kehrten nach ihrer Entladung mit 500 weiteren schottischen Kämpfern nach Irland zurück.Michael Penman: Robert the Bruce. King of the Scots. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-14872-5, S. 166. Allerdings war Moray offenbar in Schottland geblieben.Michael Penman: Robert the Bruce. King of the Scots. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-14872-5, S. 168.
Englische Abwehrmaßnahmen Die Zeit und der Ort der schottischen Landung waren für die Engländer überraschend gekommen,Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 248. obwohl der englische König Eduard II. möglicherweise bereits im März 1315 von dem geplanten schottischen Feldzug erfahren hatte.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 260. Noch bevor er von der schottischen Invasion erfahren hatte, gab der englische König im Juni 1315 den Befehl, eine englische Flotte in der irischen See aufzustellen. Dieser Befehl kam aber zu spät, um die schottische Landung aufzuhalten und wurde wie andere Befehle des Königs wegen Geldmangel auch nicht umgesetzt.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 262. Nachdem der englische König von der schottischen Invasion erfahren hatte, handelte er aber rasch. Am 1. September 1315 beschloss eine Ratsversammlung der Magnaten in Lincoln, den Beamten John Hotham nach Irland zu schicken. Hotham hatte schon mehrere Ämter in Irland bekleidet und sollte nun dort den weiteren Widerstand gegen die Schotten organisieren. Hotham saß jedoch zunächst in Chester fest, nachdem schottische Piraten unter Führung von Thomas Dun den Hafen von Holyhead auf Anglesey geplündert und ein königliches Schiff, die James of Caernarfon, geentert hatten. Erst am 5. November erreichte Hotham Dublin. Dort organisierte er die Verteidigung der Stadt.Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 261. Aufgrund der Aktivitäten von Dun vor Nordwales befürchtete die englische Regierung Ende 1315 auch eine Landung von Iren und Schotten in Wales. Tatsächlich soll Edward Bruce 1315 oder 1316 in Kontakt mit Sir Gruffydd Llwyd, dem englischen Steward von Cardiganshire gestanden haben. Eine schottische Landung in Wales wurde aber offenbar nie ernsthaft erwogen. Vielleicht hofften die Schotten aber, dass die Engländer ihre Burgen in Wales verstärkten, so dass weitere englische Kräfte gebunden waren. Wegen der Kontakte zu Bruce wurde Gruffydd Llwyd von Dezember 1316 bis etwa 1318 inhaftiert.Michael Penman: Robert the Bruce. King of the Scots. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-14872-5, S. 173.
Schottischer Vorstoß im Winter von 1315 bis 1316 Nachdem Edward Bruce seine Stellung in Ulster gefestigt hatte, führte er sein Heer nach Süden. Dabei plünderten die Schotten weiter in großem Umfang, brannten Höfe und Dörfer nieder und töteten die Einwohner. Im Dezember 1315 schlug Bruce eine von Roger Mortimer of Wigmore geführte Streitmacht bei Kells.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 70. Es gelang ihm aber nicht, das mächtige Trim Castle zu erobern. Nach seiner Niederlage zogen sich Mortimer, aber auch der frühere Justiciar Theobald de Verdon nach England zurück. Damit war Meath quasi ohne Verteidigung und auch Dublin war gefährdet. John Hotham gelang es aber, die verbliebenen anglo-irischen Magnaten zur Fortsetzung des Kampfs zu überzeugen. Die Schotten umgingen Dublin und stießen nach Kildare in Südirland vor. Dort trafen sie auf eine anglo-irische Armee, die von dem Justiciar Edmund Butler und den südirischen Magnaten geführt wurde, bei Ardscull bei Athy am 26. Januar 1316. Die anglo-irische Armee war die letzte Armee, die die Engländer in Irland aufbieten konnte und kämpfte defensiv, während die Schotten nach dem monatelangen Feldzug erschöpft und aufgrund der knappen Vorräte auch ausgezehrt waren. Sie griffen nur halbherzig an, so dass die Schlacht unentschieden ausging. Die Verluste waren gering, doch die Schotten zogen sich angesichts ihrer geringen Vorräte nach Ulster zurück. Damit wurde die Schlacht ein Wendepunkt des Feldzugs. Der erfolgreiche englische Widerstand bei Ardscull war sicher auch der Organisation von Hotham zu verdanken. Anfang Mai 1316 kehrte Hotham nach England zurück, um dem König zu berichten. Dieser dankte aber vor allem John FitzGerald, der zum Earl of Kildare erhoben wurde.
Weiterer Kriegsverlauf 1316