Das Historiengemälde mit Selbstporträt des Malers oder Leidener Historiengemälde (vor dem Zweiten Weltkrieg Utrechter Historiengemälde) ist ein Ölgemälde des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn. Es ist als Querformat auf Eichenholz ausgeführt und wurde als ein sehr frühes Werk des jungen Rembrandt im Jahr 1626 gemalt. Mit seinem hinter dem erhobenen Zepter des Fürsten abgebildeten Selbstporträt ist das Gemälde auch eines der frühesten unter Rembrandts mehr als 75 Selbstporträts.

Das Gemälde wurde erst 1924 von einem Londoner Kunsthändler als ein Werk aus der Schule von Peter Paul Rubens angekauft und als Rembrandt erkannt. Bis heute ist es nicht gelungen, die dargestellte Szene überzeugend zu deuten und dem Werk einen entsprechenden Titel zu geben. Zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema erbrachten kein Ergebnis, das von der kunsthistorischen Forschung allgemein anerkannt wird.

Das Gemälde gehört zur Kunstsammlung der Stadt Den Haag und wird als Dauerleihgabe im Museum De Lakenhal in Leiden ausgestellt.

Beschreibung Bildbeschreibung In Ermangelung eines originalen Bildtitels können die dargestellten Personen nicht mit Namen bezeichnet werden. Der Ort der Darstellung liegt vor einem links im Bild gezeigten Palast oder ähnlichen Gebäude, im Hintergrund rechts befinden sich die Türme einer Stadt und eine freistehende Säule. Auf der Säule ist ein nur schwer zu identifizierendes Tier dargestellt, das einem Schaf ähnelt. Das Tier wurde in der Vergangenheit auch, abhängig von der Deutung des Gemäldes, in Anlehnung an die Kapitolinische Wölfin als ein Wolf oder als die Ordensdekoration des Orden vom Goldenen Vlies aufgefasst.

Eine Hauptperson ist ein links von der Bildmitte auf den Stufen des Palasts stehender Fürst, der ein aufwändiges dunkel blaugraues Gewand mit Pelzbesatz an den Rändern und einen dunkel purpurnen Umhang trägt. Als Insignien seiner Macht trägt er eine goldene mit Edelsteinen besetzte und mit einer weißen Feder geschmückte Bügelkrone, an der linken Körperseite ein Schwert, von dem nur der goldene und reich verzierte Knauf sichtbar ist, und ein ebenfalls goldenes Zepter, das er erhoben in der rechten Hand hält. Hinter dem Fürsten, am linken Bildrand und stärker als dieser angeleuchtet, steht ein Mann in einem brokatbesetzten hellbraunen Gewand mit einer im Nacken verknoteten weißen Schärpe, einer olivgrünen Leibbinde und einem weiß gefiederten dunkelgraugrünen Barett mit gezacktem Rand. Dieser Mann trägt an seiner linken Körperseite eine schmale Schwertscheide und in seiner Rechten einen Holzstab, möglicherweise ein Offiziersstöckchen. Im Mittelgrund und im Zentrum des Bildes befinden sich zwei weitere Figuren, die dem Fürsten zuzuordnen sind. Unmittelbar rechts neben dem Fürsten sitzt ihm zugewandt ein mutmaßlicher Schreiber mittleren Alters an einem Holztisch mit grünlicher gemusterter Tischdecke, auf dem ein hölzernes Pult mit einem aufgeschlagenen Buch liegt. Der Schreiber scheint gerade dabei zu sein, die Worte des Fürsten zu protokollieren. Rechts von dem Tisch steht ein barhäuptiger Mann in einem gelben Wams mit grau und grün gestreiften Ärmeln über einem weißen Hemd, der seinen rechten Arm auf einen dünnen, etwa einen Meter langen Stab mit einer Quaste am oberen Ende stützt. Die Gruppe der wahrscheinlich zum Fürsten gehörenden Personen wird durch einen am rechten Bildrand im Hintergrund und im Schatten stehenden Soldaten mit dunkelgraugrünem Wams, heller Schärpe und Leibbinde und gefiedertem Barett vervollständigt, der frontal dem Betrachter zugewandt steht und ebenfalls einen Stab mit Quaste mitführt. Der Fürst als Hauptfigur dieser Gruppe richtet seinen Blick auf drei vor ihm kniende oder stehende Personen.

Diese drei Personen, von denen zwei als Soldaten erkennbar sind, nehmen als zweite Gruppe von Hauptfiguren den rechten Vordergrund ein. Ganz vorne kniet, dem Fürsten zugewandt, ein barhäuptiger junger Mann, der in einen kurzen scharlachroten Soldatenumhang – möglicherweise in römischem Stil – mit einer goldfarbenen Schärpe gekleidet ist. An den Füßen trägt er kurze rote Stiefel, in der linken Hand sein mit der Spitze nach oben weisendes Schwert und einen großen Rundschild. Der eisenbeschlagene Schild ist am Rand mit zahlreichen Nieten aus Bronze und in der Mitte mit der Darstellung eines großen Gesichts in einem Stern mit acht gewellten Strahlen als Schildbuckel versehen. Die rechte Hand des Mannes liegt wie zur Beteuerung auf der linken Brustseite, sein Blick ist auf den Fürsten gerichtet. Hinter dem knienden Soldaten steht aufrecht ein weiterer barhäuptiger Soldat in einem eisernen Harnisch über einem lilafarbenen Wams, dunkel lilafarbener Strumpfhose und Halbschuhen. In seiner linken Hand hält er eine Lanze und ein dunkles Barett mit hellen Federn und gezacktem Rand. Er schaut mit erhobener Schwurhand den Fürsten an. Zwischen diesen beiden Soldaten kniet eine überwiegend von ihnen verdeckte dritte Person in einem graugrünen Gewand, die ebenfalls auf den Fürsten blickt, aber beide Hände in einer abwehrenden Geste erhoben hat.

Neben den genannten Hauptfiguren sind auf dem Gemälde zahlreiche Nebenfiguren dargestellt. Zu ihnen gehört ein zwischen dem Fürsten und dem hinter ihm stehenden Mann gemaltes blondes Kind mit hellgrünem Wams und weißem Kragen, das fast ganz verdeckt ist. Darüber im Hintergrund sind zwei Personen gemalt, ein weißhaariger Greis mit Vollbart und ein junger Soldat mit gefiedertem Barett und Pike. Von mindestens zwei weiteren Soldaten sind nur ihre Piken zu sehen. Im Hintergrund der Bildmitte, rechts vom Fürsten und über dem Schreiber, befinden sich fünf Figuren. Links, unter einem Torbogen, zunächst die nur wenig hervorragende Stirn einer Figur, daneben ein junger Soldat mit graugrünem Wams, weißem Kragen und Pike. Diese Figur ist ein Selbstporträt Rembrandts. Weiter rechts steht ein sehr beleibter alter Mann mit grauem Vollbart, der ein gelbliches Wams und einen violetten Umhang mit breitem Pelzrand trägt. Es folgen ein aufmerksam die Szene betrachtender Pikenier und weit im Hintergrund ein Mann mit Hellebarde, der sich abgewandt und den Kopf gesenkt hat. Hinter dem Soldaten am rechten Bildrand stehen mindestens vier weitere Soldaten, die ebenfalls dem Betrachter zugewandt sind. Schließlich sind, anscheinend wegen der besseren Sicht auf die Szene, sechs Figuren auf dem Sockel der Säule im rechten Hintergrund abgebildet, eine siebte Figur mit bloßem Oberkörper klettert gerade dazu.

Links ganz im Vordergrund ist eine Reihe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen abgelegt, darunter eine Trommel, ein Harnisch und eine Halsberge, ein eiserner Schild, der in der Mitte statt eines Gesichts einen vorstehenden Dorn in einem achtstrahligen gewellten Stern trägt, eine Hellebarde, mehrere Piken und ein Offiziersstöckchen. Es ist nicht ersichtlich, ob die Gegenstände zu den drei Personen vor dem Fürsten gehören.

Das Licht fällt von oben links ein und hebt den Fürsten und den links von ihm stehenden Soldaten, die drei vor dem Fürsten stehenden oder knienden Figuren und den Stapel von Waffen und Ausrüstung im linken Vordergrund hervor, während die weniger bedeutenden Figuren im Mittel- und Hintergrund weniger Licht abbekommen oder im Schatten zurücktreten.

Am rechten unteren Bildrand, ist das Gemälde in dunkelbrauner Farbe mit R f. 1626 oder RH. 1626 (für Rembrandt fecit 1626, deutsch: „Rembrandt hat es 1625 gemacht“, oder Rembrandt Harmensz. 1626) monogrammiert und datiert. Das Monogramm RH entspricht dabei den übrigen Signaturen Rembrandts aus dem Jahr 1626. Die vorhandenen Reste dieser Signatur gelten als authentisch.

Technische Untersuchung Das Gemälde hat das Format 90,1 × 121,3 cm und ist mit Ölfarbe auf eine sechs bis zwölf Millimeter starke Tafel aus Eichenholz mit waagerechter Maserung gemalt. Dieses Format entspricht weitgehend jenem der Steinigung des heiligen Stephanus, die ebenfalls ein verstecktes Selbstporträt Rembrandts und das Porträt seines Freundes und Kollegen Jan Lievens enthält. Die Unterlage besteht aus drei Brettern, die von oben nach unten Breiten von 31,6 cm, 28,9 cm und 29,7 cm haben. Die Verbindung der beiden oberen Bretter ist durch rückseitig aufgeklebte rhombische Holzstücke verstärkt worden, alle vier Kanten der Tafel sind rückseitig abgeschrägt. Bei der dendrochronologischen Untersuchung der Tafel konnte nur für das obere und untere Brett eine Datierung durchgeführt werden, sie stammen von demselben Baum, der im Norden der Niederlande frühestens 1611 gefällt wurde.

Die hellbraune Grundierung scheint an manchen Stellen durch, insbesondere an einem etwa einen Zentimeter breiten Streifen rund um das Gemälde, der nur teilweise bemalt wurde. Sie besteht aus zwei Schichten, die untere ist in Leim gebundener Kalk. Die obere Schicht besteht aus in Öl gebundenem Bleiweiß mit einem kleinen Anteil braunen Pigments, wahrscheinlich Ocker oder Umbra. Die Farbschicht befindet sich in einem sehr guten Zustand, nur wenige Stellen mit sehr dünnem Farbauftrag haben etwas gelitten. An einigen Stellen mit dicker Farbschicht befindet sich unregelmäßiges feines Krakelee.

Rembrandts Selbstporträt mini|Detail des Historiengemäldes, Selbstporträt Rembrandts Rembrandt malte, zeichnete oder radierte bis 1631 mehr als 20 seiner über 75 bekannten Selbstporträts. In der Steinigung des heiligen Stephanus brachte er erstmals ein kleines Selbstporträt unter den Zuschauern unter, das angesichts der grausamen Anblicks der Steinigung vor Entsetzen verzerrt ist. Diese versteckten Selbstporträts waren zunächst nur Nebenfiguren, oft zur experimentellen Darstellung unterschiedlicher Gemütszustände, um die Darstellung tiefer Emotionen für seine Historienbilder zu erlernen.

Auch in seinem Historiengemälde ist bereits kurz nach seiner Entdeckung Rembrandts Selbstporträt als der junge Beobachter identifiziert worden, der unter einem Torbogen steht und dessen Gesicht sich hinter dem erhobenen Zepter des Fürsten befindet. Links davon, zwischen dem Fürsten und seinem Offizier, befindet sich ganz im Hintergrund eine weitere Figur, mit einem gefiederten Barett, die die gleichen Gesichtszüge aufweist. In der Literatur wird für die Feststellung, es handele sich bei der Figur hinter dem Zepter um ein Selbstporträt Rembrandts, die Ähnlichkeit mit sicher identifizierten Selbstporträts angeführt. Beispiele dafür sind eine Radierung und zwei Gemälde aus dem Jahr 1629. Nach der Steinigung aus dem Vorjahr liegt hier das älteste überlieferte Selbstporträt Rembrandts mit einer naturalistischen Darstellung vor.

Deutungsversuche mini|David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul, Rembrandt van Rijn, 1627, Öl auf Holz, 38,2 × 31,0 cm, Öffentliche Kunstsammlung Basel Der kunsthistorischen Forschung ist es während fast eines Jahrhunderts nicht gelungen, die dargestellte Szene schlüssig zu deuten und dem Gemälde einen allgemein akzeptierten Titel zu geben. Versuche dazu hat es in großer Zahl gegeben, sie haben eine ebenfalls große Zahl von Deutungen erbracht:

Altes Testament Saul bewaffnet David. Die Zuschreibung dieses Titels erfolgte 1924 durch Cornelis Hofstede de Groot im Rahmen der ersten Veröffentlichung zum Historiengemälde. Sie beruht im Wesentlichen auf die Ähnlichkeit des Bildaufbaus mit dem erst wenige Jahre zuvor entdeckten David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul aus dem Jahr 1627. Saul richtet über Jonatan (1958).

Antike Das Urteil über den Sohn von Titus Manlius Torquatus. 1925 deutete Wilhelm Reinhold Valentiner das Gemälde in diesem Sinne. Wolfgang Stechow erläuterte die Waffen im linken Vordergrund als Beute des ungehorsamen Titus und nannte auch Bearbeitung des Motivs durch Rembrandts Schüler Ferdinand Bol im Jahr 1660, die den Augenblick nach der Enthauptung des Titus zeigt.