Die Petersilie (Petroselinum crispum , Synonym: Petroselinum sativum ), in Österreich und Altbayern auch der Petersil, weitere Trivialnamen sind Peterle bzw. Peterli, Peterling, Petergrün und Silk (früher auch Felsensilge und SteineppichVgl. den alten botanischen Namen Apium petroselinum L.), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Petroselinum innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).
Sie kommt wildwachsend im Mittelmeerraum vor, und die je nach Sorte glatten oder krausen Blätter ihrer Zuchtformen gehören dort sowie in ganz Europa zu den am meisten verbreiteten Küchenkräutern. Die besonders große Speicherwurzel der Unterart oder Varietät Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum subsp. tuberosum) dient manchmal als Bestandteil von Suppengrün.
Beschreibung mini|Unterirdische Pflanzenteile der Wurzelpetersilie mini|Glatte Petersilie mini|Krause Petersilie alt=Totenkopfschwebfliege auf Petersilienblüten|mini|Totenkopfschwebfliege auf Petersilienblüten
Vegetative Merkmale Die Petersilie ist eine zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 90, selten bis zu 100 Zentimetern. Sie besitzt eine mehr oder weniger rübenförmige Wurzel. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind kahl. Je Pflanzenexemplar werden meist mehrere kahle Stängel gebildet, die aufrecht, stielrund bis leicht gerillt, sowie häufig röhrig sind.
Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind gestielt, die oberen Stängelblätter sitzen mit breiten, weißen, hautrandigen Scheiden am Stängel. Die Laubblätter sind dunkelgrün. Die untersten sind doppelt bis dreifach gefiedert. Die Blattzipfel sind im Umriss keilig bis breit-eiförmig, fiederschnittig oder gelappt. Sie tragen eine knorpelige Spitze und sind 1 bis 2 Zentimeter lang. Bei Kulturformen sind die Laubblätter glatt oder kraus. Die krausen Formen werden als Sorten wiederum in drei Gruppen eingeteilt: In grob bis mittelfein gekrauste (curled = type perlé = geperlt),Graines Baumaux: Printempes 2006. 2006, S. 265–266. Typ Paramount,Vilmorin-Andrieux u. a.: Les Plantes Potagères. Paris 1925, S. 504. fein bis sehr fein gekraust (extra krause = double/triple curled),C. Chaux, C. Foury: Productions Légumières. Band 2. 1994, ISBN 2-85206-969-5, S. 148. Typ Mooskrause sowie Farnblättrige Petersilie (fern leafed). Die Stärke der Blattkräuselung wird hierbei mit einer Skala von 1–9 als gering bis sehr stark bewertet.
Blütenstand und Blüte Es ist eine relativ langer Blütenstandsschaft vorhanden. Der doppeldoldige Blütenstand besitzt 8 bis 20 etwa gleich lange Doldenstrahlen. Die ein bis drei Hüllblätter sind lanzettlich bis pfriemlich. Die je sechs bis acht Hüllchenblätter sind linealisch bis pfriemlich und rund halb so lang wie die Blütenstiele. Die Kronblätter sind grünlichgelb, häufig rötlich überlaufen und rund 0,6 Millimeter lang.
Frucht mini|Petersiliensamen (giftig: siehe Giftpflanze des Jahres 2023) Die Doppelachänen sind bei einer Höhe von 2,5 bis 3 Millimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 2 Millimetern breit-eiförmig und am Grund fast herzförmig. Zwischen den Hauptrippen sind sie dunkelbraun, die Hauptrippen selbst sind hellgelb, sehr dünn und stehen deutlich vor.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.
Ökologie Die Überdauerungsknospen liegen an der Erdoberfläche und in der Regel sind diese Pflanzen von Schnee, Laub oder Erde als Witterungsschutz bedeckt („Hemikryptophyt“). Die zwittrigen Blüten sind proterandrisch und werden durch Insekten (Dipteren, Hymenopteren) bestäubt.
Vorkommen Nach Euro+Med kommt Petroselinum crispum innerhalb des Mittelmeerraums ursprünglich nur in Marokko, Algerien, Tunesien, Albanien und Jordanien vor. In Spanien, Portugal, auf den Balearen, in Italien, Slowenien, Kroatien, Dänemark und Schweden ist sie ein Neophyt.
In gemäßigten Gebieten fast weltweit baut man sie in Gärten an; sehr selten verwildert sie. Sie gedeiht am besten auf frischen und nährstoffreichen Lehmböden.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Inhaltsstoffe Laubblätter und Wurzeln besitzen die gleichen Inhaltsstoffe: Die Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind Myristicin, Limonen und 1,3,8-p-Menthatrien. In kleineren Mengen kommen auch weitere Mono- und Sesquiterpene vor.Gernot Katzers Gewürzseite
In 100 Gramm Petersilie sind 6,33 g Kohlenhydrate enthalten (davon 0,85 g Zucker und 3,3 g Ballaststoffe) sowie 0,79 g Fett und 2,79 g Eiweiß. Der Nährwert beträgt 151 kJ (36 kcal).
Auffällig ist der hohe Vitamingehalt in Petersilie je 100 Gramm. Schon eine Portion Petersilie von 4 Gramm enthält rund 5 % des Tagesbedarfs an Vitamin C (160 mg/100 Gramm) und fast den Gesamtbedarf an Vitamin K. Daneben kommen auch Vitamin A und B9 in nennenswerten Mengen vor.
Bei den Früchten herrschen entweder Myristicin mit 60 bis 80 % vor oder – bei der glatten Petersilie – Apiol. Es gibt auch eine chemische Rasse mit Tetramethoxyallylbenzol als Hauptbestandteil des ätherischen Öls.
Der Gehalt an ätherischem Öl, insbesondere Apiol, ist in den meisten Pflanzenteilen in ihrem zweiten Wachstumsjahr, sobald Petersilie blüht, auf ein Mehrfaches erhöht, was für die Schwangerschaft kritisch werden kann.
Die Petersilie war namengebend für die in den Samen bzw. Früchten von Doldenblütlern vorkommende Fettsäure „Petroselinsäure“, ein Isomer der Ölsäure.
Neben dem ätherischen Öl beinhaltet die Petersilie in sehr kleinen Mengen Polyine sowie in der Wurzel die Furanocumarine Bergapten und Isoimperatorin.
Pharmakologie und Giftigkeit Wegen ihrer giftigen Samen wurde die Petersilie zur Giftpflanze des Jahres 2023 gewählt.
Als Heildroge werden die getrockneten und reifen Früchte verwendet: Petroselini fructus und die frische ganze Pflanze, Petroselinum (HAB). Das ätherische Öl der PetersilienfrüchteRudolf Fritz Weiss: Lehrbuch der Phytotherapie. 5. Aufl. Stuttgart 1982, S. 271. bewirkt eine kräftige Harnausscheidung vor allem durch die Reizwirkung der Phenylpropane auf das Nierenparenchym. In höherer Dosierung erzeugt das Apiol allerdings eine gesteigerte Kontraktilität der glatten Muskulatur von Darm, Blase und vor allem der Gebärmutter. Insbesondere die Wurzeln und Samen der Petersilie enthalten große Mengen an Apiol.
Die Wirkung von Petersiliensud auf die Gebärmutter wurde bereits im Mittelalter in der Gynäkologie und Geburtshilfe genutzt. Zur Anwendung kam er bei Menstruationsbeschwerden, ausgebliebener Regelblutung und zur Abtreibung. Schwangere sollten speziell Petersilien-Öl meiden, da es abortiv wirken kann. Im Mittelalter wurde Petersilie häufig zur Abtreibung verwendet.Ingo Wirth, Andreas Schmeling: Rechtsmedizin. C.F. Müller GmbH, 2012, ISBN 978-3-7832-0021-8, S. 268 ().Louis Lewin: Die Fruchtabtreibung durch Gifte und andere Mittel. A. Hirschwald, 1904, S. 181 (). Auch aus der Neuzeit sind Fälle bekannt. Aus dem Jahr 1989 ist der Fall einer 36-jährigen Frau aus Corleone dokumentiert, die bei einem Abtreibungsversuch mit einem Sud aus Petersilie starb.Annette Kuhn, Bea Lundt: Lustgarten und Dämonenpein.. Edition Ebersbach, 1997, ISBN 978-3-931782-13-9 (). Verkochte Petersilie gilt im Süden Italiens als altes Hausmittel für Abtreibungen.Britta-Juliane Kruse: "Die Arznei ist Goldes wert". Walter de Gruyter, 1999, ISBN 978-3-11-014703-2, S. 153 (). Nach einem Bericht des Tagesspiegels Nr. 13 434 vom 1. Dezember 1989.
Taxonomie und Systematik Die Petersilie wurde 1768 durch Philip Miller in Gardeners Dictionary 8. Auflage, Nr. 2 als Apium crispum erstbeschrieben. Diese Art wurde 1866 von Johann Mihály Fuss in Flora Transsilvaniae Excursoria S. 254 als Petroselinum crispum in die Gattung Petroselinum gestellt. Synonyme von Petroselinum crispum sind: Petroselinum sativum und Petroselinum hortense
Je nach Autor gibt es mehrere Sippen, meist als Varietäten oder Unterarten geführt: Blatt-Petersilie oder Glatte Petersilie: Petroselinum crispum var. vulgare . Wegen der Ähnlichkeit junger Pflanzen der Glatten Petersilie mit der giftigen Hundspetersilie (Anethum graveolens) wird in Gärten überwiegend die Krause Petersilie angebaut. Krause Petersilie: Petroselinum crispum var. crispum Wurzelpetersilie, auch Knollenpetersilie genannt: Petroselinum crispum subsp. tuberosum (Syn.: Petroselinum hortense subsp. tuberosum ) Petroselinum crispum subsp. giganteum : Dieser Endemit kommt nur in Marokko vor.
Botanische Geschichte und Etymologie Die Petersilie wurde im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen, jedoch nicht eindeutig vom Sellerie unterschieden. Sie wird in der Odyssee als Schmuck der Insel der Nymphe Kalypso angesehen. Kränze aus Petersilie wurden den Siegern der Isthmischen und Nemeischen Spiele übergeben. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich auf einem Schriftstück in mykenisch-griechischer Linearschrift B als se-ri (li)-no, im Altgriechischen heißt es . In der Antike wurde noch das petro- (von „Stein“) zum Namen Petroselinon (, so viel wie „Steinsellerie, Steinlattich, Steineppich, Felsensilge“) vorangestellt.Palaeolexicon, Word study tool of ancient languagesFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 539.