Prichsenstadt ist der Hauptort der Stadt Prichsenstadt im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Er bildet heute als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Prichsenstadt. Das ehemalige Dorf stieg im 15. Jahrhundert durch die Förderung der Luxemburger zur Stadt auf. Im 19. Jahrhundert wuchs der Ort nicht so stark wie die umliegenden Verwaltungsmittelpunkte und büßte seine Zentralität weitgehend ein.
Deshalb präsentiert sich die Altstadt von Prichsenstadt vollständig erhalten. Anders als bei vielen anderen Orten im Steigerwaldvorland wurde der Stadtkern nicht umbaut. So sind sogar die ehemaligen Grabenanlagen um die befestigte Kernstadt erhalten, die von mehreren Seen gespeist werden. Prichsenstadt konnte sich deshalb zu einer Kulturtourismus-Destination entwickeln. Die Altstadt trug Prichsenstadt auch den Titel „unterfränkisches Rothenburg“ ein.Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 185.
Naturräumlich ist Prichsenstadt im Steigerwaldvorland zu finden, das zwischen dem flacheren Maintal und dem Anstieg zum Steigerwaldtrauf vermittelt. Anders als weiter westlich entlang des Mains spielt der Weinbau für die Stadt nur eine wirtschaftlich untergeordnete, wenn auch kulturell wichtige, Rolle. Neben dem Tourismus ist weiterhin die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wobei der Anbau der Sonderkultur Spargel in der Region weiterhin Bedeutung hat.
Geografie Gemarkung Die Gemarkung Prichsenstadt hat eine Fläche von 6,426 km². Sie ist in 1382 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4649,93 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lohmühle, Schnaudersmühle und Wiesenmühle.
Geografie und naturräumliche Lage mini|Die Seen vor der Prichsenstädter Altstadt Prichsenstadt liegt im äußersten Südsüdwesten der politischen Gemeinde. Im Norden ist in einiger Entfernung Neuses am Sand zu finden. Im Nordosten beginnt die Gemarkung von Altenschönbach, die Lochmühle liegt Prichsenstadt am nächsten. Der Westen wird von der Gemarkung von Kirchschönbach eingenommen. Weiter südwestlich liegt Geesdorf, das bereits zur Gemeinde Wiesentheid gehört. Wiesentheid selbst ist im Süden zu finden. Im Osten erhebt sich Laub, das wiederum zu Prichsenstadt gehört.
Nächstgelegene, größere Städte sind Gerolzhofen mit einer Distanz von etwa 9 Kilometern und Volkach, das ungefähr 10 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 30 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Prichsenstadt im Steigerwaldvorland von Neuses, das als Untereinheit zum Steigerwaldvorland der Mainfränkischen Platten gezählt wird. Die Landschaft ist bereits hügeliger als im Maintal und steigt langsam in Richtung des Steigerwaldes an.
Die Gemarkung Prichsenstadts wird von mehreren, kleinen Bächen durchzogen. Wichtigstes Gewässer ist der Altbach, der nördlich an der Altstadt vorbeifließt. Er speist auch die Grabenseen um den Breiten See, der ebenfalls im Norden der bebauten Fläche zu finden ist. Der Beibach bildet das Pendant im Süden. Er durchfließt auch den sogenannten Fuckersee südöstlich der alten Stadt und mündet bei Prichsenstadt in den Altbach. Im Osten ist der Dienstbach zu finden, der beim Galgensee entspringt und ebenfalls den Altbach speist. Im äußersten Nordosten der Gemarkung fließt außerdem der Schönbach und der Marbach, die sich beim Molkenbrunnen-See vereinen.
Ortsgliederung Die mittelalterliche Altstadt von Prichsenstadt bildet noch heute den Verwaltungsmittelpunkt für Stadt und Gemeinde. Sie reiht sich entlang der Luitpoldstraße bzw. der Schulinstraße auf, die ehemals als Straßenmarkt errichtet wurden. Zwei Tore rahmten die Stadt im Westen und Osten ein, daneben bildete der sogenannte Stadtturm eine innere Gliederung. Der Friedhof wurde nach der Reformation verlegt und befindet sich vor der Stadtbefestigung im Westen.
Um den Friedhof herum entstanden auch die ersten Baulichkeiten außerhalb der Befestigung. Schließlich erhielt die Stadt auch einen Bahnhof an der Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt. Die Strecke ist inzwischen stillgelegt und entwidmet, der Name Bahnhofstraße hat sich erhalten. Die Bahnhofstraße bildete allerdings das Rückgrat für die erste Siedlung Prichsenstadts im Westen der alten Stadt. Die Straßen in diesem Areal wurden nach berühmten Persönlichkeiten aus der Geschichte der Stadt benannt.
Im Südwesten der alten Stadt, westlich der alten Bahnstrecke entstanden neuere Wohngebiete um die Straße Am Galgensee. Das erste Industriegebiet entwickelte sich im Nordwesten an der Lauber Straße. Um die alte Stadt erbaute man lediglich das Schulgebäude für die Grundschule im Süden und die katholische Filialkirche St. Thekla und St. Lioba im Norden. Ein großer Sportplatz liegt südlich des Friedhofes. Das in einiger Entfernung befindliche Industriegebiet an der Kirchschönbacher Straße wurde erst im 21. Jahrhundert angelegt.
Mehrere Höfe und Mühlen haben sich in der Prichsenstädter Gemarkung erhalten. Drei von ihnen, alle am Altbach gelegen, sind noch heute als Gemeindeteile der Gemeinde Prichsenstadt eingetragen. Es handelt sich (von Westen nach Osten) um die Schnaudersmühle in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Bahnstrecke, die Wiesenmühle nördlich der Gustav-Adolf-Straße und der Lohmühle an der Kirchschönbacher Straße. Zwei weitere, benannte Aussiedlerhöfe entstanden wohl später. Es handelt sich um den Zehntwiesenhof zwischen Stadelschwarzach und der Kernstadt und dem Hof an der Michelheide, der an der Gemeindegrenze zu Wiesentheid zu finden ist.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Gegend um Prichsenstadt weist nur wenige untertägige Überreste vor- und frühgeschichtlicher Epochen auf. Dies hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass hier bisher kaum archäologische Grabungen vorgenommen wurden. Lediglich für das Areal der ehemaligen Siedlung Kleinschönbach, die heute als totale Ortswüstung in der Gemarkung der Stadt aufgegangen ist, können eindeutige Zuordnungen gemacht werden.
So befand sich als Vorgängersiedlung des mittelalterlichen Kleinschönbach eine mesolithische Freilandstation auf dem Areal. Dies belegt, dass bereits die Menschen der Mittelsteinzeit in den damals noch vorhandenen Wäldern um das spätere Prichsenstadt jagten und Spuren hinterließen. Die Freilandstation erlebt im Neolithikum einen Ausbau zu einer regelrechten Siedlung, sodass davon auszugehen ist, dass hier, zumindest zeitweise, dauerhaft Menschen lebten.
Weitere vor- und frühgeschichtliche Orte um die Stadt sind nicht so genau zu identifizieren. So machte man um den späteren Galgensee eine Grablege der Vergangenheit aus, ohne den Zeitraum ihrer Nutzung genauer festlegen zu können. Ähnlich wie im Maintal kam es auch um Prichsenstadt im Laufe des 7. Jahrhunderts vor Christus keltische Stämme ins Steigerwaldvorland vor. Sie wurden im 2. nachchristlichen Jahrhundert von germanischen Verbänden abgelöst.
Diese germanischen Bevölkerungsteile mussten im 6. und 7. Jahrhundert den Franken weichen. Mit den fränkischen Kolonisten setzte eine, von einer kleinen Oberschicht aus König und Adel getragene, staatliche Entwicklung ein. Die Franken brachten erste Verwaltungsstrukturen, das Christentum und die Weinrebe in das Gebiet um Prichsenstadt. So lag die spätere Siedlung im Volkfeld, das nach dem Volkachbach benannt wurde und seinen Hauptsitz auf der etwa zehn Kilometer entfernten Vogelsburg hatte.Scherzer, Walter: Die Siedlungsgeschichte der Frühzeit. S. 111–115.
Früh- und Hochmittelalter An der heutigen Stelle könnte bereits im 8. oder 9. Jahrhundert eine Siedlung entstanden sein. Die Franken begannen damals das von ihnen erschlossene Land systematisch auszubauen und zu besiedeln. Dabei gaben sie den neuentstehenden Siedlungen häufig das Suffix -dorf. Vor der Stadterhebung wurde Prichsenstadt Briesendorf genannt. Eine Volkserzählung geht darauf ein, dass die Siedlung sich aus einem Schafhof, dem sogenannten Briesenhof entwickelt habe. Diese Geschichte kann allerdings nicht durch Quellen gestützt werden.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Briesendorf im Jahr 1258.Arnholdt, Johann: Chronik des Städtchens Prichsenstadt. S. 1. Die Grafen zu Castell hatten größeren Grundbesitz erwerben können, dass zuvor in den Händen des Kaisers oder bereits etablierter Herren wie dem Fürstbischof von Würzburg gewesen ist. Die Grafen etablierten in ihrem Neubesitz einen Kämmerer, dessen Familie bald zu Ministerialen der Grafen aufstieg. Der Ortsadel „von Briesendorf“ verschwand aber bald wieder. Mit der Teilung der Herrschaft im Jahr 1265/1267 gelangte Briesendorf an die Linie vom Unteren Schloss.
Am Ende des 13. Jahrhunderts waren die Grafen in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mussten große Teile ihrer Besitzungen verpfänden oder verkaufen. Hieraus zogen andere Adelsgeschlechter Profit. Briesendorf war ohne Kenntnis der Quellen an die Fuchs von Dornheim gelangt, die ihre Siedlung beachtlich förderten. Sie sorgten 1353 für die Trennung der Briesendorfer Kirche von der Mutterkirche in Stadelschwarzach und statteten das Gotteshaus reichlich aus.Stadtverwaltung Prichsenstadt (Hrsg.): Prichsenstadt. S. 10.
Spätmittelalter: Aufstieg zur Stadt Der bedeutsamste Einschnitt in der Geschichte der Siedlung erfolgte allerdings erst 1366. Damals kaufte der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. das Dorf für 6500 Hellern mit allen Zugehörungen. Karls Plan war eine Verbindung zwischen seinen Besitzungen im heutigen Luxemburg und in Böhmen zu schaffen. Da er hier über keine große Hausmacht verfügte, musste er durch Erwerbungen einzelner Orte eine solche aufbauen. Briesendorf lag in Reichweite der wichtigen Geleitstraße von Frankfurt nach Nürnberg und außerdem am Weg nach Schweinfurt.
Wichtiger für den Erwerb war die befestigte Burg am Rande der Siedlung, weil Karl für seine Politik Truppenkontingente zwischen Böhmen und an den Rhein schnell verlegen können musste. Gleichzeitig strebte Karl IV. für seine Neuerwerbungen eine gewisse Selbstversorgung an, die nur durch die Wirtschaftskraft einer Stadt mit Marktrecht gesichert werden konnte. Am 6. Januar 1367 wurde Prichsenstadt mit dem Stadtrecht ausgestattet. mini|Die Stadtrechtsverleihungsurkunde vom 6. Januar 1367 Der jeweilige König von Böhmen wurde Stadtherr, inzwischen war die Herrschaft auf Karls Sohn Wenzel übergegangen. Zugleich übte der König auch die Hoch- und Niedergerichtsbarkeit in seiner Stadt aus. Vorbild für die Organisation der Stadt im Inneren wurde das Stadtrecht von Sulzbach, das von den Prichsenstadtern lediglich erweitert wurde. Mit dem Stadtrecht erhielten die Bürger das Recht, ihr Gemeinwesen zu befestigen und, um die militärischen Bauten zu finanzieren, auch die Möglichkeit, Märkte in ihren Mauern abzuhalten.Stadtverwaltung Prichsenstadt (Hrsg.): Prichsenstadt. S. 14.
Prichsenstadt wurde auch Sitz eines Amtes, das in die ehemalige castellische Burg einzog. Allerdings gelang es der jungen Stadt nicht wirtschaftlich zu den bereits etablierten Zentren Gerolzhofen, Iphofen, Stadtschwarzach und Volkach aufzuschließen. Deshalb bemühte sich Prichsenstadt 1381 um die Ausstellung eines neuen Privilegs durch König Wenzel. So erlangte sie das Zollrecht, das auf umliegende Ortschaften ausgeweitet wurde. Alle Händler, die dieses Areal durchquerten, mussten ihre Waren auch in Prichsenstadt feilbieten.
Die Stadt war endgültig etabliert, allerdings verloren die böhmischen Könige den Einfluss über ihr Geschöpf. Wenzel geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste die Stadt an die Burggrafen von Nürnberg verpfänden. Es folgte eine kurze Zwischenzeit unter der Herrschaft König Rupprechts von der Pfalz. 1411 besaß kurz Erkinger von Seinsheim die Stadt, die bald von den Burggrafen an Otto von Vestenberg verpfändet wurde. Erst 1416 konnten die Burggrafen endgültig Prichsenstadt in Besitz nehmen; eine Pfandeinlösung der Krone Böhmens war zuvor gescheitert.