mini|Die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1386 gegründet) ist die älteste Einrichtung des tertiären Bildungsbereiches in Deutschland. mini|Bildungsgänge im deutschen Bildungssystem mini|Zusammensetzung der im tertiären Bildungsbereich Deutschlands Studierenden, nach Schulart. Grün/blau: Hochschulen; violett: andere Schularten. Der tertiäre Bildungsbereich in Deutschland umfasst die Bildung an Universitäten, Fachhochschulen, Berufsakademien, Fachakademien (Bayern), Fachschulen sowie Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung.

Geschichte

Bis 1945 1386 wurde mit der Universität Heidelberg die erste Universität auf heutigem deutschen Staatsgebiet gegründet. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Hochschulwesen weiter, wobei die preußische Bildungsreform am Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutende Veränderungen einleitete. Zu diesen Veränderungen zählte unter anderem die Einführung einer allgemeinen Hochschulreife als Voraussetzung für das Studium.

Während der NS-Zeit in Deutschland waren die Bildungseinrichtungen zentraler Teil der ideologischen Umgestaltung und der Ausbildung einer nationalsozialistischen Elite. Das gesamte Schulsystem stand unter der Kontrolle der NS-Regierung, bereits 1933 wurden „nicht-arische Lehrkräfte“ entlassen.

Entwicklung nach 1945 Zwischen 1975 und 1994 stagnierte die westdeutsche Universitätsabsolventenquote zwischen 8 und 9 Prozent trotz steigender Abiturientenquote, weil nur ein kleinerer Teil der Abiturienten tatsächlich studierte, und weil viele Studenten das Studium abbrachen. Ähnliches gilt mit Bezug auf die Fachhochschulen. Der Expansionsertrag „versickerte“.Daten aus R. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands. 4., überarb. Auflage. 2006, S. 276–278.

In den ersten zwanzig Jahren der DDR (also bis etwa 1970) lag die Abiturientenquote leicht über der bundesdeutschen (1970: 13 zu 11 Prozent). Dann wurde die Bildungsexpansion politisch blockiert, die Abiturientenquote (aus zweijähriger EOS und dreijähriger Berufsausbildung mit Abitur) und die Studienanfängerquote lagen 1989 bei 14 Prozent, in der BRD bei 24 Prozent bzw. 20 Prozent. Die akademische Absolventenquote der DDR kam aber trotz geringerer Abiturientenquote der westdeutschen nahe, weil fast alle Studenten einen Abschluss erhielten. 1988/1989 hatten jeweils 8 Prozent der Erwerbstätigen in Ost und West einen Universitätsabschluss (incl. Lehrerausbildung).

Zwischen 2003 und 2008 ging die Zahl der Studienanfänger prozentual zurück, was auf die damalige Einführung von Studiengebühren zurückzuführen war. Durch die Umstellung auf Bachelor und Master erwerben viele Studierende zwei Abschlüsse.

Politische Zuständigkeit

Das Hochschulwesen liegt im Verantwortungsbereich der Bundesländer. Das Hochschulrahmengesetz des Bundes sollte 2008 auslaufen.

Finanzbedarf und Ausgaben der Universitäten und Hochschulen Die Finanzierung der staatlichen Universitäten und Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland erfolgt insbesondere durch die Bundesregierung und die Landesregierungen über Steuergelder der Steuerzahler. Studiengebühren wie in den USA, England, Irland, Kanada gibt es in Deutschland nicht. Das gilt auch für ausländische Studenten.

Als Beispiel verfügte Deutschland im Jahr 2019 über etwa 799 Milliarden Euro Steuereinnahmen.

Die Ausgaben der Universitäten und Hochschulen in Deutschland betrugen im Jahr 2019 etwa 61 Milliarden Euro (siehe Tabelle). An den Universitäten und Hochschulen in Deutschland studierten im Jahr 2019 etwa 2,9 Millionen Studenten. Davon waren etwa 14 % ausländische Studenten. Etwa 1 Million Studenten studierten Fächer im Bereich Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften. Im Jahr 2019 gab es etwa 49.000 Professoren und Professorinnen in Deutschland.

In Deutschland gibt es nur wenige private Universitäten und Hochschulen. Als Beispiel kostete 2022 ein Semester an der WHU: Private Hochschule für Wirtschaft & Management für EU-Studenten etwa 7.600 Euro, für internationale Studenten über 12.750 Euro. An der privaten Hochschule der Bayerischen Wirtschaft kostete 2022 ein Semester für eine Bachelor Studium etwa 500 Euro, an der Hamburger Fernhochschule etwa 300 Euro Gebühren pro Monat. +Ausgaben der Universitäten und Hochschulen in Deutschlandin Millionen Euro199520002005201220132014201520162017201820192020Universitäten und Hochschulen249962750930974450124631448207500285211454098572836101264437 Quelle: Statistisches Bundesamt: Finanzen der Hochschulen – Fachserie 11 Reihe 4.5

Im Vergleich zu den relativ günstigen durch den Steuerzahler finanzierten Studiengebühren in Deutschland, kostet der Meister in Elektrotechnik oder für Heizungsbauer an Handwerkskammern in Deutschland mehr als 11.000 Euro.

Die Studiengebühren in Deutschland ermöglichen Studenten zudem häufig günstigere Preise für die Nutzung staatlicher Verkehrsbetriebe oder Museen.

Entsprechend dem Statistischen Bundesamt betrugen die gesamten Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft im Jahr 2020 über 334 Milliarden Euro in Deutschland.

Arten von Schulen In Deutschland bestanden im Studienjahr 2018/2019 insgesamt 426 Hochschulen. Zum tertiären Bereich zählen in Deutschland außerdem Fachschulen, Fachakademien und Berufsakademien die alle außerhalb des Hochschulbereichs liegen. Bei den Berufsakademien findet die Hälfte der Studienzeit in Unternehmen statt. An Fachschulen können spezielle Fortbildungen, die etwa zum Techniker oder Meister führen, besucht werden. Schulart Zahl (2018/2019) Zulassungsvoraussetzungen Studierendenzahl 2018/2019 Quellen und Anmerkungen Universitäten 106 Abitur oder gleichwertiger Abschluss 1.753.038 Fachhochschulen 216 Abitur, fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife 998.942 Verwaltungsfachhochschulen 30 Abitur, fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife 47.780 Kunsthochschulen 52 Abitur oder fachgebundene Hochschulreife 36.483 Pädagogische Hochschulen 6 Abitur oder gleichwertiger Abschluss 24.866 Theologische Hochschulen 16 Abitur oder gleichwertiger Abschluss 2.500 Hochschulen insgesamt 426 2.867.586 Fachschulen und Fachakademien 1.482+99 Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf 192.119 Berufsakademien 55 Abitur, fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife 10.723 Tertiärer Bildungsbereich insgesamt 2.062 3.070.428

Hochschulstudium

Aufgaben der Hochschulen Die wesentliche Aufgabe der Hochschulen besteht in der Forschung, der Wissenschaft, der Lehre, der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen im Studium und der Weiterbildung sowie dem Verleihen akademischer Grade. Hierzu sind die Hochschulen in verschiedene Fakultäten oder Fachbereiche differenziert, die verwandte Wissenschaften in sich vereinigen. Hinzu kommen zahlreiche Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen an jeder einzelnen Hochschule.

Aufbau des Studiums Der Aufbau des Studiums selbst wird gemäß den Landeshochschulgesetzen durch Studienordnungen und Prüfungsordnungen geregelt, welche von den Hochschulen autonom festgelegt werden. Auch die Studienabschlüsse, die erworben werden können, hängen vom Studiengang ab. Zu den wichtigsten gehören der Magister, das Diplom, das Staatsexamen, der Bachelor sowie die Abschlüsse des postgradualen Studiums, etwa der Master und der Doktor. Der Zugang zu einer Professur hängt nicht mehr von einer Habilitation ab. Durch den Bologna-Prozess wurden die meisten Magister- und Diplomstudiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge umgewandelt. Bei Studiengängen mit Staatsexamina wie den Lehrämtern, Jura oder der Medizin ist diese Entwicklung noch unabsehbar.

Grundständiges und postgraduales Studium Man unterscheidet zwischen grundständigem Studium, das zu einem ersten Hochschulabschluss führt (Bachelor, Diplom, Magister, erstes Staatsexamen, Lizenziat, Baccalaureus), und postgradualem Studium (Master), das ein grundständiges Studium voraussetzt. Auch ein Doktorstudium ist ein postgraduales Studium. Der deutsche Begriff postgradual bedeutet nach Erstabschluss eines Hochschulstudiums erfolgend.Vgl. duden.de

Studiengang und Abschluss Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Studiengänge. Das Studium kann auf ein bestimmtes Fachgebiet ausgerichtet sein oder interdisziplinär sein. Der Ablauf eines Studiengangs ist teilweise fachspezifisch geregelt, teilweise auch durch Rechtsvorschriften der Länder einer akademischen Ausbildungsstätte, kann manchmal auch vom Studenten recht frei gewählt werden. Überwiegend werden in einem Fach oder Fachbereich mehrere Studiengänge angeboten, die mit unterschiedlichen Abschlüssen (Bachelor, Diplom, Akademiebrief, Staatsexamen, Magister, Master, Meisterschüler, Lizentiat, Promotion) enden und damit teilweise auch für unterschiedliche berufliche Wege qualifizieren.

Diplom Das Studium im Diplom-Studiengang gliedert sich zumeist in zwei Teile. Das zwei- bis viersemestrige Grundstudium wird meist mit einer Diplomvorprüfung (siehe auch Vordiplom) oder Ähnlichem abgeschlossen. Darauf folgt das vier- bis sechssemestrige Hauptstudium, an dessen Ende das mit bestandener Diplomprüfung verliehene Diplom steht. Oft findet eine spezielle dem Studiengang entsprechende Differenzierung, Spezialisierung und Schwerpunktsetzung erst im Hauptstudium statt, während das Grundstudium eher dem Vermitteln von Grundkenntnissen, -fertigkeiten und der Orientierung dient. Dadurch werden Hauptstudien-Veranstaltungen von vielen Studenten als interessanter empfunden.

An Universitäten beträgt die Regelstudienzeit eines Diplomstudiums je nach Studiengang acht bis zehn Semester. An Fachhochschulen haben Diplomstudiengänge eine kürzere Regelstudienzeit von meist acht Semestern und ein anderes Grundkonzept, das mehr Praxisnähe erreichen soll. Dieser akademische Diplomgrad wird mit dem Zusatz „FH“ in runden Klammern verliehen. Die rechtlichen Regelungen für diese und alle anderen Prüfungen an Hochschulen sind in den jeweiligen Studienordnungen und Prüfungsordnungen geregelt.

Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde das Diplomstudium in seiner bisherigen Form abgelöst, jedoch blieben Ausnahmen bestehen. So wird etwa an der Universität Greifswald der Studiengang Betriebswirtschaftslehre mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann nicht zugunsten des Bachelor-Studiengangs abgeschafft, sondern alternativ zu ihm angeboten.Vgl. die Diplom-Studiengang Betriebswirtschaftslehre: Fachbeschreibung, Zulassung, Einschreibung, auf der Internetpräsenz der Universität Greifswald

Magister Artium In Deutschland gibt es (ausschließlich an Universitäten und für geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer) den Magister-Studiengang, der sich ebenfalls in ein Grundstudium, an dessen Ende eine Zwischenprüfung steht, und ein Hauptstudium gliedert. Das Studium besteht in der Regel aus einem Hauptfach und zwei Nebenfächern oder aus zwei Hauptfächern und gestaltet sich wesentlich freier als der Diplom-Studiengang. Nach Annahme der Abschlussarbeit, der sogenannten Magisterarbeit, sowie dem Bestehen der Abschlussprüfung in den jeweiligen Studienfächern erlangt man den akademischen Grad eines Magister Artium. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurden auch die meisten Magisterstudiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge umgewandelt.

Bachelor und Master In Deutschland wurden der einstufige Diplom-Studiengang und der einstufige Magister-Studiengang im Rahmen des Bologna-Prozesses durch das zweistufige Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master ersetzt. Ob andere Studienabschlüsse wie das Staatsexamen abgeschafft werden oder womöglich parallel erworben werden können, ist Gegenstand aktueller Diskussionen.