mini|Ferdinand Marcos, Präsident der Philippinen von 1965 bis 1986 Das Kabinett Marcos III wurde auf den Philippinen von Ferdinand Marcos von der Nacionalista Party am 21. September 1972 gebildet, nachdem er den Ausnahmezustand verhängt hatte. Er regierte daraufhin mit dem dritten Kabinett Marcos aufgrund des Kriegsrechts (Martial Law) sowie der Auflösung des Kongresses weitgehend durch Präsidialdekrete. Das Kabinett Marcos III blieb de Facto bis zum 12. Juni 1978 im Amt. Daraufhin wurde mit der Konstituierenden Nationalversammlung (Interim Batasang Pambansa) wieder ein Parlament geschaffen, wenngleich Präsident Marcos bis zu seinem Machtverlust im Zuge der EDSA-Revolution am 25. Februar 1986 weiterhin diktatorisch regierte.

Amtszeit September 1972 bis Juni 1978 Verhängung des Kriegsrechts am 23. September 1972 mini|Zeitungsartikel in Sunday Express zur Verhängung des Kriegsrechts durch Ferdinand Marcos am 21. September 1972 Die Philippinen waren seit Juni 1970 von Aufständen von islamistischen Separatisten auf Mindanao geprägt. Diese wehrten sich dagegen, dass immer mehr Christen von den übervölkerten Inseln des Archipels auf das relativ dünn besiedelte Mindanao einwanderten. Terroristische Bombenanschläge auf öffentliche und private Einrichtungen und Wohnhäuser hielten an. Am 11. September 1972 traf zwei Explosionen die Zentrale der Manila Electric Company. Gegen Präsident Marcos, das Mitglied des Repräsentantenhauses Eduardo Cojuangco, Senator Jose Roy und Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile sollten angeblich Attentatsversuche von den Rebellen durchgeführt werden. Diese Ereignisse zur Destabilisierung würden schließlich zur Rechtfertigung der Verhängung des Kriegsrechts führen. Senator Benigno „Ninoy“ Aquino, Jr., der zum hervorragendsten Kritiker der Regierung Marcos in zahlreichen Bereichen wurde, erwähnte in einer seiner Hauptreden, dass Quellen der Streitkräfte der Philippinen AFP (Armed Forces of the Philippines) ihm Pläne für den Oplan Sagittarius mitgeteilt hätten, aufgrund dessen Manila und die Umgebung unter Kriegsrecht gestellt würden. Bald darauf wurden seine Enthüllungen düstere Realität. Nach einem weiteren Jahr blutiger Unruhen, Aufständen der Linken und Massenunruhen erschien Präsident Marcos am 23. September 1972 um 19:30 Uhr Ortszeit landesweit im Radio und Fernsehen, um formell zu erklären, dass er die gesamten Philippinen um 21 Uhr Ortszeit am darauf folgenden 24. September 1972 unter Kriegsrecht stellen wird.Maria Christine N. Halili: Philippine History. 2. Auflage. 2014, ISBN 978-971-23-5636-0, S. 217.

Die Verhängung des landesweiten Kriegsrechts erfolgte gemäß der Proklamation Nr. 1081, die er am 21. September 1972 unterzeichnet hatte. Dieses Recht wurde vom Präsidenten damit erklärt, um die Republik vor Rechtlosigkeit und zivilen Streit zu retten. Eine Bereiche glaubten, dass Marcos das Kriegsrecht vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit verhängte. Die Verfassung der Dritten Republik von 1935 wurde außer Kraft gesetzt. Der Kongress wurde aufgelöst und Präsident Marcos regierte durch die Ausfertigung von Präsidialdekreten, Anweisungen und anderen Reglungen, die er als günstig für die Gesellschaft erachtete. Aufgrund des Kriegsrechts war Marcos Chef der Exekutive, der über Notstandsmacht verfügte. Der Präsident suspendierte auch die Regelung des Habeas Corpus, der fordert, dass ein Beschuldigter innerhalb kurzer Zeit einem Richter vorzuführen ist, und beschränkte die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. In der Folgezeit kam es zur Verhaftung von 50.000 Regimegegnern, Verbot der oppositionellen Presse, nächtlichen Ausgangssperren, vorübergehenden Schließungen der Schulen, Preiskontrollen sowie Verstaatlichung der Massenverkehrsmittel. Politische Gegner und Kritiker wurden festgenommen und inhaftiert. Unter diesen waren die Senatoren Ninoy Aquino, Jose Diokno, Ramon Mitra, Jr., Teofisto Guingona, Jose Nolledo, der Radio- und Fernsehkommentator Jose Mari-Velez und der Journalist Maximo Soliven.

Massenmedien wurden geschlossen und unter militärische Kontrolle gestellt. Einigen wurde später die Wiederöffnung erlaubt, allerdings unter strikter Zensur. Selbst öffentliche Versorgungsunternehmen und Industriebetriebe wurden beschlagnahmt und unter Kontrolle der Regierung gesetzt. Dazu gehörten Manila Electric Company (MERALCO), Philippine Long Distance Telephone Company (PLDT) und Iligan Integrated Steel Mill. Studentische Demonstrationen, öffentliche politische Treffen und Arbeiterstreiks wurden ausnahmslos verboten. Alle Schulen wurden für eine Woche geschlossen. Eine Ausgangssperre wurde von Mitternacht bis 4 Uhr morgens verhängt. Ein Reiseverbot wurde gegenüber allen Filipinos verhängt, die – außer im offiziellen Auftrag – ins Ausland reisen wollten. Dieses Verbot wurde zusammen mit der Ausgangssperre erst am 22. August 1977 aufgehoben.

Eine Gruppe von annähernd 1.000 Personen griff am 21. Oktober 1972 Marawi in der Provinz Lanao del Sur auf Mindanao an. Die Angreifer nannten sich Revolutionäre Rat für die Unabhängigkeit Mindanaos MRCI (Mindanao Revolutionary Council for Independence) und wurden vom früheren Polizeipräsidenten der Stadt geleitet. Nach dem Vorfall initiierten andererseits Nur Misuari und dessen Bangsa Moro Army (BMA) bewaffnete Aufstände in Sulu, Cotabato und Zamboanga.Muslimische separatistische Bewegungen im Süden der Philippinen begannen in den 1970er Jahren. Nach der Unabhängigkeit der Philippinen hatten die Regierungen Nicht-Muslime ermutigt nach Mindanao zu ziehen. Die philippinischen Muslime sahen diese Politik als Ansatz zur De-Islamisierung der Regierung und zur Übernahme der Kontrolle über die Ressourcen dieser Inseln. Diese führte zu jahrelangen blutigen Begegnungen zwischen der Regierung und den Separatistengruppen.

Inmitten dieser Situation im Land begann Marcos mit der Umsetzung seines Landreform-Programms nach dem Präsidialdekret Nr. 27. Dieser Erlass bot allen Pächtern, deren Verpächter mehr als sieben Hektar an Reis- oder Getreidefeldern besaßen, die Möglichkeit, das Pachtland zu einem Preis zu erwerben, der dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen Jahresproduktion beträgt. Der berechtigte Pächter erhielt eine Bescheinigung über die Übertragung von Grundstücken CLT (Certificate of Land Transfer), die die Anbaufläche auswies und ihm das Recht einräumte, das Land zu kaufen.Vgl. Halili 2014, S. 218. Am 31. Dezember 1972 ordnete Marcos die Bildung von Barangays (Volksversammlungen) an, die in den Dörfern und Stadtbezirken zusammentreten und die Regierungspolitik durch Akklamation legitimieren sollen.Philippinen seit 1946. In: Der große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-32008-2, S. 1774. Präsident Marcos unternahm zudem einige Maßnahmen gegen den wachsenden Drogenhandel. Am 3. Januar 1973 ordnete er wegen Drogenhandels die sofortige Hinrichtung von Lim Seng durch ein Erschießungskommando an. Durch eine landesweite Fernsehübertragung erreichte die Hinrichtung eine große Aufmerksamkeit und diente als Warnung für Drogenhändler.

Verfassung von 1973 und Politik der Regierung Marcos mini|First Lady Imelda Marcos gewann als Gouverneurin der National Capital Region sowie seit 1978 als Ministerin zunehmend eigenen politischen Einfluss. Am 31. März 1973 trat eine neue Verfassung in Kraft, die von den Barangays gebilligt wurde und dem Staatsoberhaupt der nunmehrigen „Vierten Republik“ diktatorische Vollmachten verlieh. Diese Verfassung begründete eine „modifizierte parlamentarische Form der Regierung“ mit einem Premierminister als Chef der Regierung und dem Präsidenten als zeremoniellem Staatsoberhaupt. Beide wurde durch eine aus einer Kammer bestehenden Nationalversammlung gewählt. In dem vorherigen Plebiszit, das vom 10. bis zum 15. Januar 1973 stattfand, sollen die Volksversammlungen, die sich aus den über 15-jährigen Wählern zusammensetzte, dieser Verfassung mit 95 Prozent zugestimmt haben, und zwar in offenen Gruppenabstimmungen durch Handzeichen. Die Volksversammlung selbst konnte bei einer Anwesenheit von zwanzig Prozent Beschlussfähigkeit feststellen. Am Nachmittag des 15. Januar 1973 unterzeichnete Präsident Marcos die Verfassung, wodurch die dortigen Bestimmungen in Kraft traten. Marcos blieb dadurch bis 1981 als Präsident und Premierminister unter dem Kriegsrecht mit legislativer Gewalt ausgestattet und regierte durch Dekrete.Der Große Ploetz 2008, S. 1774. Die Übergangsbestimmungen der Verfassung legitimierten alle Dekrete, Erlasse und Verordnungen des Präsidenten und verlängerten seine Amtszeit über 1973 hinaus.

Marcos suchte die Bestätigung seiner Gesetze beim Volk durch Referenden. Ein Referendum wurde vom 27. bis zum 28. Juli 1973 abgehalten und stellte dem Volk die Frage zur Entscheidung, ob dieses Präsident Marcos über 1973 hinaus wolle. Nach offiziellen Angaben stimmten 90 Prozent der Wähler mit Ja. Präsident setzte die Erweiterung seiner Notstandsmacht aufgrund des Kriegsrechts fort, die von 92 Prozent der Wähler in einem dritten Referendum am 27. bis 28. Februar 1975 bestätigt wurden. 1975 wurde die Metro-Manila-Kommission durch das Präsidialdekret Nr. 824 gegründet. Diese Kommission hatte die Aufsicht über die Gemeindeentwicklung und Dienstleistungen in der National Capital Region (NCR), deren erste Gouverneurin First Lady Imelda Marcos wurde. Sie war dort zuständig für Bau von Gebäuden für das philippinische Volk. 1975 wurde das kuppelförmige Manila Planetarium eingeweiht. Es wurde in erster Linie für Studenten gebaut, um im Sitzen Vorlesungen über Himmelskörper zu hören. 1976 nahm das Philippine International Convention Center (PICC) den Betrieb auf. Das Gebäude wurde als die damals modernste Institution in Asien für internationale Konferenzen und Treffen angesehen.

Außenpolitisch unternahm Ferdinand Marcos Schritte zur Liberalisierung der Haltung gegenüber kommunistischen Staaten wie die Volksrepublik China (9. Juni 1975) und die Sowjetunion (2. Juni 1976). Er nahm diplomatische Beziehungen zur Sozialistischen Republik Rumänien sowie zur Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien auf und erteilte die Erlaubnis zur Einreise von Handelsunternehmen und Schiffen aus kommunistischen Ländern, wodurch eine seit 1945 bestehende Einfuhrbeschränkung aufgehoben wurde.

Proklamation der „Neuen Gesellschaft“ (Bagong Lipunan) mini|Senator Benigno „Ninoy“ Aquino, Jr. war Oppositionsführer. Präsident Marcos erklärte, dass das Kriegsrecht nur den Auftakt zur Gründung einer „Neuen Gesellschaft“ (Bagong Lipunan) bildete, die auf neuen und sozialen Wertem basierte. Seine vorgeschlagenen Reformen zum Bau der Neuen Gesellschaft basierten auf den Akronym von PLEDGES (Verpflichtungen) und bedeuteten: P= Peace and Order (Friede und Ordnung) L= Land Reform (Landreform) E= Economic Development (Wirtschaftliche Entwicklung) D= Development of Moral Values (Entwicklung moralischer Werte) G= Government Reforms (Regierungsreformen) E= Educational Reforms (Bildungsreformen) S= Social Services (Soziale Dienstleistungen).