Die Liste der Stolpersteine in Heiligenhaus enthält Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig in der Stadt Heiligenhaus zwischen dem 28. Februar 2008 und dem 20. Februar 2017 verlegt wurden. Mit ihnen soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, die in Heiligenhaus lebten und wirkten. Insgesamt wurden fünf Stolpersteine verlegt.

NS-Verfolgung in Heiligenhaus Wie in jeder deutschen Stadt wurden auch in Heiligenhaus ab 1933 Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer politischen Einstellung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt, ausgegrenzt und ermordet. Der Kreispolitiker Rainer Köster von der Linken veröffentlichte im Jahr 2019 ein Buch, welches das Schicksal der Verfolgten des NS-Regimes in der Stadt beleuchtet. Er porträtierte 75 Menschen, die ermordet bzw. physisch oder psychisch gefoltert wurden. Darin sind auch die Daten von 25 Heiligenhauser Juden erfasst. Bislang wurden nur vier von ihnen mit Stolpersteinen bedacht. Köster beschrieb auch die Schicksale von politisch Verfolgten, von Zwangsarbeitern und von christlichen Widerstandskämpfern.Rainer Köster: Ewig kann’s nicht Winter sein…, Widerstand und Verfolgung in Heiligenhaus von 1933 bis 1945, Selbstverlag 2019, mit Unterstützung der Vereinigung der Verfolgten des NaziregimesWestdeutsche Allgemeine Zeitung: Buch behandelt das Schicksal von NS-Opfern in Heiligenhaus, Artikel von Christopher Shepherd, 18. Februar 2019, abgerufen am 22. März 2020 Für einen von ihnen, Franz Frerich, der wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, liegt jetzt Am Rathaus ein Stolperstein.

Verlegte Stolpersteine Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEKARL ARONJG. 1882OPFER DES POGROMSERMORDET 1938 Hauptstraße 252 , auch Carl Aron, wurde am 29. Juni 1882 in Arloff geboren. Seine Eltern waren Seligman Aron und Regina, geborene Wolff und er hatte zumindest fünf Geschwister: Hanna, Leo, Max, Sabine und Sybille. Karl Aron war Klempner und Inhaber eines Sanitätswarengeschäft mit dazugehöriger Klempnerei. Aus erster Ehe hatte er einen Sohn, Alfred Aron. In zweiter Ehe war er mit Rosa, geborene Ziegelstein, verheiratet, die aus Hessen stammte. Sein Sohn konnte 1937 nach Kolumbien emigrieren. Während der Novemberpogrome 1938 wurde das Geschäft geplündert und zerstört. „Tag und Nacht demolierten örtliche SS und SA Schergen das Geschäft, zerstörten den gesamten Besitz“.Page 19 - VAK_Broschuere_3_18.indd 9. November – 80. Jahrestag der Kristall- oder Pogromnacht innerhalb des Dritten Reiches. SA und SS Schergen wüteten auch in Heiligenhaus, S. 19, abgerufen am 19. März 2020 Das Paar wurde an diesem Abend zum letzten Mal lebend gesehen. Die Leichen von Karl Aron und seiner Frau wurden am 23. November 1938 aus der Ruhr geborgen. Sie waren mit Draht aneinander gekettet, Jutesäcke waren über ihre Köpfe gestülpt. Sie waren ertrunken. Zwar sprechen mehrere Quellen von Selbstmord, doch es gab nie eine Untersuchung des Falles und die Umstände sprechen eher für Lynchmord. Der Fall ist bis heute ungeklärt.Rheinische Post: Erinnerung an Opfer des Nazi-Terrors, Artikel von Henry Kreilmann, 9. Oktober 2018, abgerufen am 19. März 2020Offenes Haus NRW: Stolpersteinrundgang in Heiligenhaus, Beitrag von Hendrik Weber, abgerufen am 19. März 2020Frank Overhoff: Juden im Oberbergischen, 2010, S. 10Yad Vashem hat mehrere Einträge zu seiner Person, alle abgerufen am 19. März 2020:* KARL ARON, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* KARL ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1990, eingereicht von seiner Nichte Rachel Friedmann, Jerusalem,* KARL ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1999, eingereicht von seiner Nichte Rachel Friedmann, Jerusalem, und* KARL ARON, beruhend auf der Lists of Jews from Germany who perished during Kristallnacht or in camps, after their detention and deportation, 09/11/1938-01/1939.

Sein Vater und seine oben genannten Geschwister wurden vom NS-Regime im Rahmen der Shoah ermordet.Yad Vashem:* SELIGMAN ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1990, eingereicht von seiner Enkeltochter Rachel Friedmann,* LEO ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1999, eingereicht von seiner Nichte Rachel Friedmann,* MAX ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1999, eingereicht von seiner Nichte Rachel Friedmann,* SABINE ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1999, eingereicht von ihrer Nichte Rachel Friedmann* SIBYLLE HEYMANN, Gedenkblatt aus dem Jahr 1987, eingereicht von ihrer Tochter Rachel Friedmann* HANNA ARON, Gedenkblatt aus dem Jahr 1999, eingereicht von ihrer Nichte Rachel Friedmann. 120pxHIER WOHNTEROSA ARONJG. 1882OPFER DES POGROMSERMORDET 1938 Hauptstraße 252 geb. Ziegelstein wurde am 22. Oktober 1890 im hessischen Staufenberg (Stadtteil Treis an der Lumda) geboren. Ihre Eltern waren Jeisel Ziegelstein und Susanne, geborene Süßkind. Sie hatte mehrere Geschwister. Rosa Ziegelstein heiratete Karl Aron, der aus erster Ehe zumindest einen Sohn hatte, Alfred Aron. Der Stiefsohn konnte rechtzeitig flüchten. Nach den Novemberpogromen und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage verschwanden Karl und Rosa Aron spurlos. Ihre Leichen wurden am 23. November 1938 in der Ruhr geborgen, aneinander gekettet und mit über ihre Köpfe gestülpte Jutesäcken.Yad Vashem hat zwei Einträge zu ihrer Person, beide abgerufen am 20. März 2020:* ROSA ARON, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* ROSA ARON, beruhend auf der Lists of Jews from Germany who perished during Kristallnacht or in camps, after their detention and deportation, 09/11/1938-01/1939.

Ihre Mutter wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Für sie sowie ihre Schwester Jettchen und für ihren Bruder Siegmund und dessen Familie wurden in Staufenberg Stolpersteine verlegt. Sie wurden in Auschwitz und Treblinka ermordet.staufenberg.de: Treis, Hauptstraße 29, Familie Ziegelstein, abgerufen am 20. März 2020Das Holocausterinnerungsmal in Bad Nauheim: Jettchen Ziegelstein, abgerufen am 20. März 2020 Ihre Schwestern Jenny und Thekla wurden in Theresienstadt ermordet und Selma in Minsk.Yad Vashem:* SUSANNA SANNCHEN ZIEGELSTEIN, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* SIEGMUND ZIEGELSTEIN, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* THEKLA LINK, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* JETTCHEN ZIEGELSTEIN, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* JENNY SPEIER, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* SELMA WINDECKER, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs.holocaust.cz: Link Thekla: Death certificate, Ghetto Terezín, abgerufen am 20. März 2020 Ihr Bruder Jakob überlebte und starb 1951. Ihr Bruder Hermann und ihre Schwester Johanna, verheiratete Katz, wanderten mit ihren Familien nach Südafrika aus und überlebten dort.Volker Hess: Geschichte der Juden in den heutigen Ortsteilen Staufenbergs Daubringen, Mainzlar, Staufenberg und Treis, Staufenberg 2002, S. 37 120pxHIER WOHNTEFRANZ FRERICHJG. 1883VERHAFTET 27.12.1943'WEHRKRAFTZERSETZUNG'ZUCHTHAUS BRANDENBURGTODESURTEIL 28.7.1944VOLKSGERICHTSHOFHINGERICHTET 22.8.1944 Am Rathaus(nahe dem Stadtwerke-Pavillon) wurde 1883 geboren. Er war Dreher und arbeitete bei A. Kiekert Söhne. Und er war Kommunist. Nach dem Sturz Mussolinis äußerte er: „Einer ist schon weg, den anderen erwischt es hoffentlich auch bald“. Ein Kollege soll das gehört und dem Vorgesetzten gemeldet haben. Anzeige wurde erstattet und am 27. Dezember 1943 wurde Frerich von der Gestapo verhaftet. Im Protokoll steht: „Er soll während der Arbeitszeit Äußerungen gegen Hitler und das 1000-jährige Reich gemacht haben.“ Er wurde im Zuchthaus Brandenburg-Görden eingesperrt. Die Anklage lautete auf Wehrkraftzersetzung. Am 28. Juli 1944 wurde Frerich vom Volksgerichtshof in Berlin zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Die letzten Wochen verbrachte er in Einzelhaft. Er war Tag und Nacht gefesselt – ausgenommen Mahlzeiten und Körperpflege. In einem letzten Brief vor Hinrichtung wünschte er sich: „Behaltet mir ein kleines Andenken in eurem Herzen“. Er wurde am 22. oder 28. August 1944 hingerichtet. Die Denunzianten wurden nie belangt.Rheinische Post: Ein Stolperstein für Franz Frerich, Artikel von Henry Kreilmann, 21. Februar 2017, abgerufen am 21. März 2020 120px HIER WOHNTEMETA HERZGEB. JACOBSJG. 1880DEPORTIERT 1942RIGAERMORDET 24.7.1944RIGA-KAISERWALD Hauptstraße 165 (1880–1944)Stolpersteine NRW: Meta Herz, abgerufen am 7. September 2024 120px HIER WOHNTEADELE JACOBSJG. 1888EINGEWIESEN APRIL 1939'HEILANSTALT' GRAFENBERGERMORDET MAI 1939 Hauptstraße 165 wurde am 4. Juni 1888 in Heiligenhaus geboren. Ihre Eltern waren Salomon Jacobs (1848–1935) und Luise, geborene Voß (1844–1925). Sie hatte fünf Geschwister: Gustav (geboren 1878), Metha (geboren 1880), Hedwig (1881–1882), Arthur (geboren 1883) und Helene (geboren 1884). Die Familie Jacobs war die erste jüdische Familie, die sich im 19. Jahrhundert in Heiligenhaus ansiedelte. Ihr Vater war Mitbegründer der Feuerwehr in Heiligenhaus und Inhaber eines Klempnergeschäftes. Adele Jacobs blieb unverheiratet. Ihre Mutter starb 1925, ihr Vater 1935, doch sie hatte lebenslanges Wohnrecht in der Wohnung der Eltern. Von Zeitzeugen wurde sie als „liebenswerte, lebensfrohe, freundliche Heiligenhauserin mosaischen Glaubens“ charakterisiert. 1938 zog die Hitlerjugend in das Erdgeschoss. Während der sogenannten Reichskristallnacht, der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA- und SS-Schergen in ihre Wohnung ein und wüteten. Die Fenster wurden vernagelt und die Wände zerkratzt. „Aufgeweckt durch den Lärm hört die ganze Nachbarschaft Adele aufschreien und kreischen“, so schilderte den Vorfall ihre Nichte Luise siebzig Jahre später anlässlich der Verlegung der Stolpersteine. Adele Jacobs soll im Nachthemd auf die Straße gelaufen sein und um Hilfe gerufen haben. Für das Haus gab es Kaufinteressenten, doch störte die Jüdin mit dem lebenslangen Wohnrecht, ist eine der Spekulationen, warum sie im April 1939 in die sogenannte Heilanstalt Grafenberg eingewiesen wurde. Wenige Wochen später, am 14. Juli 1939, wurde Adele Jacobs mit der Giftspritze ermordet. Somit wurde eine gesunde Frau, weil sie jüdischer Herkunft war, zum Opfer der Aktion T4, des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten für behinderte Menschen.The Central Database of Shoah Victims’ Names hat folgende Meldungen, alle erstellt von ihrer Nichte Luise Jacobs, Tochter von Arthur, alle abgerufen am 21. März 2020:* GUSTAV JACOBS,* MEHTA JACOBS,* ARTHUR JACOBS,* HELENE JACOBS und* ADELE JACOBS.Rheinische Post: Gedenken an Familie Jacobs, abgerufen am 21. März 2020Familie Jacobs, abgerufen am 21. März 2020