Macbeth ist eine Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi. Das Libretto wurde von Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach dem Drama Macbeth von William Shakespeare geschrieben. In der Uraufführung am 14. März 1847 im Teatro della Pergola in Florenz sangen Felice Varesi die Titelrolle und Marianna Barbieri-Nini die Partie der Lady.S. 4 im Originallibretto von 1847, online im Internet ArchiveAda Zapperi: Barbieri, Marianna, in: Dizionario biografico degli Italiani, Vol. 6, 1964 (italienisch; Abruf am 21. August 2021) Eine revidierte Fassung wurde am 21. April 1865 im Théâtre-Lyrique in Paris uraufgeführt, mit Jean-Vital Ismael als Macbeth und Agnés Rey-Balla als Lady.Anselm Gerhard, Uwe Schweikert (Hrsg.): Verdi Handbuch, Metzler/Bärenreiter, 2001, S. 357

Handlung mini|Birgit Nilsson als Lady Macbeth, 1947

Die Handlung spielt im Schottland des 11. Jahrhunderts. Sie beginnt mit der ersten Prophezeiung der Hexen und endet mit dem Tod Macbeths durch Macduff und der Thronbesteigung Malcolms. Im Hinblick auf den historischen schottischen König entspricht diese Zeitspanne seiner Regierungszeit von 1040 bis 1057. Sie erscheint in der Opernhandlung jedoch auf knapp drei Monate verkürzt, weil nur der Anfang und das Ende seiner Herrschaft thematisiert werden.

Erster Akt Erstes Bild: Ein Wald

Die Feldherren Macbeth und Banco kehren von einer siegreichen Schlacht zurück. Hexen weissagen, dass Macbeth Than von Cawdor und König, Banco aber Vater von Königen sein werde. Boten verkünden, der König habe Macbeth zum Than von Cawdor erhoben. Beide Feldherren ergreift ein Schauder.

Zweites Bild: Macbeths Schloss

Lady Macbeth liest einen Brief ihres Gatten, in dem dieser die Ereignisse und die Ankunft des Königs mitteilt. Macbeth selbst trifft ein, er ist dem König, der heute bei ihm übernachten will, vorausgeeilt. Die machthungrige Lady kann ihren Mann überreden, den König, der gerade mit seinem Gefolge das Schloss betritt, in der Nacht zu ermorden, um die Weissagung der Hexen zu befördern. Nachdem Macbeth die Tat vollbracht hat, färbt Lady Macbeth die Kleider der Wachen mit Blut, um den Verdacht auf sie zu lenken. Als der Mord entdeckt wird, sind alle entsetzt und verfluchen den Täter.

Zweiter Akt Erstes Bild: Zimmer in Macbeths Schloss

Macbeth ist König geworden, doch die Prophezeiung, dass sein Thron Bancos Erben zufallen wird, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Er beschließt, Banco und dessen Sohn Fleanzio ermorden zu lassen.

Zweites Bild: Ein Park in der Nähe des Schlosses

Der Anschlag gelingt nur unvollständig. Während die Mörder Banco töten, kann Fleanzio in der Dunkelheit entkommen.

Drittes Bild: Glänzender Saal

Bancos Tod durch einen Mörder wird dem König gemeldet, der an demselben Abend ein glänzendes Fest gibt. Heuchlerisch bedauert Macbeth Bancos Fehlen. Als er sich an dessen Platz begeben möchte, erscheint ihm der Geist des Toten. Der entsetzte König ist fassungslos und muss durch seine Gattin beruhigt werden. Schaudernd entfernen sich die Gäste.

Dritter Akt Eine Höhle

Macbeth befragt noch einmal die Hexen nach der Zukunft und seinem Schicksal. Diese warnen ihn vor Macduff, doch der König beruhigt sich schnell, als er erfährt, dass ihn niemand überwinde, den ein Weib geboren hat, und seine Herrschaft erst dann wanke, wenn der Wald von Birnam gegen ihn vorrücke. Lady Macbeth kann den König leicht dazu überreden, Macduff, seine Familie und andere Feinde zu vernichten.

Vierter Akt Erstes Bild: Öde Grenze zwischen Schottland und England

Macduff ist entkommen und hat sich an der Grenze von Schottland mit Malcolms Truppen vereinigt. Er schwört Macbeth, der seine Kinder töten ließ, bittere Rache. Malcolm befiehlt, dass jeder seiner Soldaten beim Angriff auf Macbeth einen Ast aus dem Wald von Birnam als Tarnung vor sich hertragen solle.

Zweites Bild: Macbeths Schloss

Arzt und Kammerfrau warten spät in der Nacht auf die Königin, die ihr böses Gewissen wahnsinnig werden ließ. Auch an diesem Abend erscheint sie nachtwandelnd und irre redend, gesteht den entsetzten Lauschern ihre Taten und stirbt.

Drittes Bild: Saal in der Burg

Macbeth lässt der Tod seiner Frau gleichgültig, er gerät aber außer sich, als gemeldet wird, dass der Wald von Birnam gegen ihn anrücke.

Viertes Bild: Eine Ebene, von Hügeln und Wäldern umgeben

Auf dem Schlachtfeld begegnet der König Macduff und erfährt, dass dieser nicht geboren, sondern aus dem Mutterleib geschnitten wurde. Macbeths Schicksal erfüllt sich, er fällt im Zweikampf. Macduff und die Krieger grüßen Malcolm, den neuen König.

mini|Verdi: Macbeth – Erster Akt, zweites Bild – Illustration zur Aufführung von 1865 im Théâtre-Lyrique

Gestaltung Musiknummern Erster Akt Nr. 1. Preludio Nr. 2. Introduktion Chor: Che faceste? Dite su! (Hexen) Szene: Giorno non vidi mai sì fiero e bello! (Macbeth, Banco, Hexen, Boten) Duett: Due vaticini compiuti or sono… (Macbeth, Banco) Chor: S’allontanarono! – N’accozzeremo (Hexen) Nr. 3. Cavatine Lady Macbeth Szene: Nel dì della vittoria io le incontrai… (Lady) Cavatina: Vieni! t’affretta! (Lady) Tempo di mezzo: Al cader della sera il re qui giunge (Servo, Lady) Cabaletta: Or tutti sorgete, ministri infernali (Lady) Nr. 4. Rezitativ und Marcia Szene: Oh donna mia! – Caudore! (Macbeth, Lady) Marsch Nr. 5. Große Szene und Duett Große Szene: Sappia la sposa mia (Macbeth, Lady) Duett: Fatal mia donna! un murmure (Macbeth, Lady) Tempo di mezzo: Allor questa voce m’intesi nel petto (Macbeth, Lady) Cabaletta: Vieni altrove! ogni sospetto (Lady, Macbeth) Nr. 6. Finale I Szene: Di destarlo per tempo il re m’impose (Macduff, Banco, Lady, Macbeth) Sextett: Schiudi, inferno, la bocca, ed inghiotti (Macduff, Banco, Lady, Macbeth, Malcolm, Dame, Chor)

Zweiter Akt Nr. 7. Szene und Arie Lady Macbeth Szene: Perché mi sfuggi, e fiso (Lady, Macbeth) Arie: La luce langue… il faro spegnesi (Lady) Nr. 8. Chor und Szene Bancos Chor: Chi v’impose unirvi a noi? (Mörder) Szene: Studia il passo, o mio figlio!… (Banco) Adagio: Come dal ciel precipita (Banco) Nr. 9. Convito, Vision, Finale II Convito: Salve, o re! – Voi pur salvète (Chor, Macbeth, Lady) Brindisi: Si colmi il calice (Lady, Chor) Tempo di mezzo: Tu di sangue hai brutto il volto (Macbeth, Mörder) Apparizione und Brindisi: Che ti scosta, o re mio sposo (Lady, Macbeth, Chor) Quartett: Sangue a me quell’ombra chiede (Macbeth, Lady, Macduff, Dame, Chor)

Dritter Akt Nr. 10. Introduktion Chor: Tre volte miagola la gatta in fregola (Hexen) Nr. 11. Ballo Nr. 12. Szene und Finale III Szene: Finché appelli, silenti m’attendete (Macbeth, Hexen, Vision) Szene: Fuggi, regal fantasima (Macbeth, Hexen) Chor und Tanz: Ondine e Silfidi (Hexen) Szene: Ove son io?… Svaniro!… (Macbeth, Lady) Duett: Ora di morte e di vendetta (Macbeth, Lady)

Vierter Akt Nr. 13. Introduktion Chor: Patria oppressa! il dolce nome (Flüchtlinge) Nr. 14. Szene und Arie Macduff Szene: O figli, o figli miei! (Macduff) Arie: Ah, la paterna mano (Macduff) Tempo di mezzo: Dove siam? che bosco è quello? (Malcolm, Macduff, Chor) Cabaletta: La patria tradita (Macduff, Malcolm, Chor) Nr. 15. Schlafwandelszene Lady Macbeth Rezitativ: Vegliammo invan due notti (Arzt, Dienerin) Szene: Una macchia è qui tuttora… (Lady, Dienerin, Arzt) Nr. 16. Szene und Finale IV Szene: Perfidi! All’anglo contro me v’unite! (Macbeth) Arie: Pietà, rispetto, amore (Macbeth) Szene: Ella è morta! (Dame, Macbeth, Chor) Szene: Via le fronde, e mano all’armi! (Malcolm, Soldaten, Macduff) Szene: Carnefice de’ figli miei, t’ho giunto (Macduff, Macbeth) Finale: Vittoria! Vittoria! (Macduff, Malcolm, Soldaten, Volk)

Instrumentierung Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:Kurt Malisch: Macbeth. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 6: Werke. Spontini – Zumsteeg. Piper, München / Zürich 1997, ISBN 3-492-02421-1, S. 411.

Holzbläser: Piccoloflöte, Flöte, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten (2. auch Bassklarinette), zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Bassposaune Pauken, Schlagzeug: Große Trommel, Becken, Tamtam Harfe Streicher Bühnenmusik auf der Szene: Banda (nicht spezifiziert) Bühnenmusik unter der Szene: zwei Oboen, sechs Klarinetten, zwei Fagotte, Kontrafagott

Libretto Das Libretto der ersten Fassung folgt, wo immer es geht, der literarischen Vorlage. Aber „die komplizierte Handlungsführung der Vorlage wurde geopfert und in wenige ‚operntaugliche‘ Tableaus zusammengefasst“.. Kapitel: Das Politische in Verdis „Macbeth“ Neben deutlichen Kürzungen (Shakespeares erster und zweiter Akt werden bei Verdi im ersten Akt zusammengefasst) bzw. Streichungen ganzer Szenen (z. B. halb-komische Szene mit dem Pförtner, Szene von Lady Macduff mit ihrem Sohn usw.) fällt vor allem die andere Akzentsetzung auf: Die Rolle der Lady ist aufgewertet, sie ist präsenter, ihre Wirkung dramatischer. „Viele Sätze, die Macbeth bei Shakespeare spricht, werden bei Verdi von Lady Macbeth übernommen (z. B. Bankettszene). Shakespeare beschreibt die Überlegungen und den gedanklichen Prozess, der zur Tat führt, während Verdi sein Gewicht auf die nachträgliche Erfahrung setzte. Bei Shakespeare ist Macbeth Stifter des Bösen und gleichzeitig das Opfer, bei Verdi liegen die entscheidenden Motoren für das Handeln bei Lady Macbeth und den Hexen, also außerhalb von Macbeth. Dies ist auch der Grund, wieso Verdi im dritten Akt in der zweiten Fassung die Hexen aufgewertet hat“Giuseppe Verdi: Macbeth. Eine Analyse auf jolandanews.blogspot.de und im ersten Akt eine zusätzliche Hexenszene einfügte.

Zweite Fassung von 1865 In der zweiten, (zunächst) französischen Fassung aus dem Jahre 1865 überarbeitete Verdi einige Nummern. So fügte er im ersten Akt einen Hexenchor ein und ersetzte im zweiten Akt die Cabaletta der Lady durch die Arie „La luce langue“. Im dritten Akt kommt neu das Ballett, welches er aufgrund der Gepflogenheiten der Pariser Opéra einführen musste, hinzu. Der Akt endet mit dem Duett Lady/Macbeth „Ora di morte e di vendetta“ anstelle der Cabaletta „Vada in fiamme!“ des Macbeth. Im vierten Akt komponierte Verdi den Eröffnungschor neu und stellte die Orchestration der Schlachtszene um. Den Monolog des sterbenden Macbeth ersetzte er durch die Siegeshymne „Salve, o re!“ des Chores.

Einordnung Macbeth ist die zehnte der 26 Opern Verdis, außerdem die zweite von sieben Literaturopern (vier nach Friedrich Schiller, drei nach William Shakespeare), und ihre Entstehung fällt in das Jahrzehnt, das Verdi als seine „Galeerenzeit“ bezeichnet hat, in der er noch um künstlerische Anerkennung kämpfen und persönliche Schicksalsschläge verkraften musste.