Die Reserve der Bundeswehr umfasst die personellen, organisatorischen, materiellen und infrastrukturellen Maßnahmen, die einen Aufwuchs ermöglichen. Reservisten sind in Deutschland alle früheren Soldaten der Bundeswehr, die ihren Dienstgrad nicht verloren haben (diese sind auch „Veteranen“), sowie Personen, die aufgrund einer mit dem Bund eingegangenen Verpflichtung zu einer Wehrdienstleistung nach dem des Soldatengesetzes (SG) herangezogen werden können ( ResG). Reservistendienst Leistende (RDL) sind Reservisten, die in der Bundeswehr als Soldaten Wehrdienst nach dem vierten und (Dienstliche Veranstaltungen) des Soldatengesetzes leisten.
Aufgaben Die Reserve der Bundeswehr ist für die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV), für den Heimatschutz (HSch) sowie für die Einsätze im Rahmen des internationalen Krisenmanagements ein unverzichtbarer Bestandteil der Bundeswehr. Sie gewährleistet den Aufwuchs, verstärkt die Einsatzbereitschaft und erhöht die Durchhaltefähigkeit im gesamten Aufgabenspektrum der Bundeswehr, insbesondere für den Auftrag Landes- und Bündnisverteidigung. Zudem fördert die Reserve die Verbindung in die Gesellschaft.
Heimatschutz umfasst die Aufgaben, die im Rahmen der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zum Schutz Deutschlands und seiner sich auf deutschem Hoheitsgebiet befindenden Bürger außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalls durch die Bundeswehr wahrzunehmen sind.
Kategorien mini|hochkant=2.0|Kategorien der Reserve Reservisten werden gemäß ihrer Ausbildung und Verfügbarkeit grundsätzlich im gesamten Aufgabenspektrum der Bundeswehr eingesetzt. Die Reserve besteht aus den Kategorien Truppenreserve, Territoriale Reserve und Allgemeine Reserve. In der Truppen- und Territorialreserve sind ca. 70.000 Reservisten beordert, der Allgemeinen Reserve sind ca. 860.000 Reservisten zugeordnet.https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/die-reserve-der-bundeswehr
Truppenreserve Die Truppenreserve dient der personellen Unterstützung in allen Organisationsbereichen der Bundeswehr. Sie umfasst Ergänzungstruppenteile (ErgTrT) und Feldersatztruppenteile (FErsTrT) sowie Einzeldienstposten in der Verstärkungsreserve (VstkgRes) und der Personalreserve (PersRes).
Ergänzungstruppenteile dienen der Verstärkung der aktiven Verbände und Großverbände im gesamten Aufgabenspektrum und sind grundsätzlich wie vergleichbare aktive Truppenteile gegliedert und ausgerüstet. Sie bilden damit eine Grundlage für den kurzfristigen Aufwuchs von Fähigkeiten. Sie sind in den Organisationsgrundlagen ausgeplante Elemente der jeweiligen Strukturebene, deren Dienstposten in der Regel mit Reservisten besetzt werden. Ergänzungstruppenteile werden bei Bedarf aktiviert und bilden damit die Grundlage für die Aufwuchsfähigkeit.
Feldersatztruppenteile halten Reservisten zur schnellen Personalergänzung organisiert bereit. Sie sind nichtaktive Organisationselemente, die aktiven oder nichtaktiven Verbänden angegliedert sind und Reservisten zur schnellen Personalergänzung organisiert bereithalten. Sie verfügen im Kern nur über Handwaffen und Transportmittel.
Territorialreserve Die Territorialreserve (TerrRes) ist Teil der Streitkräftebasis (SKB) und wird zu territorialen Verbindungs-, Sicherungs- und Unterstützungsaufgaben eingesetzt. Sie bestehen aus Heimatschutzkräften (HSchKr), vormals Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr) genannt, die nach regionalen Gesichtspunkten aufgestellt werden und regionale Gegebenheiten berücksichtigen. Sie werden truppendienstlich durch das jeweilige Landeskommando (LKdo) geführt und sind zur Entlastung der aktiven Truppe bei Schutz- und Sicherungsaufgaben im Heimatschutz vorgesehen sowie für Aufgaben in der Katastrophenhilfe und im Host Nation Support (HNS). Daneben besteht die Territorialreserve aus der Verbindungsorganisation (Bezirksverbindungskommandos (BVK), Kreisverbindungskommandos (KVK), Verbindungskommandos zu den Innenministerien der Länder) und den Stützpunkten (Stp) Hilfeleistungen im Innern. Das territoriale Netzwerk mit seinen Verbindungskommandos bildet einen flächendeckenden und an der kommunalen Struktur Deutschlands ausgerichteten Verbund von Ansprech- und Koordinierungsstellen, welche die kommunalen Behörden, die Innenministerien der Länder sowie Behörden von Nachbarländern beraten, unterstützen und informieren. In den Verbindungskommandos werden dazu ausschließlich Reservisten eingesetzt.
Stützpunkte Hilfeleistungen im Innern sind bundesweit ausgewählte Liegenschaften, an denen die dort stationierten Truppenteile und Dienststellen über besondere Fähigkeiten verfügen, die sich neben der Durchführung des originären militärischen Auftrags auch zur Durchführung subsidiärer Aufgaben im Rahmen der Hilfeleistung im Inland eignen. Teil- oder nichtaktive Anteile können zur Verstärkung/Erhöhung der Durchhaltefähigkeit der Stützpunkte Hilfeleistungen im Innern ausgebracht werden.
Allgemeine Reserve Die Allgemeine Reserve (AllgRes) umfasst die Gesamtheit aller nicht beorderten Reservisten. Der wehrrechtlich verfügbare Anteil der Reservisten der Allgemeinen Reserve stellt das langfristige Aufwuchspotenzial der Bundeswehr. Sie verfügt über kein Material.
Beorderungsarten mini|hochkant=2.0|Beorderungsarten der Reserve Eine Beorderung ist die Einplanung eines Reservisten auf einem Dienstposten in der Verstärkungsreserve oder einer Beorderungsmöglichkeit in der Personalreserve.
Die Verstärkungsreserve (VstkgRes) umfasst die Gesamtheit aller Beorderten auf strukturgebundenen Dienstposten für Reservisten. Sie wird zur Herstellung der vollen Einsatzbereitschaft der Organisationsbereiche benötigt (Aufwuchs).
Die Personalreserve (PersRes) ist die Gesamtheit aller Beorderten auf nicht strukturgebundenen Dienstposten für Reservisten in den Organisationsbereichen (Spiegeldienstposten). Sie ist eine planerische Vorsorge zur Kompensation fehlenden Personals oder zur Deckung eines temporär erhöhten Bedarfs zum Erhalt oder zur Steigerung der Durchhaltefähigkeit.
Verantwortung für Reservistenangelegenheiten mini|hochkant=2.0|Organisation KompZResAngelBw Reservistenangelegenheiten (ResAngel) sind alle Aufgaben der Führung, des Einsatzes, der Information, der Betreuung, der Beteiligung, der Ausbildung, der Weiterentwicklung, der Dienstleistung und der Verwendungsplanung, soweit sie sich auf Reservisten beziehen. Reservistenarbeit (ResArb) ist die Wahrnehmung von Tätigkeiten im Umgang mit Reservisten.
Zur Unterstützung bei der Wahrnehmung ihres Auftrages setzen alle Dienststellenleiter bis hinab zur Bataillonsebene einen Beauftragten für Reservistenangelegenheiten (BResAngel) ein. Der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr (StvGenInsp) ist der Beauftragte für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr (BResAngelBw). Er legt in einer regelmäßig herauszugebenden „Weisung für die Reservistenarbeit“ die Vorgaben und die Schwerpunkte für die Reservistenarbeit der Bundeswehr sowie die Arbeit des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. (VdRBw) und den Beirat für Reservistenarbeit bei diesem fest.
Im Streitkräfteamt (SKA) ist ein Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr (KompZResAngelBw) eingerichtet. Es gestaltet als fachlich zuständige Stelle die Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr zentral aus einer Hand und stellt einen einheitlichen streitkräftegemeinsamen Ansatz bei der Ausbildung der Reserve innerhalb und außerhalb der Bundeswehr sicher.
Die fachlich zuständigen Referate der Abteilung Personal im Bundesministerium der Verteidigung sind für die gesetzlich geregelten Reservistenangelegenheiten, das Personalmanagement der Reservisten, die Personalgewinnung sowie den Wehrersatz zuständig. Ihre fachlich nachgeordneten Bereiche im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) verantworten die Personalführung und -entwicklung der Reservisten sowie die finanziellen Leistungen an Reservistendienst Leistende. Darüber hinaus liegt dort auch die Fachverantwortung für den Wehrersatz in den Karrierecentern der Bundeswehr, zu deren Aufgaben neben der Dienstleistungs- bzw. Wehrüberwachung insbesondere auch die administrative Abwicklung von Heranziehungen sowie Beorderungen Reservisten gehört.
Beorderungsunabhängige Reservistenarbeit Die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit (bu ResArb) richtet sich an alle Reservisten der Bundeswehr sowie an Ungediente, die bereit sind, sich aufgrund einer freiwilligen schriftlichen Verpflichtung für die Bundeswehr einzusetzen. Vorrangige Zielgruppe sind die wehrrechtlich verfügbaren Angehörigen der Allgemeinen Reserve. Innerhalb der Bundeswehr erfolgt die Durchführung der beorderungsunabhängige Reservistenarbeit federführend durch die Streitkräftebasis. Diese wird durch die in der Reservistenarbeit tätigen Verbände und Vereinigungen ergänzt und unterstützt. Ziel der beorderungsunabhängigen Reservistenarbeit ist es, Reservisten sowie interessierte Ungediente zu informieren, fortzubilden und sie zur Wahrnehmung einer Mittlerfunktion zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu motivieren und zu befähigen.
Für die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit, die sich gleichermaßen an beorderte und nicht beorderte Reservisten richtet, sind im Rahmen der fachlichen Zuständigkeit des Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr die organisatorisch bei den Landeskommandos verorteten Stabsoffiziere für Reservistenangelegenheiten und Feldwebel für Reservisten zuständig.
Grundbeorderung mini|hochkant=2.0|Grundbeorderung (GBO) – Grundprinzip Um eine vollständige Bedarfsdeckung der Truppenreserve und der Territorialreserve sicherzustellen, wird eine Grundbeorderung eingeführt. Sie ist die grundsätzliche Einplanung (Beorderung im Ergänzungsumfang der Bundeswehr) aller wehrdienstfähig aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldaten der Bundeswehr in die Reserve für einen Zeitraum von sechs Jahren. Mit der GBO wird das Ziel verfolgt, die personelle Grundlage für den zügigen Aufwuchs in einem möglichen Bereitschafts-, Spannungs- oder Verteidigungsfall zu schaffen. Bei Heranziehungen außerhalb eines Bereitschafts-, Spannungs- oder Verteidigungsfalls wird am Grundsatz der Freiwilligkeit der Dienstleistung festgehalten.
Ausbildung mini|hochkant=2.0|Ausbildung Ergänzungstruppenteile u. RSU-Kräfte Die Ausbildung unterteilt sich grundsätzlich in Ausbildung/Inübunghalten im Frieden und einer Krisenausbildung. Ausbildung und Inübunghalten der Reserve sind Voraussetzung für deren Auftragserfüllung im In- und Ausland.
Ausbildung im Heer Ziel der Ausbildung ist, die Heeres-Reservisten zur eigenständigen Erfüllung der Anforderungen des jeweiligen Beorderungsdienstpostens zu befähigen. In der Folge entspricht die Ausbildung der Reservisten weitestgehend der Ausbildung der aktiven Soldaten. Die besonderen Belange der Reservisten und ihrer Arbeitgeber (Verfügbarkeit, Durchführungsort, Struktur und Methodik) werden durch modularen Aufbau und Nutzung von Mitteln der modernen Ausbildungstechnologie in der Durchführung – wo immer möglich – mit einbezogen. Darüber hinaus werden vermehrt vorhandene zivilberufliche Qualifikationen als gleichwertiger Ersatz für entsprechend vergleichbare militärische Fachausbildung genutzt.
Die Ausbildung zum Reserveoffizier führt im ersten Schritt, analog zu den aktiven Soldaten, zur Qualifikation als Reserveoffizier des Heeres. Die dazu erforderlichen Lehrgänge, wie die Laufbahnprüfung, werden an der Offizierschule des Heeres durchgeführt. Gleiches gilt sinngemäß für die Ausbildung zum Reservefeldwebel an der Unteroffizierschule des Heeres. Im zweiten Schritt erfolgt die truppengattungsspezifische Ausbildung an den jeweiligen Ausbildungseinrichtungen des Heeres. Ziel ist, die erforderliche Ausbildung mit Masse während der aktiven Dienstzeit (SaZ 02, FWD) der Anwärter durchzuführen. Dem gegenüber erfolgt die Ausbildung von Reserveoffizieranwärtern auf diese Weise in entsprechenden Lehrgangsmodulen.