mini|hochkant|Fürstbischof Dietrich IV.; Gemälde um 1600 in der Theologischen Fakultät Paderborn

Dietrich von Fürstenberg (auch Theodor von Fürstenberg, Theodericus liber baro a Furstenberg oder Theodor von Paderborn; * 7. Oktober 1546 auf Burg Waterlappe bei Ense; † 4. Dezember 1618 auf dem Schloss zu Neuhaus bei Paderborn) war als Dietrich IV. Fürstbischof von Paderborn. In seine Zeit fallen heftige Auseinandersetzungen mit den Landständen und der Beginn der katholischen Rekonfessionalisierung des Landes.

Familie, Ausbildung und Pfründe Dietrich entstammt dem niederen westfälischen Adelshaus der Fürstenbergs, die im 16. Jahrhundert ein zunehmender Machtfaktor in den geistlichen Territorien Westfalens wurden. Der Sohn des kölnischen Rats Friedrich von Fürstenberg und der Tochter des Drosten zu Lichtenau und Wünnenberg Maria von Westphalen wuchs in einer von geistlichen Karrieren geprägten Familie auf. Fünf von neun Geschwistern nahmen geistliche Ämter an. Bruder Friedrich wurde Domkapitular von Mainz und Paderborn, die Schwester Ottilia Äbtissin in Neuenheerse und Oelinghausen, die Schwester Anna wurde nach dem Tod Ottilias Äbtissin in Oelinghausen. Ursula wurde Zisterzienserin im Kloster Himmelpforten.Brandt/Hengst 1984, S. 222. Die anderen Geschwister heirateten in den Paderborner Stiftsadel ein. Bedeutendster Bruder war Caspar von Fürstenberg, nachmalig Landdroste des Herzogtums Westfalen. Dietrich und Caspar standen in sehr engem persönlichen aber auch herrschaftlichem Verhältnis zueinander.Bruns 1987.

Friedrich von Fürstenberg ließ seine Söhne durch den damals bekannten Humanisten Friedrich Beurhaus am Archigymnasium in Dortmund erziehen. Danach erfolgte das Studium an dem von Jesuiten geführten Tricoronatum in KölnDazu: Horst Conrad: Splendor Familiae. Generationsdisziplin und Politik bei der Familie Fürstenberg. Eine Skizze. In: Südwestfalenarchiv, Jg. 6/2006, S. 112., war Dietrich bereits mit 17 Jahren Inhaber der Pfarrei und des Landdekanates Wormbach, später der Pfarrei Attendorn und der Propstei im Stift Meschede. Ein besonderer Schritt in seiner Karriere bildete im gleichen Jahr die Erlangung der Domherrenpfründe in Paderborn. Ein Jahr später wurde er auch Domherr in Trier.

Wahl und Weihe zum Bischof Im Jahr 1577 wurde Dietrich von Fürstenberg Dompropst. Bereits zu dieser Zeit galt er als ein möglicher Kandidat für das Bischofsamt. In dieser Zeit war er in dem stark vom Protestantismus beeinflussten Domkapitel der Führer einer katholischen Minderheit. Dennoch gelang es ihm angesichts des mehrheitlich protestantischen Stiftsadels die Bestimmung durchzusetzen, dass zukünftig nur noch Katholiken in das Kapitel aufgenommen werden durften.Biographie auf lwl.org Nach dem Tod des Bischofs Heinrich von Sachsen-Lauenburg hat sich insbesondere Caspar von Fürstenberg für die Wahl seines Bruders eingesetzt. Obwohl er noch nicht die höheren Weihen hatte und entgegen den Bestimmungen des Konzils von Trient mehrere Präbenden innehatte, wurde er am 5. Juni 1585 als Dietrich IV. ohne Gegenkandidaten zum Fürstbischof von Paderborn gewählt und am 7. Oktober von Papst Sixtus V. bestätigt. In der Wahlkapitulation sagte er den Schutz des Katholizismus und die Ausweisung der nichtkatholischen Prädikanten zu. Die Gesandtschaft nach Rom wurde von Caspar finanziert.Theuerkauf, S. 29.Thomas Berger, Theodor I. von Paderborn, in BBKL XI, Sp. 909–912.

Da er zur Zeit der Amtsübernahme noch keine Weihen hatte, ließ er sich zwischen den 27. und 30. Juli 1589 vom Kölner Weihbischof nacheinander im Kloster Böddeken die Subdiakonats-, Diakonats-, Priester- und Bischofsweihe spenden. Für die Ausübung von Pontifikalhandlungen erbat er sich die Hilfe von Weihbischöfen benachbarter Diözesen.

Familienpolitik Zusammen mit seinen Brüdern Caspar und Friedrich, Domherr in Mainz, setzte Dietrich die Bemühungen zur Stärkung der eigenen Familie fort. So erwarb er 1615 das Gut Neufürstenberg in Neheim und 1618 das Gut Herdringen. Beide Erwerbungen waren für die zukünftige Entwicklung der Familie von Bedeutung. Als Dietrich nach seiner Bischofswahl auf seine Präbenden verzichten musste, hat er versucht, diese in der eigenen Familie zu halten. In verschiedenen Fällen gelang dies teilweise über Umwege auch. Gescheitert war dies im Fall der Paderborner Dompropstei. Diese wurde durch den Papst an den Domherren Walter von Brabeck vergeben. Das Domkapitel sah sich in seinem Wahlrecht verletzt und strengte, unterstützt von Dietrich und Caspar von Fürstenberg, einen Prozess an der römischen Kurie an. Papst Sixtus V. beendete den Streit mit der Androhung der Exkommunikation. Aber noch einen Tag vor der Einsetzung von Brabecks am 25. November 1589 strengte Dietrich gegen diesen einen Prozess wegen Totschlags an, der indes schließlich versandete. War die Familie Fürstenberg auch im Streit um die Stelle des Dompropstes unterlegen, fiel ihr doch eine Domherrenstelle zu.Theuerkauf, S. 29–30. Im Jahr 1589 gelang es Dietrich und Caspar, die Postulation der Schwester Ottilia zur Äbtissin in Neuenheerse durchzusetzen. Dies diente dabei nicht nur der Stärkung der Familie, sondern auch als Schutz vor einem möglichen Übergang des Stifts ins evangelische Lager.Theuerkauf, S. 31.

Politik der Gegenreformation Katholische Konfessionalisierung mini|hochkant|Die Paderborner Agende von 1602

Im ausgehenden 16. Jahrhundert war das Hochstift Paderborn von Konflikten der Konfessionalisierung geprägt. Nicht nur die großen Städte des Hochstifts waren nahezu vollständig zum Luthertum übergetreten, sondern auch die bedeutendsten Adelsfamilien, so dass ganze Landstriche protestantisch geprägt waren.Gillner 2006 bzw. Lotterer 2003. Mit Dietrichs Vorgänger Heinrich von Sachsen-Lauenburg war sogar ein Protestant zum Fürstbischof von Paderborn gewählt worden.

Noch im Jahr seiner Wahl führte er in Paderborn den gregorianischen Kalender ein. Er führte seit 1586 regelmäßige Diözesansynoden durch, mit deren Hilfe die katholische Lehre im Klerus gefestigt werden sollte. Außerdem hat er periodische Visitationen der einzelnen Pfarreien befohlen, um dadurch die Umsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient nicht nur in Bezug auf die Glaubenslehre, sondern auch auf die Lebensweise der Priester (Durchsetzung des Zölibats) zu kontrollieren. Unterstützt wurde er durch den Generalvikar Theodor Matthisius, den Weihbischof Nikolaus Arresdorf und vom Abt Leonard Ruben vom Abdinghofkloster.

Damit Bücher, liturgische Texte und andere Schriften den Normen der katholischen Konfession und dem Interesse Dietrichs als Landesherren entsprachen, hat er 1597 den Drucker Matthäus Pontanus aus Münster nach Paderborn geholt und ihm 1608 das Druckmonopol für das gesamte Hochstift Paderborn verliehen.

Bereits 1596 hat Dietrich den Klerus in seinem Bistum angewiesen, sich entweder den Normen der katholischen Kirche anzupassen oder ihr Amt niederzulegen. 1602 hat er eine neue strikt katholische Regelung der Sakramentsspendung und Gottesdienstordnung durch eine Agende eingeführt. Hinzu kam ab 1600 beziehungsweise 1609 ein einheitliches Gesangbuch. Insbesondere in den Jahren zwischen 1611 und 1613 ließ Dietrich den Druck auf protestantische Laien verschärfen. Eine Heirat sollte nur nach einer nach katholischem Brauch durchgeführten Beichte möglich sein. Alle Einwohner des Hochstifts mussten bis Ostern 1613 die Beichte abgelegt haben oder auswandern. Protestanten sollten nur vor den Stadtmauern beigesetzt werden dürfen.Theuerkauf, S. 31–32.Hermann-Josef Schmalor: Dietrich und Kaspar von Fürstenberg - Zwei markante Persönlichkeiten der westfälischen Geschichte. In: Oelinghauser Beiträge 2019. Arnsberg, 2019 S. 35f.

Förderung des Jesuitenordens mini|hochkant|Statue über dem Portal der von ihm gegründeten Akademia Theodoriana

Nach anfänglichem Zögern erschienen Dietrich insbesondere der Orden der Jesuiten geeignet die Konfessionalisierung umzusetzen. Bereits vor seinem Amtsantritt als Bischof hat Dietrich als Dompropst 1580 zwei Jesuiten aus Heiligenstadt als Domprediger und Lehrer nach Paderborn. Diese hatten 1585 den Unterricht am örtlichen Gymnasium übernommen. Anfangs war ihre Situation noch nicht gefestigt und es gab nur eine Jesuitenresidenz mit wenigen Angehörigen. Dietrich schenkte dem Orden 1592 die Gebäude und das Besitztum des früheren Minoritenklosters zur Gründung des Jesuitenkollegiums.Hermann-Josef Schmalor: Dietrich und Kaspar von Fürstenberg - Zwei markante Persönlichkeiten der westfälischen Geschichte. In: Oelinghauser Beiträge 2019. Arnsberg, 2019 S. 38 Dort ließ Dietrich von 1596 bis 1605 ein neues Kollegiengebäude und bis 1614 ein neues Gymnasium, später nach ihm Theodorianum genannt, erbauen. Hinzu kamen Kirche und Noviziathaus. Im Jahr 1604 schenkte er dem Orden seine eigene Bibliothek und stiftete 1614 die Universität beziehungsweise Akademie. Diese unterstellte Dietrich dem Generaloberen des Ordens. Ziel war es, die Abwanderung der Studierenden in die protestantischen Nachbargebiete zu verhindern. Vornehmlich sollte die Einrichtung der Ausbildung des Klerus dienen. Gelehrt wurden Theologie und Philosophie. Die Einrichtung wurde 1614 vom Papst und vom Kaiser bestätigt.Theuerkauf, S. 32.

Hexenprozesse In seine Zeit fallen viele Hexenprozesse im Hochstift Paderborn, z. B. die Hexenprozesse in Borchen unter dem Syndikus des Domstifts, Licenciat Johann Moller.

1600/01 ließ Dietrich von Fürstenberg den Hexenprozess gegen den Prior, den Subprior und zwei weitere Chorherren des Augustiner-Chorherrenklosters Dalheim durchführen. 1598 griff das Reichskammergericht in die Hexenjustiz des Domkapitels ein.Rainer Decker: .

Landespolitik Innenpolitische Konflikte Zusammen mit der Durchsetzung der katholischen Konfessionalisierung suchte Dietrich auch seine weltliche Macht als Landesherr auszubauen. In einer ersten Phase hat er versucht, seine Macht auch gegen Widerstände durchzusetzen. Dagegen schlossen sich das Domkapitel, die Städte und die Ritterschaft 1590 zu einer Einung zum Schutz der überkommenen Rechte und Privilegien der Landstände zusammen. Später hat Dietrich es geschafft, keine gemeinsame Front der Stände gegen ihn aufkommen zu lassen. Aber insbesondere das Domkapitel leistete weiterhin Widerstand gegen den Machtanspruch des Landesherren. Der Domdechant Arnold von der Horst war dabei einer der Führer der Opposition. Vorübergehend von Dietrich 1604 suspendiert, kam es spätestens 1612 zur Aussöhnung.Theuerkauf, S. 33–34.

Nachdem er die Landstände und selbst das Domkapitel stark gegen sich aufgebracht hatte, hat Dietrich seinen Kurs in den 1590er Jahren etwas gemäßigt. In dieser zweiten Phase versuchte er mit weitgehend friedlichen Mitteln die Reichweite der katholischen Konfession zu erhöhen. Aber auch dies führte zu Widerständen. Die Städte und Ritter waren insbesondere von der Konfessionspolitik beunruhigt. Sie forderten auf dem Landtag von 1597 sogar die Freistellung der Religion. Insbesondere die Tätigkeit der Jesuiten wurde kritisiert. Der konfessionelle Aspekt war dabei auch verbunden mit weltlichen Streitigkeiten etwa um landesherrliche und grundherrliche Gerichtsrechte. Im Jahr 1603 kam es zu einer Einung der Ritterschaft mit einigen Städten.Theuerkauf, S. 34.

Unterwerfung der Stadt Paderborn mini|hochkant|Fürstbischof Dietrich IV. – Kupferstich