mini| Bucheinband des Romans Hao Qiu Zhuan aus dem 17. Jh.
Haoh Kjöh Tschwen (, nach Unger Haoh Kjöh Tschwen) ist der Titel eines chinesischen caizi jiaren-RomansGenre, das typischerweise eine Romanze zwischen einem jungen Gelehrten und einem schönen Mädchen zum Inhalt hat. s. Chloë F. Starr: Red-Light Novels of the Late Qing (Volume 14 of China Studies). Brill, 2007. aus der späten Ming- bzw. der frühen Qing-Zeit. Kuhn übersetzt den Titel mit Geschichte einer glücklichen Gattenwahl. Das Werk zählt zu den Schi tsai tse schu, d. h. den zehn Meisterbüchern der chinesischen schönen Literatur, der Lieblingslektüre der Chinesen,Franz Kuhn: Eisherz und Edeljaspis oder Die Geschichte einer glücklichen Gattenwahl. Insel Verlag 1975, Nachwort. S. 325. und gibt neben der Abenteuerhandlung und Liebesintrige einen Einblick in das Wertesystems. Vier Bücher (Konfuzianismus) und die in ihren Pro-domo-Strategien miteinander vernetzten Beamtenhierarchiens. Chinesische Beamtenprüfung während der Qing-Dynastie im chinesischen Reich des 17. Jhs.
Ins Deutsche übertragen wurde der Roman von Christoph Gottlieb von MurrChristoph Gottlieb von Murr: Haoh Kjöh Tschwen, d. i. die angenehme Geschichte des Haoh Kjöh. Johann Friedrich Junius, Leipzig, 1766. und von Franz Kuhn.Franz Kuhn: Eisherz und Edeljaspis oder Die Geschichte einer glücklichen Gattenwahl. Insel Verlag 1926.
Inhalt Der Roman ist in 18 Kapitel unterteilt, die jeweils mit Spruchweisheiten bzw. die Handlung zusammenfassenden oder vorausdeutenden Kommentaren, meist in Versen, eingerahmt und untergliedert sind. Wie in einem Stationenroman werden einzelne Episoden mit z. T. schwankhaften Passagen geschildert, in denen die Protagonisten in tapferen Kämpfen oder schlauen Gegenstrategien über ihre einflussreichen intriganten Gegner siegen.
Die beiden ersten Kapitel erzählen, wie der junge Akademiker Tiä Tschung Yü, in Kuhns Übersetzung Edeljaspis genannt, ein Mädchen aus der Gewalt eines Grafen befreit.
Erstes Kapitel Den Helden der Stadt, den Phönix der Provinz, jammert das bittere Geschick zweier Liebender
Tiä Tschung Yü (), ein 16-jähriger Akademiker, Doktor dritten Grades, ist äußerlich und innerlich von der Natur vorzüglich ausgestattet. Er erweitert seine Bildung zurückgezogen von der Gesellschaft im Hause seiner Eltern in Ta ming fu in Nord-Tschili, während sein Vater Tiä Ying, Doktor ersten Grades und bekannt für sein offenes Wort, als Zensor an den Hof des Kaisers in Peking berufen wird. Bei seiner Lektüre stößt der Sohn auf eine Episode, in der ein treuer Beamter seinen Herrscher warnte und für seinen Freimut den Tod erleiden musste. Edeljaspis denkt sofort an seinen oft eigensinnigen und direkten Vater und sieht ihn in einer ähnlichen Gefahr. Deshalb reist er in die Hauptstadt, um den Zensor zur Zurückhaltung und zu diplomatischem Geschick zu bewegen. Bei einer Übernachtung in einer Herberge bei Weh tsun erfährt er vom tragischen Geschick der Familie Weh, dessen akademisch ausgebildeter Sohn Peh mit der Tochter eines älteren Studiengenossen verlobt ist. Dieses Mädchen wird wegen seiner Schönheit von dem einflussreichen Grafen von Ta Kwai begehrt. Als dessen Werbung, sie zu seiner Nebenfrau zu machen, von ihrem Vater Han Yüan, Doktor dritten Grades, abgelehnt wird, verschleppt er das Mädchen und hält es auf einem Lustschloss außerhalb der Stadtmauer gefangen. Edeljaspis spricht mit Weh Peh und übernimmt die Aufgabe, dessen Bericht und sein Gesuch durch seinen Vater am kaiserlichen Hof vortragen zu lassen.
Zweites Kapitel Eine Hand greift in die Höhle des Tigers und holt glücklich die geraubte Perle heraus
Im Amtshof des Zensors in Peking angelangt, erzählt ihm seine Mutter von der Amtsenthebung und Verhaftung seines Vaters, der wegen seines Diensteifers in Schwierigkeiten geraten ist, als er dem Akademiker Han Yüan helfen wollte, den Entführer seiner Tochter, den Grafen Ta Kwai, beim Thron anzuklagen. Der Räuber erfuhr jedoch davon und verschleppte die Eltern ebenfalls, entzog dem Justizministerium somit die Zeugen und beschuldigte den Zensor der Verleumdung. Edeljaspis kann nun den Beweis liefern, und er bespricht mit seinem Vater die Strategie: Mit der Eingabeschrift Weh Pehs beantragt dieser die Verhaftung des Raubgrafen. Um diesen an der Flucht und Beseitigung der Zeugen zu hindern, besetzt Edeljaspis inzwischen das Schloss, befreit die Gefangenen und hält Ta Kwai bis zum Eintreffen des Zensors fest. Mit diesem Erfolg ist Tiä Ying rehabilitiert und wird befördert, Weh Peh heiratet seine Braut und Edeljaspis wird in der Stadt als Held gefeiert.
Die Handlung wechselt im dritten Kapitel nach Schantung in die Kreisstadt Li tschong (Bezirk Tsi nan fu) zu den Häusern des gebildeten, fleißigen und wohlhabenden Vizepräsidenten im Kriegsministerium Schui Kü J und seines leseunkundigen, verschwenderischen und verschuldeten Bruders Schui Yün.
Drittes Kapitel Fräulein Eisherz pflanzt keck eine Blume um
Kü hat eine einzige kluge und schöne Tochter: Ping Hsin (), in Kuhns Übersetzung Eisherz genannt, Yün dagegen drei Söhne und eine hässliche Tochter Siang Ku. Als Kü wegen militärischer Misserfolge eines Günstlings in die Grenzprovinz strafversetzt wird, will der Bruder die Familienresidenz allein besitzen und nutzt seine Position als Vormund aus, die Nichte zu verheiraten, und zwar mit dem hartnäckigen und einflussreichen Bewerber Kuo Ki Tsu. Er ist der windige Sohn des kaiserlichen Großsekretärs, der Chancen hat, Kanzler zu werden und dann seine Familie und Freunde zu protegieren. Er weiß den Kreisvorsitzenden, den Mandarin Pao, und den Präfekten auf seiner Seite. Eisherz möchte Kuo nicht heiraten, stimmt zwar zu, überredet aber den Onkel, die Geburtsdokumente mit den acht astronomischen Zeichen zu überbringen und die Werbegeschenke der Familie des Bräutigams als stellvertretender Vater in seinem Haus entgegenzunehmen und aufzubewahren. Sie hat jedoch die Zeichen ihrer Cousine Siang Ku, der Duftigen, auf die Karte geschrieben und damit diese zum Ziel der Werbung gemacht. Als sie dies dem Onkel am Hochzeitstag klarmacht, sitzt dieser in der Falle, muss auf die Täuschung eingehen und anstelle der Nichte seine Tochter in der verschlossenen „Freudensänfte“ zum Haus des Bräutigams tragen lassen. Siang Ku wird von Eisherz auf das Treffen vorbereitet und instruiert, wie sie sich verhalten soll, dass Kuo bis zur Hochzeitsnacht und dem Vollzug der Ehe nichts bemerkt und dass sie sich dann am Tag danach unwissend stellen und bei schlechter Behandlung mit Selbstmord drohen soll.
Viertes Kapitel Herr Kuo sinnbetört, hascht nach dem Mond
Als Kuo den Betrug nach dem Hochzeitsrausch bemerkt und bei dem Präfekten anzeigen will, sieht dieser keinen formalen Gesetzesverstoß der schlauen Ping Hsin und gibt ihm die Schuld wegen seiner geringen Lesekundigkeit und mangelnden Überprüfung der Dokumente. Aber die beiden setzen gemeinsam Schui Yün unter Druck, eine Lösung zu finden. Dieser entwickelt nacheinander zwei Pläne, mit List Eisherz als zweite Frau in die Ehe zu zwingen. Doch diese entdeckt jeweils die Gefahren und entkommt. Das erste Mal lädt ihre Cousine sie zum zwölften Tag nach der Hochzeitsfeier ein. Dort angelangt soll sie durch die mit ihren astronomischen Zeichen veränderte Karte als Beweis ihrer Einwilligung zur Ehe gezwungen werden. Doch vor Kuos Haus wird sie durch den aufwändigen musikalischen Empfang misstrauisch und kehrt um. Das zweite Mal plant man ihre Entführung am Todestag ihrer Mutter nach der Zeremonie am Grab auf dem südlichen Pachthof. Als sie von einem Pagodenturm aus verdächtige Gestalten vor dem Gelände bemerkt, reist sie schnell in der kleinen Sänfte einer ihrer Zofen zurück, während die Räuber ihre eigene große, die sie mit einem verkleideten Stein beschweren ließ, überfallen und zu Kuo bringen.
Im 5. Kp. werden die Handlungsstränge von Edeljaspis und Eisherz zusammengeführt und im 8. Kp. wieder getrennt.
Fünftes Kapitel Der Hüter des Rechts versetzt eine Gerichtshalle in Aufruhr und stürzt sich, indem er einer Unglücklichen hilft, selber ins Ungemach
Nach der erneuten Niederlage rät Kuos Freund Tschong Ki zu einer anderen List. Eine Delegation starker Männer überbringt Eisherz die falsche Nachricht von der Begnadigung ihres Vaters, erhält so Einlass ins Haus und zwingt sie, in eine Sänfte zu steigen, um angeblich vor dem Kreisvorsteher den Heiratsanspruch Kuos prüfen zu lassen. Doch der Tross strebt eilig Kuos Residenz an und stößt unterwegs mit dem zufällig entgegenkommenden Edeljaspis zusammen. Eisherz ruft um Hilfe und ihr Retter zwingt Tschon Ki mit den Sänftenträgern zur Untersuchung der Angelegenheit in den Amtshof umzukehren. Edeljaspis ist von dem Mädchen fasziniert und setzt den Mandarin, der seine Heldentaten und seinen Ruhm in der Hauptstadt kennt, mit dem Hinweis, dass das Begnadigungsdokument gefälscht ist, unter Druck, Eisherz nach Hause zu entlassen. Der Beamte beichtet ihm die Hintergründe der Machenschaften, erklärt ihm die Machtstrukturen, spielt den Reuigen, bewirtet ihn und bietet ihm ein Nachtquartier im nahen Buddhatempel an. Dies ist jedoch ein Hinterhalt. Die Verschwörer treffen sich beim Präfekten und Tschong Ki plant das weitere Vorgehen gegen Edeljaspis. Der Gast wird weiterhin durch Einladungen an der Abreise gehindert und vom Bonzen Tu Siu mit vergifteten Speisen in steigernder Dosierung bewirtet.
Sechstes Kapitel Des Geredes der Leute nicht achtend, bettet sie ihn aufs Krankenlager und vergilt Güte mit Güte
Eisherz wird misstrauisch über den langen Aufenthalt ihres Beschützers. Nachdem dieser nicht wie angekündigt abgereist ist, lässt sie seine Unterkunft beobachten und ihn, nachdem sein Gesundheitszustand sich dramatisch verschlechtert, heimlich mit einer Sänfte in ihr Haus transportieren und dort gesund pflegen. Ihr von Kuo abhängiger Onkel erfährt jedoch von dem neuen Gast und kritisiert seine Nichte wegen sittenwidrigen Verhaltens, als Mädchen ohne Vormund mit einem fremden Mann zusammenzuleben. Sie verteidigt in einem langen an der Lehre des Konfuzius orientierten Plädoyer ihre Hilfsbereitschaft mit dem Verweis auf die höhere Ethik, die über den gesellschaftlichen Normen steht, wenn es um ein Menschenleben geht: „Als […] fremde Bosheit Anschläge gegen mich ersann, als die Fälschung des Edikts, als meine Entführung ins Werk gesetzt wurde, wo blieb da das Gesetz, die Kritik der Nachbarschaft, der Schutz der Blutsverwandten? An wen durfte ich mich wenden, wenn es streng nach der Form ging? Und in diesem Augenblick höchster Gefahr, da ich mehr tot als lebendig war, mich bereits das Zähnefletschen meiner Feinde umdrohte, hätte ich nicht das allertiefste Dankgefühl gegen meinen Retter empfinden sollen?“in der Übersetzung Kuhns, insel taschenbuch 1975, S. 130.
Siebentes Kapitel Am fünften Abend entbietet sie ihm arglos den Willkommenstrank
Nach Kuos Anzeige beim Kreisvorsteher lässt dieser, wie bereits zuvor Kuo, die beiden überwachen und der Spion berichtet ihm, dass sie keinen körperlichen Kontakt haben, sich nur durch einen Vorhang unterhalten und nur formvollendete edle Gespräche führen. Auch in diesen Unterhaltungen zeigt sich Eisherz dem regelangepassten Edeljaspis gegenüber als souverän in der Setzung der Lebensschwerpunkte, indem sie ihn von seiner Bildungswanderschaft abrät: „Auf der Suche nach der Ferne überseht nicht das Nahe! Vertraut lieber Eurem Ich als den anderen! […] Wozu dieses Wandern ans Ende der Welt in frostiger Einsamkeit, um das Lob von Leuten zu gewinnen, deren Bekanntschaft Ihr nicht suchtet? Wenn Ihr aber reist, um Feindschaften zu entgehen, nun, wer mit sich selbst nicht im reinen ist, findet überall Feinde.“in der Übersetzung Kuhns, insel taschenbuch 1975, S. 144.
Achtes Kapitel Ein unbedachtes Wort treibt ihn zu jähem Aufbruch