mini|Klaus-Peter Schulze (2019)
Klaus-Peter Schulze (* 7. Dezember 1939 in Garz (Havelberg)) ist ein deutscher Ingenieur und Professor für Systemtheorie sowie Prozessanalyse.
Werdegang Klaus-Peter Schulze wurde als zweiter Sohn des Polsterer- und Sattlermeisters Otto Schulze (1906–1988) und seiner Ehefrau Margarete Schulze, geb. Schultz (1912–1997) in Garz an der Havel im damaligen Kreis Havelberg geboren. Seit dem vierten Lebensjahr lebte er bei Pflegeeltern, dem älteren Bruder des Vaters, dem Polsterer- und Sattlermeister Wilhelm Schulze (1894–1966) und seiner Ehefrau Eliese Schulze, geb. Ruthz (1896–1976) in Baben, dem damaligen Kreis Osterburg (Altmark). Von 1946 bis 1954 Besuch der Grundschule in Baben, ab 1954 der Mittelschule im Nachbarort Goldbeck und im Anschluss daran Besuch der Oberschule in der Kreisstadt Osterburg.
mini|Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße 132, ehemaliger Hauptsitz der Hochschule für Bauwesen, seit 1977 der TH Leipzig, seit 1992 HTWK-Hauptsitz (Geutebrück-Bau) Nach dem Abitur 1958 leistete er als Voraussetzung für die Aufnahme eines Baustudiums ein praktisches Jahr bei der Bau-Union Leipzig als Bauhilfsarbeiter und Baumaschinist im Chemiewerk Böhlen (Sachsen) im Süden von Leipzig. Daran anschließend folgte von 1959 bis 1965 das Studium an der Hochschule für Bauwesen Leipzig, der späteren Technischen Hochschule Leipzig. 1965 erwarb er den akademischen Grad Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) in der Fachrichtung Ingenieurbau (Verantwortliche Hochschullehrer: Rektor Otto-Heinrich Ledderboge; Fachrichtungsleiter Unger).
K.P. Schulze ist seit 1984 in zweiter Ehe mit der Diplom-Volkswirtin Isolde Schulze (* 1950), geb. Reimann, verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter aus jeweils ersten Ehen, die Juristin Ulrike-Andrea Tillig (* 1969), geb. Schulze, und Franciska Pippig (1984–2011).
Berufliches Wirken und wissenschaftliche Entwicklung In der Bauindustrie in Magdeburg und Berlin Nach Abschluss des Studiums (1965) arbeitete K.P. Schulze als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Fachgruppenleiter in der Versuchs- und Entwicklungsstelle des Straßenwesens in Magdeburg, hier in der Fachgruppe Konstruktion und Messtechnik. Diese Versuchs- und Entwicklungsstelle hatte einen zweiten Standort in Berlin mit den fachlichen Schwerpunkten Modellstatik für Brückenbauten, Bodenmechanik sowie betriebswirtschaftliche Belange. K.P. Schulze beschäftigte sich in Magdeburg neben allgemeinen bautechnischen Problemen u. a. mit der Materialprüfung von Baustoffen, der messtechnischen Aufbereitung und Automatisierung von Prüfprozessen sowie speziellen messtechnischen und regelungstechnischen Problemen aus der Bauindustrie. Gegenstand waren sowohl die Perfektionierung von Routineprüfungen als auch die Entwicklung völlig neuer Berechnungs- und Untersuchungsmethoden.
Durch fachliche Kontakte zwischen dem Dienststellenleiter Professor Nikolaus Ewers und dem Institutsdirektor für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik Heinrich Wilhelmi an der Technischen Hochschule „Otto von Guericke“ Magdeburg ergab sich für K.P. Schulze das Sonderangebot eines Teilstudiums für Messtechnik im Umfang von vier Semestern, als Teilfernstudium geführt, im Zuschnitt individuell festgelegt. Dieses Teilstudium umfasste nicht nur messtechnische, sondern auch zum Fachgebiet Regelungstechnik gehörende Lehrangebote. Die neu erworbenen Spezialkenntnisse konnten in vielen Fällen in direkter Form für aktuelle Forschungsprojekte der Versuchs- und Entwicklungsstelle sowie entsprechende Veröffentlichungen genutzt werden. Gleichzeitig ergab sich daraus ein aktuelles Thema für eine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Prüfung bituminöser Baustoffe unter Dauerbelastung durch Anwendung systemtheoretischer Methoden.
Aufgrund fachlicher Neuorientierung in den beiden Standorten der Versuchs- und Entwicklungsstelle Magdeburg und Berlin erfolgte ein Wechsel von Magdeburg zum Standort Berlin (dem späteren Verkehrsinstitut Berlin) zur Fachgruppe Messtechnik in der Außenstelle Neuenhagen am Stadtrand von Berlin. Beschäftigt hat sich K.P. Schulze dort mit Problemen der Bodenmechanik sowie der Dimensionierung von Betonplatten unter dynamischen Belastungen bei inhomogenen Untergrundbedingungen. Da auch hierbei wiederum messtechnische Probleme eine große Rolle spielten, setzte er von Berlin aus sein Teilstudium an der TH Magdeburg fort.
In dieser Zeit war ein allgemeines Interesse seitens der Bauindustrie zu spüren, mess- und automatisierungstechnische Verfahren vorteilhaft zu nutzen, wie z. B. die Regelung des optimalen Wasser-Zement-Faktors (W/Z-Faktors) bei Betonmischmaschinen in Form einer Extremwert-Regelung. Entsprechend diesem Trend erhielt K.P. Schulze von der 1968 neu gegründeten Sektion Technische Kybernetik und Elektrotechnik (Gründungsdirektor: Heinz Töpfer) der TH Magdeburg das Angebot, seine als Teilstudium begonnene Sonderqualifizierung zu einem Vollstudium mit Abschluss als Dipl.-Ing. für Regelungstechnik zu erweitern. Verbunden war dies mit einem attraktiven Stellenangebot in der betreffenden Sektion mit der Möglichkeit zur Promotion. Der Wechsel Ende 1970 wiederum nach Magdeburg mit anderer Zielstellung erfolgte schließlich auch im Einvernehmen mit der bisherigen Dienststelle in der Erwartung, irgendwann im Grenzgebiet zwischen Bauwesen und Automatisierungstechnik effektiv wirksam zu werden.
An der TH „Otto von Guericke“ Magdeburg mini|Campus Magdeburg, traditioneller Sitz des Instituts für Regelungs-/ Automatisierungstechnik (im Hintergrund das Fakultätsgebäude "Elektrotechnik und Informationstechnik") Ausgewählte Einzelheiten zu seinem Wirken an der Technischen Hochschule „Otto von Guericke“ Magdeburg: Wissenschaftlicher Mitarbeiter seit Dezember 1970 am Lehrstuhl von Heinz Töpfer, der von 1968 bis 1972 Gründungsdirektor der Sektion Technische Kybernetik und Elektrotechnik war und danach Leiter des Wissenschaftsbereiches Regelungstechnik und Prozesssteuerung. Ab Frühjahr 1979 wissenschaftlicher Oberassistent (nach der 1978 erfolgten Umberufung von H. Töpfer in der Nachfolge von Heinrich Kindler an die TU Dresden am Lehrstuhl seines Magdeburger Nachfolgers Ulrich Korn); Forschung und Lehre vorrangig auf den Gebieten Prozessanalyse und Systemtheorie; 1971 Abschluss seines Fernstudiums Regelungstechnik an der TH Magdeburg mit einer Diplomarbeit über Extremal- und Adaptivregelungen; 1975 Promotion zum Doktoringenieur (Dr.-Ing.) mit der Dissertation „Beitrag zur Adaption in Mehrgrößenregelungen“Klaus-Peter Schulze: Beitrag zur Parameteradaption in Mehrgrößenregelungen. Dissertation, Technische Hochschule, Fakultät für technische Wissenschaften, Magdeburg 1975. (Gutachter: Heinz Töpfer und Ulrich Korn von der TH Magdeburg; E. Martin, Abteilungsleiter bei der Akademie der Wissenschaften, Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse am Standort Dresden) 1977 Facultas Docendi als Lehrbefähigung für das Fachgebiet Regelungstechnik im Rahmen eines entsprechenden Verfahrens erworben, wobei er als Voraussetzung insbesondere eine Fachvorlesung und einen Fachvortrag sowie einen hochschulpädagogischen Qualifizierungslehrgang absolviert hat; 1979 Habilitation mit der Arbeit „Beitrag zur Anwendung des Prinzips der Adaption und des Entwurfs nach der Empfindlichkeit in Mehrgrößenregelungen“Klaus-Peter Schulze: Beitrag zur Anwendung des Prinzips der Adaption und des Entwurfes nach der 'Empfindlichkeit' in Mehrgrössenregelungen. Habilitationsschrift (Dissertation B), Technische Hochschule, Magdeburg 1979. (Gutachter: Heinz Töpfer, TU Dresden; Wolfgang Weller, Humboldt-Universität zu Berlin und Ulrich Korn, TH Magdeburg). In seiner mehr als 10 Jahre währenden Zeit an der TH Magdeburg (Ende 1970 bis Anfang 1981) sind im Ergebnis mehrjähriger Untersuchungen auf dem Gebiet des Entwurfes und der Realisierung von zeitvariablen Systemen – insbesondere unter Berücksichtigung von Prozessen mit unvorhersehbaren Parametern – zahlreiche Fachveröffentlichungen entstanden. Dazu zählen sowohl Zeitschriftenaufsätze, Beiträge zu nationalen und internationalen Tagungen sowie Sonderdrucke.
Diese Forschungsarbeiten bildeten zugleich eine praktische Grundlage für die spätere Buchveröffentlichung „Entwurf von Adaptivsystemen – eine Darstellung für Ingenieure“, gemeinsam mit Klaus-Jürgen Rehberg von der Akademie der Wissenschaften in Dresden. Es handelt sich dabei um eine Monographie mit Lehrbuchcharakter, die in Fachzeitschriften eine sehr positive Resonanz gefunden hat. K.P. Schulze hat es als federführender Autor verstanden, dieses anspruchsvolle Fachgebiet systematisch aufzubereiten und erstmals in Buchform darzustellen. Daher ist auch eine Übersetzung ins Russische erfolgt, die 1992 in Moskau erschienen ist.
An der TH und HTWK Leipzig mini|Leipzig, Wächterstraße 13, ehemaliges Gebäude der TH Leipzig für die beiden Sektionen Automatisierungsanlagen und Elektroenergieanlagen, heute Wiener-Bau: Fakultätsgebäude der HTWK Leipzig (errichtet von dem Architekten Hugo Licht)
Mit Wirkung vom Februar 1981 erfolgte durch den Minister für Hoch- und Fachschulwesen Hans-Joachim Böhme die Berufung von K.P. Schulze zum Hochschuldozenten für Prozessanalyse an die Technische Hochschule Leipzig (entsprach C3-Professor). In der Sektion Automatisierungsanlagen der TH Leipzig (Direktor: Werner Richter), im Wissenschaftsbereich „Regelungstechnik und Systemtheorie“ (Bereichsleiter: Herbert Ehrlich) war er in der Lehre verantwortlich für die Fachgebiete „Analyse und Modellierung von Prozessen“, „Analyse komplexer Systeme“ und „Entwurf von Adaptiven Systemen“. Schließlich ergab sich auch hier wieder eine erste Berührung mit dem Bauwesen durch die Lehrveranstaltung „Grundlagen der Automatisierungstechnik“ für den Studiengang Bauingenieurwesen. Zu späterer Zeit erweiterte sich das Angebot noch speziell auf „Analyse und Entwurf der Automatisierung mechanischer Systeme“. Dabei ergab sich zwangsläufig die Beschäftigung mit dem zu dieser Zeit sehr intensiv betriebenen Forschungsgebiet Mechatronik, so dass K.P. Schulze erstmals an der TH Leipzig die Vorlesung „Mechatronische Systeme – Grundlagen“ sowohl für die Studienrichtung Automatisierungstechnik als auch für Maschinenbau angeboten hat.
Seine Schwerpunkte auf dem Gebiet der Forschung waren vor allem: Adaptive Systeme mit den beiden Hauptrichtungen: Realisierung von einfachen Algorithmen mit Mikrorechnerreglern auf der Basis eines für den Anwender gut ingenieurmäßig aufbereiteten Entwurfs, Entwurf leistungsfähiger anspruchsvoller Algorithmen im Hinblick auf die Erfüllung besonders hoher Güteforderungen. Prozessanalyse/Modellierung: Spezielle Identifikationsverfahren, die besonders vorteilhaft bei zeitvarianten Prozessen eingesetzt werden können (Echtzeitverfahren, z. B. für Adaptivsysteme), Seit Beginn der Ausbildung in der Vertiefungsrichtung Bauautomatisierung (1985) verstärkt auch die Modellierung von Anlagen und Maschinensystemen der Bauindustrie. Vertragsforschung mit der Industrie; bearbeitet wurden Probleme, die mit der Anwendung von Ergebnissen aus den Hauptforschungsrichtungen in Verbindung standen: Theoretische und experimentelle Untersuchungen an Teilprozessen einer Wanneneinheit in einem Werk zur Glasseidenherstellung (Glasseidenwerk Oschatz),Klaus-Peter Schulze u. a.: Anwendungsmöglichkeiten adaptiver Verfahren bei der Automatisierung spezieller technologischer Prozesse bei der Glasseidenherstellung. messen, steuern, regeln (msr), Berlin 27 (1984) H. 2, S. 50–51. Modellierung von Bauprozessen im Rahmen eines Komplexthemas „Computerintegriertes Bauen“ (seit 1988).