Kupferzell ist eine Gemeinde im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Sie gehört seit 1973 zum neugegründeten Hohenlohekreis und zur Region Heilbronn-Franken (bis 20. Mai 2003 Region Franken).

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge, Kocher-Jagst-Ebenen und Hohenloher-Haller Ebene.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Der Hauptort Kupferzell liegt an der Kupfer, einem Nebenfluss des Kocher.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind die Städte Künzelsau, Neuenstein und Waldenburg (alle Hohenlohekreis) sowie die Gemeinden Braunsbach und Untermünkheim (beide Landkreis Schwäbisch Hall).

Zusammen mit Neuenstein und Waldenburg bildet Kupferzell den Gemeindeverwaltungsverband Hohenloher Ebene, welcher insbesondere für die Aufstellung und Fortschreibung von Flächennutzungsplänen zuständig ist.

Gemeindegliederung Kupferzell gliedert sich nach dem Zusammenschluss von sechs ehemaligen Gemeinden im Jahre 1972 im Zuge der Gemeindereform in die Ortschaften Kupferzell, Eschental, Feßbach, Goggenbach, Mangoldsall und Westernach mit insgesamt 21 Ortsteilen.

Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch den vorangestellten Gemeindenamen und mit Bindestrich verbunden nachgestellt die Namen der Ortsteile.

Ehemalige Gemeinden mit ihren früheren Ortsteilen 50px|Wappen Kupferzell Kupferzell mit dem Dorf Kupferzell, den Weilern Rechbach, Ulrichsberg und dem Gehöft Schafhof sowie den abgegangenen Ortschaften Endtberg, Hörzelberg, Mayen, Rieden und Wildenhofen.80px|historisches Getreidelagerhaus aus Kupferzell im Freilandmuseum Wackershofen (2019)50px|Wappen Eschental Eschental mit dem Dorf Eschental und dem Weiler Einweiler sowie die abgegangene Burg Günzburg.80px|Feuerwehrübung Eschental (2017)50px|Wappen Fessbach Feßbach mit dem Dorf Feßbach und den Weilern Kubach, Künsbach und Rüblingen sowie den abgegangenen Ortschaften Bullingsweiler, Hefenhofen und Tiefenbronn.50px|Wappen Goggenbach Goggenbach ohne weitere Ortsteile.80px|Sommerhof in Goggenbach (2016)50px|DEU Mangoldsall COA.svg Mangoldsall mit dem Dorf Mangoldsall und dem Weiler Füßbach sowie den abgegangenen Ortschaften Frowichsall und Kapfenhardt.50px|Wappen Westernach Westernach mit dem Dorf Westernach, den Weilern Bauersbach, Beltersrot, Belzhag, Hesselbronn, Löcherholz, Neu-Kupfer und Stegmühle sowie den abgegangenen Ortschaften Hof, Höflein und Hurelbach.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2022Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Kupferzell

Geschichte mini|Schillingsfürster Wappen über einer der Kupferzeller Schlosstüren

Mittelalter Der Name Kupferzell geht auf einen Mönch mit Namen Dietrich zurück, der im Ohrnwald an der Kupfer eine Einsiedlerzelle aufschlug, um sich zurückzuziehen. Daraus leitet sich der Name Celle ab, der um die geografische Bezeichnung „uf dem Ornwald“ und bis ins 15. Jahrhundert nach der Lage an der Kupfer erweitert wurde. Die erste urkundliche Erwähnung von Kupferzell als Celle datiert auf das Jahr 1236.

Ab 1323 war Kupferzell in hohenlohischem Besitz. Besitz hatten zudem das Kloster Gnadental und das Chorherrenstift Öhringen, außerdem war der Ort oft verpfändet.

Frühe Neuzeit Bei der Teilung des hohenlohischen Besitzes 1553 kam Kupferzell an Hohenlohe-Waldenburg, wo der Ort zum Amtssitz wurde. Im späten 17. Jahrhundert kam der Ort an Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst.

Der Bau des Residenzschlosses 1721 machte Kupferzell zur Hauptstadt des Schillingsfürster Territoriums. Zudem lag die Ortschaft im Fränkischen Reichskreis.

Württembergische Zeit Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses kam der Ort – wie fast alle hohenlohischen Lande – 1806 an das Königreich Württemberg und gehörte nach einer kurzen Phase beim Oberamt Neuenstein fortan zum Oberamt Öhringen.Hohenlohekreis: Kupferzell: Ein gutes Stück Hohenlohe. Online auf www.hohenlohekreis.de, abgerufen am 26. Oktober 2014

1892 kam mit der Kochertalbahn der Anschluss an das Netz der Württembergischen Eisenbahn.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Kupferzell 1938 zum Landkreis Öhringen.

Nachkriegszeit und Gebietsreformen 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Am 1. Januar 1972 vereinigte sich Kupferzell mit Eschental, Feßbach, Goggenbach, Mangoldsall und Westernach zur neuen Gemeinde Kupferzell.

1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Kupferzell zum Hohenlohekreis gelangte.

Religionen Eine Pfarrkirche ist im Ort seit 1236 nachweisbar. mini|links|Ev. Kirche Kupferzell Südansicht

Evangelische Kirche In der Reformation wurde Kupferzell durch die Grafen von Hohenlohe gemäß dem Prinzip „Cuius regio, eius religio“ evangelisch. Die Kirchengemeinde Kupferzell gehört zum Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche. Die in Teilen noch romanische Kirche wurde um das Jahr 1800 erneuert, 1885 umgebaut und 1989 renoviert.

Die evangelische Kirche in Westernach gehört nicht zur Pfarrei Kupferzell, sondern zur Pfarrkirche von Waldenburg.

Katholische Kirche mini|hochkant|Katholische Kirche St. Michael Da die katholischen Grafen zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst den Ort Kupferzell im 18. Jahrhundert zu ihrer Residenz machten, wurde 1719 die römisch-katholische Konfession von den Grafen dieser Linie wieder zugelassen und gefördert. Die katholischen Gottesdienste fanden seit 1729 in der Schlosskapelle statt. 1902 wurde die katholische St.-Michaels-Kirche im neuromanischen Stil errichtet. Das zuständige katholische Dekanat ist das Dekanat Hohenlohe.

Politik Bürgermeister Bei der Bürgermeisterwahl am 5. Mai 2019 erreichte Christoph Spieles im ersten Wahlgang eine Mehrheit von 53,2 % der abgegebenen gültigen Stimmen. Er trat sein Amt am 1. August 2019 an, die Amtszeit beträgt acht Jahre.

Kupferzeller Schultheißen/Bürgermeister 1784–1799 Leonhard Schwarz 1793–1794 Michael Hubmann (neben Leonhard Schwarz) 1794–1795 Michael Wirth (neben Leonhard Schwarz) 1801–1803 Georg Michael Hammel 1801–1802 Gottfried Haag (neben Georg Michael Hammel) 1802–1803 J. Michael Müller (neben Georg Michael Hammel) 1803–1807 Johann Mathias Bauermann 1803–1804 Martin Köpler (neben Johann Mathias Bauermann) 1804–1806 Philipp Wolfert (neben Johann Mathias Bauermann) 1806–1807 Georg Würth (neben Johann Mathias Bauermann) 1807–1814 Johann Andreas Stutz 1823–1826 Michael Schwarz 1826–1834 Georg Adam Reinhardt 1834–1848 Heinrich Jakob Gottlieb Bürger 1848–1853 Johann Michael Hammel 1853–1856 Gottfried Wenz 1857–1882 Ludwig Heinrich Raisig 1882–1887 Johann Jakob Schäufele 1887–1924 Wilhelm Dutt 1924–1934 Fritz Egner 1934–1941 Georg Rudolf Mößner 1942–1945 Ernst Ayen 1942–1945 Arthur Zeilein (Bürgermeister in Neuenstein, übernahm dringendste Amtsgeschäfte aufgrund der Einberufung von Ernst Ayen) 1945–1946 Philipp Dürr (kommissarischer Bürgermeister; nach der amerikanischen Besetzung eingesetzt) 1946–1948 August Schädel 1948–1971 Ernst Ayen 1972–1979 Günter Petereit (vor der Gemeindereform Bürgermeister in Westernach) 1979 Egbert Maier (Amtsverweser) 1979–2003 Joachim Herbert Freiherr von Wangenheim 2003–2019 Joachim Schaaf seit 2019 Christoph Spieles

Gemeinderat Der Gemeinderat wurde bei der Kommunalwahl 2019 zum letzten Mal nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei konnte sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Dieses Verfahren wurde zur Kommunalwahl 2024 abgeschafft. Der Gemeinderat hat seither (ab 2024) gemäß Hauptsatzung 18 Sitze. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten sowie dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Somit besteht der Gemeinderat aus 19 stimmberechtigten Mitgliedern.

In den eingemeindeten Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet. Für die Wahl der Ortschaftsräte wurde teilweise die unechte Teilortswahl entsprechend angewendet und die Ortschaften in Wohnbezirke unterteilt. Dieses Verfahren wurde ebenfalls bei den Wahlen 2024 nicht mehr angewandt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart. Die Wahlbeteiligung betrug 61,75 %.

Partei / ListeStimmenanteilSitze Ergebnis 2019 Freie Wählervereinigung (FWV) 54,85 % 10 49,36 %, 12 Sitze Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) 27,34 % 5 33,24 %, 8 Sitze Sozialdemokratische Partei (SPD) 17,81 % 3 17,40 %, 4 Sitze

Wappen und Flagge

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Der alte Kupferzeller Bahnhof im Freilandmuseum Wackershofen Ansässige Unternehmen Die Reca Norm GmbH ist ein Vertriebsunternehmen für Werkzeuge und Befestigungstechnik. Die Firma Mefa GmbH ist ein Unternehmen für Befestigungs- und Montagesysteme. Gemeinsam mit Künzelsau und Waldenburg betreibt Kupferzell seit 1990 den interkommunalen Zweckverband Gewerbepark Hohenlohe.

Verkehr Die Gemeinde Kupferzell ist über die Anschlussstelle Kupferzell (Nr. 42) an der Bundesautobahn A6 (Saarbrücken–Waidhaus) unmittelbar und gut an das überregionale Fernstraßennetz angebunden. Weiterhin führt die Bundesstraße B19 (Krauthausen–Oberstdorf) Richtung Künzelsau/Bad Mergentheim und Schwäbisch Hall/Gaildorf durch das Gemeindegebiet. Mehrere Landes- und Kreisstraßen durchqueren in verschiedene Richtungen das Gemeindegebiet und bieten eine gute Verkehrsanbindung.

Früher verfügte der Ort mit der Kochertalbahn über einen Bahnanschluss, bis deren Betrieb 1991 endgültig eingestellt wurde. Der Bahnhof wurde ins Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen transloziert. Auf der ehemaligen Bahntrasse verläuft heute ein Radweg.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Kupferzell mit Künzelsau und in der anderen Richtung mit dem Gewerbepark Hohenlohe bei Waldenburg verbunden. Sie verläuft größtenteils auf der ehemaligen Kochertalbahn. Im Gewerbepark trifft sie auf die Radnetz-Route von Öhringen über Neuenstein, den Gewerbepark, die Kupferzeller Teilorte Westernach und Neu-Kupfer und über Untermünkheim nach Schwäbisch Hall.

Bildung Die Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell ist eine Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis Klasse 10. Sie war eine der 34 Starterschulen, die ab dem Schuljahr 2012/2013 zu den ersten baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen gehörten. bei kultusportal-bw.de (PDF; 39 kB; abgerufen am 11. März 2012) Über 600 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule.

Im Schloss Kupferzell befindet sich die Akademie für Landbau und Hauswirtschaft (ALH). Sie ist eine Fachschule in der Trägerschaft des Hohenlohekreises in Kooperation mit dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Das Schloss vom Schlosspark aus gesehen Das ehemalige Residenzschloss Kupferzell wurde 1721 durch Graf Philipp Ernst erbaut. 1922 kaufte die Württembergische Landwirtschaftskammer das Schloss und machte daraus eine Schule für Landbau und Hauswirtschaft, die bis heute besteht.Landesarchiv Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Hohenlohekreis, Band 2. B: Die Gemeinden. Historische Grundlagen und Gegenwart (Fortsetzung). Künzelsau bis Zweiflingen. Thorbecke, Ostfildern, 2007, ISBN 3-7995-1367-1, S. 63

Die evangelische Kirche in Westernach geht mindestens auf das 15. Jahrhundert zurück und wurde bereits im 16. Jahrhundert erneuert. Der Taufstein stammt aus dem 18. Jahrhundert.