Carena Schlewitt (* 1961 in Leipzig) ist eine deutsche Theaterwissenschaftlerin. Seit 2018 ist sie die Intendantin des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau (Eigenschreibweise HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste). Zu ihren Schwerpunkten gehören neben der Begleitung und Entwicklung der Freien Darstellenden Künste in Deutschland und international die Auseinandersetzungen der Darstellenden Künste mit den Transformationsprozessen in Ostdeutschland u. Osteuropa, die Entwicklung des internationalen zeitgenössischen Tanzes in HELLERAU sowie das Verhältnis von Theater und Stadtgesellschaften.
Werdegang Schlewitt wuchs in Bad Lausick in Sachsen auf und ging 1980 zum Studium der Theaterwissenschaften an die Humboldt-Universität Berlin, wo sie unter Ernst Schumacher, Rudolf Münz und Joachim Fiebach ein Diplom ablegte. Zu ihren Kommilitonen gehörten u.a. Stephan Göritz und Bert Koß. Im Anschluss arbeitete sie von 1985 bis 1993 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Darstellende Kunst an der Akademie der Künste in Ost-Berlin, in einer Zeit, in der sich die gesellschaftlichen Veränderungen in Osteuropa auch auf die Theaterarbeit in Ostdeutschland auswirkten.
Bis 1999 arbeitete Carena Schlewitt am Produktionshaus Podewil in Berlin, wo sie unter anderem gemeinsam mit Kathrin Tiedemann und Aenne Quiñones 1996 das Freie-Szene-Festival „reich & berühmt“ mitbegründete. In dieser Zeit arbeitete sie auch für das Festival Theater der Welt, das 1999 in Berlin stattfand. In den Jahren 1999 bis 2003 wirkte sie als Dramaturgin und stellvertretende künstlerische Leiterin am Forum Freies Theater in Düsseldorf, wo sie u. a. das Projekt „city mapping“ für das Festival Theater der Welt 2002 in Düsseldorf kuratierte. 2003 übernahm sie die Position als Theaterkuratorin und stellvertretende künstlerische Leiterin am neu gegründeten Theater Hebbel am Ufer in Berlin bis 2008. Dort begleitete und förderte sie die jüngere internationale Performing Arts Szene und kuratierte verschiedene Festivalformate. Sie war wesentlich an der Entwicklung des 100 Grad Berlin Festivals für die Freie Szene beteiligt. 2007 kuratierte sie das Festival „Umweg über China“.
2008 ging sie für zehn Jahre als Direktorin an die Kaserne Basel, ein Kulturzentrum für die freie Theater-, Tanz- und Performanceszene, das sie vor der drohenden Schließung bewahrte. Von 2012 bis 2018 leitete sie außerdem das nach vier Jahren Pause wiederbelebte internationale Theaterfestival in Basel.
Seit der Spielzeit 2018/2019 wurde sie als künstlerische Leiterin des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau unter Vertrag genommen, was ihr die Gelegenheit gab, in ihre Heimatregion zurückzukehren.
Schlewitt war Mitglied verschiedener Jurys, darunter für das Festival „Impulse“, für das deutsch-polnische Expertengremium und das Programm „Doppelpass“ der Kulturstiftung des Bundes, für die „Swiss-Chinese Cultural Explorations“ der Stiftung Pro Helvetia, für die Schweizer Tanztage 2011 und für die Fachkommission der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. und war im Fachbeirat Darstellende Kunst bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen tätig,
Carena Schlewitt ist Mitglied im Sächsischen Kultursenat, in der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin.
2020 gehörte sie zu den Initiatoren der Initiative GG 5.3 Weltoffenheit.
Schlewitt ist mit dem Systemtheoretiker Dirk Baecker in zweiter Ehe verheiratet.
Auszeichnungen
2006: Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold „für Verdienste um die Förderung des polnischen Theaters“ 2017: Kulturpreis der Stadt Basel 2019: Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (Hauptpreis)
Publikationen
Kippfiguren im Dialog mit dem Publikum. In: Cie Yan Duyvendak, Mimos – Schweizer Theaterjahrbuch 2019, Peter Lang Verlag Wenn ich mit dem großen Reparaturservice beauftragt wäre, würde ich in den 1990ern ansetzen – Interview mit Carena Schlewitt, geführt von Priya Basil, Franck Hofmann, Teresa Koloma Beck, Markus Messling (Rhinozeros 1, Europa im Übergang I reparieren I Hg: Markus Messling, Franck Hofmann, Teresa Koloma Beck, Priya Basil, Matthes & Seitz Berlin, 2021) Warum zertrümmert Ihr das Fundament? Ein Gespräch mit Hartwig Albiro und Carena Schlewitt, Moderation Janine Ludwig (Theater der Zeit, Recherchen 154: Klassengesellschaft reloaded und das Ende der menschlichen Gattung – Fragen an Heiner Müller, 01/2021) Wir brauchen wieder etwas vom Geist der 89er Utopie, Gespräch Carena Schlewitt und Therese Schmidt (Zukunft erproben. Theaterarbeit in Ostdeutschland: Impulse für eine gesellschaftspolitische Debatte, hsrg. von Franziska Richter für die Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023) Zwischen Räumen, Zeiten und Geschichten: Zur Theaterarbeit von Narges Hashempour, In: Die Braschs, wo sie nie gewesen sind. Eine Theaterarbeit zwischen Teheran und Berlin (con • stel • la • tions 12, Textem Verlag Hamburg, September 2026)
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Einzelnachweise
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