alt=Ansicht der Kirche von Südosten (Stadtpark)|mini|Ansicht der Kirche von Südosten alt=Ansicht Westfassade von der Franz-Josef-Straße aus.|mini|hochkant|Ansicht der Westfassade von der Franz-Josef-Straße Die römisch-katholische Pfarrkirche Schwaz mit dem Patrozinium Unsere Liebe Frau Mariä Himmelfahrt steht mitten im geschlossen verbauten Ort der Bezirkshauptstadt Schwaz im Bundesland Tirol. Die Pfarrkirche gehört zum Dekanat Schwaz der Diözese Innsbruck. Die Kirche ist einer der bedeutendsten sakralen gotischen Bauten in Tirol und eine der wenigen vierschiffigen Kirchen in Europa, sie steht unter Denkmalschutz (). Die Kirche ist momentan Dekanats- sowie Stadtpfarrkirche.

Geschichte Die Kirche wurde 1337 urkundlich als Liebfrauenkirchen genannt. 1442 wurde ein Kaplan genannt. Bereits um 1460 war die Liebfrauenkirche zu klein für die damals über 3000 Einwohner große Gemeinde. Auch eine vormalige Vergrößerung, die laut Bergchronik 1429 vorgenommen wurde, stellte sich als unzureichend heraus. Die Grundsteinlegung 1460 zog einen großen Bauaufwand nach sich. Eine vorgezogene Weihe im Rohbau gab es bereits am 6. März 1465.

Die erste Kirchenbau wurde 1429 nach ihrem ersten Brand restauriert, erweitert und 1432 geweiht. Der zweite Kirchenbau wurde von 1460 bis 1478 am Platz der Vorgängerkirche als Hallenkirche mit einem vierjochigen, dreischiffigen Langhaus erbaut. Der Chor war stark eingezogen und hatte drei Joche. Der Nordturm befindet sich zwischen Langhaus und Chor. Hans Mitterhofer und sein Sohn Gilg Mitterhofer vollendeten die Kirche im Jahr 1478. Die Mauer des Nordchors und die Nordmauern des Langhauses sind bis heute im Original erhalten.

Die dritte Kirchenbauphase begann 1490. Das starke Bevölkerungswachstum, bedingt durch Zuzug aufgrund des Silberbergwerks Schwaz, machte eine größere Kirche notwendig. Die Pläne für diese Erweiterung stammen vom Münchner Baumeister und Bildhauer Erasmus Grasser, die Bauaufsicht führte Christof Raichartiger. Eine Hallenkirche mit zwei Hauptschiffen, zwei Seitenschiffen und zwei Chören entstand. Das Langhaus wurde von vier auf sechs Joche verlängert und die Westfassade wurde repräsentativ gestaltet. Sie stützen fünf Strebepfeiler bis etwa zur halben Höhe, welche in Lisenen übergehen. Der Giebel schließt mit dreizehn kleinen Türmen, welche Christus und die Apostel symbolisieren. Die Marktuhr mit Firmament und Mondphase wird von einem Gesims umrahmt. Das Ziffernblatt der Uhr wird von vier Wappen umgeben. Die Wappen sind von links oben nach rechts unten jene Österreichs, Tirols, Schwaz’ und der Gewerkenfamilie Tänzl. Es gibt zwei Hauptportale mit geometrischem Astwerk und vier Löwengriffen, diese sind Nürnberger Bronzegusswerke aus 1512. Der Mittelpfeiler trägt eine überlebensgroße Statue von Maria mit dem Kind. Als Inspiration für die Westfassade diente Erasmus Grasser das Alte Münchener Rathaus.

Von 1503 bis 1518 wurde vom Zimmermeister Thomas Schweinebacher ein Dachstuhl mit fünf Geschoßen aufgesetzt. Währenddessen, von 1505 bis 1508, kam die Sakristei hinzu, außerdem erfolge von 1509 bis 1513 ein Ausbau des Nordturmes nach den Plänen des Ausburger Turmbaumeisters Burkhart Engelbert.Conrad Fischnaler: Zum Bau des Pfarrkirchthurmes in Schwaz. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Band 3_40, 1896, S. 213 (). Diese wurden von Jakob Zwitzel und Konrad Vogel umgesetzt, letzterer war auch für den Bau der Westempore (1515 bis 1520) verantwortlich.

Am Freitag, 28. April 2023, zwischen 12 und 17.30 Uhr erlitt die Kirche eine Beschädigung. Am Steinboden vor dem Altar wurde ein Pentagramm mit blauer Farbe gesprüht, mehrfach die Zahl 6 auch auf den Türgläsern eines Beichtstuhls. Der Inhalt wird als satanistisch eingeschätzt.

Architektur

Kirchenäußeres

Die westliche Giebelfront des Langhauses zeigt fünf Strebepfeiler an den Ecken übereck, zwei gekehlte Portale zu den zwei Mittelschiffen, zwei Maßwerkfenster, der Giebel ist mit 13 Lisenen und Zinnen gegliedert. Mittig in der Westfront befindet sich die 1502 errichtete Marktuhr, sie erhielt 1582 ein neues Uhrwerk von Wilhelm Götz. Die Statue der Mondsichelmadonna im Patrona-Bavariae-Typus am Mittelpfeiler wurde um 1650 von Michael Gasser geschaffen.Reinhard Rampold: Die Kreuzigungsgruppe der Freundsberger Schlosskapelle – ein neuentdecktes Werk des Haller Bildhauers Michael Gasser. In: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift. Nr. 66, 2009, S. 11–15 (PDF; 3,2 MB). Am rechten Ende der Westfront ist ein Treppenturm aus 1534 zur Empore angebaut, er trägt eine Kupferhaube. Die Langhauslängswände zeigen gestufte Strebepfeiler, ein Fenstergesims und ein gemaltes Dachfries. Die zwei Chöre zeigen die gleiche Fassadengliederung, nur die Strebepfeiler sind hier dreikantige Lisenen. Der südliche Sakristeianbau am Übergang Langhaus zum Chor hat zwei übereck gestellte Strebepfeiler. In der nördlichen Chorecke zum Langhaus steht der massive viergeschoßige Nordturm, die Gliederung des Glockengeschoßes zeigt sich durch spitzbogige Blendlisenen und Schallfenster mit Maßwerk; darüber befindet sich eine Balustrade mit Eckfialen; der Turm trägt einen achtseitigen Helm mit Spitztürmchen.

Das Kirchendach ist mit 15.000 Kupferplatten bedeckt. Im Dachstuhl sind bis heute zwei große Treträder zu sehen, die sich seit 1518 erhalten haben. Heute stellt die Kirche im Prinzip den Vergrößerungsbau von 1490 dar. Das Langhaus teilt sich in zwei Hauptschiffe und zwei Nebenschiffe: nördlich die Bürgersschiffe mit Chor, südlich die Schiffe und der Chor der Bergwerksverwandten (Knappenschiffe).

Kirchenschiffe mini|hochkant|Grundriss (Georg Dehio/Gustav von Bezold, 1887–1901)

Die Kirche besitzt vier Schiffe und bot damit auch am Höhepunkt der Einwohnerzahl ausreichend Platz für Hochämter. Die sozialen Diskrepanzen der Entstehungszeit bedingten, dass zwei völlig unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mit einer jeweils eigenen Gerichtsbarkeit aufeinander trafen. Um Auseinandersetzungen während der Messe zu vermeiden, wurde im Mittelgang nach Rattenberger Vorbild bis 1858 eine Holzwand eingezogen, um Bürgertum und Knappen des Silberbergwerks räumlich voneinander zu trennen.

Der „Grafenbogen“ Im Jahr 1500 erwarb Jakob Veit Tänzl das Gelände nördlich der Pfarrkirche samt dem darauf befindlichen alten Gebäude, dem jetzigen Palais Enzenberg, in dem sich heute die Galerie der Stadt Schwaz befindet. Der Adel in Schwaz besaß eine eigene Kirchenloge. Diese Loge wurde 1520 durch den „Grafenbogen“, einem Skyway, der über die Franz-Josef-Straße führt, horizontal erschlossen. Von 1700 bis 1705 wurde das in neuen Besitz übergegangene Gebäude von den Grafen Tannenberg zum Palais im Barockstil erweitert und umgebaut. Am Anfang des 19. Jahrhunderts ging es in Besitz der Grafen von Enzenberg über und ist seit dem Jahr 2000 samt Bogen im Besitz der Albrecht-Enzenberg-Privatstiftung.

Der Alte Glockenturm alt=Der Alte Glockenturm (links) und der Neue Glockenturm (rechts).|mini|Der Alte Glockenturm (links) und der Neue Glockenturm (rechts) Die Kirche selbst besitzt am Langhaus nur einen fertiggestellten Turm, den nördlichen „alten Glockenturm“ mit 72 Metern Höhe. Dieser wird wegen eines nördlichen Überhangs von etwa einem Meter und dem daraus resultierenden statischen Risiko als solcher nicht mehr benutzt. Bereits 1558 wurden Schäden festgestellt. 1904 wurde das Läuten per Erlass untersagt. Heute befinden sich im „Alten Glockenturm“ noch lediglich zwei kleine Glocken, eine Graßmayr-Glocke von 1761 sowie eine Signalglocke aus dem 17. Jahrhundert.

Seit etwa Ende der 1920er Jahre befand sich auf dem Umgang über der Glockenstube eine Motorsirene, welche 2019 durch ein modernes Gerät ersetzt wurde.

Der Neue Glockenturm Der Neue Glockenturm befindet sich nicht an der Kirche selbst, sondern etwa 80 m entfernt südöstlich in der Winterstellergasse mit angeschlossenen Kulturräumlichkeiten. Der aus dem Läuteverbot resultierende Missmut der Bevölkerung führte Anfang des 20. Jahrhunderts so weit, dass aus Protest sonntäglich auf der Straße mit Kuhglocken geläutet wurde. 1906 wurde daher in den alten Turm ein neuer Glockenstuhl eingebaut. Dieser brachte aber keine Verbesserung, was ein vorübergehend erlaubtes provisorisches Läuten zeigte. Das Provisorium wurde 1907 eingestellt. Dies führte zum Beschluss, einen neuen Glockenturm zu errichten. Eine Arbeitsvergabe zum Bau eines neuen Turmes wurde im April 1910 verabschiedet. Die Planung hatte der damalige Stadtbaumeister Franz Xaver Ruepp. Im Zuge des Baus wurde auch der Glockenstuhl von 1906 in den neuen Glockenturm verlegt.

Ausstattung mini|Blick durch das linke Hauptschiff zum Bürgerchor Anfang des 18. Jahrhunderts wurden zwei neue Hauptaltäre für die zwei Chöre im frühbarocken Stil errichtet. Von 1728 bis 1730 wurde das gesamte Innere durch den Götzner Jakob Singer barockisiert. Kleinteilige Fresken des Marienlebens entstanden gleichfalls im 18. Jahrhundert unter Franz Michael Hueber und Johann Georg Höttinger d. J.

1787 wurde die gotische Einrichtung mit ursprünglich zwölf Altären schließlich komplett entfernt. Erst 1908 erfolgte eine Regotisierung des Kircheninneren. Fast alle Barockaltäre wurden entfernt. Die Gewölberippen aus der Gotik wurden wieder angebracht. Der neugotische Hochaltar wurde 1913 gebaut. Im gesamten Bau zeigen sich Einflüsse aus Niederbayern und Schwaben, was auf den Bergbau und viele Stifter aus Süddeutschland zurückzuführen ist. Von der originalen Einrichtung ist sehr wenig erhalten.

Hochaltar mini|hochkant|Hochaltar im Bürgerchor Nach dem Neubau und der Vergrößerung der Kirche wurde 1500 im Bürgerchor ein neuer Hochaltar bei Veit Stoß in Nürnberg in Auftrag gegeben. Der geschnitzte Flügelaltar zeigte im Schrein die Himmelfahrt Mariens und die ihr nachblickenden Apostel. 1648/52 wurde dieser Altar durch einen frühbarocken Altar ersetzt, der ein gemaltes Altarbild der Himmelfahrt besaß, darunter aber die Apostelgruppe von Veit Stoß übernahm. Die restlichen Skulpturen wurden von Michael Gasser geschaffen. 1805 wurde statt diesem Altar ein einfacher klassizistischer Altar aufgestellt, der von Eberhard Zobel entworfen wurde und die Seitenstatuen der hll. Ingenuin und Albuin vom barocken Altar übernahm. Das Altarbild der Himmelfahrt Mariens stammte von Joseph Schöpf und hängt jetzt an der inneren Turmwand.Erich Egg: Die ersten drei Hochaltäre der Liebfrauenkirche in Schwaz. In: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 48 (2002), S. 8–10 (PDF; 3,1 MB).

Der heutige Hochaltar wurde im Zuge der Regotisierung 1911–1913 geschaffen. Der Entwurf stammte von Josef Schmid, der architektonische Teil wurde vom Altarbauer Ludwig Plattner aus Stans ausgeführt. Der Flügelaltar zeigt im Schrein die Himmelfahrt Mariens, auf den Flügeln Reliefs der vier Evangelisten. Im Gesprenge befinden sich die Statuen Christus Pantokrator, flankiert von Mose und Elija, in der Predella Reliefs der biblischen Kundschafter und des Mannaregens. Alle diese Skulpturen wurden von Alois Winkler geschaffen. Die Statuen der hll. Sebastian und Martin links und rechts des Schreins stammen von Franz Kobald. An den Außenseiten der Flügel befinden sich von Emanuel Raffeiner gemalte Darstellungen, die oben den hl. Dominikus und die Brixner Diözesanpatrone Kassian, Ingenuin und Albuin vor der Rosenkranzkönigin und unten die vier großen abendländischen Kirchenväter zeigen. Der vergoldete und stellenweise versilberte Tabernakel ist ein Werk des Goldschmieds Jakob Rappel.Thomas Naupp: Der neugotische Hochaltar. Erinnerungen an den Kunsttischler und Altarbauer Ludwig Plattner aus Stans (1880–1956). In: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 48 (2002), S. 11–16 (PDF; 3,1 MB).

Weitere Altäre mini|hochkant|links|Marienaltar mini|hochkant|Annenaltar