Risiko ist ein Kriminalfilm von Helmut Krätzig von 1979. Er war als eine Folge der Fernsehreihe Der Staatsanwalt hat das Wort geplant, wurde aber zunächst nicht ausgestrahlt. Der Grund war wahrscheinlich die detaillierte Darstellung einer versuchten Flucht aus der DDR. Er wurde erst 1990 als die 134. Folge der Reihe erstmals gesendet.
Handlung Auf einer bundesdeutschen Autobahn stürzt ein junger Mann von einer Brücke auf die Fahrbahn und verletzt sich dabei. Da die hier fahrenden Autos gerade noch bremsen oder an ihm vorbeifahren können, kommt er mit dem Leben davon und wird in ein Krankenhaus gebracht. Hier blickt er auf die Geschichte zurück, die zu diesem Unheil führte.
Es beginnt am Goldstrand in Bulgarien, wo Robert seinen Urlaub verbringt. Hier sieht er in einem Restaurant am Nebentisch eine junge Frau, die er sofort für das schönste Mädchen der Welt hält. Da der sie begleitende ältere Herr sehr vornehm aussieht, vermutet er, dass sie bestimmt aus der Bundesrepublik ist. Am Abend trifft er sie erneut in einer Folklore-Gaststätte und fordert sie immer wieder mit Erfolg zum Tanz auf. Sie heißt Jutta, hat Geburtstag und holt ihn an den Tisch, wo sie mit ihrem Onkel Lothar sitzt, den er erst für ihren Vater gehalten hat. Nun stellt sich heraus, dass der Onkel Bundesbürger ist und die beiden jungen Leute aus der DDR kommen. Bei dem anschließenden, nächtlichen Spaziergang am Strand verlieben sich Robert und Jutta ineinander.
Am nächsten Morgen im Hotel bekommt Onkel Lothar die Nachricht, dass es mit dem bestellten Pass für Jutta nicht klappt. Dadurch erfährt der Zuschauer den wahren Grund des Urlaubs von Onkel und Nichte am Goldstrand. Onkel Lothar hatte über alte Freunde einen bundesdeutschen Pass bestellt, damit er seine Nichte in den Westen holen kann, was ihr sehnlichster Wunsch ist. Als Jutta hört, dass sie wieder in die DDR zurückfahren muss, ist sie gar nicht so enttäuscht, wie Lothar erwartet hat, was aber mit Sicherheit an dem jungen Mann liegt, den sie gerade kennengelernt hat. Bei einem Spaziergang erfährt Robert, dass ihre Eltern vier Jahre zuvor bei einem Autounfall tödlich verunglückt sind. Ihr Onkel Günther und die Tante Käthe, die in Mecklenburg wohnten, nahmen sie anschließend auf und gemeinsam zogen sie nach Thüringen. Doch Jutta kommt mit der privaten und politischen Enge nicht zurecht, auch weil Onkel Günther alles, was die DDR betrifft, verteidigt.
Nach dem Urlaub in Bulgarien fahren beide wieder zurück in die DDR, Robert nach Berlin, wo er in einer Autowerkstatt arbeitet und Jutta nach Dresden, wo sie studiert. Doch sie können nicht mehr voneinander lassen, werden ein Paar und bekommen ein Jahr später ein Kind, das sie Anna nennen. Bei der Taufe ist auch wieder Onkel Lothar dabei, der immer noch nach einer Fluchtmöglichkeit für Jutta sucht, die diese Absicht immer noch verfolgt. Hier macht er ihr das erste Mal den Vorschlag, auch Robert mitzunehmen, denn als zukünftigen Meister kann er ihn in seinem Betrieb gut gebrauchen. Jutta zieht mit Anna in Roberts Berliner Ein-Zimmer-Wohnung, so dass die ständige Fahrerei endlich aufhört. Während eines Besuchs Onkel Lothars in Ost-Berlin hört Robert erstmals von Jutta, dass sie immer noch in den Westen will und er mit dem Kind mitkommen soll. Er will jedoch nicht abhauen, doch als sie ihm klarmacht, dass sie dann allein mit dem Kind fährt, stimmt er zu, denn ohne Jutta und Anna kann er nicht leben.
Onkel Lothar übernimmt die Organisation der Flucht. Die 30 000 Westmark für Jutta und das Kind übernimmt er und Robert muss für seine 30 000 Mark nach seiner Flucht einen Kredit aufnehmen, den er dann zu kulanten Bedingungen zurückzahlen kann. In einer West-Berliner Kneipe trifft sich Onkel Lothar mit dem Fluchthelfer Herrn Holzhäuser, um mit ihm die Details der Flucht abzusprechen, sowie die Anzahlung zu übergeben. Am verabredeten Tag fahren zwei Autos mit dem gleichen Kennzeichen von West-Berlin in die Bundesrepublik. Ein Auto, dessen Fahrer in die DDR einreist, nimmt die Flüchtlinge in Halle (Saale) auf, während das zweite im Transitverkehr durch die DDR fährt. Robert und Jutta mit Anna, die zuvor eine Schlaftablette bekommen hat, verstecken sich unterwegs, an einer geeigneten Stelle, im Kofferraum. Beide Autos sollen sich an einer Raststätte treffen, wo die Fahrer die Autos tauschen und somit die Flüchtlinge in dem Transitfahrzeug liegen, das nicht kontrolliert wird. Da der Fahrer mit den Flüchtlingen durch Nachlässigkeit die Fernverkehrsstraße in die falsche Richtung fährt, was er erst relativ spät bemerkt, kommen sie erst lange nach der verabredeten Zeit am Treffpunkt an. Obwohl die jungen Leute durch Klopfen und Rufen darauf aufmerksam machen, dass sie keine Luft mehr in dem engen Kofferraum bekommen, wird dieser aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet. Nachdem auch noch auf der Autobahn der Motor kaputt geht, versucht der neue Fahrer ein Auto zu finden, das ihn bis über die Grenze abschleppt, während die Hilferufe aus dem Kofferraum immer lauter werden.
Am Grenzübergang warten ungeduldig Onkel Lothar und Herr Holzhäuser auf das längst überfällige Auto. Als es endlich eintrifft, werden Robert und Jutta aus der stickigen Enge befreit, nur Anna hat die Fahrt nicht lebend überstanden. Juttas ganze Wut richtet sich gegen Robert, dem sie vorwirft, dass er sie überhaupt nicht erst in das Auto hätte einsteigen lassen dürfen. Wie immer sucht sie die Schuld nur bei anderen und nicht bei sich selbst, was Robert jetzt auch erkennt. Voller Enttäuschung über ihre Anschuldigungen und den Tod seiner Tochter Anna, springt er von der naheliegenden Autobahnbrücke, um sich das Leben zu nehmen, was ihm aber nicht gelingt.
Hintergründe und Produktion
Die Handlung des Films beruhte auf dem Fall von Emanuel Holzhauer von 1977. Dessen Eltern gelangten jedoch nicht in die Bundesrepublik, sondern wurden am Grenzübergang Helmstedt/Marienborn festgenommen und später zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Fluchthelfer wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Eltern gelangten 1980 durch Freikauf in die Bundesrepublik.
Der Film Risiko wurde 1979 auf Wunsch des Staatsanwaltes Peter Przybylski gedreht, der bei der Sendereihe immer das Konzept entwarf und die Einleitung und den Schluss sprach. Die Aufnahmen fanden am Goldstrand in Warna in Bulgarien, im Interhotel Panorama in Oberhof im Thüringer Wald, am Schloss und Luisenhain in Berlin-Köpenick, im Interhotel Metropol und am Neptunbrunnen in Berlin, in Halle (Saale), in Aschersleben und in West-Berlin statt. Das Szenarium schrieb Günter Karl. Dramaturgin war Käthe Riemann,, das Szenenbild stammte von Werner Richter.
Aufführungen und Rezeption Der Film sollte im August 1980 im DDR-Fernsehen gesendet werden, was aber nicht geschah. Über die Hintergründe sind bisher keine historischen Unterlagen bekannt, wahrscheinlich wurde von den SED-Verantwortlichen befürchtet, dass der Film trotz des dramatischen Ausgangs Anreize zur Flucht aus der DDR geben würde. Er war die einzige Folge der Sendereihe, die nicht wie vorgesehen gesendet wurde.
Die erste Ausstrahlung gab es erst am 13. Mai 1990 im 1. Programm des Deutschen Fernsehfunks. Danach wurde er 2014 im Hessischen Rundfunk gezeigtRisiko Fernsehserien, mit allen Sendeterminen in deutschsprachigen Fernsehsendern ab 1998 und 2019 im Zeughauskino in Berlin.
Der Fernsehhistoriker Thomas Beutelschmidt bescheinigte dem Film geschickt verwobene ErzählsträngeRisiko DHM, Text zur Vorführung im Zeughauskino 2019 (thb) , während der DDR-Fernsehchronist Peter Flieher psychologisch wenig schlüssige Dialoge bemängelte.Risiko Fernsehen der DDR, zusammengestellt von Peter Flieher
Weblinks
Risiko Fernsehen der DDR (Memento) Der Staatsanwalt hat das Wort: Risiko Fernsehserien Risiko Zeughauskino
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1990 Kategorie:Fernsehfilm (DDR) Kategorie:Kriminalfilm Risiko Kategorie:Flucht aus der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR Kategorie:Verbotener Film (DDR)