Bei der Evangelischen Kirche in Kobułty () handelt es sich um ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Gotteshaus aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Bis 1945 war sie die Pfarrkirche des evangelischen Kirchspiels Kobulten in Ostpreußen. Heute steht im polnischen Kobułty nur noch der Turm mit einigen Mauerresten des Kirchenschiffs.

Geographische Lage Kobułty liegt 37 Kilometer östlich der Kreisstadt Olsztyn (Allenstein) an einer Nebenstraße, die bei Borki Wielkie (Groß Borken) an der Landesstraße 16 (einstige deutsche Reichsstraße 127) abzweigt und über Popowa Wola (Pfaffendorf) nach Kałęczyn (Kallenczin, 1938 bis 1938 Kallenau) führt.

Die Kirchenruine steht auf einem Hügel im Norden des Dorfes östlich der von Borki Wielkie kommenden Hauptstraße.

Kirchengebäude mini|Der nach 1945 bautechnisch gesicherte Turm der Kirche Ein evangelisches Gotteshaus stand in Kobulten wohl schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts.Kobułty - Kobulten bei ostpreussen.net Es wurde 1574Kobulten (Ev. Kirchspiel) bei GenWiki bzw. 1595Agathon Harnoch, Chronik und Statistik der evangelischen Kirche in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, abgedruckt bei GenWiki: Kobulten (Ev. Kirchspiel), s.o. erwähnt. Am 23. Januar 1830 musste diese Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden.Kobulten bei der Kreisgemeinschaft Ortelsburg

In den Jahren von 1830 bis 1832 wurde eine neue KircheHistorisches Foto der Kirche (außen) gebaut.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 130, Abb. 612–614 Es entstand eine klassizistische Saalkirche aus Backsteinen, der unverkennbar die Handschrift Karl Friedrich Schinkels trägt.Bauzeichnung der Kirche zu Kobulten von Karl Friedrich Schinkel bei den Staatlichen Museen in Berlin Ein vierseitiger Turm steht an der westlichen Giebelseite. Er trug ursprünglich ein hölzernes Ziegeldach.

Der KircheninnenraumHistorisches Foto der Kirche (innen) hatte Seitenemporen. Altar und Kanzel bildeten ein Ganzes.

Eine Besonderheit waren die um 1600 gefertigten Figuren des ChristusHistorisches Foto der Christusfigur sowie der KreuzigungsgruppeHistorisches Foto von der Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes vor dem Kreuz Jesu. Sie wurden wohl dem Heimatmuseum in Ortelsburg (heute polnisch Szczytno) überstellt.

Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1849. Sie verfügte über ein Pedal sowie sieben Register.

Das Geläut der Kirche bestand aus zwei 1869 gegossenen Glocken.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Ob es in Kobulten bereits in vorreformatorischer Zeit eine Kirche gegeben hat, ist ungewiss. Die Kirchenrechnungen jedenfalls reichten bis 1580 zurück. So wurde die Parochie Kobulten wohl in der Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet, und zeitgleich wohl auch eine Kirche gebaut. Sie war königlichen Patronats. Pfarrer sind in Kobulten ab 1599 erwähnt,Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 65–66 die Gottesdienste wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts in polnischer Sprache gehalten, alle vierzehn Tage in Deutsch.

Bis 1945 war das Kirchspiel Kobulten in den Superintendenturbezirk Passenheim (heute polnisch Pasym) des Kirchenkreises Ortelsburg (Szczytno) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 497 Im Jahre 1925 – das Kirchenpatronat lag jetzt bei den staatlichen Behörden – zählte das Kirchspiel 2400 Gemeindeglieder.

In den letzten Kriegsjahren wurde die Kirche zerstört und konnte nicht mehr benutzt werden. Mit Hilfe von Spendengeldern konnte man wenigstens den Turm retten, im Übrigen ist die Bausubstanz völlig verrottet. Die evangelischen Kirchenglieder des jetzt Kobułty genannten Dorfes werden nun von der Pfarrei in Sorkwity (Sorquitten) betreut.Parafia Sorkwity Sie gehört zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Kobulten gehörten bis 1945 18 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Deutscher Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name * Bottowen Bottau Botowo * Kobulten Kobułty Dimmern Dymer * Moythienen Moithienen Mojtyny Dimmernwiese Łąka Dymerska Neu Parlösen Neuparlösen Dimmernwolka Kleindimmern Wólka Dymerska Parlösenwolkaauch: Alt Parlösen (ab 1928:)Parlösen Stara Wólka Dombrowken Dąbrówka Kobułcka * Pfaffendorf Popwa Wola * Groß Borken Borki Wielkie * Rudzisken (seit 1928:)Rudau Rudziska * Haasenberg Labuszewo Saadau Sadowo Klein Borken Borki Małe Sgnilken Knauffshof Zgnilki Klein Parlösen (ab 1928:)Parlösen Parleza Mała Wilhelmsthal Rudne

Pfarrer (bis 1945) An der evangelischen Kirche in Kobulten amtierten als Geistliche die Pfarrer: Johann Lichtenstein, 1599/1600 Michael Tybo, 1621/1626 Martin Guttowius, 1625–1666 Christian Böttcher, 1676–1679 Christoph Lichtenstein, 1680–1724 Samuel Alexius, 1724–1756 Michael Rudell, 1756–1760 Gottfried Gering, 1760–1766 Johann Buttler, 1767–1769 Andreas Schubert, 1770–1775 Benjamin Ursinus, 1776–1788 Michael Ernst Schreiber, 1789–1813 Gottlieb Briese, 1814–1818 Friedrich Joswich, 1818–1825 Daniel Wlotzka, 1826–1857 Edmund Wilh. R. Schickert, 1858–1864 Wilhelm Albert Mendrzyk, 1864–1867 Adolf Jul. Leop. Skopnick, 1868–1878 Julius Nieszytka, 1878–1888 Hugo Otto Buchholz, 1888–1892 Dietrich G. J. Hassenstein, 1892–1900 Georg Albr. M. Stentzler, 1900–1923 Karl Heinrich Heldt, 1924–1929 Eugen Drwenski, ab 1930 Johannes Rohde, 1930–1945 Ernst Ruske, 1942–1945

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren Kategorie:Saalkirche in Polen Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Biskupiec (Powiat Olsztyński) Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg