Die Schweizer Armee (, , ) ist die Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie hat die Aufgabe, das Land zu verteidigen, zivile Behörden zu unterstützen und zur Friedensförderung beizutragen.
Die Armee umfasst 2025 rund 146'000 Personen und erzeugt Ausgaben von 6,3 Mrd. Franken (0,7 % des BIP). Sie besteht seit 1817 und stand im Sonderbundskrieg von 1847 zum bisher einzigen Mal im Kriegseinsatz. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg bewachte sie nach einer allgemeinen Mobilmachung die Landesgrenzen. Sie ist nach dem Milizsystem organisiert, fast alle Dienstposten sind durch Wehrpflichtige besetzt. Chef der Armee ist seit dem 1. Januar 2026 Korpskommandant Benedikt Roos.
Bezeichnung Bis zum Ende des Jahres 2003 (Armee 61 und Armee 95) wurde von der Schweizerischen Armee gesprochen. Seither ist Schweizer Armee die offizielle Bezeichnung. In den anderen drei Landessprachen hat sich die Bezeichnung nicht verändert. Auf Französisch heisst sie , auf Italienisch und auf Rätoromanisch . Auf Englisch tritt die Armee als auf.
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Auftrag mini|hochkant|Schweizer Soldaten auf Militärfahrrädern, Basel Tattoo 2011 Folgende Aufgaben sind der Schweizer Armee durch die Bundesverfassung und das Militärgesetz übertragen:Artikel 58 der Bundesverfassung der Schweizerischen EidgenossenschaftZitiert nach dem Dienstreglement 04 Die Armee hat den Auftrag: a. zur Verhinderung von Kriegen und Erhaltung des Friedens beizutragen; b. die Schweiz zu verteidigen und ihre Bevölkerung zu schützen; c. zur Friedensförderung im internationalen Rahmen Beiträge zu leisten; d. bei schwerwiegenden Bedrohungen der inneren Sicherheit sowie insbesondere bei der Bewältigung von Katastrophen im In- und Ausland die zivilen Behörden zu unterstützen, wenn deren Mittel nicht mehr ausreichen.
Verteidigung ist der Kernauftrag der Armee. Die Armee soll das Territorium der Schweiz sichern und verteidigen. Dazu setzt die Schweiz auf die abschreckende Wirkung der ständigen Kampfbereitschaft der Armee. In diesem Zusammenhang wird der Begriff des «hohen Eintrittspreises» verwendet, den ein potentieller Angreifer zahlen müsse, wenn er die Schweiz angreife, das Territorium zu besetzen oder den Durchmarsch zu erzwingen versuche.
Unterstützung der zivilen Behörden bildet den Hauptanteil der aktuellen Einsätze der Armee. Bei Naturkatastrophen kann die Armee Katastrophenhilfebataillone aufbieten. Dies umfasst insbesondere den Dauerauftrag der Botschafts- und Konsulatsbewachungen, sowie Einsätze zugunsten von Grossveranstaltungen wie dem G8-Gipfel, dem Weltwirtschaftsforum in Davos, der Expo.02 oder diversen Sportveranstaltungen.
Friedensförderung ist ein personell sehr kleiner Bereich. Die Schweiz stellt der UNO unbewaffnete Militärbeobachter (im Offiziersrang) zur Verfügung. Daneben gibt es zurzeit zwei bewaffnete Einheiten im Ausland: die seit 1999 der KFOR unterstellte Swisscoy mit bis zu 220 Armeeangehörigen und seit Herbst 2004 rund 25 Armeeangehörigen im Rahmen der EUFOR-Mission in Bosnien und Herzegowina.
Seit 1953 sind Soldaten der Schweizer Armee Teil der Neutralen Überwachungskommission in Korea (NNSC). Die Kommission zeigt durch ihre Präsenz an der inner-koreanischen Demarkationslinie, dass das Waffenstillstandsabkommen immer noch gültig und zu respektieren ist.
Die Gewichtung dieser Aufträge unterliegt Änderungen, die sich aus der sicherheitspolitischen Lage ergeben. Im Juni 2007 entschied sich beispielsweise der Nationalrat für eine Verdoppelung der Mannschaftsstärken für die Friedensförderung. Die Verantwortung für Planung, Bereitstellung und Führung der friedensfördernden Auslandseinsätze liegt beim Kompetenzzentrum Swissint.
Struktur Die Schweizer Armee teilt sich in die Kommandos Operationen und Ausbildung, den Armeestab, die Logistikbasis der Armee und seit dem 1. Januar 2024 das Kommando Cyber auf.
Eine Besonderheit der schweizerischen Streitkräfte ist das Milizsystem. Es gibt insgesamt nur etwa fünf Prozent Berufs- und Zeitsoldaten. Alle übrigen Angehörigen der Armee (AdA) sind Wehrpflichtige im Alter zwischen 18 und 34 Jahren, in Stabs- und Spezialfunktionen bis 50 Jahren, die jeweils nur für die Dauer des Ausbildungsdienstes ihrer Einteilungsformation einrücken.
Wegen des Milizsystems, dem im Zweiten Weltkrieg errichteten Réduit und der weltweit einzigartigen Form der Volksbewaffnung, bei der Angehörige der Armee ihre Uniform und ihre persönliche Waffe zu Hause aufbewahren, entstand die Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee».
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde durch die Armeereformen der Mannschaftsbestand sukzessive reduziert, jedoch hielt man am Milizprinzip und der allgemeinen Wehrpflicht fest, im Gegensatz zu den meisten umliegenden europäischen Staaten, die reine Berufsarmeen geschaffen haben. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung befürwortet die allgemeine Wehrpflicht, wie dies zuletzt durch die Volksabstimmung vom 22. September 2013 deutlich wurde.
Armee XXI mini|hochkant=3|Struktur der Schweizer Armee nach Abschluss der Armeereform «Weiterentwicklung der Armee» 2018
Unter dem Namen Armee XXI («Armee 21») lief eine grosse Armeereform, mit der die Schweizer Streitkräfte laufend an sich verändernde sicherheitspolitische Gegebenheiten angepasst wurde. Das dazugehörige neue Militärgesetz nahmen am 18. Mai 2003 Volk und Ständen nach einer Volksabstimmung an.
Die Mannschaftsstärke wurde von 400'000 (Armee 95) auf rund 200'000 Armeeangehörige reduziert. Davon waren 120'000 in aktive Verbände und 80'000 in Reserveeinheiten eingeteilt.
Die 120'000 Aktiven leisteten jedes Jahr drei (für Soldaten) bzw. vier (für Kader) Wochen Wiederholungskurs (FDT, Fortbildungsdienst der Truppe). Die Reserveeinheiten leisteten in der Regel keine Wiederholungskurse, hätten aber bei veränderter Sicherheitslage durch Bundesratsbeschluss dazu verpflichtet werden können.
Teilweise existierte die Ausrüstung dieser Reserveeinheiten nur auf dem Papier. Zwar verfügt die Schweizer Armee aufgrund der Halbierung des Bestandes über eine Vielzahl an modernem und funktionsfähigem Material, wie Kampfpanzer vom Typ Pz 87 Leopard 2, doch wurden bei Neuanschaffungen Reserveeinheiten nur verzögert oder gar nicht ausgerüstet. Aufgrund der Budgetbegrenzungen waren diese Reserveeinheiten also nur bedingt einsatzbereit.
Die Armee XXI verfügte über 134 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 (von ursprünglich 380 beschafften) und 483 gepanzerte Kommando-, Aufklärungs-, Führungs-, Übermittlungs- und Geniefahrzeuge. Die Fahrzeuge waren aufgeteilt auf zwei Panzerbrigaden à 10'000 Mann.
Angesichts der Tatsache, dass die Armee 61 noch über 625'000 Armeeangehörige verfügt hattee, bedeuteten die Reformen «Armee 95» und «Armee XXI» eine drastische Reduktion der Bestände. Diese Entwicklung spiegelte die veränderte Sicherheitslage in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges wider. Diese Reduktion geschah nicht durch eine Senkung der Aushebungszahlen, wobei diese bedingt durch gründlichere Selektion rückläufig waren, sondern vielmehr durch die Kürzung der Dienstpflichtdauer.
Die Rekrutenschule (Grundausbildung) dauerte nicht mehr 15, sondern je nach Funktion 18 oder 23 Wochen. Ausserdem leisteten nicht mehr alle Armeeangehörigen eine komplette RS.
Mit der «Armee XXI» wurde es möglich, die gesamte Dienstzeit an einem Stück zu absolvieren. Dieser Dienst als so genannter Durchdiener dauerte 300 Tage für normale Soldaten, 430 Tage für Unteroffiziere, 500 Tage für höhere Unteroffiziere und 600 Tage für Subalternoffiziere. Während der VBA 2 wurden diese Durchdiener vor allem subsidiär eingesetzt, zum Beispiel zur Botschaftsbewachung. Nach den geleisteten Diensttagen wurden die Soldaten in die Reserve entlassen. Für sie war der jährliche WK hinfällig, lediglich am obligatorischen Schiessen mussten sie bis zur definitiven Entlassung aus der Armee mit 30 Jahren (für Offiziere höher) teilnehmen.
Mit der «Armee XXI» durften Schweizerinnen jede Funktion in der Schweizer Armee ausüben. Früher war ihnen der Eintritt in Kampfverbände nicht möglich. Seit 2007 müssen Frauen die gleichen physischen Leistungen erbringen wie Männer (anders als z. B. im österreichischen Bundesheer; vgl. Militärischer Frauendienst). Der Frauenanteil betrug im Jahr 2020 0,8 Prozent.Aargauer Zeitung – Armeechef will Frauenanteil in der Armee deutlich erhöhen – aber noch fehlt die Strategie. Abgerufen am 5. November 2020
Die Aushebung (Musterung) wurde von einem auf zwei (aber maximal drei) Tage verlängert, um eine bessere Selektion zu ermöglichen. Kaderanwärter wurden bereits an der Aushebung vorgemerkt.
Andere Änderungen betrafen die Disziplinarstrafen, die Dienstgrade, die Abzeichen, die Dienstdauer und andere Bereiche.
Gliederung mini|Flugzeugtypen der Schweizer Luftwaffe zwischen 1960 und 1996 mini|Patrouillenboot P-80 der Motorbootkompanie
Die Armee ist in folgende Verbände gegliedert:
Trupp, 2-3 Mann Gruppe, 5-10 Mann, geführt von einem Wachtmeister Zug, um 30 Mann, geführt von einem Oberleutnant Einheit: Kompanie (Kp), Batterie (Bttr), Kolonne (Kol) oder Staffel (St), geführt von einem Hauptmann Truppenkörper: Bataillon (Bat), Abteilung (Abt), Geschwader (Fl Geschw, Dro Geschw) oder Kommando (Kdo), geführt von einem Oberstleutnant Grosser Verband: Brigade (Br), Kommando Militärpolizei, Heer, Luftwaffe oder Territorialdivision, geführt von einem höheren Stabsoffizier
Die Grundgliederung der Armee ist:Art. 6 AO
Chef der Armee (CdA), als Kommandant der Schweizer Armee, unterstützt durch den Armeestab (A Stab), bestehend unter anderem aus der Armeeplanung und der Military Aviation Authority (MAA); Kommando Operationen (Kdo Op), darunter Militärischer Nachrichtendienst (MND); Heer, einschliesslich der drei mechanisierten Brigaden (Br méc 1, Mech Br 4, Mech Br 11); vier Territorialdivisionen (Div ter 1, Ter div 2, Ter div 3 und Ter div 4); Kommando Militärpolizei; Luftwaffe, einschliesslich der Fliegerbrigade 31 und der BODLUV-Brigade 33; Kompetenzzentrums SWISSINT; Kommando Spezialkräfte (KSK); Logistikbasis der Armee (LBA), einschliesslich der Logistikbrigade 1 (Log Br 1), fünf Armeelogistikcenter, Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt der Armee und Zentrum Elektronische Medien; Kommando Cyber (Kdo Cy), einschliesslich der Führungsunterstützungsbrigade 41 (FU Br 41/SKS); Kommando Ausbildung (Kdo Ausb) einschliesslich Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA); fünf Lehrverbände (LVb Infanterie, LVb Pz/Art, LVb Genie/Rettung/ABC, LVb FU, LVb Log); Personelles der Armee;
Mit Ausnahme der Luftwaffe und der Spezialkräfte findet die Ausbildung von Rekruten und Kadern in Lehrverbänden unter dem Kommando Ausbildung statt, welchem auch die Berufs-, Führungs- und Generalstabsschulen unterstehen. Die Ausbildung der Luftwaffe und des Kommando Spezialkräfte findet direkt in ihren Verbänden (unter dem Kommando Operationen) bzw. seinem Ausbildungsverband statt.
Die Verordnung über die Strukturen der Armee (VSA) legt
Truppengattungen (Infanterie, Panzertruppen, Artillerie, Fliegertruppen, Fliegerabwehrtruppen, Genietruppen, Führungsunterstützungstruppen, Rettungstruppen, Logistiktruppen, Sanitätstruppen, Militärpolizei (früher Festungswachtkorps), ABC-Abwehrtruppen, Spezialkräfte); Dienstzweige (Generalstabsdienst, Nachrichtendienst, Armeeseelsorge, Psychologisch-Pädagogische Dienst, Territorialdienst, Bereitschaftsdienst); Grosse Verbände (Heer, Territorialdivisionen, Kommando Militärpolizei, Luftwaffe, Mechanisierten Brigaden, Logistikbrigade, Führungsunterstützungsbrigade 41, Fliegerbrigade 31, BODLUV-Brigade 33); Berufsformationen (Einsatzkommando Militärpolizei, Einsatzkommando Militärpolizei Sicherheitsdienst, Militärpolizeispezialdetachement (MP Spez Det), Kommando Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung, Armeeaufklärungsdetachement 10 (AAD 10), Dienst für präventiven Schutz der Armee)
der Schweizer Armee fest.