Die Stückfärberei Schlieper und Laag AG war zunächst ein Zusammenschluss der Seidenwebereien Seidenfärberei und Appretur Alexander Schlieper (Vohwinkel-Hammerstein, gegründet 1897) und der Seidenfärberei und Appretur Heinrich Laag & Cie. (Düsseldorf, gegründet 1880). Ab 1911 kam die Hildener Stückfärberei GmbH (1897–1983 Hilden, Ecke Neustraße 54 -Hofstraße 34) hinzu. Die fusionierten Firmen hatten ihren Sitz in Vohwinkel, Buchenhofener Straße 49–55 und Zweigniederlassungen in Düsseldorf und Hilden.
Die Stückfärberei ist das Färben fertiger Web- oder Wirkwarenbahnen. Die Färbung erfolgt entweder spannungsfrei im losen Gewebestrang auf der „Haspelkufe“ oder in offener Breite unter Spannung für feste Gewebe auf dem „Jigger“.
Einzelfirmen: Schlieper; Laag; Hildener Stückfärberei (1880 bis 1910) Alexander Schlieper Die Seidenweberei Gebhard & Co. verarbeitete Mitte des 19. Jahrhunderts Maulbeerspinnseiden. Um die Seidenwaren verkaufsfertig zu machen, betrieb Gebhard in Elberfeld, Obergrünstraße, in einem Hinterhaus eine kleine Appretur. Von ihr erwarben die Brüder August und Rudolf Bönten um 1880 den Betrieb. Neben Seidenware appretierten sie auch Baumwollstoffe von anderen Webereien.
mini|Edmond Gillet (1873–1931)
Nachdem der Raum zu klein wurde, zog man nach Elberfeld, Weidenplatz um. Am 1. Oktober 1887 ging die Firma Bönten an Alexander Schlieper (* 16. Januar 1862 in Elberfeld; † 20. Oktober 1916) über. Dessen Vater Gustav Schlieper (* 20. Juni 1837 in Elberfeld; † 26. März 1899 in Nizza), war Teilhaber der Elberfelder Stoffdruckerei Schlieper & Baum. Die Hauptkunden von Alexander Schlieper waren die Seidenweberei Gebhard und die Seidenweberei H. E. Schniewind in Haan.
Um in der Stückfärberei einen Erfahrungsaustausch zu erzielen, wurden Kontakte zwischen Elberfeld und den Inhabern der Lyoner Firma Gillet & Fils, Edmond Gillet (* 19. September 1873 in Lyon; † 15. Oktober 1931 in Paris) und Charles Gillet (* 26. November 1879 in Lyon; † 30. Mai 1972 in Lausanne) gesponnen. Mit französischen Maschinen konnte Schlieper sogenannte „Lyoner Artikel“ anbieten.
Zusätzlich importierte Deutschland gefärbte Seidenwaren. Da jedoch die Seidenimporte in der Qualität zu wünschen übrigließen, importierte das Bremer Unternehmen Barth & Könenkamp asiatisches Rohgewebe, das dann bei Schlieper gefärbt und appretiert wurde. Er baute sich damit ein weiteres Standbein auf. Das war der Grundstein, dass später Schlieper & Laag der maßgebliche Ausrüster für asiatische Seidenstoffe (japanische Habutais wie Pongés) Japons in Deutschland war und über Jahrzehnte blieb.
Da das Geschäft immer mehr wuchs, suchte Schlieper einen neuen Standort an der Wupper. Der Neubau in Hammerstein, einem Ortsteil der Stadt Vohwinkel, war Ende 1899/Anfang 1900 beendet. Bei der weiteren Betriebserweiterung wurde das Gelände des nördlichen Nachbarn, der Hammerstein Färberei von Carl Assauer, mit einbezogen. Dieses nördliche Gelände wurde später die Hammersteiner Färberei GmbH (Vohwinkel-Hammerstein). Alexander Schlieper färbte Baumwoll-, Schirm- und halbseidene Futterstoffe. Halbseidene Futterstoffe wurden für Jackenkleider, Herrenanzüge, Mäntel, Hüte und Taschen verwendet. Dazu kamen Grenadine,- Mousseline-, Krepps und Krepp-Georgette-Stoffe.
Schlieper brachte die gefärbten Stoffe mit einer Appretur (Finish) heraus.
Im ursprünglichen (südlichen) Firmengelände wurde die Appretur in zwei Teile geteilt. Im mittleren Teil bis zur Färberei belegte die Appretur für alle leichten Kleiderstoffe und modische Artikel die Räume. Im südlichsten Teil des Geländes war die Appretur für alle klassischen Artikel einschließlich der Ostasiaten und der Futterstoffe untergebracht. Aus den Appretur-Abteilungen wurde später die Schlieper & Laag GmbH (Vohwinkel).
KG Heinrich Laag & Cie. Nach seiner Lehrzeit in der „Teinturerie Jolly Belin“ (Färberei Jolly Belin), Paris, lernte Heinrich Laag (* 1850; † 14. Mai 1933 in Düsseldorf) die Lyoner Seidenfärberei Gillet & Fils kennen. Als ihn der wohlhabende Kunstmaler Adolf Eduard Storck (Düsseldorf) und Adolf Focke (Bremen) finanziell unterstützten, gründete er 1880 die KG Heinrich Laag & Cie., Stückfärberei von seidenen und halbseidenen Stoffen und Seidenplüschen (Düsseldorf, Kaiserswerther Straße). Der von seinem Vater Johann Heinrich Laag 1860 gegründete Betrieb J. H. Laag, Hoffärberei und chemische Waschanstalt, an gleicher Adresse wurde angegliedert.
Während die seidenen und halbseidenen Futterstoffe noch bis ca. 1880 im Strang gefärbt wurden, ging die Färberei zur Stückfärberei über. Heinrich Laag gelang es, die hässlichen weißen Reibstellen beim Abspleißen von Faserfibrillen zu vermeiden, indem er das Färben auf dem „Jigger“ (1880 bis Ende der 1890er Jahre) für die empfindlichen Seidengemische in kurzer Flotte einsetzte. Dabei waren die zu färbenden Stoffe am Stück auf Abrollwalzen aufgewickelt. Sie wurden durch das Färberbad im Trog, die Flotte gezogen und auf der anderen Seite wieder aufgerollt. Damit nicht die erste Partie allen Farbstoff aus der Flotte abzog und dunkel wurde, setzte man die Färbeflotte separat an und dosierte sie langsam in den Jigger ein.
Die Fabrikbesitzer Heinrich Laag aus Düsseldorf und Alexander Schlieper aus Elberfeld waren 1898 Vorstandsmitglieder des „Vereins zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der Färberei- und Druckerei – Industrie von Rheinland und Westfalen“.
Die rechte Hand von Laag wurde Jean Schopp, der es vom Lehrling (1887), über Geselle, Meister bis zum Betriebsdirektor in der Geschäftsführung schaffte. Im Management wurde ab 1901 Adolf Eduard Focke, der Sohn des Geldgebers Adolf Focke aufgebaut. Er war bereits Teilhaber der KG Heinrich Laag & Cie. und forcierte den späteren Zusammenschluss.
Hildener Stückfärberei GmbH mini|links|Hildener Stückfärberei Schlieper & Laag, Lagerhallengebäude in der Hofstraße, Architekt Karl Westip (1968) mini|Hildener Stückfärberei Schlieper & Laag, Hauptgebäude in der Neustraße
Bei der Hildener Seidenweberei und Schirmstoffweberei Gressard et Compagnie (Gressard & Co.) wurde 1882 in Folge der Rezession die Produktion von Foulard gefärbten Webwaren eingestellt. An ihrer Stelle traten Einheitsstoffe, und für die Fertigung derselben war – ebenfalls 1882 – eine werkeigene Färberei zunächst auf dem Firmengelände in Hilden eingerichtet worden.
Durch den folgenden Aufschwung ab 1895 musste die werksinterne Färberei bei Gressard einem neuen großen Websaal weichen. Deshalb erwarb die Firma Gressard 1897 außerhalb ihres Werksgeländes an der Hofstraße einen großen Acker und ließ dort 1899 auf dem einen Hektar eine Färberei und Appretur errichten. In dem langgestreckten Gebäude an der Hofstraße waren das Rohstofflager, ein Teil der Appretur, die Abkocherei und Trocknerei, die Disposition, die Kantine und Umkleideräume und der Versand untergebracht. Die Firma färbte als Stückfärberei in Hilden, Hofstr. 34, Ecke Neustraße 54, zunächst die Seidenerzeugnisse der örtlichen Tuchmachereien Gressard & Co. und Kampf & Spindler. Sie lieferte Schirmstoffe für W. Bauermann & Söhne. 1900 wurden in der Neustraße das Büro und Betriebsgebäude errichtet. Die Neustraße hieß damals noch Bachstraße.
Unter Ernst Maurer aus Hilden wurde die Firma 1908 als eigenständiger Betrieb in die Hildener Stückfärberei GmbH umgewandelt. Sie bemühte sich dann zusätzlich um Lohnausrüstungsaufträge.
Als der Webereibesitzer Ernst Niepmann senior (* 24. September 1842 in Schwerte; † 11. April 1906 in Bonn) verstarb, verkaufte sein Sohn Ernst Niepmann junior (* 15. November 1875; † 13. Februar 1947) dessen Gräfrather Seidenweberei für Futterstoffe in der Stadt Gräfrath an die Vereinigten Seidenwebereien in Krefeld. Dafür erwarb er am 4. Februar 1910 den Gressardschen Färbereibetrieb. Er stellte den Kontakt zur Lyoner Firma Gillet & Fils her. Für eine 50%ige Beteiligung erhielt er know how und die für die Modernisierung nötigen finanziellen Mittel.
Fusionen der Schlieper & Laag AG (1910 bis 1921) Schlieper & Laag GmbH Gustav Holthausen strebte eine Interessengemeinschaft und einen Zusammenschluss der Seidenveredlungsindustrie an. Ihm gelang 1910 der Interessenzusammenschluss der Seidenfärberei und Appretur Heinrich Laag & Cie. Düsseldorf, mit dem Seidenveredelungsbetrieb Seidenfärberei und Appretur Alexander Schlieper, Vohwinkel-Hammerstein, zur Schlieper & Laag Seidenfärberei GmbH (1888–1979) mit Sitz in Vohwinkel und Zweigniederlassung in Düsseldorf.
Schlieper & Laag AG mini|Schlieper & Laag; Vohwinkel-Hilden, Werbung
Mit Rückwirkung zum 1. Oktober 1911 fusionierten die drei großen Seidenfärbereien im Bergischen, die Hildener Stückfärberei GmbH und die zwei Seidenfärberen der Schlieper & Laag GmbH zur Firma Schlieper & Laag AG (HRB 6750 Amtsgericht Düsseldorf). mit Sitz in Vohwinkel-Hammerstein in der Buchenhofener Straße 49–55 und Zweigniederlassungen in Düsseldorf und Hilden. Der Vorstand bestand aus den Herren: 1. Ernst Niepmann, Kaufmann zu Elberfeld, 2. Adolf Eduard Focke, Kaufmann zu Düsseldorf, 3. Kurt Schlösser (* 16. Juli 1882 in Elberfeld), Kaufmann zu Vohwinkel-Hammerstein und Schwiegersohn von Alexander Schlieper, 4. Hugo Lohberg, Fabrikdirektor zu Vohwinkel. Den ersten Aufsichtsrat bildeten die Herren: 1. Alexander Schlieper, Kaufmann und Färbereibesitzer zu Vohwinkel-Hammerstein, alleiniger Inhaber der Firma Alexander Schlieper daselbst, 2. Heinrich Laag, Kaufmann und Färbereibesitzer zu Düsseldorf, 3. Charles Gillet, Färbereibesitzer zu Lyon, 4. Richard Frowein (* 21. September 1879 in Elberfeld; † 1937), Rechtsanwalt zu Elberfeld. Als Geschäftsführer zeichneten Adolf Eduard Focke, Ernst Niepmann, Kurt Schlösser und Hugo Lohberg Senior († 1921). Die Aktien der Gesellschaft wurden übernommen von: Alexander Schlieper (42 %), Heinrich Laag (24 %), Charles Gillet (23,3 %) und Ernst Niepmann (10,7 %). Die einzelnen Betriebe führten ihre Geschäfte in der bisherigen Weise alleine weiter.
Ab 1912 wurde in Hilden die große Färberei gebaut. Das Kesselhaus- und Maschinenhaus lagen günstig zu allen Betriebsabteilungen. Dieser Ausbau waren die Voraussetzungen, dass 1913 die Düsseldorfer Färberei- und Appreturapparate nach Hilden verlegt werden konnten.
Zwischen Alexander Schlieper (Vohwinkel-Hammerstein) und Gillet & Fils (Lyon) entwickelte sich die Zusammenarbeit hervorragend. Gillet & Fils war führend in der Seidenstückerschwerung („zu beschweren“). Das Wissen um die Behandlung mit einer Zinn-Phosphat-Silikat-Kombination und die ersten Maschinen (X-Maschine) wurden von Frankreich nach Deutschland transferiert.
Die Hildener Stückfärberei litt wegen des Ersten Weltkrieges 1914 unter Materialmangel. Trotzdem schrieb das Rheinisches Volksblatt vom 6. September 1914: „Am Dienstag wird gearbeitet“.
Fusion der Schlieper & Laag AG mit Friedrich Cleff und Gustav Beeck, Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Betriebe in Hilden und Vohwinkel-Hammerstein unter Leitung von Herrn Adolf Eduard Focke wiederaufgebaut und die Betriebe liefen wieder an.
Am 1. August 1919 folgte die Fusion mit der Firma Friedrich Cleff (Barmen). Sie besaß eine Bandfärberei für schwarzgefärbte Seiden- und Halbseidenstoffe, die als schwarze Schirmstoffe und schwarze Kleiderstoffe Verwendung fanden.
Um neben dem Stückfärben auch das Strangfärben anbieten zu können, wurde die Strangfärberei Gustav Beeck (Elberfeld, Bleichstraße) am 24. Oktober 1919 integriert.
Westdeutsche Textil AG (WETAG) (1921 bis 1924) Im Februar 1921 wurde die Westdeutsche Textil AG (Vohwinkel-Hammerstein) gegründet. Also am Sitz der alten Firma von Alexander Schlieper. Vorstandsmitglieder wurden die Herren Ernst Niepmann und Kurt Schloesser. Alle zugehörigen Betriebe wurden als Tochtergesellschaften in Form von Gesellschaften m.b.H. der WETAG angegliedert.
Eingliederungen von zehn Firmen zwischen 1922 und 1923 und während der Inflation