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Elektro-Lastenfahrräder (auch E-Cargobikes oder Transport-Pedelecs) sind Lastenfahrräder, die mit Muskelkraft und unterstützendem Elektromotor bewegt werden (E-Bikes). Sie sollen neben dem Lasten- und Personentransport im privaten Bereich auch schrittweise den künftigen gewerblichen Lieferverkehr in Stadtzentren bewältigen. Sowohl ein- als auch mehrspurige Fahrzeuge können unter diesen Begriff fallen. Fahrzeuge für den gewerblichen Einsatz werden auch als Schwerlastfahrräder bezeichnet.

Geschichte mini|Postfahrrad mit Elektrounterstützung, 2012

Mit dem Aufkommen von praxistauglichen und leistungsfähigen Fahrrad-Elektroantrieben entstand der Gedanke, auch Lastenfahrräder mit Tretunterstützung auszustatten, da sie durch ihre höhere Masse schwerer zu bewegen sind als andere Fahrräder.

Frühe Lastenfahrräder mit elektrischer Unterstützung waren die Postlastenräder.

Im Land Berlin setzten die großen Lieferdienste wie DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS im Jahr 2019 rund 90.000 meist dieselbetriebene Kleintransporter ein. Die Senatsverwaltung für Verkehr, insbesondere ihr Mitglied Julius Menge, unterstützt zur Reduzierung der Auto-Lieferfahrten die Unternehmen, die E-Lastenfahrräder entwickeln und eine passende Infrastruktur aufbauen. Im Sommer 2018 richtete der Senat in der Eberswalder Straße (Ortsteil Berlin-Prenzlauer Berg) testweise ein Mikro-Zwischenlager ein, von wo E-Cargobikes die Ware übernehmen und in einem Umkreis von rund drei Kilometern an den Adressaten bringen. Bis zum Sommer 2019 besorgten elf E-Lastenräder 160.000 Pakete, umgerechnet sind damit 28.000 Transporter-Kilometer oder rund 4140 Liter Dieselkraftstoff vermieden worden. Jochen Knoblach: Diesel-Ersatzverkehr. In: Berliner Zeitung, 18. Oktober 2019, S. 6 (Printausgabe).

Seit 2017 existieren in Deutschland Förderprogramme des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bei der gewerbliche Akteure anfangs Fördergelder für die Entwicklung und Produktion von motorkraftunterstützten Schwerlastenfahrrädern beantragen konnten, später wurde generell die Anschaffung von gewerblich genutzten Fahrzeugen gefördert (vgl. Abschnitt Förderung in Deutschland).

Studien besagen, dass zukünftig rund 50 Prozent des Kleingüterverkehrs in europäischen Städten durch E-Cargobikes abgewickelt werden können. In Berlin waren im Jahr 2019 die Startups Citkar und ONOmotion sowie weitere kleine Firmen mit solchen Entwicklungen befasst.

Der Zweirad-Industrie-Verband teilte mit, dass in Deutschland im Jahr 2020 erstmals mehr als 100.000 Lastenräder verkauft wurden, von denen 78.000 mit einem Elektroantrieb ausgestattet waren; 2019 waren es 54.400 Elektro-Lastenfahrräder.Lastenrad als Auto-Alternative: Es boomt und boomt, Die Tageszeitung online vom 7. Juli 2021, abgerufen am 7. Juli 2021.

Rechtliche Situation

Im zentraleuropäischen Raum gelten für Elektro-Lastenfahrräder üblicherweise die gleichen rechtlichen Regeln wie für Pedelecs. Eine Besonderheit sind in der Schweiz die Elektro-Rikschas, die dort eine eigene Fahrzeugklasse bilden.

Entwickler und Anbieter (Auswahl)

In Deutschland Citkar/Mubea Das Startup Citkar wurde im Jahr 2017 von dem Bonner Kaufmann Jonas Kremer gegründet. Das Tretlastenrad Loadster mit Fahrerkabine und Elektromotorunterstützung kam bis zur Serienreife und gewannen mit den vorgestellten Prototypen Auszeichnungen wie den Best Mobility Award und den Green Procuct Award. Es handelt sich um ein vierrädriges Lastenrad für einen Fahrer, der in einer Kabine mit leicht heruntergezogenem Dach sitzt. Seitentüren sind nicht vorhanden. Über der Hinterachse ist ein Frachtcontainer montiert, in den sogar eine Europalette passt. Zum Starten tritt der Fahrer, nach dem Entriegeln mit einem Schlüssel, in die Pedale, um einen Strom-Impuls im Generator zu erzeugen. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen Tretkurbel und Antriebsachse. Die erreichbare Fahrgeschwindigkeit ist mit 25 km/h angegeben, die Reichweite einer Akkuladung mit 50 bis 60 Kilometer. Die Montage war mit den VfL-Werkstätten, einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen in Berlin-Neukölln, vertraglich vereinbart. Im ersten Produktionsjahr sind 200 Fahrzeuge vorgesehen, 20 Lieferverträge waren bis Herbst 2019 bereits unterschrieben. Jochen Knoblach: Diesel-Ersatzverkehr. In: Berliner Zeitung, 18. Oktober 2019, S. 6 (Printausgabe).

Im Mai 2021 befanden sich bereits 30 Loadster auf Berlins Straßen, Zielgruppen sind Handwerker, Grünflächenämter, Online-Händler, E-Scooter-Verleiher und ähnliche Nutzer, die überwiegend im Kiez unterwegs sind. Der Verkaufspreis des Loadster beginnt bei 11.700 Euro, Konfigurationen nach Kundenwunsch sind möglich. Zudem können Interessenten das Fahrzeug auch für 500 Euro im Monat mieten. Neben dem Verkauf plante Citkar die Einrichtung von Mietpools in den 20 größten europäischen Städten und in den USA. Pro Pool sollten 200 Fahrzeuge bereitstehen.Jochen Knoblach: Treten statt Tanken. In: Berliner Zeitung, Printausgabe vom 1. Juni 2021, S. 8.

Im Juni 2023 übernahm der Automobilzulieferer Mubea den E-Lastenrad-Hersteller, seither ist Citkar Teil der Marke „Mubea U-Mobility“, der Mikromobilitätssparte von Mubea.

ONO Onomotion in Berlin, im Jahr 2016 von Murat Günak (Autodesigner), Beres Seelbach (Betriebswirt) und Philipp Kahle (Fahrzeugtechniker) als Startup gegründet, hat 2018 den Prototyp eines dreirädrigen Transport-Pedelecs vorgestellt, der den Namen ONO Tretbox erhielt und mit einem Wechselaufbau-artigen Frachtcontainer mit zwei Kubikmeter Volumen ausgestattet ist. Zuerst wurden zwei Fahrzeuge bei Hermes und GLS getestet. In dieser Phase hatte auch schon die Firma Brillux mit ebendiesen Fahrzeugen ihre Malerbetriebe in Berlin beliefert. Citkar und Onomotion haben ihren Sitz im Ortsteil Berlin-Alt-Treptow (Bouchéstraße) in zwei alten Lagerhallen und bilden zusammen ein Motionlab.

Im Jahr 2018 gab VW seine Eigenentwicklung von motorunterstützten Cargobikes auf, die in ersten Praxistests nicht ausreichend überzeugt hatten.Reinfall mit VW-Cargobike, abgerufen am 18. Oktober 2019. Das VW-Management gründete daraufhin mit Onomotion ein Joint Venture zur Weiterentwicklung des E-Cargobike-Konzepts samt der Lager-Infrastruktur.Start-up mit VW-Joint-Venture-Beteiligung: Aus Cargo-Rad-Anbieter Tretbox wird ONO auf www.automobilwoche.de; Abruf am 12. März 2013. Das ONO-Konzept zielt auf ein Service-Paket mit Wartung und Akku-Management (sekundenschneller Tausch an festen Plätzen) für die neuen E-Transporter, die nicht nur gekauft, sondern auch geleast werden können (Monatsgebühr für ein Unternehmen rund 600 Euro). Daneben sollen weitere Kleinfahrzeuge auf dem Fahrgestell des ONO entstehen, wie Arbeitswagen für die BSR oder die Grünflächenämter der Bezirke, Leih-Transporter für Bau- und Möbelmärkte. Eine Erweiterung auf zwei Sitzplätze oder die Konstruktion eines Personenanhängers anstelle der Paketbox mit dem Einsatzziel Kurzstreckentaxi sind ebenfalls in Planung. Die ONO Tretbox als Basis für alle Anwendungsfälle ist ein dreirädriger, 3,40 m langer und 1,16 m breiter Transporter mit Tretkurbel und Elektromotorunterstützung, die maximal 25 km/h schnell fahren und führerscheinfrei genutzt werden kann. Eine wettergeschützte Kabine mit einer abnehmbaren oder nach hinten abklappbaren Transportbox, ausgelegt für rund 50 Pakete durchschnittlicher Größe und Gewicht, ist die Standardausrüstung. An Citydepots oder Cityhubs können die Boxen leer gegen neu befüllt getauscht werden, ähnlich den großen Containerterminals.Johannes Reichel: City-Logistik: Tretbox geht als ONO in die Testphase, Logistra, 2. Juli 2018.Homepage Onomotion, abgerufen am 18. Oktober 2019.

mini|ONO e-cargo bike in Berlin 2021 In Deutschland ist ONO im Mai 2021 in den Städten Berlin, Leipzig, Hamburg und München präsent. Darüber hinaus sind weitere Standorte in anderen Ländern in Planung.Standort-Karte, abgerufen am 8. Juni 2021.

In Berlin findet seit Juni 2021 ein erster großangelegter Einsatz der Onos statt: Die Lieferfirma Hermes hat 28 entsprechende E-Lastenräder und 14 kleine Elektrotransporter gechartert und dazu an drei Plätzen im Zentrum Mikrodepots eingerichtet. Damit wird ab sofort ein abgasfreier Paketauslieferungsdienst in den Berliner Ortsteilen Mitte, Prenzlauer Berg, Schöneberg, Kreuzberg sowie im Regierungsviertel und für ausgewählte Geschäftskunden und Paketshops durchgeführt. Der Hermes-Projektleiter hat ausrechnen lassen, dass mit diesem Feldversuch rund 220 Tonnen CO2 pro Jahr weniger ausgestoßen werden. Eine Ausweitung auf das gesamte Berliner Gebiet wird angestrebt. (Lediglich die Lieferung der Pakete vom zentralen Verteilzentrum in Ketzin wird noch mit Dieseltransportern durchgeführt, die jedoch auch bald durch Elektrotransporter ersetzt werden sollen.) Das Konzept soll noch 2021 in einer zweiten deutschen Großstadt zum Einsatz kommen.Peter Neumann: Hermes sattelt um. In: Berliner Zeitung, 23. Juni 2021, S. 11 (Printausgabe). Grüne Logistik – Hermes Paketversand sattelt auf Lastenräder und Elektroautos um (Online-Ausgabe), 22. Juni 2021.

Am 27. September 2024 eröffnete das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die Onomotion GmbH sowie die beiden Tochtergesellschaften Onomotion eCargobike GmbH (Berlin) und Onomotion Niedersachsen GmbH (Salzgitter).https://www.electrive.net/2024/10/14/berliner-e-cargobike-schmiede-onomotion-ist-insolvent/ Zwei Tage nach Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens am 1. Dezember 2024 wurde der Geschäftsbetrieb der Onomotion GmbH auf die Emoving GmbH übertragen, die zur Dutech Holding mit Sitz in Singapur gehört. Dadurch blieb sowohl die Marke Onomotion als auch ihr E-Schwerlastenrad-Modell Ono erhalten, auch alle Mitarbeiter wurden übernommen.https://onomotion.com/en/2024/12/03/onomotion-and-emoving-gmbh-successfully-complete-transferring-reorganisation/https://radmarkt.de/ableger-einen-bekannten-unternehmensgruppe-sichert-onomotion-sanierung-und-zukunft/

Vowag mini|hochkant|Vowag Cargo M an der Landsberger Allee, Dezember 2020 Das Plauener Unternehmen Vowag GmbH, im April 2020 als Schwester der Sächsischen Automobil Manufaktur (SAM) gegründet, stellt das Cargo M her, das auf einer festen Plattform mit Fahrersitz, Pedalantrieb und Elektromotor vielfältig kombinierbar ist. Es ist für eine Beladung samt Fahrer bis zu 500 kg und bis zu den Abmessungen einer Europalette ausgelegt. Auf der Grundplattform kann auch eine fahrbare Treppe (Der Steiger) montiert werden, welche den Handwerkern die Überkopfarbeit sehr erleichtert. Gleiches gilt für das dritte Produkt, den Räumer. Hier wird der vordere Lenker durch ein breites Schwenkgelenk wahlweise mit Bürste oder Schieber ersetzt, auf der Ladeplattform können starre oder kippbare Behälter für Sand, Salz, Schnee, Laub u. dgl. platziert werden. Je nach dem Akku-Typ, der Beladung, der Außentemperatur, dem Geländeprofil und/oder dem Fahrstil erreicht das Cargo M Reichweiten von 25 km bis 200 km. Erwähnenswert ist noch ein rein elektrischer Rückwärtsgang. Zielgruppen sind regionale Lieferanten, Dienstleister, Gartenfirmen, Handwerker. In der Exportvariante wird auch eine Sitzgruppe für vier Personen auf der Plattform angeboten.Homepage Vowag, Cargo M und weitere Produkte, abgerufen am 6. Juni 2021.Lasten-Elektrofahrräder kommen jetzt aus dem Vogtland, auf www.freiepresse.de, 6. Juli 2020; abgerufen am 6. Juni 2021.

Am 20. Februar 2026 wurde bekannt, dass bereits am 5. Januar 2026 über die Vowag GmbH am Amtsgericht Chemnitz ein Insolvenzverfahren eröffnet und ein Insolvenzverwalter bestellt wurde.Amtsgericht Chemnitz - Insolvenzgericht, Aktenzeichen: 205 IN 4/26 Das Unternehmen war aufgrund zu niedriger Verkaufszahlen und ausbleibender öffentlicher Aufträge in Schwierigkeiten geraten. Trotz Bemühungen um Investoren erklärte der Insolvenzverwalter die Vowag GmbH für nicht sanierungsfähig.

In den Niederlanden