mini|295px|Kriegerdenkmal Lipprichhausen
Lipprichhausen (fränkisch: LibrihaosaE. Fuchshuber: Uffenheim, S. 132. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „librįháǫsə“.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Hemmersheim im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Bayern. Die Gemarkung Lipprichhausen hat eine Fläche von 3,575 km². Sie ist in 371 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9636,78 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Obere Mühle und Untere Mühle.
Geografische Lage Das Pfarrdorf Lipprichhausen liegt auf freier Flur im Tal der Gollach auf einer Höhe von . Östlich steigt das Gelände zum Steigerwald hin auf, westlich fällt es zum Taubertal ab. Zentrum des Ortes sind die evangelisch-lutherische Pfarrkirche sowie der mittig gelegene Dorfsee. Direkt daneben befindet sich das örtliche Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen, Vermissten und Teilnehmer des Krieges von 1870/71 sowie der beiden Weltkriege erinnert.
Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Gülchsheim zur Kreisstraße NEA 47 (3 km nordwestlich) bzw. die Kreisstraße NEA 41 kreuzend nach Pfahlenheim (1,2 km südlich). Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt zur Kreisstraße NEA 50 bei Rodheim (2 km nordöstlich).
Die Bayerische Uraufnahme zeigt Lipprichhausen in den 1810er Jahren mit 30 Herdstellen rund um einen Weiher, der Kirche mit ihrem ummauerten Friedhof und einer Mühle.
Geschichte Der Ort wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Teilurbar des Klosters Michelfeld als „Livtpurgehusen“ erstmals schriftlich erwähnt. Das Grundwort des Ortsnamens ist -hausen, das Bestimmungswort der weibliche Personenname Liutburg. Beides spricht für eine Gründung zu Zeiten der Fränkischen Landnahme, die im 8. Jahrhundert abgeschlossen wurde.E. Fuchshuber: Uffenheim, S. 132f. Die ursprüngliche Kirche, eine Wallfahrtskirche der heiligen Jungfrau Maria, war eine der ältesten Kirchen im fränkischen Raum. Sie war die Mutterpfarrei von Gollachostheim, Hemmersheim, Pfahlenheim und Waldmannshofen.R. Hoeppner (Hrsg.): Landkreis Uffenheim, S. 77f. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert war das Hochstift Würzburg Lehensherr, dem die Blutgerichtsbarkeit zustand. Daran änderte sich bis zum Ende des Alten Reiches nichts. Zuletzt wurde diese vom würzburgischen Amt Aub ausgeübt.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken., Bd. 3, Sp. 378f.
1263 übertrug Gysela von Hemmersheim ihre Güter in „Lupurgehusen“ und Pfahlenheim dem Würzburger Bischof Iring von Reinstein-Homburg. Im Jahr 1327 erfolgte die Abtrennung von Waldmannshofen. 1354 befanden sich Dorf und Markung Lipprichhausen im Besitz von Götz von Speckfeld. Im Jahr 1363 vertauschten dann Götz von Ryn und dessen Ehefrau Margareth ihren Gutshof zu Poppenhausen mit dem Gutshof des Ordens zu Lipprichhausen des Komturs des Deutschen Hauses zu Würzburg. 1368 verkaufte Götz von Ryn den großen See zu „Lippurghusen“ und einen Teil der umliegenden Wiesen wiederum an seinen Bruder Arnold, welcher 1374 sein Gut Lipprichhausen der Kommende des Deutschen Ordenshauses zu Würzburg übergab. 1378 verkaufte er außerdem den See samt der Wiesen an Herold Reyn, einen Bürger aus Rothenburg. 1380 erfolgten weitere Verkäufe seiner Güter in Lipprichhausen an diesen. Im Jahr 1387 verkaufte Ritter Heinrich von Seinsheim sein Wasserhäuslein (wahrscheinlich eine kleine Burg, die von Wasser umflossen war) und den See zu Lipprichhausen sowie alle seine Güter ebenfalls an Herold Ryn.
1413 verkaufte Götz von Reyn, Bürger zu Rothenburg, die Gülten und Zinsen zu Lipprichhausen, welche insgesamt sieben Güter, eine Wiese und zwei Seen zu Lipprichhausen mit allen Nutzungen und Rechten umfasste, an Ritter Hans Truchseß von Baldersheim. Im Jahr 1431 vergünstigte der Würzburger Bischof Johann II. von Brunn mit Bewilligung des Abtes Eberhard Lesch von Sankt Burkhard als Lehensform und des Pfarrers Walter Vejel als Verwalter der Pfarrkirche zu Lipprichhausen die Abtrennung der Gemeinde Gollachostheim sowie die Dotierung einer eigenen Pfarrkirche mit Benefizium in Lipprichhausen. 1480 stellte Philipp der Ältere, Herr zu Weinsberg, Erasmus Truchseß von Baldersheim ein Revers über die Wiedereinlösung Lipprichhausens samt seiner Güter aus, die dieser ihm unter Vorbehalt des Wiederkaufrechtes verkauft hatte.ohne Autor: Tabellarische Übersicht über die wichtigsten Ereignisse aus den Ursprüngen der Gemeinde Lipprichhausen. (hier online abrufbar)
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss gelangte Lipprichhausen 1803 an das Herzogtum Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Lipprichhausen gebildet. Zu diesem gehörten Hemmersheim, Obere Mühle, Pfahlenheim, Reutersmühle und Untere Mühle. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Lipprichhausen mit der Oberen und Unteren Mühle. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Uffenheim zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Uffenheim (1919 in Finanzamt Uffenheim umbenannt). Ab 1862 war das Bezirksamt Uffenheim für die Verwaltung der Gemeinde zuständig (1939 in Landkreis Uffenheim umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Uffenheim (1879 in Amtsgericht Uffenheim umbenannt), seit 1973 ist das Amtsgericht Neustadt an der Aisch zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 3,558 km². Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde Lipprichhausen am 1. Januar 1972 in die Gemeinde Hemmersheim in Mittelfranken eingemeindet.
Baudenkmäler In Lipprichhausen gibt es fünf Baudenkmäler: Kirchstraße 32: Pfarrkirche St. Maria Schulstraße 9: Wohnstallhaus Schulstraße 22: Ehemaliges Wohnstallhaus Zwei Steinkreuze
ehemaliges Baudenkmal Haus Nr. 18: Ehemaliges Hirtenhaus aus dem 17./18. Jahrhundert. Eingeschossiges Wohnstallhaus in Fachwerk mit Satteldach und außen liegenden, hölzernen Schiebeläden vor den Stubenfenstern. Angesetzter Schweinestall aus Sandsteinquadern, das einhüftige Dachgeschoss als Holzlege ausgebildet.H. K. Ramisch: Landkreis Uffenheim, S. 142. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Lipprichhausen Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 168 189 186 191 204 213 204 184 185 166 175 179 178 171 179 178 172 171 153 259 227 201 162 143HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 31 34 37 38 36 35 34 32 33 Quelle Für die Gemeinde Lipprichhausen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Obermühl (S. 67) und Untermühl (S. 95).
Ort Lipprichhausen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 159 172 191 180 155 161 157 203 145 131 113Häuser 29 32 34 31 32 30 30 32Quelle
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Maria.E. Fuchshuber: Uffenheim, S. 132.
Bildungswesen In Lipprichhausen hat die Grundschule der Gemeinden Hemmersheim und Gollhofen ihren Sitz. Sie trägt den Namen Grundschule Lipprichhausen-Gollhofen.
Literatur Stefanie Berg-Hobohm: Turmhügel, Wasserburg, Burgstall und ... Hühnerstall. Entdeckungen in Lipprichhausen in Mittelfranken. In: Denkmalpflege-Informationen . München 2003. Heft 125, S. 16–18.
Fritz Mägerlein: Familienbuch der Pfarrei Lipprichhausen mit Familien der Kirchengemeinden Hemmersheim, Lipprichhausen und Pfahlenheim, Dekanat Uffenheim, 1649–1950. unveröffentlichtes Typoskript 1951. Fritz Mägerlein: Rund um Uffenheim (Uffenheimer Land). Uffenheim 1977.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Hemmersheim Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert