Die Westeuropaliga des Springreitweltcup 2019/2020 (Longines FEI Jumping World Cup 2019–2020, Western European League) war die 42. Saison der west- und mitteleuropäischen Liga des Springreitweltcups. Der Weltcup gilt im Bereich der Westeuropaliga als wichtigste Turnierserie in der Hallensaison.
Ablauf der Turnierserie Veränderungen zur Vorsaison gab es nur in kleinem Rahmen: Die Weltcupturniere in Lyon und Verona tauschten nach einem Jahr wieder ihre Termine, so dass die gewohnte Reihenfolge wiederhergestellt wurde. Göteborg, Finalturnier der letzten Saison, war wieder als normales Wertungsturnier Teil der Westeuropaliga. Damit verschob sich das Ende der Saison der Westeuropaliga wieder leicht nach hinten, sie begann Mitte Oktober 2019 und endete am 23. Februar 2020.
Da das Weltcupfinale 2020 in Nordamerika stattfindet, erhöhte sich die Anzahl der Etappen Westeuropaliga in der 2019/2020 auf 14. Der Titelsponsor der Turnierserie war weiterhin der Schweizer Uhrenhersteller Longines. Alle Turniere der Liga waren als CSI 5*, der höchsten Kategorie im Springreiten, ausgeschrieben. Sie wurden mit dem Zusatz -W (also CSI 5*-W) gekennzeichnet, um sie als Weltcupturniere kenntlich zu machen. Die besten 18 Reiter der Westeuropaliga sowie Zusatzteilnehmer („extra competitors“) hätten sich für das Weltcupfinale 2020 qualifiziert.
Die Wertungsprüfung eines Weltcupturniers der Westeuropaliga wurde üblicherweise am Sonntagnachmittag ausgerichtet. Hiervon wichen drei Turniere ab: In Bordeaux und London wurden die Weltcupspringen bereits am Samstag durchgeführt, in Mechelen findet dieses unabhängig vom Wochentag alljährlich am Nachmittag des 30. Dezember statt.
Ausgeschrieben waren die Weltcupspringen als Springprüfung mit einmaligem Stechen. Die Höhe der Hindernisse betrug bis zu 1,60 Meter bzw. bis zu 1,65 Meter. Ein Preisgeld von mindestens 100.000 € je Wertungsprüfung war auszuschütten.Regeln FEI-Weltcup Springreiten 2018/2019: Artikel 654, Nummer 6 (englisch)
Die Prüfungen Oslo Schon an einem der ersten Wochenenden der Hallensaison in Europa stand die erste Etappe der Westeuropaliga an. Diese fand im Rahmen der Oslo Horse Show statt. Das Reitturnier wurde vom 16. bis 20. Oktober 2019 in der Telenor-Arena in Oslo ausgetragen.
Die erlaubte Zeit des Normalumlaufs hatte Parcoursbauer Elio Travagliati mit 78 Sekunden recht knapp bemessen. Als Folge hiervon verpassten fünf Paare nur aufgrund eines Zeitfehlers den Einzug in das Stechen. 12 weitere Reiter waren mit ihren Pferden ohne Fehler geblieben und bescherten der ersten Etappe gleich ein umfangreiches Stechen.
Der erste Null-Fehler-Ritt des Stechens gelang der zweiten Starterin, Emma Augier de Moussac, mit ihrer Stute Chacco Dia. Doch mit nicht allzu hohem Tempo kam sie nur auf eine Zeit von 43,58 Sekunden, dies sollte am Ende der Prüfung nur zu Rang fünf ausreichen. Direkt der nächste Teilnehmer wählte ein deutlich forscheres Tempo: Bei seinem zweiten Weltcupspringen überhaupt blieb der 22-jährige Schweizer Bryan Balsiger in einer Zeit von genau 40 Sekunden im Stechparcours fehlerfrei.Weltcuptriumph für Bryan Balsiger in Oslo, Sascha P. Dubach / Pferdewoche, 20. Oktober 2019
Die Jagd auf die Zeit Balsigers eröffnete Norwegens erfolgreichster Springreiter Geir Gulliksen, blieb jedoch fast eine Sekunde hinter Balsigers Zeit. Olivier Philippaerts kam mit seiner Schimmelstute Legend of Love sogar in unter 39 Sekunden in das Ziel, jedoch mit zwei Springfehlern. Luciana Diniz reihte sich fehlerfrei in einer Zeit von 40,40 Sekunden auf Rang zwei ein. Diesel, der Hengst von Marlon Módolo Zanotelli, rutschte in einer Wendung weg und verlor so wertvolle Sekunden. Ein Hindernisfehler obendrein verhinderte, dass sie Luciana Diniz von Rang zwei verdrängten. Peder Fredricson gelang die schnellste Runde überhaupt in diesem Stechen, doch auch ihm und All In unterlief ein Fehler.
Auch die letzten beiden Starter konnten Balsigers Sieg nicht verhindern: Christian Kukuks Schimmelhengst Colestus verweigerte vor einem mit hohem Tempo angerittenen Oxer. Auch der Weltranglistenerste Steve Guerdat kam ungünstig zu einem Hindernis, sein Rappe Alamo sprang nicht richtig ab und durchsprang den oberen Teil des Steilsprungs.Ergebnis Weltcupspringen Oslo 2019Weltcupspringen Oslo 2019, Starterliste Stechen
ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s) 1 Clouzot de Lassus 0 – 0 40,00 20 2 Vertigo du Desert 0 – 0 40,40 17 3 Quatro 0 – 0 40,99 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 39 Teilnehmern)
Helsinki Ebenso in Skandinavien fand die zweite Etappe des Westeuropaliga statt: Die Helsinki International Horse Show wurde vom 23. bis 27. Oktober 2019 ausgerichtet. Austragungsort war die Helsingin Jäähalli in Helsinki.
Neun Teilnehmerpaare qualifizierten sich aus dem ersten Umlauf für das Stechen des Weltcupspringen von Helsinki. Mit Platz zehn und dem schnellsten Ritt mit nur einem Hindernisfehler verpasste Michael Jung den Einzug in das Stechen knapp.
Den Auftakt zum Stechen machte der 24-jährige Ire Eoin McMahon, Bereiter im Stall von Ludger Beerbaum. bei seinem Stechritt mit Chacon fiel eine Stange, er schloss am Ende auf Rang sechs ab. Mit dem zweiten Starter, Sergio Álvarez Moya, kam der erste Siegesaspirant in den Parcours. Er blieb erneut fehlerfrei, mit einer Zeit von unter 40 Sekunden war er zudem schnell unterwegs. Knapp langsamer reihte sich Celine Schoonbroodt-de Azevedo mit ihrer Stute Cheppetta direkt hinter Moya ein.
Enorm flink überwanden auch Peder Fredricson und sein 12-jähriger Wallach Christian K den Parcours (37,96 Sekunden). Doch das hohe Tempo forderte Tribut: Fredricson wendete sein Pferd so knapp vor dem wellenförmigen Mauerhindernis, dass dieses den Absprungpunkt für dieses schwer zu taxierende Hindernis nicht fand und durch die Mauer hindurch sprang. Ein weiterer Fehler im Stechkurs ließen ihn die Prüfung auf Rang sieben beenden. Deutlich besser lief es für Robert Whitaker. Nachdem er bereits den Großen Preis am Vorabend gewonnen hatte, setzte er sich auch im Weltcupspringen in Führung.
Unerwartet verliefen der dritt- und der zweiletzte Ritt des Stechens: Denis Lynchs Wallach Chopin's Bushi stieg vor dem zweiten Hindernis und verweigerte die Fortsetzung des Rittes. Kevin Staut kam ebenso wie Peder Fredricson unpassend zur Mauer, sein Wallach For Joy stoppt und Staut stürzte aus dem Sattel. Schlussreiter Christian Kukuk, ebenso wie Eoin McMahon bei Ludger Beerbaum tätig, wählte für seinen Holsteiner Quintino ein bewusst langsames Tempo und kam fehlerfrei in das Ziel, was ihm Platz vier einbrachte.Ergebnis Weltcupspringen Helsinki 2019Weltcupspringen Helsinki 2019, Startliste Stechen ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s) 1 Catwalk IV 0 – 0 38,13 20 2 Jet Run 0 – 0 39,81 17 3 Cheppetta 0 – 0 40,09 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 37 Teilnehmern)
Lyon Frankreichs erste von zwei Etappen in der Westeuropaliga-Saison fand vom 30. Oktober bis 3. November 2019 statt. Austragungsort hierfür war Lyons Messegelände Eurexpo. Das Weltcupspringen im Rahmen des Turniers Equitá Lyon stand am 3. November ab 14:00 Uhr auf dem Programm.
84 Sekunden betrug die erlaubte Zeit im Normalumlauf der Weltcupspringens. Nach gut der Hälfte der Starter hatte fast jeder zweite Ritt mit einer Überschreitung dieser Zeit und somit mit einem Zeitstrafpunkt geendet. Bis zum Abschluss des Normalumlaufs war dennoch 13 der 40 Starterpaaren ein strafpunktfreier Ritt gelungen.
Das Stechen dieser 13 Reiter mit ihren Pferden eröffnete Rene Lopez Lizarazo mit Twig du Veillon mit einem Hindernisfehler in 44,76 Sekunden, diese Leistung reichte lediglich für Rang 13. An Spannung gewann das Stechen mit dem dritten Ritt, Jessica Springsteen unterbot die bisher benötigten Reitzeiten mit 41,85 Sekunden deutlich, zudem gelang ihr mit ihrer Stute Zecilie der erste Null-Fehler-Ritt im Stechen.
Doch die Führung schien ihr gleich der nächste Starter zu entreißen: Alexis Deroubaix kam mit seinem Erfolgspferd Timon d'Aure in 41,54 Sekunden in das Ziel. Doch am letzten Hindernis fiel eine Stange. Bart Bles und Henrik von Eckermann beendeten mit langsameren Nullrunden den Springkurs. Somit dauerte es bis zum neunten Starter, bis die Führung wechselte: Martin Fuchs brachte seinen Schimmelwallach Clooney an den Start und benötigte für den Parcours über eine halbe Sekunde weniger als Springsteen. Auch Fuchs Trainingspartner Steve Guerdat als zehnter Reiter im Stechen unterbot die Zeit von Jessica Springsteen, doch ein Hindernisfehler mit seinem 10-jährigen Wallach Venard de Cerisy verhinderte eine vordere Platzierung für ihn.
Ebenso bei den letzten drei Ritten schien ein Führungswechsel zu greifen nah: Emanuele Gaudiano kam mit Chalou fehlerfrei in knapp über 42 Sekunden in das Ziel, Pieter Devos gelang dies mit seiner Stute Claire Z in 41,95 Sekunden. Mit Julien Epaillards Ritt schien auch noch ein französischer Sieg möglich, doch er kam mit seiner dunkelbraunen Stute Queeletta erst nach 42,92 Sekunden über die Ziellinie (Rang fünf). Damit stand der zweite Schweizer Sieg in der noch jungen Saison der Westeuropaliga fest. Für Martin Fuchs und Clooney war dies nach 2018 der zweite Sieg im Weltcupspringen von Lyon in Folge.Ergebnis Weltcupspringen Lyon 2019Weltcupspringen Lyon 2019, Startliste Stechen ReiterPferd1. UmlaufStechenWertungs-punkteStrafpunkteZeit (s)StrafpunkteZeit (s) 1 Clooney 0 – 0 41,27 20 2 Zecilie 0 – 0 41,85 17 3 Claire Z 0 – 0 41,95 15 (Plätze eins bis drei von insgesamt 40 Teilnehmern)
Verona Nach zwei Jahren, in denen die Pferdesportmesse Fieracavalli im Oktober stattfand, kehrte sie auf ihren Novembertermin zurück und wurde vom 7. bis 10. November 2019 durchgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung fand des Weltcupturnier Jumping Verona auf dem Messegelände Veronafiere in Verona statt.
Der Normalumlauf des Weltcupspringens von Verona erwies sich als etwas zu leicht für das Starterfeld: 26 der 38 Reiter kamen auf Ergebnisse von maximal vier Strafpunkten, überhaupt nur ein Teilnehmer erhielt einen Zeitstrafpunkt. 16 Mal war im Normalumlauf ein fehlerfreier Ritt zu verzeichnen, folglich kam es zum größten Stechen der bisherigen Westeuropaligasaison.
Den Auftakt zum Stechen machte der 25-jährige Filippo Marco Bologni. Mit seinem erst 9-jährigen Wallach Quilazio kam er nach 45,86 Sekunden ohne Fehler in das Ziel. Doch sein direkt nach ihm startender Landsmann Emilio Bicocchi zeigte, dass man den Kurs in einem deutlich anderen Tempo bestreiten musste, um eine Chance auf eine vordere Platzierung zu haben. Mit seiner Zangersheider Stute Evita kam er ohne Fehler ganze acht Sekunden schneller in das Ziel. Gleich die nächsten beiden Reiter, Zoe Conter und Mark McAuley, griffen die Zeit Bicocchis an und lagen in der Zwischenzeit vor ihm. Doch der technisch anspruchsvolle Mittelteil der Stechparcours brachte beiden jeweils acht Strafpunkte ein.
Bicocchis von der Spitze verdrängen konnte erst Marc Houtzager, mit der 11-jährigen Stute Dante betrug seine benötigte Zeit 36,64 Sekunden. Direkt nach ihm folgten Niels Bruynseels und Gancia de Muze, die im Vorjahr hier Dritte geworden waren. Sie schienen Houtzagers Zeit zu unterbieten, doch ein Springfehler verhinderte dies. Anders bei Darragh Kenny, dem in diesem Herbst der Sprung in die Top 10 der Weltrangliste gelungen war. In der Heimatstadt von Romeo und Julia gelang es ihm mit seinem Hengst Romeo mit einer Zeit von nur 36,06 Sekunden die Führung zu übernehmen.