Krebsgesellschaften sind Vereinigungen von medizinisch und nicht medizinisch tätigen Personen, die sich mit bösartigen Neubildungen des Menschen beschäftigen. Die einzelnen Krebsgesellschaften lassen sich geographisch einteilen (deutsche, europäische oder internationale Gesellschaften). Sie beschäftigen sich zum Teil mit speziellen Tumoren zum Beispiel Brustkrebs oder sie vertreten bestimmte Berufsgruppen zum Beispiel internistische Onkologen oder Radioonkologen. Die Krebsgesellschaften können folgende Aufgaben wahrnehmen:
wissenschaftliche Erforschung von bösartigen Tumoren Publikation von Forschungsergebnissen Veranstaltung von Kongressen über Tumoren Ausbildung von Ärzten auf dem Gebiet der Onkologie Qualitätssicherung der Tumorbehandlung Erarbeitung von Leitlinien der Tumorbehandlung Zertifizierung von Zentren, die Tumoren behandeln Vertretung von Berufsinteressen onkologischen tätiger Personen Beratung von Politikern zur Verbesserung der Tumortherapie Information von Patienten mit Krebserkrankungen Information der Öffentlichkeit über die Verhütung und Behandlung von Krebserkrankungen
Die folgende Übersicht zeigt nur einen kleinen Teil der weltweit tätigen Krebsgesellschaften.:
Geographische Einteilung DKG, Deutsche Krebsgesellschaft: Größte deutsche Krebsgesellschaft. Organisiert den deutschen Krebskongress. Mit der Deutschen Krebshilfe eng verbunden.
Deutsche Krebshilfe: Die Deutsche Krebshilfe wurde 1974 von Mildred Scheel, der Frau des Bundespräsidenten, die selbst an Krebs litt und auch daran verstarb, gegründet. Ursprünglich war die deutsche Krebshilfe eine gemeinnützige Spendenorganisation, die überwiegend direkte Hilfe für Krebspatienten leistete. Inzwischen besteht eine enge Verzahnung mit der deutschen Krebsgesellschaft. Die Deutsche Krebshilfe wurde der wichtigste private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsforschung in Deutschland.
Deutsche regionale Krebsgesellschaften In allen deutschen Bundesländern wurden regionale Krebsgesellschaften gegründet, die eigene regionale Kongresse veranstalten, Ärzte und Patienten über Tumoren informieren und Mittel für direkte Hilfen einwerben. Die Ländergesellschaften sind mit der deutschen Krebsgesellschaft verbunden und setzen deren Richtlinien um.
Bayerische Krebsgesellschaft
Berliner Krebsgesellschaft
Bremer Krebsgesellschaft
Hamburger Krebsgesellschaft
Hessische Krebsgesellschaft
Krebsverband Baden – Württemberg
Krebsgesellschaft Brandenburg
Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern
Krebsgesellschaft Nordrhein – Westfalen
Krebsgesellschaft Rheinland – Pfalz
Niedersächsische Krebsgesellschaft
Saarländische Krebsgesellschaft
Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft
Sächsische Krebsgesellschaft
Schleswig – Holsteinische Krebsgesellschaft
Thüringische Krebsgesellschaft
Europäische Krebsgesellschaften ECCO, European Cancer Organisation Die ECCO ist die Dachorganisation von 27 europäischen Krebsgesellschaften mit insgesamt 150.000 Mitgliedern. Die Gesellschaft vereinigt alle Berufsgruppen, die sich mit bösartigen Tumoren beschäftigen. Alljährlich werden auf dem „European Cancer Summit“ die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert.
EORTC, European Organisation for Research and Treatment of Cancer Die EORTC ist eine unabhängige, europäische, multidisziplinäre Forschungsorganisationen, die in den letzten 55 Jahren mehr als 1400 Krebsstudien in 35 Ländern organisiert hat.
EACR, European Association for Cancer Research Die EACR wurde 1968 von europäischen Wissenschaftlern gegründet, die auf dem Gebiet der Krebsforschung tätig sind. Ziel der Gesellschaft ist die Kommunikation und Kooperation von Wissenschaftlern über die Landesgrenzen hinaus. Zurzeit hat die Gesellschaft über 10.000 Mitglieder aus über 100 Ländern. Voraussetzung für die Aufnahme ist die aktive Tätigkeit in der Krebsforschung.
Außereuropäische Krebsgesellschaften ACS, American Cancer Society: Herausgeber der Zeitschrift Cancer
ASCO, American Society of Clinical Oncology: Die ASCO ist mit 45.000 Mitgliedern die größte onkologische Organisation der Welt. Der jährliche Kongress wird seit Jahren in Chicago abgehalten und hatte zuletzt über 40.000 Besucher. Herausgeber der Zeitschrift JCO (Journal of Clinical Onkology).
AACR American Association for Cancer Research: Die AACR ist nach eigenen Angaben die erste und größte Krebsforschungsorganisation der Welt mit über 42.000 Angestellten in 120 Ländern.
Internationale Krebsgesellschaften (weltweit) UICC, International Union against Cancer: Die UICC ist unter anderem Herausgeber der internationalen Regeln zur Stadieneinteilung von Krebserkrankungen.
IARC, International Agency for Research on Cancer: Die IARC gehört zur WHO und fördert global die Krebsforschung. Sie publiziert den World Cancer Report und zahlreiche Monographien, insbesondere zur histologischen Klassifikation von Tumoren.
Einteilung nach Fachgebieten Internistische Onkologie und Hämatologie, Medizinische Onkologie Die internistische Onkologie beschäftigt sich mit der medikamentösen Therapie von Tumorerkrankungen und hat ihren Schwerpunkt bei den hämatologischen Malignomen (Leukämien, Systemerkrankungen) und malignen Lymphomen. Auch Knochenmarkstransplantationen und Stammzellübertragungen werden von internistischen Onkologen durchgeführt.
ESMO, European Society for Medical Oncology: Die ESMO ist mit über 23.000 Mitgliedern aus 150 Ländern die größte europäische Gesellschaft für medizinische Onkologie. Sie veranstaltet Kongresse, Symposien zu speziellen Themen und Weiterbildungskurse (Educational Courses). Sie gibt unter anderem die Zeitschrift Annals of Oncology heraus.
ASH, American Society of Hematology: Die mit 17.000 Mitgliedern aus 100 Ländern größte wissenschaftliche Gesellschaft für Erkrankungen des blutbildenden Systems beschäftigt sich mit Leukämien, Lymphomen und bösartigen, hämatologischen Systemerkrankungen. Auch gutartige Erkrankungen von Blut, Knochenmark, Immunsystem und Gerinnungssystem gehören zum Fachgebiet der Hämatologie.
Radioonkologie Neben der eigentlichen Strahlentherapie von Tumoren gibt es Arbeitsgruppen für medizinische Physik, Strahlenbiologie, Therapie mit radioaktiven Nukliden und Hyperthermie.
DEGRO, Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.: Die DEGRO ist 1995 aus der Deutschen Röntgengesellschaft hervorgegangen und hat etwa 2000 Mitglieder (Stand 2019). Sie wurde von radioonkologischen tätigen Ärzten, Medizinphysikern und Strahlenbiologen gegründet. Die DEGRO hält jährlich einen wissenschaftlichen Kongress ab. Das offizielle Journal der Gesellschaft heißt Strahlentherapie und Onkologie und erscheint im Springer-Verlag. Innerhalb der DEGRO gibt es Arbeitsgruppen für weitere Berufsgruppen. Die VMTRO bietet Weiterbildungen für medizinisch technische Radiologieassistentinnen und -assistenten (MTRAs) an. In der BVPRO sind Pflegende in der Radioonkologie organisiert. Für medizinische Fachangestellte in der Radioonkologie organisiert die MFAaBRO spezielle Weiterbildungen. Für Officeberufe in der Radioonkologie ist die OVIRO zuständig.
ESTRO, European Society of Radiation Oncology: In der ESTRO sind über 7600 Strahlentherapeuten, Medizinphysiker und Strahlenbiologen überwiegend aus Europa vereinigt. Es werden regelmäßig Kongresse in verschiedenen europäischen Ländern abgehalten und die wissenschaftlichen Ergebnisse der strahlentherapeutischen Forschung in der Zeitschrift Radiotherapy and Oncology publiziert.
ASTRO, American Society of Therapeutic Radiation Oncology: Die ASTRO ist mit mehr als 10.000 Mitgliedern die größte strahlentherapeutische Gesellschaft der Welt. Mitglieder sind Ärzte, Pflegepersonal, Biologen, Physiker, MTRAs aus Krankenhäusern, Praxen und Forschungseinrichtungen. Es werden jährlich in den USA Kongresse abgehalten. Die ASTRO ist Herausgeber der Zeitschrift IJROBP (International, Journal of Radiation Oncology, Biology and Physics).
DGMP, Deutsche Gesellschaft für medizinische Physik: In Deutschland ist die Mitwirkung von Medizinphysikexperten bei der Durchführung der Strahlentherapie am Menschen gesetzlich vorgeschrieben. Die DGMP ist die Vereinigung deutscher Medizinphysiker und Medizinphysikexperten. Sie organisiert Kongresse und gibt die Zeitschrift für Medizinphysik heraus.
Chirurgische Onkologie ESSO, European Society for Surgical Oncology Die ESSO wurde 1981 gegründet und hat inzwischen 20.000 Mitglieder. Sie organisiert Kongresse über chirurgische Onkologie und veranstaltet Weiterbildungskurse. Die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse werden im EJSO (The Journal of Cancer Surgery) publiziert.
SSO, Society of Surgical Oncology: Ursprünglich US-amerikanische, inzwischen aber internationale Vereinigung von onkologischen Chirurgen. Die Gesellschaft gibt die Annals of Surgical Oncology heraus.
Gynäkologische Onkologie ESGO, European Society for Gynecologic Oncology: Die ESGO ist die führende europäische Organisationen, die sich mit ihren über 2500 Mitgliedern der Behandlung, der Betreuung und der Erforschung gynäkologischer Tumoren beschäftigt.
SGO, Society of Gynecologic Cancer Die SGO vereinigt 2000 Mediziner verschiedener Fachrichtungen, die sich überwiegend mit gynäkologischen Tumoren beschäftigen. Die Mitglieder kommen überwiegend aus den USA. Jährlich wird ein Kongress abgehalten. Die Zeitschrift „Gynecologic Onkology“ ist das offizielle Organ der SGO.
GOG, Gynecologic Oncology Group: US-amerikanische Gruppe, die bedeutende Studien über Gebärmuttertumoren, Eierstocktumoren und Tumoren des äußeren weiblichen Genitales durchgeführt hat.
FIGO, International Federation of Gynecology and Obstetrics: Die FIGO ist zwar nicht auf Tumoren spezialisiert, dass Committee for Gynecologic Oncology der FIGO hat jedoch eine große Bedeutung bei der Stadieneinteilung gynäkologische Tumoren, der Organisationen von Muttermundkrebs -Screeningsprogrammen und der HPV-Impfung.
AGO, Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie: Die AGO ist eine selbständige Gemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Die AGO gibt unabhängig von der DKG eigene Richtlinien zur Behandlung von Brustkrebs und gynäkologischen Unterbauchtumoren heraus. Sie führt Studien durch, betreibt Tumorregister und gibt Patientenratgeber heraus.
Uro – Onkologie AUO, Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie: Die AUO ist eine Arbeitsgemeinschaft der DKG. Mitglieder sind onkologisch tätige Urologen aber auch Radiologen, Hämatoonkologen und Strahlentherapeuten, die uro-onkologisch tätig sind. Die AUO führt im deutschsprachigen Raum bedeutende Studien zu urologischen Tumoren durch, veranstaltet Kongresse und erarbeitet Therapierichtlinien urologischer Tumoren.
ESOU/EAU, Section of Oncological Urology: Die ESAU ist eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb der europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU). Sie veranstaltet Kongresse und gibt europäische Richtlinien zur Behandlung urologischer Tumoren heraus.
Dermatologische Onkologie Die dermatologische Onkologie beschäftigt sich mit der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung von Tumoren der Haut, insbesondere mit dem schwarzen Hautkrebs (Melanom), dem weißen Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) und dem Basaliom.
Euro – Skin, European Society of Skin Cancer Prevention
The Skin Cancer Foundation: Diese Gruppe aus Ärzten und Patienten setzt sich für die Aufklärung der Bevölkerung über Hautkrebs, die Früherkennung und Behandlung ein.
Melanoma UK: Britische Patienten-Selbsthilfegruppe.
Neuroonkologie Die Neurobiologie beschäftigt sich mit Tumoren des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und der Hirnhäute.
EANO, European Association for Neurooncology
NOA, Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft: Die NOA ist eine bedeutende Vereinigung von deutschen Neuroonkologen. Die Arbeitsgemeinschaft ist Teil der deutschen Krebsgesellschaft, sie gibt Richtlinien zur Behandlung von ZNS-Tumoren heraus und organisiert wichtige Studien über Tumoren des Nervensystems.