mini|Mahnmal in Argenton-sur-Creuse Das Massaker von Argenton-sur-Creuse bezeichnet ein Kriegsverbrechen, das am 9. Juni 1944 von der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ an der Bevölkerung dieser Gemeinde im Département Indre begangen wurde. 67 Personen, darunter 56 Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, wurden getötet.
Historischer Kontext Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 löste eine Reihe von Sabotageakten und Störungen der deutschen Besatzungstruppen durch die Résistance aus. Die südlich von Limoges stationierte 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“, eine nationalsozialistische Militäreinheit, die nicht Teil der Wehrmacht war und direkt dem Befehl Hitlers unterstand, wurde von allen Seiten angegriffen. Sie erhielt den Marschbefehl zur Invasionsfront im Norden, doch es fehlte ihr an Vorräten. Ein Konvoi mit Granaten und 250.000 Litern Benzin wurde erwartet, war aber noch nicht angekommen. Am 10. Juni 1944, dem Tag des Massakers von Oradour, schrieb General Heinz Lammerding, der Kommandeur der Division, an General Krüger, einen der Adjutanten des Marschalls Gerd von Rundstedt: „[…] unser Treibstoffnachschub hängt von einem für den Moment unsichtbaren Konvoi ab. […] die völlige Auflösung des Eisenbahnnetzes durch die Terroristen verbietet wahrscheinlich eine Verladung [ein Eisenbahntransport hätte nicht so viel Benzin erfordert]. […] Die Blockade der deutschen Positionen ist ziemlich skandalös. Ohne eine brutale und entschlossene Unterdrückung wird die Lage in dieser Region eine Bedrohung darstellen, deren Ausmaß noch nicht bewertet wurde.“Rückübersetzung von „[...] notre ravitaillement en carburant dépend d’un convoi pour le moment invisible. [...] la dislocation complète du réseau ferroviaire, par les terroristes, interdirait probablement un embarquement plus rapproché. […] Le bloquage des positions allemandes est tout à fait scandaleux. Faute d’une répression brutale et déterminée, la situation dans cette région finira par constituer une menace dont les proportions n’ont pas encore été évaluées.“ (Deutsches Militärarchiv, Freiburg im Breisgau), zitiert in: Dominique Lormier, Combats oubliés: Résistants et soldats français dans les combats de la Libération 1944-45, 2014
Dies lag auf der Linie von Rundstedts, Oberbefehlshaber der Westfront, der in seinem Kriegstagebuch notierte, dass die energischsten Maßnahmen ergriffen werden müssten, um den Bewohnern der Zentralmassivs deutlich zu machen, was es bedeute, die Résistance zu unterstützen. KTB/Ob. West, XIII-fnl. 159 und WIV-f.
Auf französischer Seite waren im Sommer 1944 im Département Indre 15.000 Widerstandskämpfer aktiv, die von Roland Despains, Chef der 5. Brigade der Francs-tireurs et partisans (FTP), und von Oberst Raymond Chomel, Befehlshaber der Brigade Charles Martel in der Organisation de résistance de l’armée kommandiert wurden.
Die falsche Befreiung der Stadt Am 9. Juni 1944 griffen die Widerstandskämpfer in Argenton-sur-Creuse ein. Je nach Quelle zwischen 30 und 90 Männer besetzten am Morgen ohne Probleme die Gendarmerie, den Stützpunkt der Groupe mobile de réserve (GMR), die paramilitärische Einheit des Vichy-Regimes, und das Rathaus.
Am Ausgang des Bahnhofs und Beginn der Bahnstrecke Argenton-sur-Creuse–La Chaussée nach La Châtre, im Lieu-dit Le Petit NiceDie Bahnlinie nach La Châtre existiert nicht mehr, der Lieu-dit Le Petit-Nice, heute Quartier du Petit-Nice genannt, ist jetzt durch die Rue du Petit-Nice bezeichnet, die in langer Gerade entlang der ehemaligen Bahngleise verläuft., griffen sie die aus 28 Männern bestehende Eskorte des Benzinkonvois an, der von General Lammerding erwartet wurde. Die Aktion, die von Roland Despains selbst befehligt wurde, gelang innerhalb von zehn Minuten. Drei Widerstandskämpfer wurden getötet, einer verletzt, ebenso zwei deutsche Soldaten, die nach Châteauroux in die Clinique Cotillon gebracht wurden. Die übrigen Soldaten wurden gefangen genommen und nach Bouesse, später nach Maillet gebracht.
Eine unmittelbare Reaktion der Deutschen auf die Widerstandsaktion erfolgte nicht. Ein Citroën Traction Avant mit vier Soldaten, der vermutlich auf dem Weg zum Bahnhof war, erreichte den südlichen Ortseingang von Argenton und wurde von Widerstandskämpfern angegriffen. Die Männer konnten fliehen und erreichten das knapp 100 Kilometer entfernte Limoges. Drei deutsche Lastkraftwagen, die von Norden kamen, wurden am frühen Nachmittag am Ortseingang von Argenton abgefangen, einem gelang es, umzukehren.
Ein Anführer des Widerstands, Marcel Bach von der Armée secrète, der im Hauptquartier des GMR installiert war, befahl Raymond Chauvat, genannt Bébert, Vorarbeiter bei Bouchon Moderne, der in der Rue Gambette direkt neben der GMR wohnte und über einen Lieferwagen seiner Firma verfügte, nach Bélâbre zu fahren, um Waffen und Munition zu holen. Er stellte ihm drei junge Lehrer vom Collège in Argenton zur Seite, Mercier, Marsouin und Cubel. Letzterer, ein geflohener Elsässer und Deutschlehrer, sollte wenige Stunden später eine Schlüsselrolle spielen. Die Gruppe fuhr gegen 15 Uhr los und kehrte zwei Stunden später zurück, alles war reibungslos gelaufen. Sie erhielten eine weitere identische Mission, aber ohne Cubel, der einige Momente weggegangen war, was einer Reihe von Bewohnern von Argenton das Leben retten sollte. Der Lieferwagen verließ Argenton nach Saint-Benoît-du-Sault, etwa 20 Kilometer südöstlich.Cotillon, S. 44 Sie nahmen die RN 20, dann die Straße nach Saint-Benoît. Die drei Männer konnten nicht wissen, dass sich eine SS-Kolonne von La Souterraine auf der RN 20 auf Argenton zu bewegte.
Das Massaker Für die Division „Das Reich“ war der Eisenbahnkonvoi von strategischer Bedeutung. Sobald sie über die Ereignisse in Argenton informiert wurden, beschloss der Stab, den Konvoi zu sichern, bevor er zerstört werden konnte. Die Briten wollten ihn zerstören und hätten ihn bombardiert, wenn der Widerstand ihn nicht ausgeschaltet hätte. Gleichzeitig ging es darum, den Widerstand zu unterdrücken und die Bevölkerung in Angst zu versetzen. Eine Operation wurde unmittelbar südlich von Argenton durchgeführt, während die Zugänge von Westen, Norden und Osten gesperrt waren. Eine Kolonne wurde nach Argenton geschickt, bestehend aus der 15. Kompanie des SS-Panzergrenadier-Regiments 4 „Der Führer“, eine autonome Einheit, die auf „Reinigungsarbeiten“ nach Widerstandshandlungen spezialisiert war und vom SS-Hauptsturmführer Haelke befehligt wurde.
Die Menschen in Argenton ahnten nicht, was auf sie zukam, sie waren sogar froh, weil sie dachten, ihre Stadt sei definitiv befreit worden.
Die Kolonne war schwer bewaffnet. Sie bestand aus zwei gepanzerten Fahrzeugen, einer Kanone, und zehn Lastwagen, sowie 200 Männern, die wütend waren wegen der Angriffe, denen ihre Division von allen Seiten ausgesetzt war. Die auf der RN 20 postierten Widerstandskämpfer mussten sich zurückziehen. Bei ihrer Rückkehr fingen sie den Lieferwagen ab, der aus Saint-Benoît zurückkehrte. Bébert machte hastig kehrt und versteckte das Fahrzeug, die Waffen und sein Maschinengewehr im Dickicht. Dieses Abfangen war ein glücklicher Umstand, da die Entdeckung von Waffen durch die Deutschen die Gewalt nur verstärken konnte.
Die Kolonne kam im Süden von Argenton gegen 17 Uhr 45 an. Sie teilte sich in mehrere Gruppen auf. Einige schossen auf jeden, den sie sahen, andere nahmen Geiseln.
Sechs Soldaten des Premier Régiment de France (ebenfalls eine Einheit des Vichy-Regimes), die sich am selben Morgen dem Widerstand in Argenton angeschlossen hatten, wurden am Nachmittag ausgeschickt, um den Riegel am südlichen Zugang zur Stadt zu verstärken. In der Avenue Rollinat sahen sie die Fahrzeuge und Marschkolonne der Deutschen heranrücken und eröffneten das Feuer.Le Premier Régiment de France et la Résistance, S. 73–76 Sie verschanzten sich in einer Hütte, fünf schafften es, sich zurückzuziehen, während ihr Kamerad Henri Rognon mit seinem Gewehr weiter schoss, um sie zu decken. Die Hütte wurde von der Kanone zerstört, Henri Rognon getötet. Die Deutschen drangen von Westen und Süden in die Stadt und dort in die Häuser ein, das Massaker begann zwischen 19 Uhr 30 und 20 Uhr. In der Route de Fontfurat, heute die Rue du 9-Juin-1944 im Westen Argentons, wurden Hélène Aubry und ihre beiden heranwachsenden Töchter Nicole und Gisèle und acht weitere Personen erschossen. In der Rue Saint-Antoine im Süden wurden gegen 20 Uhr vier Männer getötet, darunter der 16-jährige Fernand Auclair. Diejenigen, die in Häusern angetroffen wurden, wurden mit einer Kugel ins Genick erschossen. Weitere Männer wurden in der Gendarmerie festgehalten, in die Rue de Maroux im Nordwesten Argentons gebracht und dort erschossen.
Am Bahnhof angekommen, wollten die Deutschen alle Eisenbahner erschießen. Der Stationsvorsteher Vautrin, der Deutsch sprach, redete ausführlich auf sie ein und schaffte es, seine zwölf Kameraden zu retten, die als Geiseln genommen wurden. Er musste die Soldaten nach Le Petit-Nice führen, wo sich der Benzinkonvoi befand.
An der Ecke Pont-Neuf und Rue Victor-Hugo betraten die Nazis die Buchhandlung von Jérémie Brunaud. Die Familie des Buchhändlers, darunter sein Sohn Pierre Brunaud, und die Mieter, darunter Cubel, der zu sich nach Hause zurückgekehrt war, hatten sich im Keller versteckt. Letzterer sprach die Nazis in perfektem Deutsch an, er erklärte, dass er Lehrer sei, zeigt seine Wörterbücher und die Arbeiten, die er korrigierte. Er wurde als Geisel genommen und fiel den Offizieren auf.
An diesem tragischen Abend waren zwei militärische Ereignisse bemerkenswert:
Die sechs Soldaten des Premier Régiment de France handelten instinktiv. Dieses Regiment, das im Juli 1943 von General Eugène Bridoux, Kriegs-Staatssekretär der Vichy-Regierung, eingerichtet worden war, bestand aus drei Bataillonen mit der Aufgabe, militärische Aktionen gegen den Widerstand durchzuführen, war aber weitgehend antideutsch geblieben. Das Premier Régiment de France wurde schließlich mit den Forces françaises de l’intérieur verschmolzen. Die Gendarmen wurden von den Besatzern a priori als antideutsche Soldaten angesehen. Die Nazis konnten nicht wissen, dass die Gendarmen den Aktionen des Widerstandes nicht widersprachen und die Gendarmerie freiwillig aufgegeben hatten. Sie töteten sie jedoch nicht, indem sie sie wie die Zivilisten massakrierten, sondern indem sie sie wie feindliche Soldaten außerhalb der Sichtweite der Bevölkerung erschossen.
Die Geiseln Aus den verschiedenen Teilen der Stadt wurden Geiseln in Kolonnen nach Le Petit-Nice gebracht, wo sich der jetzt geborgene und bewachte Tankzug befand. Sie wurden im Haus Duplaix versammelt, das die Deutschen besetzt hatten. Es waren 174 Geiseln und sie erwarteten, erschossen zu werden. Hier spielte Jean-Marie Cubel (eigentlich Lothaire Kübel, 1918–2010) "Lothaire Kubel", S. 93, Pierre Brunaud, Argenton de A à Z en 44 rubriques historiques, Le Menoux, P. Brunaud, 2013, ISBN 978-2-954-69550-1, OCLC 887474081La nouvelle République, 14. September 2010 seine entscheidende Rolle, die ihn zum Helden Argentons werden ließ. Die Deutschen wussten nicht, dass er Elsässer ist. Seine Deutschkenntnisse erklärten sich ihnen durch seinen Lehrerberuf, was für sie auch nachprüfbar war. Sie nahmen ihn als Dolmetscher und vertrauten ihm. Die Geiseln verbrachten die Nacht schlaflos im Garten.