Ostrhauderfehn () ist eine Gemeinde im Landkreis Leer in Ostfriesland. Verwaltungssitz der Gemeinde ist der gleichnamige Ortsteil. Der Name der Gemeinde rührt von der 1769 gegründeten Fehnsiedlung gleichen Namens her, die wiederum nach dem alten Geestdorf Rhaude im Nordwesten der Nachbargemeinde Rhauderfehn benannt ist. Das Adjektiv lautet Ostrhauderfehntjer mit dem für das Ostfriesische Plattdeutsch üblichen Diminutiv -(t)je.
Geografie Lage und Ausdehnung Die Gemeinde Ostrhauderfehn ist die südöstlichste Gemeinde Ostfrieslands im Nordwesten des deutschen Bundeslandes Niedersachsen. Politisch gehört sie zum Landkreis Leer und liegt in dessen Südosten an der Grenze zu den Landkreisen Cloppenburg und Emsland. Ostrhauderfehn bildet zusammen mit den Gemeinden Rhauderfehn und Westoverledingen das Overledingerland, einen der vier historischen Landstriche auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Leer. Die anderen drei sind das Moormerland, das Lengenerland und das Rheiderland.
Der Ortskern von Ostrhauderfehn liegt etwas mehr als 14 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Leer. Die nächstgelegene Großstadt ist Oldenburg, rund 41 Kilometer in östlicher Richtung. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung zwischen dem Jümmiger Hammrich im Norden und der Kreisgrenze zum Emsland im Westermoor beträgt etwa 15,5 Kilometer, die größte Ost-West-Ausdehnung entlang der Leda bei Potshausen etwas mehr als 5 Kilometer.
Mit Einwohnern, die sich auf nur 51 Quadratkilometer verteilen, ist die ländliche Gemeinde recht dicht besiedelt. Auf jeden Quadratkilometer kommen im Durchschnitt Einwohner. Damit liegt Ostrhauderfehn nicht nur deutlich über dem ostfriesischen Durchschnitt von Einwohnern pro Quadratkilometer, sondern auch über dem niedersächsischen () und nur wenig unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt (233). Unter sämtlichen Gemeinden Ostfrieslands ist dies der elfthöchste Wert, auf Einheitsgemeindeebene bezogen sogar der fünfthöchste nach den Städten Leer, Emden, Norden und Norderney. Nach Einwohnerzahl liegt die Gemeinde auf Rang 19 der Kommunen Ostfrieslands. Unter jenen Einheitsgemeinden auf dem ostfriesischen Festland, die nicht Mitglied einer Samtgemeinde sind, ist Ostrhauderfehn der Fläche nach die zweitkleinste nach Hinte.
Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt dem Hauptort Ostrhauderfehn sowie dem unmittelbar benachbarten Ort Idafehn die Funktion eines Grundzentrums für das Gemeindegebiet zu.landkreis-leer.de: (PDF; 587 KB) S. 13 nach ursprünglicher Paginierung; abgerufen am 29. November 2024.
Gemeindegliederung
Ortschaft Einwohner (2009) zugehörige Ortsteile Ostrhauderfehn 6459 – keine weiteren – Holterfehn 1716 – keine weiteren – Idafehn 1500 – keine weiteren – Langholt 591 – keine weiteren – Potshausen 398 Potshauser Leyhe, Rinzeldorf, Rinzeldorfer Moor, Terheide, Amelsberg, Holterbarge, Ubbehausen Holtermoor 249 – keine weiteren – Gesamt 10.913 —
Nachbargemeinden Ostrhauderfehn hat Nachbargemeinden in den Landkreisen Leer, Emsland und Cloppenburg. Im Westen grenzt Ostrhauderfehn auf der gesamten Länge an die „Schwestergemeinde“ Rhauderfehn, nördlich des Gemeindegebiets liegt die Gemeinde Detern in der Samtgemeinde Jümme. Damit hat Ostrhauderfehn nur zwei Gemeinden im Landkreis Leer als Nachbarn. Die östliche Gemeindegrenze ist mit der Kreisgrenze zur cloppenburgischen Gemeinde Saterland identisch. Auf einem kleinen Teilstück im Süden des Gemeindegebietes grenzt Ostrhauderfehn auch an die Gemeinde Bockhorst in der Samtgemeinde Nordhümmling. Aufgrund der exponierten Lage im äußersten Südosten des Landkreises Leer ist Ostrhauderfehn die einzige ostfriesische Kommune, die an die Nachbarregionen Emsland und Oldenburger Land grenzt. Der gemeinsame Grenzpunkt aller drei historischen Regionen liegt jedoch weit abseits von öffentlichen Straßen mitten im Westermoor.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Zu den Oberflächengewässern auf dem Gebiet der Gemeinde Ostrhauderfehn zählen die Fehnkanäle und Wieken des historischen Fehnsiedlungssystems sowie mehrere natürliche und künstliche Stillgewässer.
Bedeutende Gewässer sind die Leda im Norden des Gemeindegebiets, das Langholter Meer und das teilweise angrenzende Rhauder Meer. Hinzu kommen der Idasee als künstlich entstandenes Freizeitgewässer sowie kleinere Tiefs, Entwässerungsgräben und Schloote, darunter das Langholter Tief.
Das Gemeindegebiet von Ostrhauderfehn ist durch Moor- und Feuchtgebietslandschaften geprägt. Teile des Naturschutzgebietes Esterweger Dose (NSG WE 245) erstrecken sich auf das Gebiet der Gemeinde; dabei handelt es sich um ein großflächiges Hochmoorgebiet im Grenzraum zu den Landkreisen Emsland und Cloppenburg.
Zudem liegen mit dem Langholter Meer und dem weitgehend verlandeten Rhauder Meer bedeutende Feuchtgebiete im Gemeindegebiet beziehungsweise an dessen Rand. Die Niederungsbereiche zeichnen sich durch Nasswiesen, Sümpfe, Weidensumpfgebüsche sowie Erlenbruchwaldreste aus und stehen teilweise unter Landschaftsschutz.
Geologie, Hydrologie und Böden Das geologische Bild der Gemeinde wird – wie in ganz Ostfriesland – vom Pleistozän und vom Holozän bestimmt. Zu den pleistozänen Schichten zählen die wenigen Geestgebiete. Die Böden der ostfriesischen Geest bestehen aus Decksanden und Geschiebelehm.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24. Zu finden sind Geestgebiete in Ostrhauderfehn vor allem entlang des Langholter Tiefs, wo sich Flugsandflächen links und rechts des Flusslaufs befinden. Entlang des Tiefs folgen Niedermoorgebiete dem Flusslauf.
mini|Torfschichten im Moor Zu den holozänen Schichten zählt neben den genannten Niedermoorarealen entlang des Langholter Tiefs der mit weitem Abstand größte Teil des Gemeindegebietes. Im Norden der Gemeinde befindet sich die Flussmarsch der Leda. Die Leda ist ein Tidefluss, was auf dem Ostrhauderfehntjer Abschnitt noch spürbar ist: Selbst am östlichsten Punkt der Leda, der noch auf Gemeindegebiet liegt, beträgt der Tidenhub noch 80 cm. leda-juemme-verband.de; abgerufen am 19. Juni 2011. Entlang der Flussmarsch der Leda befinden sich am Rande Moormarschgebiete, also solche (Nieder-)Moorgebiete, die in früheren Jahrhunderten von Sedimenten aus schluffigem Ton überspült wurden. Die Mächtigkeit der Sedimente beträgt durchschnittlich etwa 40 Zentimeter.
Weite Teile des Gemeindegebietes sind (inzwischen meist abgetorfte) Hochmoorflächen und Übergangsmoore. Der äußerste Süden der Gemeinde besteht aus Hochmoorgebieten. Dabei handelt es sich um Hochmoore, genauer Plateauregenmoore. Ihre Entstehung begann vor rund 11.000 Jahren. Diese Moorflächen gehören zum Großteil zum Naturschutzgebiet Esterweger Dose. Der zentrale Teil des Gemeindegebietes (Ostrhauderfehn, Idafehn, Holterfehn) liegt auf stark humosem Boden auf rekultivierten Abtorfungsflächen, örtlich auch auf Anmoor. Die Böden bestehen aus sandigem Torf, Sand oder lehmigem Sand und liegen stellenweise über Lehm und Ton.Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski u. a.: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 1), Deichacht Krummhörn (Hrsg.): Selbstverlag, Pewsum 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage. Beim Torfstich in früheren Jahrhunderten wurde zunächst die obenliegende Weißtorfschicht abgegraben, um an den darunter liegenden Schwarztorf zu gelangen, der sich im Gegensatz zum Weißtorf im getrockneten Zustand als Brennmaterial eignete. Nach der Abtorfung wurde die Weißtorfschicht, meist zusammen mit herangeschafftem Dung aus den ostfriesischen Marschen, wieder auf das abgetorfte Feld aufgebracht und landwirtschaftlich genutzt.
Zu den Gewässern gehören neben der Leda und den Fehnkanälen auch mehrere kleinere Binnenseen, darunter der Idasee.
Flächennutzung
+ Flächennutzung 2011 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freiflächen 698 davon Wohnflächen 543 davon Gewerbe- und Industrieflächen 38 Betriebsflächen 42 davon Abbauflächen 34 Erholungsflächen 35 davon Grünanlagen 19 Verkehrsflächen 264 davon Straßen, Wege, Plätze 251 Landwirtschaftsflächen 3.151 davon Moore 29 Wasserflächen 256 Waldflächen 157 Flächen anderer Nutzung 497 davon Friedhöfe 3 davon Unland 118 Gesamtfläche 5.100
Die FlächennutzungstabelleQuelle: Niedersächsisches Landesamt für Statistik, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Regionaldatenbank“, ohne Anmelden „Weiter“, als Gast „Weiter“, Auswählen „Flächenerhebung“ und „Zeit und Region festlegen“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Ostrhauderfehn (dazu recht weit herunterscrollen), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“. zeigt den großen Anteil an Landwirtschaftsflächen im Gemeindegebiet: Er beträgt etwa 61,2 Prozent und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 52 Prozent. Im innerostfriesischen Vergleich verfügt Ostrhauderfehn jedoch nur über wenig Landwirtschaftsflächen. In der gesamten Region liegt der Landwirtschaftsanteil an der Gesamtfläche bei rund 75 Prozent.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115
Mit fünf Prozent Wasserflächenanteil überragt Ostrhauderfehn den bundesrepublikanischen Durchschnitt von rund zwei Prozent deutlich, was nicht nur auf die Fehnkanäle zurückzuführen ist, sondern auch auf die Leda im Norden des Gemeindegebiets sowie mehrere Binnenseen und Geestbäche wie das Langholter Tief. Der Waldanteil in Ostrhauderfehn liegt bei etwas mehr als drei Prozent und damit leicht über dem ostfriesischen Durchschnitt von 2,6 Prozent, der jedoch den Waldanteil an der Gesamtfläche der Bundesrepublik extrem unterschreitet. Deutschlandweit sind etwa 29,5 Prozent der Fläche bewaldet. Der Anteil an Unland von 2,31 Prozent ist auf unkultivierte Moorflächen zurückzuführen. Die unter Landwirtschaft aufgeführten Moorflächen hingegen werden auch landwirtschaftlich genutzt.
Klima Ostrhauderfehn liegt in der gemäßigten Klimazone. Das Klima ist von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich die Gemeinde im gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima), bei dem der kälteste Monat eine Mitteltemperatur zwischen 18 °C und −3 °C aufweist und der wärmste Monat eine Temperatur über 10 °C. Die jährliche Niederschlagssumme beim Klimatyp Cf: Feucht-Gemäßigtes Klima bedeutet, dass alle Monate feucht sind und der trockenste Monat mindestens 60 Millimeter Niederschlagsmenge aufweist. Der Klimauntertyp b (warme Sommer) zeigt, dass alle Monate unter 22 °C liegen, es aber noch mindestens vier Monate gibt, die wärmer als 10 °C sind. Im Sommer sind die Tagestemperaturen damit insgesamt tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Binnenland.
Klimatisch besondere Verhältnisse herrschen hingegen in den Hochmoor-Gebieten im Süden des Gemeindegebietes. Wegen der Untergrundverhältnisse in einem Regenmoor sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem. Im Sommer kann es tagsüber zu sehr hohen Temperaturen am Boden kommen, so dass durch Selbstentzündung Moorbrände entstehen können. Durch den Torfabbau und die damit verbundene Entwässerung ist dieser Effekt in weiten Teilen des Gemeindegebietes allerdings nicht mehr so stark ausgeprägt wie in der ursprünglichen Naturlandschaft. Die Anzahl der Frosttage ist allerdings im Hochmoorgebiet deutlich höher als in der Umgebung, es kommt häufiger zu Früh- und Spätfrösten.Thomas Huntke: Vegetationsökologische Untersuchungen zur Entwicklung des Naturschutzgebiets Lengener Meer (Landkreis Leer) – eine Fallstudie zur Effizienz des Naturschutzes von Hochmooren, Dissertation, Universität Oldenburg, 2008, S. 7/8; uni-oldenburg.de (PDF; 40,3 MB). Zudem sind Moorgegenden sehr viel nebelintensiver als die Umgebung.
Schutzgebiete mini|Der Goldregenpfeifer hat eines seiner letzten verbliebenen Brutgebiete in Mitteleuropa im NSG Esterweger Dose.