mini|Klostergeviert mit Abteikirche (links)

Kirkstall Abbey ist die Ruine einer Zisterzienserabtei in der nordenglischen Stadt Leeds in der Grafschaft West Yorkshire. Sie liegt am River Aire im Stadtteil Kirkstall. Die Ruine wurde im Laufe der Zeit von vielen Künstlern, wie zum Beispiel William Turner, als Motiv genutzt.

Der Bau wurde 1152 begonnen und 30 Jahre später vollendet. 1539 wurde die Abtei auf Befehl Heinrichs VIII., infolge der Abspaltung der anglikanischen von der katholischen Kirche, aufgelöst und verfiel zusehends. Dennoch zählt sie heute zu den am besten erhaltenen Beispielen mittelalterlicher Klosterarchitektur in Großbritannien, was vor allem den im späten 19. Jahrhundert eingeleiteten Schutzmaßnahmen zu verdanken ist.

Geschichte

Gründung mini|Das Mutterkloster Fountains Abbey ist ebenfalls nur als Ruine erhalten Einer Legende zufolge soll der normannische Adlige Henry de Lacy, Baron von Pontefract, während einer schweren Erkrankung Gott geschworen haben, den Zisterziensermönchen von Fountains Abbey beim Bau einer neuen Abtei zu helfen, falls er wieder genesen würde. Tatsächlich gesundete er und schenkte 1147 den Mönchen ein Stück Land in Barnoldswick (Lancashire), die dort unter Abt Alexander ein Tochterkloster errichten wollten. Auf Grund von Auseinandersetzungen mit der örtlichen Dorfbevölkerung, einer Missernte und mehreren Raubüberfällen wurde der neue Standort jedoch schon bald wieder aufgegeben. Henry de Lacy sagte ihnen Hilfe bei der Suche nach einem neuen Grundstück zu und konnte schließlich einen seiner Lehnsmänner überzeugen, den Zisterziensern ein Stück Land in Kirkstall nahe der Ortschaft Leeds zu überlassen. Am 19. Mai 1152 zogen die Mönche auf den heutigen Standort von Kirkstall Abbey um. Noch im selben Jahr begannen sie mit dem Bau der Abtei. In der Umgebung fanden sich sowohl Steinvorkommen als auch ausgedehnte Wälder, während der Fluss Aire hervorragende Möglichkeiten bot, Baumaterialien zu transportieren. Henry de Lacy finanzierte den Bau. 1182, im Todesjahr von Abt Alexander, war der Großteil der Anlage fertiggestellt.

Wirtschaftliche Entwicklung Kirkstall Abbey unterstanden mehr als 30 Gehöfte, unter anderem in Headingley (heute ein Stadtteil von Leeds) und weiteren Orten in der Umgebung von Leeds sowie in Cliviger (bei Accrington, Lancashire), Oldfield (bei Keighley, West Yorkshire), Thorpe (südlich von York, North Yorkshire), Darrington (bei Pontefract, West Yorkshire), Hooton Pagnell und Bessacar (beide nahe Doncaster, South Yorkshire). Auch Henry de Lacys ursprüngliche Schenkung Barnoldswick gehörte der Abtei. Die wirtschaftliche Grundlage des Klosters stellte die Schafhaltung mit dem Verkauf von Wolle.

Die Bewirtschaftung der Güter durch das Kloster verlief anfangs nicht immer reibungslos. Den Hof Micklethwaite, der einst Widersachern der englischen Krone gehört hatte, beschlagnahmte König Heinrich II. 1173/74. Versuche des Abtes Ralph Haget, den König zur Rückgabe Micklethwaites zu bewegen, blieben erfolglos. Sein Nachfolger Abt Lambert ließ eine Grangie auf schon 1160 geschenktem Land in Cliviger errichten und dort siedelnde Bauern vertreiben.Guy Barnes: Kirkstall Abbey, 1147-1539: An Historical Account. (Thoresby Society, Leeds 1984), S. 17 f. Die vormaligen Bewohner kehrten jedoch zurück, brannten das Gut nieder, wobei drei Laienbrüder starben, und beriefen sich auf frühere Ansprüche. Als Ersatz schenkte Henry de Lacys Sohn Robert den Mönchen Accrington, bevor er 1193 starb. 1205 gelang es, Micklethwaite zu einem hohen Preis von König Johann Ohneland zurückzukaufen. Bis etwa 1210 konnte Kirkstall Abbey seinen Landbesitz deutlich ausdehnen, vor allem dank zahlreicher Schenkungen, die danach spürbar nachließen.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts häuften sich wirtschaftliche Schwierigkeiten. Da immer weniger Bauern in die Dienste des Zisterzienserordens treten wollten, sank die Zahl der Laienbrüder, die für die Bearbeitung von Ackerland und die Tierhaltung zuständig waren. Infolgedessen sah sich die Abtei gezwungen, zunehmend mehr Land an Bauern zu verpachten, anstatt es selbst zu bewirtschaften. Dazu kam Misswirtschaft der Äbte. Insbesondere wurde es zur Gewohnheit, Wolle schon Jahre im Voraus zu verkaufen. Ein schwerwiegender Fehler, wenn aufgrund ungünstiger Witterung oder Tierseuchen die versprochenen Mengen nicht zu liefern waren. So häufte sich ein Schuldenberg an. Als im Jahre 1284 Hugh Grimston sein Amt als 15. Abt seit der Abteigründung antrat, besaß Kirkstall Abbey gerade einmal 115 Rinder und 21 Esel, aber kein einziges Schaf. Die Rückstände beliefen sich auf 5248 Pfund. Um der Schuldenlast Herr zu werden, überließ Grimston dem Earl of Lincoln viele der Ländereien und Höfe im Gegenzug für eine garantierte jährliche Zahlung. Die Maßnahme zeigte Erfolg, sodass die Abtei 1301 wieder 618 Rinder und rund 4500 Schafe vorweisen konnte. Die Schulden waren auf 160 Pfund abgebaut worden. Ab dem späten 13. Jahrhundert dehnte Kirkstall Abbey seine Handelsbeziehungen bis ins toskanische Lucca aus.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts sowie um 1380 suchte die Pest das Kloster heim und forderte viele Todesopfer. 1381 lebten nur noch 16 Mönche und sechs Laienbrüder in der Abtei. Damit war sie kaum mehr in der Lage war, für sich selbst zu versorgen und musste noch mehr Land verpachten.

Bedeutung und Einfluss Als einem der größten Grundbesitzer Englands kam Kirkstall Abbey bzw. dessen Vorstehern eine immer bedeutsamere Rolle in kirchlichen und staatlichen Angelegenheiten zu. 1265 gehörte der Abt zu den Abgesandten an Simon de Montforts Parlament. Von außerordentlicher Wichtigkeit war die Zusammenarbeit der Äbte mit den Erzbischöfen von York, etwa bei der Unterdrückung des Templerordens im Jahre 1311. In Kriegszeiten stellten die englischen Könige oft Forderungen an die Abtei, etwa einmalige Zahlungen oder die Bereitstellung von Proviant und Pferden für das Heer. Im 15. Jahrhundert dienten mehrere Äbte als königliche Bevollmächtigte.

Auflösung 1539 Nachdem Heinrich VIII. (1509 bis 1547) mit der katholischen Kirche gebrochen hatte, ließ er sämtliche Klöster seines Landes inspizieren. 1536 stimmte das Parlament der Auflösung der kleineren Klöster und Übertragung ihrer Besitztümer auf den König zu. Daraufhin brach in Nordengland eine katholische Erhebung aus, die Heinrich niederschlagen ließ. Er bezichtigte nun die größeren Abteien, die nicht unter den Auflösungsbeschluss von 1536 fielen, darunter auch Kirkstall Abbey, der Unterstützung des Aufstandes. Bis 1540 wurden alle englischen Klöster aufgelöst. In Kirkstall Abbey versammelten sich der Abt und die 31 Mönche letztmals am 22. November 1539 im Kapitelsaal und übergaben die Abtei einem königlichen Beamten. Jeder Mönch erhielt eine Abfindung entsprechend der Zeit, die er im Kloster gelebt hatte. Dem Volksmund nach soll der letzte Abt John den Rest seines Lebens im Torhaus der Abtei verbracht haben.

Nach der Auflösung mini|Hauptschiff der ehemaligen Abteikirche in den 1890er Jahren Nach der Auflösung ging die Abtei 1542 in den Besitz Thomas Cranmers, des Erzbischofs von Canterbury, über. Nach dessen Hinrichtung 1556 fiel sie an die englische Krone, die sie anschließend weiterverpachtete. Indes wurde die Anlage dem Verfall preisgegeben. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände wurden innerhalb kurzer Zeit gestohlen, ebenso die Bleidachziegel. Schon bald nutzten Bauern einige der Gebäude als Scheunen und Ställe, während der Kreuzgang als Obstgarten diente. Die Bausubstanz an sich blieb unmittelbar nach der Auflösung unbehelligt, Kirchenbücher aus dem Jahre 1583 belegen aber, dass Arbeiter dafür bezahlt wurden, Baumaterial aus der Abtei für Ausbesserungsarbeiten an einer Brücke in Leeds zu besorgen. Im Vergleich zu anderen ehemaligen Klöstern in England hielt sich der Missbrauch als Baustofflieferant jedoch in Grenzen. Dafür setzten Wind und Wetter der Abtei stark zu. So brachen 1746 das Dach und die Westmauer der ehemaligen Abteikirche zusammen. Der Turm stürzte im Januar 1779 nach schweren Stürmen größtenteils ein. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert führte eine Durchgangsstraße mitten durch das Hauptschiff der Kirche. Zu diesem Zweck musste das Presbyterium mit dem Ostfenster eingerissen werden. Erst 1827 verlegte man die Straße, die heute die Ruinen von Kirkstall Abbey nördlich umgeht.

Restaurierungsmaßnahmen und heutige Nutzung Seit dem 17. Jahrhundert gehörte Kirkstall Abbey den Earls von Cardigan, die sie 1889 aus Geldmangel für 10.000 Pfund an den Industriellen und Unternehmer John North verkauften. North zeigte großes Interesse am Erhalt der Ruinen und übergab sie noch im selben Jahr der Stadt Leeds. Zwischen 1892 und 1896 ließ diese umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchführen. Die Überreste des Turmes und vom Einsturz bedrohte Mauerteile wurden abgestützt. Das Gelände rings um die Abtei erhielt die Gestalt einer öffentlichen Parkanlage, die 1896 eröffnet wurde. Weitere Ausbesserungs-, Erneuerungs- und Schutzmaßnahmen folgten in den 1920er, 1980er und späten 1990er Jahren.

Heute gilt Kirkstall Abbey als eines der besterhaltenen frühen Zisterzienserklöster in Großbritannien. Die Ruinen sind ganzjährig für Besucher geöffnet, im Sommer werden auch Führungen angeboten. Im ehemaligen Latrinenhaus der Laienbrüder wurde ein Besucherzentrum eingerichtet. Eine ganzjährig geöffnete Dauerausstellung informiert dort über die Geschichte der Abtei und des Ordens sowie den Klosteralltag. Ein Modell zeigt den ursprünglichen Zustand des gesamten Gebäudekomplexes. Zu sehen sind auch verschiedene Fundstücke, die bei Ausgrabungen auf dem Gelände entdeckt wurden. Im früheren Torhaus ist das Abbey House Museum untergebracht, das einen Einblick in das viktorianische Leeds bietet.

Denkmalschutz Die Abtei als Ganzes mitsamt der umgebenden Flächen ist seit dem 8. Februar 1915 als Scheduled Monument denkmalgeschützt.Kirkstall Abbey and precinct including a prehistoric cup and ring marked rock. Website von Historic England, abgerufen am 16. April 2018 (englisch) Ergänzend wurden im September 1963 mehrere Bauwerke als Listed Building ausgewiesen: der Hauptkomplex in der höchsten Kategorie I,Kirkstall Abbey. Website von Historic England, abgerufen am 16. April 2018 (englisch) das Torhaus mit dem Museum in der Kategorie II*Gatehouse at Kirkstall Abbey (Abbey House Folk Museum). Website von Historic England, abgerufen am 16. April 2018 (englisch) sowie die Grundmauern des GästehausesKirkstall Abbey Guesthouse. Website von Historic England, abgerufen am 16. April 2018 (englisch) und des Vesper Gates in der Kategorie II.Vesper Gate at Kirkstall Abbey. Website von Historic England, abgerufen am 16. April 2018 (englisch)

2024 betrug die Besucherzahl etwa 125.000 Personen.

Baugeschichte

Von der Gründung bis zur Auflösung Den Großteil der 1152 begonnenen Bauarbeiten übernahmen die Mönche und Laienbrüder, schwierige Steinmetzarbeiten verrichteten dagegen angeworbene Handwerker. Die verschiedenen Gebäude wurden um einen zentralen Kreuzgang angelegt. Vorrang genossen zunächst der Bau des Presbyteriums der Abteikirche nördlich des Kreuzganges, damit regelmäßige Gottesdienste stattfinden konnten, und des Konversenhauses für die Laienbrüder im Westen, um Wohnraum zu schaffen. Später folgten Küche, Refektorium und Wärmestube im Süden sowie der Kapitelsaal und die Schlafräume der Mönche östlich des Kreuzganges. Alle Bauten wurden zunächst mit Steinplatten und Tondachziegeln gedeckt. Bis 1182 waren die wichtigsten Gebäude abgeschlossen. Aus dieser frühen Bauphase stammt auch das nördlich der Abtei stehende Torhaus.