mini|Wertingen von Osten Wertingen ist eine Stadt und ein Mittelzentrum im nordschwäbischen Landkreis Dillingen an der Donau und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen.

Geographie Topologie Die Stadt an der unteren Zusam, die wenige Kilometer nördlich in die Donau mündet, wird von einem langgezogenen Höhenrücken vom Donauried getrennt. Wertingen liegt im großen Naturpark Augsburg-Westliche Wälder, der von den Flüssen Donau, Lech, Wertach und Mindel begrenzt wird. Augsburg ist 28 km, Donauwörth 22 km und die Kreisstadt Dillingen an der Donau 14 km entfernt.

Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Buttenwiesen, Kühlenthal, Meitingen, Biberbach, Laugna, Zusamaltheim und Binswangen.

Die Stadt liegt am Rande des Donaurieds im Naturraum der Donau-Iller-Lech-Platten, vorwiegend im Bereich des mittleren Zusamtals. Einige Stadtteile liegen auch im Bereich der Zusamplatte und des Glötter Rieds.

Klima Das Zusamtal ist Talboden, der die Kaltluft der Randhöhen sammelt und daher zeitweise zu Nebelbildung neigt. Hierdurch werden Inversionswetterlagen im Stadtgebiet begünstigt. Die Kessellage der Kernstadt zwischen Geißberg und Judenberg verstärkt die Rückhaltung von Kaltluft, was im Sommer zu einem angenehmen Nebeneffekt führt. Beim Hochwasser in Süddeutschland 2024 waren mehr als 250 Haushalte von der Überflutung der Zusam betroffen.Stadt Wertingen: Soforthilfeantrag & Spendenkonto. In: wertingen.de. 1. Juli 2024, abgerufen am 8. Juli 2024.

Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Häuser der Innenstadt haben markante Giebel aus dem 17. und 18. Jahrhundert, teilweise in Fachwerkbauweise. Der Marktplatz ist verkehrsberuhigt.

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Funde aus der Keltenzeit (vor etwa 2000 Jahren) belegen die Eisenverhüttung (Raseneisenerz) und die Besiedlung durch die Kelten im Gebiet um Wertingen. Die Viereckschanze beim Reutenhof zeigt ebenso die Besiedlung durch die Kelten. Die Anwesenheit der Römer ist durch Funde am Maierhof belegt. Wertingen lag südlich der Via Danubia, die von Günzburg über Binswangen nach Kelheim führte. Im 5. Jahrhundert n. Chr. besiedelten Alemannen aus dem Raum Donauwörth heraus die Donau-Seitentäler. Vom Wertinger Siedlungsursprung Maierhof aus wurde die Umgebung besiedelt, wodurch die benachbarten Orte entstanden. Das Christentum hielt im 6./7. Jahrhundert Einzug in Wertingen und der Region. mini|hochkant|Marienbrunnendetail (Marktplatz) 1122 tauchte Wertingen erstmals urkundlich auf. Mit dem Erwerb der Herrschaft Wertingen durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa kam Wertingen in den Besitz der Staufer. Diese versahen den Ort zwischen 1200 und 1250 mit Wall, Graben und Palisadenring und erhoben ihn zum Markt. Bayernherzog Ludwig der Strenge erbte das Wertinger Gebiet 1268 nach dem Tod des letzten deutschen Staufers Konradin. Die Herrschaft Wertingen kam 1278 als bayerisches Lehen zunächst an die Truchsessen von Hohenreichen und 1348 für fast 120 Jahre an die Augsburger Patrizier-Familie Langenmantel. Wertingen begann ursprünglich als Ackerbürgerstadt. 1354 wurde der ältere Teil des heutigen Schlosses errichtet und danach die Stadtbefestigung mit Türmen und drei Stadttoren, dem Thürheimer Tor im Norden, dem Dillinger Tor im Westen und dem Augsburger Tor im Südosten, ausgebaut. Sie wurde 1868, 1870 bzw. 1872 niedergelegt. Alle drei Tore sind als braune Reliefplatten in nahegelegenen Hauswänden mit dem Abbild ihrer Feldseite, der Bauzeit 14. Jht. und dem jeweiligen Abrissjahr verewigt. Im Städtekrieg wurde Wertingen 1388 zerstört. Von 1467 bis 1700 war das Lehen im Besitz derer von Pappenheim. Um 1500 wurde das Schloss grundlegend verändert und u. a. zwei Rundtürme ergänzt. Im Bayerischen Krieg wurde die Stadt 1462 durch Ludwig den Reichen erobert und niedergebrannt, wobei auch die Kirche zerstört wurde. 1646 überfielen die Schweden im Dreißigjährigen Krieg die Stadt, brandschatzten sie und dezimierten die Bevölkerung. Erneut brannte die Stadtkirche nieder. 1654 wurde durch einen Erweiterungsbau das „Neue Schloss“ geschaffen.

Durch die Niederlage Bayerns im Spanischen Erbfolgekrieg fiel Wertingen 1704 an das Reich. Nach den Herrschaften der Fürsten Lobkowitz und des Grafen d’Albert (später Fürst Grimberghen) wurden die Lehen Wertingen und Hohenreichen ab 1768 nicht mehr vergeben, die Verwaltung oblag einem Pfleggericht und ab 1799 der allgemeinen Verwaltung. Am 8. Oktober 1805 besiegte das VI. französische Armeekorps unter General Jean Lannes die österreichische Division unter Feldmarschall Franz Xaver von Auffenberg in der Schlacht bei Wertingen. Dies war der Auftakt für Napoleons Sieg in der Schlacht bei Ulm, der Anfang Dezember zur totalen Niederlage der Österreicher und Russen bei Austerlitz führte. Zur Erinnerung ist der Name Wertingen am Arc de Triomphe in Paris erwähnt.

Ab 1802 entstand das Landgericht Wertingen, das 1862 zum Bezirksamt umgewandelt wurde als Vorläufer des Landkreises Wertingen. Bliensbach gehörte bis 1803 dem Domkapitel Augsburg.

Die letzte Hinrichtung eines Mörders fand am 30. Juli 1836 statt.

Im Jahr 1899 gab es die erste Kinovorführung.

20. Jahrhundert Das städtische Gaswerk wurde im Jahr 1902 in Betrieb genommen.

Die inzwischen stillgelegte und endgültig abgebaute Bahnstrecke von Mertingen nach Wertingen wurde am 7. Juni 1905 eröffnet.

Im Jahr 1912 wurden die ersten Häuser in Wertingen an das Stromnetz angeschlossen.

Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 stimmten mit 59 Prozent überdurchschnittlich viele Wähler des Bezirksamts Wertingen für die NSDAP. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt kurz vor Kriegsende am 24. April 1945 von US-amerikanischen Jagdbombern bombardiert, da die Verantwortlichen die Stadt nicht kampflos übergeben wollten. Am folgenden Tag erfolgte die Besetzung durch das 15th Infantry Regiment nach intensiven Kampfhandlungen.

Etliche meist sudetendeutsche Heimatvertriebene fanden im Jahr 1946 Aufnahme in der Stadt.

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Wertingen aufgelöst. Somit war Wertingen keine Kreisstadt mehr.

Die Landwirtschaftsschule und das Landwirtschaftsamt bezogen im Jahr 1996 in Wertingen ihre neuen Domizile. Vorher waren sie in Lauingen ansässig. mini|Innenstadt mini|Innenstadt mit dem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Café Madlon mini|hochkant|Stadtpfarrkirche St. Martin mit ihren einzigartigen Türmen mini|Eines der ältesten Häuser Wertingens mini|Blick auf das Schloss von Süden mini|Pfarrgasse Wertingen Richtung Norden mini|Blick vom Schloss in die Zusmarshauser Straße mini|Gaensweid von der Zusaminsel aus. mini|Blick durch die Stadtmauer auf die Doppeltürme hochkant|mini|Blick auf Mehlerhaus und Stadtpfarrkirche

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Hirschbach, Hohenreichen, Prettelshofen und Rieblingen eingegliedert. Am 1. Juli 1976 kam Hettlingen hinzu. Bliensbach folgte am 1. Januar 1977. Die Eingemeindungsmaßnahmen wurden mit dem Anschluss von Gottmannshofen und Roggden am 1. Mai 1978 abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 6936 auf 9294 um 2358 Einwohner bzw. um 34 %.

Politik Stadtrat und Bürgermeister Ergebnisse der Kommunalwahl 2014, 2020 und 2026 in Wertingen sowie Sitzverteilung im 20-köpfigen Stadtrat: Partei/Liste202620202014%Sitze%Sitze%SitzeFreie Wähler Wertingen30,4626,7522,85CSU 22,9426,8630,76Christlich-Soziale Wählergemeinschaft der Stadtteile15,3315,4315,73Grüne11,3213,539,02Bürgerinitiativen für Wertingen und Stadtteile8,826,315,41SPD7,827,3111,22Kommunale Umweltliste3,614,015,31Gesamt100201002010020Wahlbeteiligung69,9 %58,3 %57,6 %

Erster Bürgermeister ist seit 2026 Andy Seitz (Freie Wähler), der die Nachfolge von Willy Lehmeier (Freie Wähler, seit 2002) und Dietrich Riesebeck (SPD, ab 1972) antrat. Da die Parteien oder Wählervereinigungen, denen die Bürgermeister angehören oder angehörten, keine Mehrheit im Stadtrat hatten bzw. haben, werden politische Entscheidungen mit den einzelnen Gruppierungen des Gremiums abgestimmt.

Städtepartnerschaft Seit 1989 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Fère-en-Tardenois in der Region Hauts-de-France.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Stadt ist geprägt von der mittelalterlichen, renovierten Innenstadt (Hauptstraße und Teile der Schulstraße).

Museen Zeitgenössische Kunstsammlung im ehemaligen Amtsgericht Brauereimuseum im Schwanenbräu Schwäbisches Ofenmuseum Wertinger Radiomuseum Heimatmuseum Wertingen

Bauwerke mini|hochkant|Seelenkapelle neben der Pfarrkirche St. Martin mini|Schlosskapelle St. Georg in Hohenreichen

das im 14. Jahrhundert erbaute Wertinger Schloss mit dem Heimatmuseum – aus der Zeit der Langenmantel und mit Ergänzungen aus der Zeit der Pappenheimer (17. Jahrhundert) die Stadtpfarrkirche St. Martin, nach Brandschatzung im Dreißigjährigen Krieg in barockem Stil mit Wessobrunner Stuck wieder aufgebaut – es ist die einzige zinnengekrönte Doppelturmkirche in Deutschland, sie prägt auch das Stadtwappen; spätgotisches Halbrelief mit der Grablegung Christi Bethlehemkirche, 1950 erbaut, abgerissen im Oktober 2006, Neubau 2007 fertiggestellt Marienbrunnen am Marktplatz Kirche St. Felizitas, erbaut 1837, im Stadtteil Roggden Chorturmkirche St. Margaretha im Stadtteil Bliensbach Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung im Stadtteil Gottmannshofen Schlosskapelle St. Georg im Stadtteil Hohenreichen Skulpturenweg an der Via Danubia im Westen von Wertingen

Bodendenkmäler Siehe: Liste der Bodendenkmäler in Wertingen

Ehemaliges Naturdenkmal Napoleonstanne: Die Fichte auf dem Bergrücken oberhalb von Gottmannshofen wurde 1905 zum 100-jährigen Gedenken an die Schlacht des dritten Koalitionskriegs bei Wertingen vom 8. Oktober 1805 gepflanzt. Die Truppen kamen damals über diesen Berg, um vor ihnen das Schlachtfeld gut überblicken zu können. Heute ist die Stelle ein Aussichtspunkt über das Zusamtal und auf die Stadt. Im Oktober 2018 wurde die Fichte krankheitsbedingt gefällt.

Kunst In Wertingen finden regelmäßig zahlreiche Kunstausstellungen statt. Auch werden Kunst-Stipendien deutschlandweit ausgeschrieben, die es Künstlern ermöglicht, mehrere Wochen in Wertingen zu leben und zu arbeiten. Daneben laden die Städtische Galerie, die umfangreich bestückte Artothek, der Skulpturenweg Donauried die Birnbaum-Allee Kunstbegeisterte zum Besuch ein.

Regelmäßige Veranstaltungen

Frühjahrs- und Herbstmarkt Tanz in den Mai (Abend des 30. April) Maibaumaufstellen in allen Stadtteilen und in der Kernstadt Volksfest (im Mai) Kino Open-Air im Schlossgarten (immer im August im Wertinger Schlossgarten) Stadtfest (alle zwei Jahre, das nächste Mal 2026) Internationales Gitarrenfestival Wertinger Nacht (immer am 3. Freitag im November) Schlossweihnacht (immer am 2. und 3. Adventswochenende im Wertinger Schlossgarten)

Kulinarische Spezialitäten Schübling, eine kräftig gewürzte, angeräucherte Wurst, die roh, luftgetrocknet oder gekocht mit Sauerkraut gegessen wird und in ihrer Art nur in Wertingen und im Zusamtal hergestellt wird. Wertinger Bischofskuchen, vom 1861Im „Old Madlon“ wurde gefeiert. In: Augsburger Allgemeine, Lokalteil Wertingen, vom 4. Mai 2011. gegründeten Café Madlon anlässlich des Besuchs des Augsburger Bischofs Maximilian von Lingg 1910 in Wertingen kreiert und heute noch nach dem Originalrezept gebacken. Wertinger Kellerbier (Schwanenbräu): hefetrübes Spezialbier, ausgezeichnet mit dem European Beer Award 2005.

Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Wertingen ist ein überregionales Schulzentrum. In der Stadt sind die folgenden Bildungsinstitutionen ansässig: Grundschule Mittelschule Staatliche Realschule Gymnasium Wertingen Musikschule Montessori-Schule Montessori Fachoberschule Berufsfachschule für Krankenpflege im Kreiskrankenhaus Fachschule für Altenpflege im Rot-Kreuz-Zentrum Landwirtschaftsschule mit den Abteilungen Landwirtschaft und Hauswirtschaft