Italien (), amtlich Italienische Republik (italienisch Repubblica Italiana []), ist ein Staat in Südeuropa. Mit knapp 59 Millionen Einwohnern ist es das viertbevölkerungsreichste vollständig zu Europa zählende Land. Die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Rom und das Wirtschafts- und Finanzzentrum ist Mailand.
Das italienische Staatsgebiet liegt zum größten Teil auf der auf drei Seiten vom Mittelmeer umgebenen Apenninhalbinsel, der anschließenden norditalienischen Tiefebene sowie im südlichen Alpenbogen. Dazu kommen die großen Inseln Sizilien und Sardinien sowie mehrere kleinere Inselgruppen. Landgrenzen bestehen zu Frankreich, der Schweiz, Österreich und Slowenien sowie zu den Kleinstaaten Vatikanstadt und San Marino, die vollständig vom italienischen Staatsgebiet umschlossen sind.
In Italien wurden viele bedeutende Beiträge zum kulturellen und historischen Erbe Europas geleistet. Das Gebiet war in der Antike die Kernregion des Römischen Reiches. Die Stadt Rom ist zudem seit der Spätantike bis heute eines der wichtigsten Zentren der Christenheit. Die Toskana und die rivalisierenden italienischen Stadtstaaten bildeten das Kernland der Renaissance. Auch in den Epochen des Barock und des Klassizismus war Italien ein kulturelles Zentrum. Es ist das Land mit den meisten Welterbestätten der UNESCO (60) und mit rund 65 Millionen Touristen jährlich eines der meistbesuchten Länder.
Mit dem Risorgimento entstand im 19. Jahrhundert der moderne Nationalstaat: Von 1861 bis 1946 bestand unter dem Haus Savoyen das Königreich Italien, das rapide industrialisiert wurde, zu einer europäischen Großmacht aufstieg und ab den 1880er Jahren ein Kolonialreich in Nord- und Ostafrika errichtete. Die kostspielige und verlustreiche Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 führte zwar zur Vergrößerung des Staatsgebietes, aber auch zu schweren sozialen Unruhen und ebnete den italienischen Faschisten den Weg zur Macht. Deren Regime herrschte von 1922 bis 1943/45 über Italien und führte das Land 1940 auf der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg, welcher 1945 in einer Niederlage endete und zum Verlust der Kolonien sowie geringfügigen Gebietsabtretungen führte. Im Juni 1946 wurde die Monarchie durch eine Volksabstimmung abgeschafft und die heutige Republik ausgerufen.
Italien zählt laut Index der menschlichen Entwicklung als Industriestaat zu den höchstentwickelten Ländern der Erde.Human Development Report 2019 auf hdr.undp.org (englisch; PDF: 1,7 MB, 40 Seiten) Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist es die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und nach Frankreich die achtgrößte der Welt.World Economic Outlook Database. In: Internationaler Währungsfonds, April 2012. Das Land genießt einen hohen Lebens- und Bildungsstandard und hat eine der höchsten Lebenserwartungen. Die italienischen Streitkräfte gehören zu den schlagkräftigsten der Welt und werden innerhalb der NATO als die viertstärksten eingestuft.
Italien ist Mitinitiator der Europäischen Integration und Gründungsmitglied der Europäischen Union, des Europarates, der NATO und der Lateinischen Union. Das Land ist Mitglied der G7, der G20, der Vereinten Nationen (UNO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation.
Landesname mini|Von den Marsi um 91 bis 88 v. Chr. geprägte Silbermünze mit der Inschrift ITALIA neben der Personifikation Italiens, Italia turrita, dargestellt als Göttin mit Lorbeerkranz Für die Herkunft des Wortes Italia existieren zahlreiche Hypothesen. Eine davon ist, dass der Name über das Griechische aus dem oskischen Víteliú („Land der Kälber“ von vitulus „Kalb“) entlehnt ist. Der griechische Historiker Dionysius von Halikarnassos stellt diese Behauptung zusammen mit der Legende auf, dass Italien nach Italos benannt wurde, der auch von Aristoteles und Thukydides erwähnt wird.
Nach Antiochus von Syrakus bezeichneten die Griechen mit dem Begriff Italien zunächst nur den südlichen Teil der Halbinsel Bruttium, welcher der Region um die heutigen Gemeinden Reggio sowie zum Teil Catanzaro und Vibo Valentia entspricht. Zur Zeit Antiochus wurde die umfassendere Bezeichnung von Oinotria und „Italien“ jedoch synonym verwendet und der Name galt auch für den größten Teil von Lucania. Strabons „Die Geographie“ zufolge wurde der Name vor der Expansion der römischen Republik von den Griechen verwendet, um das Land zwischen der Straße von Messina und der Verbindungslinie zwischen dem Golf von Salerno und dem Golf von Tarent zu bezeichnen. Diese Abgrenzung entspricht in etwa der heutigen Region Kalabrien. Nach und nach kamen die Griechen dazu, den Namen „Italia“ auf eine größere Region anzuwenden. Zusätzlich zur Hypothese des „griechischen Italien“ im Süden haben Historiker die Existenz eines „etruskischen Italiens“ vorgeschlagen, das verschiedene Gebiete Mittelitaliens abdeckt.
Dagegen sind die Grenzen des römischen Italiens, Italia, besser festgelegt. Catos Origines, das erste in Latein verfasste Geschichtswerk, beschrieb Italien als die gesamte Halbinsel südlich der Alpen. Nach Cato und mehreren römischen Autoren bildeten die Alpen die „Mauern Italiens“. Im Jahr 264 v. Chr. erstreckte sich das römische Italien von den Flüssen Arno und Rubicon im nördlichen Zentrum der Halbinsel bis in den gesamten Süden. Das nördliche Gebiet des Gallia cisalpina, des Galliens diesseits der Alpen, wurde in den 220er Jahren v. Chr. von Rom besetzt und galt geographisch und de facto als Teil Italiens. Es blieb jedoch zunächst politisch und de jure getrennt, bis es 42 v. Chr. durch den Triumvir Octavian als Umsetzung der unveröffentlichten Akte Caesars (Acta Caesaris) rechtlich in die Verwaltungseinheit Italiens eingegliedert wurde. Die Inseln Sardinien, Korsika, Sizilien und Malta wurden 292 n. Chr. durch Diokletian zu Italien hinzugefügt.
Geographie Der Großteil des Staatsgebiets liegt auf der von Nordwest nach Südost gerichteten Apenninhalbinsel, die in ihrer Form an einen Stiefel erinnert. Die maximale Länge der weitenteils vom Gebirgszug des Apennin geprägten Halbinsel beträgt rund 1000 km, die maximale Breite rund 240 km. Auf drei Seiten ist sie von Teilmeeren des Mittelmeers umgeben, nämlich vom Ligurischen, Tyrrhenischen, Ionischen und Adriatischen Meer. Im Mittelmeer liegen die zwei mit Abstand größten italienischen Inseln Sardinien und Sizilien sowie mehrere kleinere Inselgruppen. Die gesamte Küstenlänge beträgt 7600 km. Nördlich schließt an die Halbinsel die Po-Ebene an, die den Hauptteil der dicht besiedelten Norditalienischen Tiefebene ausmacht. Den nördlichen Abschluss findet das Staatsgebiet in den Alpen, wo es teilweise den Alpenhauptkamm erreicht.
Intern wird Italien häufig in Ober-, Mittel- und Unter-/Süditalien (auch Mezzogiorno genannt) gegliedert.
Angrenzende Staaten sind Frankreich (Länge der gemeinsamen Staatsgrenze: 488 km), die Schweiz (734,2 km), Österreich (430 km), Slowenien (232 km) sowie die Enklaven San Marino (39 km) und die Vatikanstadt (3 km). Die Landesgrenzen haben eine Gesamtlänge von etwa 2000 km. Italien besitzt mit der Gemeinde Campione d’Italia eine von der Schweiz umgebene Exklave. Zu Kroatien besteht eine Seegrenze.
Morphologie mini|Die Marmolata in den Dolomiten mini|Landschaft im zentralen Apennin mit den Sibillinischen Bergen
Italien ist größtenteils gebirgig. Der Apennin durchzieht die nach ihm benannte Halbinsel entlang der Längsachse und erreicht mit seine größte Höhe im Gran Sasso. Im Norden gehört ein großer Teil der Alpen zu Italien: Höchster Gipfel ist der Mont Blanc (Monte Bianco) mit 4805,59 Meter, welcher an der Grenze zu Frankreich liegt. (Der Grenzverlauf auf dem Mont Blanc ist allerdings umstritten. Nach französischer Auffassung ist der Mont Blanc de Courmayeur mit seinen der höchste Gipfel Italiens.) Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der Gran Paradiso mit in den Grajischen Alpen.
Die italienischen Küsten sind speziell auf der Westseite durch zahlreiche Buchten gegliedert, darunter den Golf von Neapel.
Die Po-Ebene (ital. Pianura Padana) im Norden ist mit einer Fläche von 50.000 km² die mit Abstand größte Ebene Italiens.
Gewässer mini|hochkant|Gardasee bei Tremosine sul Garda
Hydrografisch gehört Italien fast ausschließlich zum Mittelmeer. Einzig das Tal des Lago di Livigno und der oberste Teil des Val d’Uina entwässern über Inn und Donau ins Schwarze Meer. Dorthin entwässert ebenfalls die Drau, die im Pustertal in Südtirol entspringt, sowie die Gailitz, die das Gebiet um Tarvis durchfließt. Ferner entwässert das Tal des Lago di Lei über den Rhein in die Nordsee. Die längsten Flüsse sind der Po (652 km), die Etsch (410 km) und der Tiber (405 km), gefolgt von der Adda und dem Oglio. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Bolsenasee und der Trasimenische See in Mittelitalien.
Inseln mini|hochkant|links|Küstenabschnitt der Liparischen Inseln bei Sizilien
Zu Italien gehören die großen Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien sowie die Inselgruppen der Liparischen und Ägadischen Inseln nördlich sowie westlich von Sizilien. Rund um Sardinien liegen zahlreiche kleine Inseln, unter anderem der Sulcis-Archipel, Asinara und der La-Maddalena-Archipel. Die Pontinischen Inseln erstrecken sich vor der Küste Latiums. Im Tyrrhenischen Meer befinden sich zudem der Kampanische Archipel (darunter die Inseln Capri und Ischia), der Toskanische Archipel (auch Elba) und die Liparischen Inseln. In der Adria liegen die Tremiti-Inseln. Die Pelagischen Inseln, zu denen auch Lampedusa gehört, und die Insel Pantelleria gehören geologisch bereits zu Afrika.
Erdbeben und Vulkane Aufgrund der geologischen Verhältnisse kommt es häufig zu Erdbeben in Italien. Das heftigste Beben des 20. Jahrhunderts mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala ereignete sich im Jahr 1908 in Messina und Reggio Calabria. Es starben bis zu 120.000 Menschen. 1915 forderte ein Erdbeben bei Avezzano in den Abruzzen etwa 30.000 Menschenleben. Die süditalienische Region Irpinia wurde 1980 von mehreren starken Beben getroffen, deren Ausläufer von Portici bei Neapel bis nach Potenza in der Basilikata reichten; dabei starben 3.000 Menschen. Am 31. Oktober 2002 kam es zu einem starken Beben in San Giuliano di Puglia (Region Molise): 30 Menschen, davon 27 Kinder, wurden in den Trümmern eines eingestürzten Schulgebäudes verschüttet. Das Erdbeben im Friaul 1976 forderte 965 Menschenleben. Am 6. April 2009 ereignete sich in L’Aquila ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala, das 308 Opfer forderte,Ein Jahr nach dem Erdbeben. In: dw.com. 6. April 2010, abgerufen am 5. November 2020. im August 2016 folgte im Gebiet von Amatrice ein ähnlich folgenreiches Beben.
mini|Eruption des Ätna 2002, fotografiert aus der ISS
Neben dem 1281 Meter hohen Vesuv, der sich seit dem letzten Ausbruch 1944 in einer Ruhephase befindet, und den Phlegräischen Feldern mit ihren zahlreichen Thermalquellen und Fumarolen auf dem Festland, stehen auf den Inseln mehrere weitere Vulkane. Bekannt sind vor allem der 3403 Meter hohe aktive Ätna auf Sizilien sowie der 926 Meter hohe ständig aktive Stromboli. Italien ist das Land mit den meisten aktiven Vulkanen auf dem europäischen Kontinent.
Klima