Heinersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Großbeeren im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.
Lage Der Ort liegt nördlich des Kernortes Großbeeren im Landschaftsschutzgebiet Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben an der B 101. Südlich verläuft die Landesstraße L 76, unweit nördlich verläuft die Grenze zu Berlin. Zu Heinersdorf gehören die bewohnten Gemeindeteile Birkholz, Birkenhain und Friederikenhof.
Verkehr Über die Buslinie 710 besteht eine Direktverbindung nach Berlin-Marienfelde (Bezirk Tempelhof-Schöneberg), sowie eine Anbindung an den Kernort Großbeeren. Der Bahnhof Teltow (RE4) ist nur wenige Kilometer von Heinersdorf entfernt. Eine direkte Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs besteht nicht. Über den Bus 710 ist eine direkte Anbindung an die Bahnhöfe Ludwigsfelde & Birkengrund möglich.
Geschichte
13.–15. Jahrhundert mini|hochkant|Ehemalige Dorfkirche
Der Ort wurde 1299 erstmals als Hinrichtstorp urkundlich erwähnt. Es war zu dieser Zeit ein Dorf im Territorium Teltow und gehörte dem Markgrafen als Angefälle, also als Erbteil des Bischofs von Brandenburg. Um 1308 bis nach 1375 war es als Tafelgut im Besitz des Bischofs. Im Jahr 1375 erschien Heynenkstorpp, Heynrichtstorff, Hinrikstorpp, Henrikstorff und Hinrichtstorp im Landbuch Karls IV. Der Ort war zu dieser Zeit 49 Hufen groß, davon gehörten zwei abgabenfreie Hufen dem Pfarrer. Es gab vier Kötterhöfe sowie einen Krug. Der Krüger, so verzeichnete es das Landbuch, „malzt, dörrt und breit seit alters nach Belieben“. Der Bischof sowie seine Vasallen hielten die Ober- und Untergerichtsbarkeit sowie Dienste und Abgaben. Die Bede von 19 Hufen war jedoch einem Altar in Berlin zugesprochen. Im 15. Jahrhundert war Heinersdorf wieder markgräflich geworden. Von dort ging der Ort vor 1437 an die Familie Heckelwerg, anschließend für drei Jahre an die Familie Donner zu Berlin, die es an den Bürger Markow (Berkow, Brackow) weitergab. Er erhielt vom Markgrafen das Ober- und Untergericht, das Kirchenpatronat sowie Abgaben und Dienste. In dieser Zeit gab es 1440 einen Lehnschulzen, einen Siebenhufner, zwei Sechshufner (von denen einer von der Familie von Liepe besetzt war) sowie vier Vierhunfer, von dem ein Hof vom Adelsgeschlecht von Hake bewohnt wurde. Außerdem gab es je einen Hof mit drei sowie einen mit zwei Hufen Größe; hinzu kam ein Kirchhof. Zehn Jahre später war die Gemarkung auf 53 Hufen angewachsen. Der Pfarrer erhielt nun drei Hufe, die Kirche eine. Die vier Bauern sowie der Schulze besaßen jeweils sechs Hufe, ein Bauer hielt fünf Hufe, ein Bauer vier sowie ein Bauer drei Hufe. Elf Hufen waren jedoch wüst, also unbesetzt und brachten keine Einnahmen. Im Jahr 1476 wurde der Ort in den Besitz des Klosters Lehnins übertragen. Der Lehnschulze besaß nach wie vor sechs Hufen, musste jedoch nur noch für zwei Hufen Abgaben entrichten. Weiterhin gab es einen Siebenhufner, drei Sechshufner (davon einer wüst), einen Fünfhufner, einen Vierhufner und zwei Dreihufner. Hinzu kamen die Kirchhufe, ein Hirtenhof sowie ein Krug. Das Kloster hielt den Ort bis 1485 und übergab ihn danach an die von Hake.
16.–18. Jahrhundert Die Familie von Hake-Linie Flatow-Kleinmachnow besaß 1541 insgesamt 50 Hufen, dazu zwei Pfarrhufen und eine Kirchhufe. Um 1590 wurde einer der Sechshufner von der Familie Hake selbst genutzt. 1608 erschien es dann auch als „Dorf, zu Kleinmachnow gehörig“. Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Heinersdorf neun Hufner und einen Hirten. Eine eigene Schmiede bestand noch nicht, jedoch kam bei Bedarf ein Laufschmied in den Ort. Ein Hof mit sechs Hufen wurde 1619 von Frau Hake freigewilligt, d. h. von Abgaben befreit. Im Krieg wurde Heinersdorf vollständig zerstört: 1652 gab es „kein Bauern und kein Kötter darin“. Die von Hake behielten ihn jedoch und bauten ihn 1690 zum Rittersitz aus.
Im Jahr 1711 hatte sich Heinersdorf weitgehend erholt. Es gab sechs Hufner, einen Laufschmied, einen Schäfer, einen großen und einen Knecht. Sie zahlten für 44 Hufen jeweils acht Groschen Abgaben. 1716 war der Ort als Rittersitz mit acht Bauern und weiterhin 44 Hufen bekannt. 1745 hatte ein Bauer den Ort verlassen. Es gab weiterhin einen Krug und den Rittersitz. Im Jahr 1771 gab es in Heinersdorf sieben Giebel (=Wohnhäuser), einen eigenen Schmied, einen Hirten, vier Paar Hausleute, den Schäfer und den Knecht. Die Abgaben waren mittlerweile auf acht Groschen je Hufe angestiegen. Bis 1765 war der königlich preußische Hauptmann Dietloff Heinrich von Hake-Flatow auf Kleinmachnow der örtliche Gutsherr. Ihm folgte u. a. Georg Friedrich Wilhelm von Hake.Marcelli Janecki (Red. zug.). Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 1, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft (D.A.G.), Vaterländische Verlagsanstalt-Verlag von W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 779.
19.–21. Jahrhundert Im Jahr 1801 lebten in Heinersdorf sieben Ganzbauern, vier Einlieger und der Krüger. Es gab 14 Feuerstellen (=Haushalte) und einen Wohnplatz Heidekrug mit einem eigenen Krug. Dort lebte ein Büdner mit zwei Feuerstellen. Am 23. August 1813 gab General von Bülow von hier aus den Angriffsbefehl für die Schlacht bei Großbeeren.Heinersdorf. Hrsg. Gemeinde Großbeeren, Stand 2022. Gleichberechtigte Gutsbesitzer waren die Brüder und preußische Offiziere Heinrich Friedrich August von Hake, verstorben 1829, und der jüngere Karl Friedrich von Hake, gestorben bereits 1804. Letzter adeliger Gutsherr war der Sohn des Letztgenannten, Ernst Friedrich Heinrich von Hake (1797–1840), dessen Ehefrau Amalie Dobrowolska (1790–1863) aus Zossen stammte und zuletzt auch wieder dort lebte.
Um 1836, spätestens aber zu 1840 zogen sich die von HakeVgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha Januar 1900/Dezember 1899, S. 371/372. aus dem Ort zurück und übergaben das Dorf mit Gut sowie der Krug Heidekrug an die Familie Mulle. 1840 bestand das Rittergut sowie neun Wohnhäuser im Dorf. Die Familie Mumme zog sich zwei Jahre später zurück und übergaben es an einen Herrn Voß, der es jedoch nur ein Jahr später an einen Baron von Ditmar weitergab. Auch er hielt es nicht lange und so kam Heinersdorf 1848 an die Familie Schrader, von 1855 bis nach 1864 an die Familie Beerend. 1860 bestand der Ort aus einem Gut und einer Kolonie. Es gab zwei öffentliche, acht Wohn- und 15 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei. 1879 hatte das Gut Heinersdorf der Familie Beerend einen Umfang von 369 ha.Paul Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. Mit Angabe der Besitzungen, ihrer Größe (in Culturart), ihres Grundsteuer-Reinertrages, ihrer Pächter, Industriezweige und Poststationen. I. Das Königreich Preußen. I. Lieferung Die Provinz Brandenburg. 311 S., Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, PDF, S. 260–261. 1881 erwarb die Stadt Berlin den Gutsbezirk Heinersdorf mit einer Fläche von 418 Hektar zusammen mit dem Gut Osdorf und nutze die Flächen als Berliner Stadtgüter zur Verrieselung.
mini|Gedenktafel an die zerstörte Kirche
1928 wurde der damals noch eigenständige Gutsbezirk Osdorf (Besitzer: Berliner Stadtgüter GmbH) mit Heinersdorf in die Gemeinde Osdorf eingemeindet. An den fiskalischen, kirchlichen oder private-rechtlichen Besitzungen änderte sich dadurch juristisch nichts; lediglich war der Gutsbezirk für sich genommen kein eigenständiger Ort mehr. Die Gerichtsbarkeit der Gutsherren ging schon weit zuvor an den Staat über. Das Gutshaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, ebenso die Kirche, die 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde.
Der Kirchturm wurde in den 1950er Jahren gesprengt. Nach dem Bau der Berliner Mauer wurde Osdorf im Zuge von Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR abgerissen. Rund 150 Bewohner wurden zum Teil auf Heinersdorfer Gebiet umgesiedelt, der Gemeinde behielt jedoch den Namen Osdorf. 1973 bestand in Heinersdorf ein Betriebsteil des VEG Genshagen. Die Gemeinde Osdorf wurde am 31. Dezember 1999 als Ortsteil nach Großbeeren eingemeindet und 2000 in Heinersdorf umbenannt.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Heinersdorf von 1734 bis 1858 Jahr 1734 1772 1801 1817 1840 1858 Einwohner 89 111 89 und 16 (Heidekrug) 70 mit Heidekrug 93 128
Sehenswürdigkeiten mini|Spielplatz.
Im nordwestlichen Teil des Gemeindegebiets befindet sich an der Landesgrenze zu Berlin das Japaneck mit einem Gedenkstein. In der Liste der Baudenkmale in Großbeeren ist für Heinersdorf kein Baudenkmal aufgeführt. In der Liste der Naturdenkmale in Großbeeren sind für Heinersdorf zehn Naturdenkmale aufgeführt.
Literatur Heinersdorf, In: Ernst Fidicin: Geschichte des Kreises Teltow und der in denselben belegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. In: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Band I. enthält: I. den Kreis Teltow, II. den Kreis Nieder-Barnim. Verlag J. Guttentag, Berlin 1857, S. 90/91. Heinersdorf, In: Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg: Teltow (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band 4). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976.
Weblinks
Heinersdorf auf Großbeeren.de
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Großbeeren) Kategorie:Ort im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ersterwähnung 1299