mini|Fritz Behn, ca. 1910 mini|Abgüsse von während der Afrika-Aufenthalte Behns angeblich selbsterlegten Tieren Max Adolf Friedrich Behn (* 16. Juni 1878 in Klein Grabow; † 26. Januar 1970 in München) war ein deutscher Bildhauer, der vor allem mit seiner afrikanischen Tierplastik Bedeutung erlangte.

Leben und Werk Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 Fritz Behn wurde auf dem Landgut seiner Eltern in Klein Grabow bei Güstrow geboren. Er war ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn und Urenkel des Lübecker Arztes Georg Heinrich Behn.

Nach dem Besuch der Nikolaischule in Leipzig wechselte Behn 1893 an das Katharineum zu Lübeck, wo er Ostern 1898 sein Abitur ablegte.Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907, Nr. 1083, . Mitabiturienten waren Gustav Radbruch, Hermann Link, Gustav Brecht und Friedrich Brutzer. Von 1898 bis 1900 besuchte er die Kunstakademie München, zuerst für ein Semester in der Naturklasse01861 Fritz Behn. In: Matrikelbuch 1884–1920. und dann in der Bildhauerklasse.01888 Fritz Behn. In: Matrikelbuch 1884–1920. Er war dort Schüler von Wilhelm von Rümann. Mit 22 Jahren machte Behn sich als Bildhauer selbstständig. Er schloss sich dem Kreis um den Bildhauer Adolf von Hildebrand an und wurde Mitglied der Münchener Secession.

Bereits in Leipzig zeigte sich seine künstlerische Begabung. Er reichte als Vierzehnjähriger bei einem Preisausschreiben der Zeitschrift Der Gute Kamerad erfolgreich einen Entwurf für ein Old-Shatterhand-Denkmal ein.Joachim Biermann: Der Bildhauer Fritz Behn als jugendlicher May-Leser. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft. Nr. 157, September 2008, S. 35–37 (karl-may-gesellschaft.de [PDF; 6,9 MB; mit Abbildung]). In München gehörte er zu den frühen Mitgliedern des Deutschen Künstlerbundes und beteiligte sich an dessen erster Ausstellung 1904 im Münchener Königlichen Ausstellungsgebäude am Königsplatz mit einer Bronzebüste des belgischen Grafikers Georges-Marie Baltus (1874–1967), sowie mehreren Plaketten und einem Goethe-Relief.Ausstellungskatalog X. Ausstellung der Münchener Sezession: Der Deutsche Künstlerbund (in Verbindung mit einer Ausstellung erlesener Erzeugnisse der Kunst im Handwerk). Verlagsanstalt F. Bruckmann, München 1904 (S. 37: Behn, Fritz, München. Katalognr. 178: G. M. Baltus, Bronzebüste; Sechs Plaketten aus Bronze; Goetherelief in Bronze, vergoldet).

In den Jahren 1905, 1907 und 1909 war Behn auf der Biennale in Venedig vertreten. In diesen Jahren entstanden abgesehen von Grabdenkmälern und Porträtbüsten eine ganze Reihe von Werken im öffentlichen Raum: Schiller-Brunnen in Essen (1905), Tritonengruppe am Gebäude des Aquarium Stazione Zoologica Anton Dohrn in Neapel (1906), Johannes-Brunnen in Lübeck (1907), Prinzregent-Luitpold-Brunnen in Ansbach (1908), Gruppe „Kraft“ im Bavariapark in München (1908), Wolfsbrunnen im Schloss Wolfsbrunn in Hartenstein (1911/1912), Figur des St. Michael in Ritterrüstung an der Fassade des Schlosses Sigmaringen (vor 1912), Prinzregent-Ludwig-Brunnen in Murnau am Staffelsee (1913).

1907/1908 und 1909/1910 folgten zwei mehrmonatige Reisen in die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Von dem auf den Reisen erlegten Großwild fertigte er anatomische Zeichnungen und Gipsabgüsse an, die er mit nach München brachte und in seinem Atelier aufstellte. Unter dem Eindruck seiner Afrika-Reisen entstanden in den folgenden Jahren Groß- und Kleinplastiken von Löwen, Leoparden, Antilopen, Büffeln, Nashörnern und Elefanten. Diese Arbeiten gehören zu den wichtigsten Werken seines Œuvres. Mit seinen afrikanischen Tierplastiken fand Behn auch international Anerkennung. Der Kunsthistoriker Kineton Parkes schrieb im Jahr 1929: He is acknowledged as the leading Tierplastiker of Germany, as Barye was of France and J. M. Swan of England.Kineton Parkes: The Animal Sculpture of Fritz Behn. In: The American Magazine of Art. Vol. 20, Nr. 1, Januar 1929, S. 338–342, hier: S. 341. Im Jahr 1917 veröffentlichte Behn sein Buch ‚Haizuru…‘ Ein Bildhauer in Afrika.

Ab 1911 war er Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft. Er war ein entschiedener Befürworter der Kolonialherrschaft. So vertrat er ein kolonialistisches Weltbild, das mit rassistischen Auffassungen einherging. Der Weiße sei in den Kolonien entweder „Herr“ oder gar nicht. Die Kolonialfrage sei keine der Menschenrechte, der Gleichheit, der Freiheit oder der Moral. Das deutsche Kaiserreich („wir“) würde nicht deshalb Kolonien haben wollen, damit die Augen der Schwarzen leuchteten, „sondern weil wir uns ausdehnen müssen.“ „Rassenmischungen“ lehnte er in der Zur Frage der Mischehen betitelten Schrift entschieden ab.Fritz Behn: Zur Frage der Mischehen. In: Süddeutsche Monatshefte. H. 1/11, Jg. 1911/12, S. 155 f.Birthe Kundrus: Moderne Imperialisten. Das Kaiserreich im Spiegel seiner Kolonien. Böhlau, Köln/Weimar 2003, S. 224. Er setzte sich für den Natur- und Wildschutz in den Kolonien ein.

Prinzregent Luitpold von Bayern verlieh Fritz Behn im Jahr 1910 den Titel „Königlich bayerischer Professor“ auf Lebenszeit. In der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg erhielt er Berufungen an die Technische Hochschule Stuttgart, die Technische Hochschule München und die Kunstakademie Weimar. Keine der Berufungen nimmt er an. Im Winter 1911/1912 ging er zu einem längeren Studienaufenthalt nach Paris und besuchte den französischen Bildhauer Auguste Rodin. Weitere Reisen führten ihn nach Italien und London.

1913 gewann Behn die Ausschreibung für ein in Berlin zu errichtendes Kolonialkriegerdenkmal „für die auf außereuropäischem Boden im Kampfe gebliebenen Deutschen“. Behns Entwurf sah die Figur eines monumentalen aufgesockelten afrikanischen Elefanten als Hauptmotiv des Denkmals vor. Der Entwurf fiel allerdings bei der Kritik und in der Öffentlichkeit durch. Das auf Beschluss des Reichstags, des Bundesrats sowie mit Billigung und im Auftrag des Reichskanzlers projektierte Kolonialkriegerdenkmal trat mit einem reichsweiten Geltungs- und Wirkungsanspruch auf. Es sollte das zentrale Kolonialdenkmal auf deutschem Boden werden. Das Berliner Denkmalprojekt gelangte jedoch infolge des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nicht zur Ausführung.

Am 17. Januar 1913 fand die Eröffnung der Ausstellung „Collection II“ in der Münchner Galerie Thannhauser statt, auf der neben Bildern von Franz Marc Plastiken von Fritz Behn gezeigt wurden. Thomas Mann veröffentlichte sein Essay „Für Fritz Behn“.

1914 nahm er an der vielbeachteten „Ausstellung von Zeichnungen und Plastiken neuzeitlicher Bildhauer“ in der Kunsthalle Mannheim teil.

Bei Kriegsbeginn Ende Juli 1914 meldete er sich als Freiwilliger. Er kam zunächst an der Westfront zum Einsatz. Da er an der Lunge erkrankte, wurde er Mitte März 1915 nach Lille ins Hauptquartier der 6. Armee versetzt. Behns Demobilisierung erfolgte am 22. Januar 1916. Nach München zurückgekehrt, nahm er seine bildhauerische Arbeit wieder auf. Auf der Franz Marc-Gedächtnisausstellung, die 1916 in den Räumen der Neuen Secession in München stattfand, wurden neben Gemälden von Franz Marc Werke von Fritz Behn, Ernst Ludwig Kirchner, Edvard Munch und Hermann Huber gezeigt.

Vermutlich im Frühjahr 1917 wurde er zu einem längeren Einsatz im Ägäischen Meer abkommandiert. Nach einem Aufenthalt in einem Lazarett in Konstantinopel kehrte er im Sommer 1918 nach Deutschland zurück. Im Auftrag der Kriegsgräberfürsorge betätigte er sich kurzzeitig als Berater auf Soldatenfriedhöfen in Belgien und Nordfrankreich. Seit Kriegsbeginn vertrat er ausgesprochen nationalistische und antidemokratische Positionen.

Weimarer Republik Ende des Jahres 1919 verlegte Behn seinen Wohnsitz nach Scharnitz im Karwendel-Gebirge, wo er ein Landhaus besaß; sein Münchner Atelier behielt er bei. In den ersten Nachkriegsjahren bewegte sich Behn sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen. Er vertrat monarchistisch-nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang war er Präsident des Ende März 1920 von ihm mitbegründeten „Bayerischen Ordnungsblockes“, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen.Matthias Berg, Karl Alexander von Müller: Historiker für den Nationalsozialismus. Göttingen 2014, S. 81. Auch in zahlreichen Zeitschriftenartikeln positionierte er sich auf Seiten der extremen Rechten. 1920 publizierte er die Broschüre ’Freiheit’. Politische Randbemerkungen.

Bereits um 1920 engagierte sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten. Die von ihm selbst überlieferte, nach 1945 geleugnete frühe Mitgliedschaft in der NSDAP ist in den einschlägigen Archivquellen allerdings nicht nachzuweisen.Vgl. Joachim Zeller: Wilde Moderne. Der Bildhauer Fritz Behn (1878–1970). Berlin 2016, S. 66. 1923 soll er der SA beigetreten sein. Kontakte zu Adolf Hitler können seit 1921 nachgewiesen werden.Arnold Brecht: Aus nächster Nähe. Lebenserinnerungen 1884–1927. Lebenserinnerungen Band I. Stuttgart 1966, S. 334 f. In den folgenden Jahren wandte er sich von der NSDAP wieder ab, stand aber gegen Ende der 1920er Jahre der NS-Bewegung aufgrund ihrer Wahlerfolge wieder wohlwollend gegenüber, ohne der 1925 neugegründeten NSDAP beizutreten.

Seine politischen Präferenzen brachte er auch mit kunstpolitischen Urteilen in der Öffentlichkeit zum Ausdruck. Als 1921 probeweise eine Christusfigur des Expressionisten Ludwig Gies im Lübecker Dom aufgehängt wurde, äußerte sich Behn abfällig über die Holzskulptur, die 1922 von Unbekannten heruntergerissen und 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ als ein Beispiel für „kulturbolschewistische“ Kunst gezeigt wurde.Hansjörg Buss: „Entjudete“ Kirche: Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischem Antisemitismus (1918–1950). Paderborn/München/Wien/Zürich 2011, S. 128;

Vom Textilunternehmer Otto Pongs wurden 1925 in Viersen 10.000 Mark zur Errichtung eines Denkmals zum „Gedächtnis der gefallenen Söhne unserer Stadt“ gestiftet. Die Summe wurde durch weitere Spenden vergrößert. Der Grundstein wurde am 9. Mai 1926, dem ersten Sonntag nach Abzug der belgischenStadtführer Viersen, Chronik (PDF; 4,4 MB). In viersen.de, abgerufen am 6. Oktober 2019. Besatzungsstreitkräfte, gelegt. Für einen Entwurf Behns hatte der Denkmalausschuss sich nach einem Besuch in dessen Münchner Atelier entschieden. Der schon in den Jahren zuvor entstandene Entwurf zeigt in Anlehnung an das Pietà-Motiv eine sitzende trauernde Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Das Denkmal aus Muschelkalk hat eine Höhe von vier Metern. Da die Darstellung des Sohnes als Aktfigur auf Kritik stieß, erhielt die Kriegerfigur einen Lendenschurz. Das Denkmal wurde am 9. August 1926 eingeweiht.

Die Stadt Viersen bewertete das Monument im Jahr 2005 wie folgt: „Das Kriegerdenkmal ist in dieser Ausführung ein typisches Beispiel seiner Zeit, in der Ehrenmale als Sinnbilder für Opfermut und Heldentum sowie als Appell, alles „für das Vaterland“ zu geben, verstanden werden. […] Ein Kriegerdenkmal soll die Angehörigen trösten, dem Tod einen Sinn verleihen und die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten. Die gehaltenen Reden zur Grundsteinlegung und Enthüllung des Viersener Kriegerdenkmals spiegeln den Zeitgeist wider. Dennoch handelt sich um ein betont unheroisches Denkmal, das Trauer und Leid in den Mittelpunkt stellt, indem es eine toten Soldaten und eine trauernde Mutter zeigt.“Kriegerdenkmal Viersen. In: viersen.de, abgerufen am 7. Juni 2016.

mini|Johannes Martini: Behn bei der Arbeit (um 1928)