mini|320px|Die HDW-Werft in Kiel mini|320px|Die ehemalige Volkswerft in Stralsund mini|320px|Werfthalle von innen: Schiffsdieselmotor im Wartezustand vor dem Einbau in ein Schiff
Eine Werft (alt-niederl./friesl.: Der am Wasser baut, siehe auch: Warft) ist sowohl ein Kleinbetrieb als auch ein Industrie-Unternehmen zum Bau, dann auch Bauwerft genannt, zur Wartung sowie zur Reparatur von Booten und Schiffen der unterschiedlichsten Nutzungen und Größenordnungen.
Allgemeines mini|Darstellung einer Werft auf der Aktie der Norddeutschen Union-Werke vom 1. Juli 1921 Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde als die oder das Werft auch ein Flussufer bezeichnet, das für den Handel, Reparatur und Bau von Schiffen eingerichtet war.Zeitgenössische Literatur wie Köln und seine Bauten, 1888, auch noch in Straßennamen z. B. Trankgassenwerft (Köln), Unteres Rheinwerft (Düsseldorf).
Mit der einsetzenden Entwicklung großer Luftschiffe und Flugzeuge wurde der Begriff Werft auch auf Anlagen zur Produktion und Grundinstandsetzung im Luftschiffbau (Luftschiffwerft) und Flugzeugbau (Flugzeugwerft) übertragen.
Der klassische Schiffbauplatz einer Werft ist die Helling oder der Helgen. Heutzutage werden Schiffe auf vielen Werften auf überdachten Bauplätzen oder in einer Schiffbauhalle, teilweise in überdachten oder geschützten Baudocks gebaut.
Jedes Schiff erhält bei Baubeginn eine Bau-Nr. (Baunummer). Dies ist meist eine fortlaufende Zahl, welche die jeweilige Anzahl der bisher auf der Werft gebauten Schiffe angibt. Es gibt aber auch Werften, die zum Beispiel bei jeweils verschiedenen Bauserien analog auch neue Baunummernblöcke beginnen.
Neben dem Bau werden von Werften ebenso Reparaturen und Umbauten sowie Instandhaltungsmaßnahmen an Schiffen durchgeführt. Auch dabei müssen Schiffe oft in Schwimm- oder Trockendocks trockengelegt werden, sofern bei kleineren Fahrzeugen hierfür nicht Slipanlagen oder Kräne eingesetzt werden.
Werftbetriebe sind zumeist auf bestimmte Arten von Schiffen und Booten ausgerichtet. So wird nach den Typen von Wasserfahrzeugen unterschieden zwischen Bootswerften – für kleinere Fahrzeuge Binnenschiffswerften – für Binnenschiffe Seeschiffswerften – für Seeschiffe
Diese sind zum Teil wiederum auf spezielle Schiffstypen spezialisiert. Auch kann der Schwerpunkt der Tätigkeit einer Werft ganz oder teilweise in den Bereichen Bau, Reparatur, Wartung oder Umbau liegen.
Diese Aufgaben werden für Kriegsschiffe zum Teil in Marinearsenalen ausgeführt.
Die Zerlegung von Schiffen erfolgt oft in darauf spezialisierten Abwrackwerften.
Geschichte mini|Die Vulkan Werft in Stettin, 1898 Die ersten Werften, auf denen Schiffe in Serie entstanden, wurden vermutlich von den Karthagern und Phöniziern erbaut. Später hatten die Römer ausgedehnte Werftkomplexe, vor allem zum Bau von Galeeren. In der Antike war bereits das Trockendock bekannt.
Im Mittelalter erfolgte der Bau von Schiffen jedoch in Werften an Land. Die ersten sicher archäologisch nachgewiesenen und noch heute existierenden Trockendocks entstanden unter Zheng He in Nanjing, China, zum Bau der legendären Schatzschiffe Anfang des 15. Jahrhunderts. Mit dieser Entwicklung wurde der Bau großer, etwa 70 m langer Dschunken möglich. In Europa wurde ein Trockendock erstmals 1495 in Portsmouth gebaut und angewandt.
Für Reparaturzwecke erfand 1839 der amerikanische Ingenieur Gilbert das Schwimmdock. Schwimmdocks funktionieren ähnlich wie U-Boote: Zum Einfahren der Schiffe werden sie geflutet und tauchen so weit ab, dass das zu reparierende Schiff einfahren kann. Anschließend wird das Wasser aus den Tanks herausgepumpt oder mit Pressluft herausgedrückt, so dass das Schwimmdock mit dem Schiff so weit auftaucht, dass der Boden trocken ist. Neue Schiffe werden zunehmend in großen, geschlossenen Hallen gebaut.
Vom 16. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts befanden sich die größten Werften zunächst in Europa, dann auch in Nordamerika.
Im Zuge der sogenannten Werftenkrise wurden in Europa Schiffbaukapazitäten abgebaut, die größten Werftkapazitäten entstanden nun in Japan, Südkorea und China.
Die drei großen Werften Blohm & Voss, Hamburg, Deutsche Nordseewerke, Emden (beide ThyssenKrupp Werften) und HDW wurden am 5. Januar 2005 zusammengeschlossen. Dazu übernahm der Thyssen-Krupp-Konzern, der bereits Eigentümer von Blohm & Voss und der Nordseewerke war, die HDW vom US-Finanzinvestor One Equity Partners. Im Rahmen der Übernahme bekamen die Amerikaner 25 Prozent am neuen Verbund und 240 Millionen Euro in bar. Damit ist insbesondere die U-Boot-Technologie der HDW für die deutschen Standorte gesichert.
Lastadie:
Im Mittelalter wurden Werften auch als Lastadie bezeichnet.Derek Meister: Rungholts Ehre. Blanvalet, München 2006, ISBN 3-442-36310-1.Wolfgang Baier: Historische Rostocker Ansichten. Als Lastadie werden teilweise auch hafenähnliche Einrichtungen bezeichnet.Lastadie. In: Oeconomische Encyclopädie online.
Bekannte Werften Deutschland mini|320px|Werfthalle Schichau Seebeck, Bremerhaven Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes machten alle Schiffs- und Bootsbauwerften in Deutschland 2012 zusammengerechnet einen Umsatz von etwa 5 Milliarden Euro. 72 Prozent davon waren Exporte. Im Jahresdurchschnitt wurden etwa 18.000 Arbeitnehmer beschäftigt; knapp 2 Prozent weniger als 2011.Jahresbericht 2012. (PDF) Verband Deutscher Schiffsausrüster e. V., S. 8.Zukunftsfähigkeit der maritimen Wirtschaft sichern. (PDF) Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Industrie- und Handelskammern, Positionspapier zur 8. Nationalen Maritimen Konferenz (2013) S. 6.
Korea baute 2011 weltweit 44 Prozent aller Neubauten (gemessen in CGT); 2012 waren es nur noch 29 Prozent. China baute 2012 35 Prozent (19,7 Millionen CGT); Japan 8,4 Millionen CGT.Jahresbericht 2012. (PDF) Verband Deutscher Schiffsausrüster e. V., S. 10.
Im Mai 2017 meldete der VSM (Verband für Schiffbau und Meerestechnik), der Auftragsbestand des deutschen Schiffbaus sei um 42 Prozent auf einen Rekordwert von 18,4 Milliarden Euro gestiegen.
Baden-Württemberg Bodan-Werft, Kressbronn am Bodensee (stillgelegt 2011) Schiffs- und Maschinenbau AG Mannheim, Mannheim (stillgelegt) Schiffswerft Karcher, Freistett
Bayern Bavaria Yachtbau, Giebelstadt Deggendorfer Werft und Eisenbau, Deggendorf (Werftbetrieb stillgelegt) Donau-Werften Regensburg (stillgelegt) Erlenbacher Schiffswerft Maschinen- & Stahlbau, Erlenbach am Main Schiffswerft Johann Hupp, Eibelstadt (stillgelegt) Schiffswerft Neckermann & Hofmann, Würzburg (stillgelegt)
Berlin Deutsche Industriewerke, Spandau Teltow-Werft, Zehlendorf (stillgelegt 1962)
Brandenburg Werft Malz GmbH, Oranienburg
Bremen weitere in Bremer Werften und Werften in Bremerhaven Adler Werft, Bremerhaven (stillgelegt 1977) Bredo (Bremerhavener Dock, seit 1996 auch eigene Reparatur- und Umbauarbeiten) Bremer Vulkan (stillgelegt 1997) Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG, Bremen-Vegesack Lloyd Werft Bremerhaven, Bremerhaven (insbes. Reparatur, Umbau und Erweiterung) MWB Motorenwerke Bremerhaven AG, Bremerhaven (seit 1957; Reparatur und Motoren-Instandsetzung) Rickmers-Werft, Bremerhaven (ab 1834, heute Rickmers Lloyd Dockbetrieb, Reparaturen und Umbauten) Schichau Seebeck Shipyard GmbH, Bremerhaven (stillgelegt 2009) Tecklenborg, Bremerhaven (stillgelegt) AG Weser (stillgelegt 1983)
Hamburg weitere in Werften in Hamburg Blohm + Voss GmbH, Hamburg-Steinwerder seit 1877 Deutsche Werft, Finkenwerder (1967 Fusion zur HDW, stillgelegt 1973) Howaldtswerke Hamburg (1967 Fusion zur HDW, stillgelegt 1985) Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) Hamburg (1985 Aufgabe des Hamburger Standortes) Janssen & Schmilinsky (1928 Verkauf an Howaldtswerke) Köhlbrandwerft (1938 „arisiert“, stillgelegt 1958) Norderwerft Steinwerder, Reiherstieg, seit 1906 Pella Sietas ehem. J.J. Sietas Schiffswerft GmbH u. Co., Hamburg-Neuenfelde, seit 1635 H. Rancke, Hamburg-Neuenfelde (1968 Verkauf an J. J. Sietas) Reiherstieg-Werft (1927 Übernahme durch Deutsche Werft, stillgelegt 1983) Schiffswerft W. Holst, Hamburg-Neuenfelde (1960 Verkauf an J. J. Sietas) Schlieker-Werft (geschlossen 1962) Stülcken-Werft (stillgelegt 1966) Vulkanwerft (1930–1985: Howaldtswerke, ab 1986: Blohm + Voss, Ross Industrie GmbH, stillgelegt 1987) Gustav Wolkau, Hamburg-Wilhelmsburg (stillgelegt 1975)
Hessen Cytra, Darmstadt (Betrieb 1998 eingestellt) Schiffswerft Philipp Ebert und Söhne, Neckarsteinach Schiffswerft Christof Ruthof, Mainz-Kastel (Betrieb 1976 eingestellt) Werft Gustavsburg, Ginsheim-Gustavsburg (Betrieb 1989 eingestellt)
Mecklenburg-Vorpommern Elbewerft Boizenburg, Boizenburg/Elbe (stillgelegt 1997) HanseYachts, Greifswald Marinearsenal Warnowwerft, Rostock Neptun Werft, Rostock Peene-Werft, Wolgast Schiffswerft Barth, Barth Tamsen Maritim, Rostock Thyssenkrupp Marine Systems Wismar, Wismar (ehemals: MV Werften Wismar, Nordic Yards Wismar, Wadan Yards MTW, Aker MTW Werft) Vilm Yachts, Rügen Volkswerft Stralsund, Stralsund (1948–2010; seit Januar 2022 Maritimer Industrie- und Gewerbepark Volkswerft; ehemals: P+S-Werften (2010–2014), Nordic Yards Stralsund (2015–2016) und zuletzt MV Werften Stralsund (2016–2022))
Niedersachsen weitere auch in Werften an der Unterweser
weitere auch in Werften in Cuxhaven
siehe auch Schiffbau in Ostfriesland und Papenburg Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft GmbH & Co. KG, Lemwerder Heinrich Brand Schiffswerft, Oldenburg (stillgelegt) Cassens-Werft GmbH, Emden Elsflether Werft, Elsfleth Fassmer GmbH & Co. KG (Schiffbau, Rettungsbootsbau, Anlagenbau und Faserverbundtechnik), Berne Detlef Hegemann Rolandwerft GmbH & Co. KG, Berne, Warfleth, Hegemann-Gruppe J. H. Jacobs, Moorrege (stillgelegt 1959) Neue Jadewerft GmbH, Wilhelmshaven (gegründet 1948 als Jadewerft, nach 1979 als Neue Jadewerft) Martin Jansen GmbH & Co. KG, ehemalige Werft in Leer (Ostfriesland) Meyer Werft GmbH, Papenburg (insbesondere Kreuzfahrtschiffe) Mützelfeldtwerft GmbH, Cuxhaven (gegründet 1895; insbesondere Bau von Schleppern). Nordseewerke Emden Shipyard GmbH, Emden (ehemaliges Tochterunternehmen von ThyssenKrupp Marine Systems) Schulte & Bruns Werft, Emden (stillgelegt 1979) Stader Schiffswerft, Stade (stillgelegt 1976) Hermann Sürken, Papenburg (stillgelegt 1992)
Nordrhein-Westfalen Büsching & Rosemeyer, Uffeln bei Vlotho a. d. Weser (stillgelegt 1984) Rosemeier Schiffbau GmbH, Minden Heinrich Harbisch Schiffswerft, Duisburg Kölner Werft GmbH & Co. Schiffbau KG, Ewald Berninghaus, Köln (stillgelegt 1976) Lux-Werft, Mondorf (Niederkassel) Meidericher Schiffswerft GmbH & Co. KG, Duisburg Neue Ruhrorter Schiffswerft GmbH, Duisburg-Ruhrort Schiffswerft Fritz Figge GmbH & Co KG, Dortmund (stillgelegt 2009) Schiffswerft Jean Stauf, Königswinter (historisch 1902–1967) Triton Werft Jacobs Formstahl GmbH, Duisburg-Ruhrort
Rheinland-Pfalz Bachmann & Johanny, Sankt Goar Neue Germersheimer Schiffswerft Schiffswerft Gebrüder Elsner, Koblenz Schiffswerft Hilgers Rheinbrohl Schiffswerft Hans Boost, Trier, seit 2004: Schiffswerft Trier Rheinwerft Mainz-Mombach, Mainz Stahlbau Müller, Spessart (Brohltal)
Sachsen Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau, Binnenwerft der Gesellschaft „Kette“ Schiffswerft Laubegast, ehemalige Werft Blasewitz gegr. 1855
Sachsen-Anhalt Roßlauer Schiffswerft GmbH und Co. KG, Roßlau Schiffswerft Bolle GmbH, Derben Schiffswerft Hermann Barthel GmbH, Derben Schiffswerft Georg Placke, Aken (historisch 1795–2014) SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft Tangermünde, Tangermünde und Genthin
Schleswig-Holstein Büsumer Werft, Büsum (stillgelegt) Flender-Werke, Lübeck (stillgelegt) Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG, Flensburg Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW), Kiel (insbesondere U-Boot-Bau) Hitzler Werft, Lauenburg/Elbe (Versorgungsschiffe, Patrouillenboote) Husumer Schiffswerft, Husum (stillgelegt 1986)