mini|Geschmückter Rettungskorb bei der Weihe einer neuen Drehleiter Als Rettungskorb bezeichnet man heutzutage meist aus Metall konstruierte Körbe als Teil der Ausrüstung von Rettungsfahrzeugen. Rettungskörbe werden bei Rettungsorganisationen wie der Feuerwehr, Grubenwehr, Höhlenrettung, Höhenrettung oder Bergrettung eingesetzt.
Verwendung bei der Feuerwehr mini|hochkant|Nicholas Collin entwarf eine Konstruktion mit Rettungskorb, 1799
Die Geschichte des Rettungskorbs geht mindestens bis in das späte 18. Jahrhundert zurück: Johann Heinrich Moritz von Poppe beschrieb, es „soll in Paris gebräuchlich“ sein, einen Tragkorb an „tüchtigen Seilen“ aus den Fenstern links und rechts des brennenden Gebäudes vor das Fenster der zu Rettenden zu ziehen. Dies setzt aber voraus, dass ausreichend hohe Nachbargebäude vorhanden sind.Johann Heinrich Moritz von Poppe: Allgemeines Rettungsbuch. Oder Anleitung vielerley Lebensgefahren, welchen die Menschen zu Lande und zu Wasser ausgesetzt sind, vorzubeugen, und sie aus den unausweichlichen zu retten. Verlag der Helwingschen Hofbuchhandlung, Hannover und Pyrmont 1805. S. 55–56. Mehrere Engländer, Deutsche und Franzosen entwarfen daher transportable Rettungs-Maschinen, um Menschen aus den oberen Stockwerken brennender Häuser zu retten. Sie waren womöglich von den Maschinen zur Warenverladung wie Kran oder Kranich inspiriert.Johann Heinrich Moritz von Poppe: Allgemeines Rettungsbuch. Oder Anleitung vielerley Lebensgefahren, welchen die Menschen zu Lande und zu Wasser ausgesetzt sind, vorzubeugen, und sie aus den unausweichlichen zu retten. Verlag der Helwingschen Hofbuchhandlung, Hannover und Pyrmont 1805. S. 61–66. Beispielsweise beschrieb der in Philadelphia lebende schwedische Pfarrer Nicholas Collin (1746–1831)Whitfield J. Bell (Hrsg.): Nicholas Collin’s Appeal to American Scientists. In: The William and Mary Quarterly 13(4), Oktober 1956, S. 519–550, . im Jahr 1799 eine Konstruktion aus Balken, Hebeln und Seilen, an der ein Rettungskorb für vier Personen hing (siehe Bild).Nicholas Collin: Description of a Machine for saving Persons from the upper Stories of a House on fire. In: Transactions of the American Philosophical Society. Band 4, S. 143–148., Philadelphia, 1799, . Nachdruck in: The Repertory of Arts and Manufactures. Band 15, G. & T. Wilkie, 1801, S. 35ff. Zitiert nach: Johann Heinrich Moritz von Poppe: Allgemeines Rettungsbuch. Oder Anleitung vielerley Lebensgefahren, welchen die Menschen zu Lande und zu Wasser ausgesetzt sind, vorzubeugen, und sie aus den unausweichlichen zu retten. Verlag der Helwingschen Hofbuchhandlung, Hannover und Pyrmont 1805. S. 66–68. Ein 1808 von der Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe ausgeschriebener Wettbewerb erbrachte sieben publikationswürdige Entwürfe, unter anderem präsentierte Johann Christian Hellbach einen
Allerdings sei wegen des benötigten Personals und der schwierig anzubringenden Vorrichtung an eine „schleunige Rettung […] nicht zu denken“. Johann Heinrich Moritz von Poppe erwähnte 1837 eine Vielzahl solcher „Feuerrettungsmaschinen“, bestehend aus Schiebleitern, stapelbaren Gestellen oder
Diese Maschinen konnten sich nicht durchsetzen, und im 1877 erschienenen StandardwerkHans Georg Prager: Florian 14. achter Alarm: Das große Buch der Feuerwehr. S. 67. Bertelsmann, Gütersloh 1965, . Das Feuerlöschwesen in allen seinen Theilen von Conrad Dietrich Magirus werden sie nicht erwähnt, sondern stattdessen diverse trag- und fahrbare LeiternConrad Dietrich Magirus: Das Feuerlöschwesen in allen seinen Theilen, 1877, S. 133–169: Die Stieg-Geräthe. oder der „unübertreffliche“ Rettungsschlauch.Conrad Dietrich Magirus: Das Feuerlöschwesen in allen seinen Theilen, 1877, S. 178.
mini|Teilweise ausgefahrene Drehleitern mit Korb Eine Renaissance für die moderne Feuerwehrausrüstung erlebte der Rettungskorb in den 1960er JahrenWolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte: Brandschutz und Löschungsgerätetechnik von der Antike bis zur Gegenwart. Kohlhammer, 1995, ISBN 3-1701-3203-2. Zitiert nach Ulrich Cimolino, Thomas Zawadke: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst. Ecomed-Storck, 2006, ISBN 3-6096-8667-7, S. 227: der erste Gelenkmast in Deutschland sei 1965 durch die Berufsfeuerwehr Stuttgart in Dienst gestellt worden, allerdings gebe es verschiedene Angaben in den Quellen, Hornung sei allerdings „für seine akribische Recherche bekannt“. durch die Einführung von Hubrettungsfahrzeugen wie dem Teleskopmast (erstmals 1958 in ChicagoFire engine. Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 22. Oktober 2019.). Dieser hatte gegenüber der reinen Drehleiter Vorteile bei der Rettung gehbehinderter oder ängstlicher Personen – allerdings den Nachteil, dass keine kontinuierliche Menschenrettung möglich ist. Als Verknüpfung der Vorteile wurden Mitte der 1960er Jahre Rettungskörbe vorgestellt, die am obersten Leiterelement eingehängt werden können (Drehleiter mit Korb, abgekürzt DLK) – erste Experimente dazu hatte es bei Metz bereits in den 1930ern gegeben.Ulrich Cimolino, Thomas Zawadke: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst. Ecomed-Storck, 2006, ISBN 3-6096-8667-7, S. 203–206.Hans Kemper: Fahrzeugkunde: Arten und Ausführungen der genormten Feuerwehrfahrzeuge. Ecomed-Storck, 2010, S. 34, ISBN 978-3-6096-2014-5.Jan Ole Unger, Nils Beneke, Klaus Thrien: Hubrettungsfahrzeuge: Ausbildung und Einsatz. Kohlhammer, 2019, S. 15, ISBN 978-3-1703-5840-9.
Die Rettungskörbe dienen als Arbeitsbühne, der Menschenrettung, der Brandbekämpfung, der Klettersicherung von Einsatzkräften,Wolfgang Werft: Grundlagen des Drehleitereinsatzes. Fachwissen Feuerwehr, Handbuch Brandschutz. Ecomed-Storck, 2010, S. 81, ISBN 978-3-6096-2323-8. der Montage von BeleuchtungseinrichtungenJan Ole Unger, Nils Beneke, Klaus Thrien: Hubrettungsfahrzeuge: Ausbildung und Einsatz. Kohlhammer, 2019, Abschnitt »Beleuchtungsgeräte«, ISBN 978-3-1703-5840-9. und Wenderohren.Jan Ole Unger, Nils Beneke, Klaus Thrien: Hubrettungsfahrzeuge: Ausbildung und Einsatz. Kohlhammer, 2019, Abschnitt »Wenderohr/Wasserwerfer«, ISBN 978-3-1703-5840-9. Zur Erhöhung der Traglast der Leiter kann der Korb abgenommen werden.Wolfgang Werft: Grundlagen des Drehleitereinsatzes. Fachwissen Feuerwehr, Handbuch Brandschutz. Ecomed-Storck, 2010, S. 20–24, ISBN 978-3-6096-2323-8. Moderne Drehleiterkörbe verfügen über eine Traglast von bis zu 500 kg und sind „zwangsgesteuert“: Das Steuerungssystem sorgt dafür, dass der Korbboden stets waagerecht bleibt.Jan Ole Unger, Nils Beneke, Klaus Thrien: Hubrettungsfahrzeuge: Ausbildung und Einsatz. Kohlhammer, 2019, Abschnitt »Rettungskorb«, ISBN 978-3-1703-5840-9. Zum Transport von Verletzten kann am Korb eine Trage befestigt werden.Marc-Michael Ventzke, Helmut Balkie, Gregor Kemming: Rettung aus Höhen und Tiefen – Standardtechniken der Feuerwehr. In: Notfallmedizin up2date, Band 13, Nr. 1, 2018, S. 79–90, . Im Vergleich zu den um 1800 konzipierten Feuerrettungsmaschinen kann der Rettungskorb sehr schnell eingesetzt werden. Die Rüstzeit, also das Abstützen des Fahrzeugs und das Drehen und Ausfahren des Leiterparks auf maximale Rettungshöhe, darf nach der DIN EN 14043 bei einer 30 Meter langen Drehleiter mit Stülp- oder Klappkorb höchstens 140 Sekunden betragen, tatsächlich liegen sie bei etwa einer Minute. Muss der Korb angebaut werden, sind 180 Sekunden gestattet. Für Teleskopmasten ist die maximale Rüstzeit höhenabhängig, bei 30 Metern beträgt sie gemäß DIN EN 1777 150 Sekunden.Jan Ole Unger, Nils Beneke, Klaus Thrien: Hubrettungsfahrzeuge: Ausbildung und Einsatz. Kohlhammer, 2019, Abschnitt »Rüstzeit«, ISBN 978-3-1703-5840-9.Günther Pinkenburg, Thomas Zawadke: Beschaffung von Einsatzfahrzeugen für die Feuerwehr. Walhalla Fachverlag, 2017, ISBN 978-3-8029-4870-1, S. 97.DIN EN 14043:2014-04: Hubrettungsfahrzeuge für die Feuerwehr - Drehleitern mit kombinierten Bewegungen (Automatik-Drehleitern) - Sicherheits- und Leistungsanforderungen sowie Prüfverfahren, ; DIN EN 1777:2010-06: Hubrettungsfahrzeuge für Feuerwehren und Rettungsdienste, Hubarbeitsbühnen (HABn) - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfung, .Tanja Muth et al.: Leistungsfähigkeit von Rettungsgeräten der Feuerwehr bei der Rettung von Personen aus Obergeschossen baulicher Anlagen. In: Brandschutz-Forschung der Bundesländer: Berichte, , Karlsruhe, Dezember 2016, S. 14. Die Körbe haben dazu beigetragen, dass Drehleitern als vielseitiges Arbeitsgerät für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt werden.Ulrich Cimolino, Thomas Zawadke: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst. Ecomed-Storck, 2006, ISBN 3-6096-8667-7, S. 219–220.
Menschenrettung auf See, aus der Luft und unter Tage
mini|Johnson’s „Klippenkrahn“, Illustrirte Zeitung 1843Die neusten Erfindungen zur Rettung von Schiffbrüchigen. In: Illustrirte Zeitung, Nr. 10 vom 2. September 1843, J. J. Weber, Leipzig, S. 152, . Rettungskörbe werden auch für die Rettung aus Seenot eingesetzt. 1843 zeichnete die Royal Society of Arts zwei Kräne der Herren Johnson und Harrison aus, mit denen Menschen an Steilküsten geborgen werden konnten.Society of Arts. In: The Literary Gazette: A Weekly Journal of Literature, Science, and the Fine Arts. H. Colburn, 1843, S. 734. Ein Kran von Johnson wurde von der Royal Humane Society 1843 zur Menschenrettung eingesetzt.Fatal Accident. In: The Cambrian, 2. Dezember 1843, S. 4. Lange Spitzen wurden in den Boden gestoßen, um den länglich flachen Wagen an der Steilküste zu sichern, und der geflochtene Korb zu den Schiffbrüchigen ins Wasser herabgelassen. Infolge der Untergänge der Reliance im November 1842 und des Conquerer im Januar 1843 vor der französischen Küste wurden beispielsweise in der Illustrirten Zeitung Forderungen nach besserer Ausrüstung zur Seenotrettung in Deutschland erhoben, wobei unter anderem auf den in England erprobten „Klippenkrahn“ von J. Johnson verwiesen wurde.
Heute werden auf Schiffen für Mensch-über-Bord-Manöver spezielle Körbe mitgeführt, die mit einem Kran ins Wasser gelassen werden und aufgrund von Schwimmkörpern nur teilweise eintauchen, so dass sie leicht bestiegen werden können.Bekanntmachung des Rundschreibens des Schiffssicherheitsausschusses MSC der IMO MSC.1/Rundschreiben 1182/Rev.1: „Leitfaden für Techniken der Rettung von Personen“. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg, den 9. Oktober 2015, Az.: 11-3-0. Ähnliche Körbe kommen bei Schiffbruch an der Seilwinde von SAR-Hubschraubern zum Einsatz.Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, Dutch Safety Board: Untersuchungsbericht 370/14. Sehr schwerer Seeunfall. Untergang des Schwimmgreifers ZANDER und Ertrinken von zwei Seeleuten am 24. November 2014 in der Nordsee nördlich Norderney. 1. Juli 2016. S. 11, 18. epub.sub.uni-hamburg.de (PDF; 7,3 MB).
In den Bergen werden bei Bergunfällen Rettungskörbe an Hubschraubern für die Luftrettung eingesetzt,Aiut Alpin Dolomites » Geschichte » Die Militärhubschrauber. Abgerufen am 17. Oktober 2019. außerdem verfügen Seilbahnen für die Evakuierung der Gondeln über spezielle, korbförmige Bergungswagen.Neue Zugspitz-Seilbahn für unbestimmte Zeit außer Betrieb. Spiegel Online, 13. September 2018.Katharina Anna Rudolph: Anwendungsfälle und Lösungsansätze zur Realisierung urbaner Luftseilbahnprojekte im ÖPNV. Schriftenreihe des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik - Verkehr, August 2009, Wirtschaftsuniversität Wien.