Volker Nölle (* 14. Oktober 1937 in Stettin; † 11. März 2024Zum Tode Volker Nölles. Nachruf auf der Website des Deutschen Seminars der Universität Basel.) war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Titularprofessor für Deutsche Philologie an der Universität Basel. Zuvor war er an verschiedenen Bühnen tätig.
Leben 1937 als Sohn des von den Nationalsozialisten verfolgten Direktors der Kraftwerk Stettin AG geboren, erlebte er zahlreiche Wohnungswechsel, die nach dem Krieg noch anhielten. Nach dem Abitur besuchte er von 1959 bis 1961 die Otto Falckenbergschule (Münchner Kammerspiele). Es folgten Stückverträge als Schauspieler: Münchner Kammerspiele, Iserlohner Schauspielstudio, Ateliertheater Bern, ein Engagement als Schauspieler am Schauspielhaus Bochum (Intendanz Hans Schalla) sowie Mitarbeit bei Fritz Kortner (Timon von Athen), bei Erwin Piscator (Don Carlos), persönlicher Regieberater von Ernst Seiltgen (Nathan der Weise, Spiel um Job) an den Bühnen der Stadt Köln (Intendanz Oskar Fritz Schuh); Regieberatung, Regieassistenz, Abendregie und Mitglied des Bühnenvorstandes am Schauspielhaus der Wuppertaler Bühnen (Intendanz Grischa Barfuss), vorzeitige Auflösung des Vertrages zwecks Erweiterung und Vertiefung seiner Dramen-Studien.
1964 begann er das Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie (als zeitweiliges Begleitstudium Slawistik), Promotion bei Wolfgang Binder im Jahr 1970; Habilitationsstipendium der Universität Zürich, danach setzte er die Studien fort, soweit es mit der Gymnasiallehrer-Tätigkeit zu vereinbaren war. 1986 folgte die Habilitation für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Während der Privatdozentur vertrat er auch Lehrstühle in Basel und in Zürich. Von 1994 bis zur Emeritierung im Jahr 2002 wirkte er als Titularprofessor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel.
Seine wissenschaftlichen Interessen galten Autoren wie Lessing, Hebel, Kleist und Sternheim. Zudem arbeitete er an verschiedenen literaturtheoretischen Konzepten, so etwa zur Struktur der dichterischen Phantasie oder zur Blicksteuerung in poetischen Texten.
Volker Nölle war geschieden und Vater von drei Kindern; von 1996 bis zu ihrem Tod im Oktober 2020 war die Schauspielerin Tanja von Oertzen (1950–2020) seine Lebensgefährtin.
Publikationen (Auswahl) Subjektivität und Wirklichkeit in Lessings dramatischem und theologischem Werk. Berlin 1977, 311 Seiten, ISBN 978-3-503-01243-5. Hebbels Dramatische Phantasie. Versuch einer kategorialen Analyse. Bern/Tübingen. 1990, 506 Seiten, ISBN 978-3-7720-1667-7. Heinrich von Kleist. Die Nieder- und Aufstiegsszenarien. Versuch einer Phantasmata- und Modellanalyse. Mit einem Exkurs zu Hofmannsthal, Sternheim, Kafka und Horvath. Berlin 1997, 320 Seiten, ISBN 978-3-503-03738-4. Eindringlinge. Sternheim in neuer Perspektive. Ein Grundmodell des Werks und der Phantasie. Berlin 2007, 532 Seiten, ISBN 978-3-503-09820-0. Der heimliche Blick. Motiv und Modell – eine Matrix innovativer Perspektiven. Würzburg 2017, 644 Seiten, ISBN 978-3-8260-6334-3. »Was wäre, wenn …?« Vor verschlossenen Türen. Literatur als Labor am Beispiel eines beklemmend aktuellen Motivs. Königshausen & Neumann, Würzburg 2022. 206 Seiten, ISBN 978-3-8260-7714-2.
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