mini|Karte-Oldenburg mini|Karte-Oldenburg-Ex Die Oldenburgische Ordnungspolizei wurde 1919 als paramilitärische Sicherheitspolizei (Sipo) des Freistaats Oldenburg gegründet. 1920 wurde sie aus außenpolitischen Gründen in Ordnungspolizei (Orpo) umbenannt. 1933 wurden große Teile der Orpo in die so genannte Landespolizei umgewandelt, die 1934/35 in die Reichswehr bzw. Wehrmacht überführt wurde.
Geschichte
Übersicht. Das Polizeiwesen im Freistaat Oldenburg 1919 mini|Großherzoglich Oldenburgischer Gendarm im Dienstanzug (Bildmitte). Rechts im Bild Großherzog Friedrich August. Aufnahme vom 21. Mai 1914 Rodenkirchen, Amt Brake, heute Landkreis Wesermarsch Die Polizeistruktur des Freistaats entsprach trotz der politischen Folgen der Novemberrevolution 1918 praktisch unverändert der des Großherzogtums. Als Staatspolizei fungierte weiterhin das ehemalige Großherzogliche Gendarmeriekorps. Mittel- und Kleinstädte wie Rüstringen (seit 1937 Wilhelmshaven), Oldenburg, Delmenhorst, Varel, Elsfleth, Nordenham, Cloppenburg oder Vechta verfügten über Kommunalpolizeien mit Schutzmannschaften oder einigen wenigen Schutzleuten bzw. Polizeidienern. In den Gemeinden wurde der Polizeidienst ausschließlich von der Gendarmerie versehen, in einigen Städten war sie ganz oder teilweise für den Kriminalpolizeidienst zuständig. Die Kommunalpolizei der Stadt Oldenburg bestand 1914 aus 33 Polizei-Wachtmeistern und Schutzleuten, die, von einem Polizei-Oberwachtmeister geführt, dem Stadtsyndikus unterstand. Der Nachtdienst wurde von 12 so genannten Nachtschutzleuten und fünf Nachtwächtern ausgeübt.Lankenau, Oldenburgisches Polizeihandbuch, S. 154
Der Landesteil Birkenfeld verfügte seit 1817 über eine eigene Gendarmerie. Im Landesteil Lübeck war seit 1905 in den Gemeinden ebenfalls die Oldenburgische Gendarmerie zuständig.
Gründung Am 3. Oktober 1919 beantragte die Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Theodor Tantzen, bestehend aus der DDP, der SPD und dem Zentrum, beim Oldenburgischen Landtag die Aufstellung einer landeseigenen Sicherheitspolizei. Der Landtag nahm den Antrag an, da sich das Reich bereit erklärt hatte, 80 % der anfallenden Kosten zu übernehmen. Offenbar wurden diese Kosten über das Reichsinnenministerium abgerechnet. Tantzen wurde daher auch als Gründer der Orpo bezeichnet.Denkschrift, S. 19 Als Gründungstag wurde der 14. Oktober festgelegt.
Die Sipo entstand aus der Abwicklungskommission des Oldenburgischen Infanterieregiments Nr. 91 (OIR 91). Ihr Leiter, Major Oskar Wantke (1872–1940) wurde Kommandeur der Orpo. Wie Wantke stammten auch andere zukünftige Offiziere aus dem OIR 91 wie Moritz von Drebber oder Bruno von der Hellen oder hatten im Ersten Weltkrieg als Reserveoffiziere gedient wie Heinrich Lankenau, Wantkes zukünftiger (bis 1928) Adjutant. 1920 wurde Wantke auch Kommandeur der Gendarmerie, nachdem Generalmajor Rudolf Kellner (1850–1929) 1920 aus Altersgründen verabschiedet worden war.
mini|Landesbibliothek (Oldb) Dienstsitz der Sipo/Orpo wurde die 1902 erbaute Kaserne IIa des ehemaligen OIR 91 auf dem Pferdemarkt. Sie blieb bis 1982 als Staatspolizeiamt bzw. Polizeiamt zentrale Dienststelle der Oldenburger Polizei. Nach einem aufwendigen Umbau beherbergt die ehemalige Kaserne seit 1987 die Landesbibliothek Oldenburg. In der nebenliegenden Kaserne IIb war von 1924 bis vermutlich 1937 die Revierhundertschaft (siehe unten) untergebracht, heute ein Studentenwohnheim.
Gesetzliche Grundlagen, Dienstzeiten Gesetzliche Grundlagen der Orpo waren das „Gesetz über die Ordnungspolizei“ vom 16. März 1923 sowie das „Gesetz für den Landesteil Oldenburg über die Ordnungspolizei“ vom 17. Juli 1923. Die Beamten besaßen im Gegensatz zu Reichswehrangehörigen das Koalitionsrecht. Sie waren im Verband der Beamten der Ordnungspolizei Oldenburg organisiert, der dem Oldenburger Beamtenbund angeschlossen war.Denkschrift, S. 22 Die Polizeianwärter wurden ein Jahr lang ausgebildet und bei Eignung als Polizeiwachtmeister übernommen. Nach insgesamt sieben Dienstjahren erfolgte die Einstellung als planmäßiger Polizeibeamter in der Regel als Polizeioberwachtmeister. Nach achtjähriger Dienstzeit bestand die Möglichkeit der Übernahme in die Gendarmerie oder Kommunalpolizei. Die Dienstzeit betrug 12 Jahre; besonders geeignete Beamte konnten nach 13 Dienstjahren je nach Haushaltslage unwiderruflich eingestellt werden. Für die ausscheidenden Beamten wurde 1926 eine Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlungsstelle eingerichtet. In der Polizeibeamtenschule (siehe unten) wurden die Beamten auch auf eine spätere zivile Tätigkeit vorbereitet.
Der Außendienst regelte sich auch 1928 noch nach der 1911 erlassenen „Dienstvorschrift für das Großherzoglich Oldenburgische Gendarmerie-Korps“. Für den Innendienst waren eigene Vorschriften erlassen worden, vermutlich nach preußischem Vorbild.
Struktur und Gliederung mini|Oldenburg Luftaufnahme PD 165 Die Orpo unterstand dem Ministerium des Innern als Landespolizeibehörde. Zuständig für die Orpo war ein Polizeireferent; von 1923 bis 1932 Ministerialrat Zimmermann. Das MdI war wie die übrige Regierung im Staatsministerium untergebracht, das durch eine Orpo-Wache gesichert wurde. 1929 war das Kommando der Ordnungspolizei wie folgt gegliedert:
Abteilung I: Kommando- und Registraturangelegenheiten, Sport Abteilung IIa: Personalangelegenheiten der Polizeiwachtmeister Abteilung IIb: Waffenwesen, Nachrichtenmitteldienst, Luftüberwachung Abteilung IIc: Kraftfahrwesen Abteilung III: Ärztliche Angelegenheiten Abteilung IV: Verwaltungs- und Rechnungswesen Abteilung V: Werkstätte für Waffen, Fahrräder und technische Anlagen Abteilung F: Fortbildung der Polizeiwachtmeister (Polizeibeamtenschule)
Die Orpo war in drei Hundertschaften gegliedert, die bis Dezember 1924 in der Stadt Oldenburg in der Kaserne IIa stationiert waren. Die 1. Hundertschaft wurde am 22. Januar 1920, die 2. Hundertschaft am 13. Februar aufgestellt, die 3. Hundertschaft im Laufe des weiteren Jahres. Der 3. Hundertschaft wurde eine Ausbildungsabteilung angegliedert, die bei der Verlegung der Hundertschaft nach Delmenhorst 1924 in Oldenburg verblieb. Aus ihr wurde um 1925 die Polizeibereitschaft gebildet, die auch den Revierdienst in Oldenburg versah. In Bad Schwartau wurde eine Revierabteilung gebildet.Denkschrift, S. 18
1924 wurden die drei Hundertschaften als sogenannte Revierhundertschaften disloziert:
1. Revierhundertschaft Stadt Oldenburg
2. Revierhundertschaft Rüstringen
3. Revierhundertschaft Delmenhorst
Hinzu kam ab 1923/24 die Revierabteilung Bad Schwartau im Landesteil Lübeck sowie ab 1931 die Revierabteilung Idar-Oberstein im Landesteil Birkenfeld.
Die Polizeibereitschaft aus Polizeianwärtern diente de facto als Polizeischule. Ihr Leiter war von 1926 bis 1932 Dr. Heinrich Horst (1880–ca. 1969), früherer Seminarlehrer des Evangelischen Lehrerseminars, der 1932 aus politischen Gründen aus dem Dienst entfernt wurde (siehe unten). Der Unterricht erfolgte sowohl durch Polizeibeamte als auch Zivillehrer. Polizeioffiziere wurden zu Lehrgängen an die Höhere Polizeischule Potsdam-Eiche entsandt. Für einige Monate, unklar, wann, war der preußische Pol.-Major Wilhelm Neese nach Oldenburg abgeordnet worden, der 1930 „Das Lehrbuch für die Polizeischulen“ verfasste. Die Orpo verfügte auch über eine eigene Bibliothek.
In der Gründungsphase der Sipo/Orpo wurde der polizeiliche Fachunterricht durch Gendarmerie-Kommissar Röhm und Polizei-Wachtmeister Geck vom Stadtmagistrat Oldenburg durchgeführt. Der allgemeinbildende Unterricht erfolgte durch den Lehrer Stolle, der bereits seit Jahrzehnten die angehenden Gendarmen des Gendarmeriekorps unterrichtete. Die Offiziere erhielten Unterricht durch dienstältere Offiziere sowie durch Richter des Landgerichts Oldenburg.
Der Sportunterricht (sogenannte Körperschulung) nahm einen wichtigen Teil der Ausbildung ein. Damit die Beamten auch gemeinsam an öffentlichen Wettkämpfen teilnehmen konnte, wurde bereits 1920 der Verein für Leibesübungen der Ordnungspolizei gegründet, der der Deutschen Turnerschaft angeschlossen war.
Im April 1929 betrug die Gesamtstärke der Orpo rund 400 Mann (22 Offiziere, 378 Wachtmeister). Davon waren untergebracht:
Stadtmagistrat Oldenburg: 98 Wachtmeister, 4 Offiziere Stadtmagistrat Rüstringen: 30 Wachtmeister, 1 Offizier Stadtmagistrat Delmenhorst: 55 Wachtmeister, 2 Offiziere Regierung Eutin (Landesteil Lübeck): 15 Wachtmeister, 1 Offizier Polizeibereitschaft Oldenburg: 85 Wachtmeister, 3 Offiziere.Denkschrift, S. 55f.
Dienstgrade, Uniformierung, Bewaffnung, Ausrüstung Die Orpo-Dienstgrade wurden mit dem Zusatz „Polizei-“ verwendet, z. B. „Polizei-Wachtmeister“, „Polizei-Leutnant“ usw. Die Form der Dienstgradabzeichen entsprach der der preußischen Schutzpolizei, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg auch von verschiedenen westdeutschen Länderpolizeien, dem Bundesgrenzschutz und der Deutschen Volkspolizei verwendet wurden:
Offiziere:
Oberst Oberstleutnant Major Hauptmann Oberleutnant Leutnant
Wachtmeister (Generell: Wachtmeister SB; SB = Sammelbegriff): Hauptwachtmeister Zugwachtmeister Oberwachtmeister Wachtmeister mit mehr als 4 Dienstjahren Wachtmeister mit weniger als 4 Dienstjahren Anwärter
mini|Preußische Polizisten in Berlin-Wedding bei einer Personenkontrolle Vorbild in der Uniformierung war, soweit bekannt, die Schutzpolizei des Freistaats Preußen. Diese trug ursprünglich die graugrüne Uniform der Jägerregimenter der Preußischen Armee. Aus dieser Uniformfarbe entwickelte sich in Deutschland der informelle Begriff der „grünen Polizei“ für eine kasernierte Polizei im Gegensatz zu den meist blau uniformierten Kommunalpolizeien. Da die graugrünen Jägeruniformen anfänglich nicht zu beschaffen waren, fand die Erstausstattung der oldenburgischen Sipo noch mit feldgrauen Uniformen statt mit nicht näher bekannten Sonderabzeichen.Denkschrift, S. 33 Ab Januar 1920 wurden graugrüne Uniformen ausgegeben. Aufgrund der Note von Boulogne 1920 wurde die Orpo jedoch ab 1924 mit blauen Uniformen ausgestattet.
mini|Wappen Freistaat Oldenburg Der blaumelierte Rock besaß einen Stehumlegekragen mit dunkelgrünem Besatztuch, eine verdeckte Knopfleiste und vier Außentaschen in unterschiedlichen Variationen für Offiziere und Wachtmeister. Wachtmeister trugen am Kragen grüne Kragenspiegel, Offiziere silberne Gardelitzen. Die Hosen (Stiefelhose und lange Hose) waren schwarz. Die Schulterklappen waren dunkelgrün und hellgrün unterlegt und mit den oldenburgischen Landesfarben blau-rot durchflochten. Die Kopfbedeckung bestand für die Polizeioffiziere aus einem schwarzen Tschako aus Wolltuch, für die Wachtmeister aus schwarzgefärbtem Leder. Die Tschakos trugen die so genannte Sonne bzw. den Gardestern mit dem oldenburgischen Landeswappen. Im kleinen Dienst und außerhalb des Dienstes wurden statt des Tschakos blaumelierte Schirmmützen getragen. Die Wachtmeister besaßen außerdem eine so genannte „weiche“ Hausmütze. Hinzu kamen ein blaumelierter Mantel sowie schwarze Lederstiefel für Offiziere und Schnürschuhe und Ledergamaschen sowie kleine schwarze Stiefel für die Wachtmeister. Die Wachtmeister waren verpflichtet, die Uniform auch außer Dienst zu tragen.
Durch ihre blaue Uniform und den Tschako war die Orpo deutlich von der Gendarmerie zu unterscheiden, die mehr oder weniger noch die graugrüne Uniform der Vorkriegszeit mit einem stählernen Helm in der Form der Pickelhaube trug.
Die Bewaffnung bestand aus einer Pistole 08, einem Seitengewehr und bei Bedarf aus einem Karabiner 98. Offiziere waren befugt, einen Degen zu tragen. Der Gummiknüppel (zeitgenössisch „Gummiknüttel“) galt nicht als Waffe, sondern Ausrüstungsgegenstand.Lankenau, Polizeihandbuch, S. 53 Maschinengewehre waren lediglich in dem einzigen Sonderwagen der Orpo eingebaut.