Die 21. Armee () war ein militärischer Großverband der Roten Armee, deren erste Formation im Frühjahr 1941 aufgestellt und im Verlauf des „Unternehmens Barbarossa“ schließlich im Kessel von Kiew annähernd vernichtet wurde. Die wieder aufgebaute Armee kämpfte 1942 am mittleren und südlichen Abschnitt der Ostfront (an der Donfront) im Großraum Stalingrad. Aufgrund der dort gezeigten Leistungen wurde sie zur 6. Gardearmee erhoben. Die zweite im Juli 1943 aufgestellte Formation wurde 1944 an der Karelischen Landenge und bei Kriegsende in Schlesien und im Raum Böhmen und Mähren eingesetzt.
Geschichte 1941 Die 21. Armee wurde im Frühjahr 1941 im Militärbezirk Wolga gemäß der Richtlinie des Verteidigungskommissars der UdSSR gebildet und wurde zur Stärkung des westlichen Grenzbezirks aktiviert. Generalleutnant W. F. Gerassimenko wurde zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt, Divisionskommissar S. J. Kolonin zum Mitglied des Militärrats und Generalmajor W. N. Gordow zum Stabschef bestellt. Am 21. Juni, am Vorabend des Unternehmen Barbarossa, verließ das Hauptquartier der Armee Kuibyschew und wurde in den Militärbezirk Belorussija verschoben. Nach der Ankunft in Gomel wurde die Armee mit der Kavalleriegruppe des Generalmajors M. D. Borisow und der selbstständigen 117. Schützen-Division verstärkt. Die Stawka übertrug die Armee am 25. Juni in die Reserve des Oberkommandos (19., 20., 21. und 22. Armee) der Westfront (66., 63., 45., 30. und 33. Schützenkorps mit insgesamt 14 Schützendivisionen). Angesichts der schwierigen Lage an der Front waren die Truppen der 21. Armee beauftragt, einen Gegenangriff in Richtung Bobruisk zu starten, um den Gegner aus der Stadt zu vertreiben und die Lage in diesem Frontabschnitt entlang der Beresina wiederherzustellen. Die deutsche Luftwaffe bombardierte ununterbrochen Eisenbahnen und Autobahnen sowie Bahnhöfe und machte es den Kolonnen der Armee unmöglich, bei Tageslicht zu operieren. In dieser Hinsicht mussten die Truppen nachts und außerhalb der Front entladen werden um die bedrohte Dnjepr-Linie zu erreichen. Auf einer über 250 km langen Front entlang des Dnjepr zwischen Mogilew und Gomel traten die Armeetruppen ohne ausreichenden Zusammenhang in den Abwehrkampf gegen die deutschen Truppen ein. Zu Beginn der Schlacht um Smolensk bestand die 21. Armee aus 6 Schützen-, 2 Panzer- und 1 motorisierten Divisionen: 117. Schützendivision (Oberst Matwej Fedorowitsch Starostin) 63. Schützenkorps (Generalmajor Leonid Grigorjewitsch Petrowski) 53. Schützendivision (Oberst Iwan Jakowljewitsch Bartenjew) 148. Schützendivision (Oberst Filipp Michailowitsch Tscherokmanow) 167. Schützendivision (Generalmajor Wassili Stepanowitsch Rakowski) 66. Schützenkorps (Generalmajor Fjodor Pawlowitsch Sudakow, dann General F. D. Rubtzow) 61. Schützendivision (Oberst Alexander Jemiljanowitsch Hofman) 154. Schützendivision (Generalmajor Jakow Stepanowitsch Fokanow) 25. Mechanisiertes Korps (Generalmajor S. M. Kriwoschein) 50. Panzer-Division (Oberst B. S. Bacharow) 55. Panzer-Division (Oberst W. N. Badanow) 219. motorisierte Schützendivision (Generalmajor Iwan M. Skugarew)
Nachdem Generalleutnant W. F. Gerassimenko zum Kommandeur der benachbarten 13. Armee ernannt wurde, übernahm Generaloberst F. I. Kusnezow ab 10. Juli die Führung der 21. Armee. Einheiten des 63. Schützenkorps unter Generalmajor Petrowski überquerten an diesem Tag den Dnjepr und rückten 16 km vor, wobei die Städte Shlobin und Rogatschew wiedergewonnen wurden. Anschließend setzte die 21. Armee die Offensive in Richtung Bobruisk fort, konnte den Vorstoß auf 35 km Tiefe erweitern und führte dann Abwehrkämpfe an der Linie zwischen Bobruisk und Mosyr. Während dieser Zeit zogen sich alle anderen Armeen vor den deutschen Streitkräfte nach Osten zurück, wodurch die Flanken der 21. Armee schutzlos wurden. Auf Befehl des Oberkommandos musste der Rückzug nach Süden erfolgen, es gelang den Gegner die Fluchtwege abzuschneiden, wodurch die Streitkräfte der 21. Armee schwere Flügelkämpfe führen musste, um sich den Rückzug in Richtung auf Priluki – Pirjatin und später Achtyrka offen zu halten. Ende Juli 1941 wurde die 21. Armee, Teil der neugebildeten Zentralfront, deren Kommando Generaloberst F. I. Kusnezow übernahm, worauf Generalleutnant M. G. Jefremow die Führung der 21. Armee erhielt.
Armeegliederung am 1. August 1941
67. Schützenkorps, Generalmajor Filipp Feodosjewitsch Schmatschenko (102., 151. und 155. Schützendivision) 63. Schützenkorps, Generalmajor L. G. Petrowski (61., 154. und 167. Schützendivision) 21. Schützenkorps, Generalmajor W. B. Borisow (42., 117. und 187. Schützendivision) 25. mechanisiertes Korps, Generalmajor Semjon Moissejewitsch Kriwoschein (50. und 55. Panzerdivision, 219. motorisierte Division)
Schon Ende Juli in die Defensive gedrängt, wurde die 21. Armee im Raum Gomel von 5 deutschen Infanteriedivisionen festgehalten, während drei weitere Divisionen begannen, den Dnjepr südlich von Shlobin zu überqueren. Angesichts der bedrohlichen Lage gab der Armeekommandant die Erlaubnis, die Truppen auf das Ostufer des Dnjepr zurückzuziehen. Das 63. Schützenkorps wurde bei der Verfolgung zweimal umzingelt, es gelang vielen Einheiten auszubrechen und den Gegner dabei erhebliche Verluste zuzufügen. Am 7. August wurde Generalmajor W. N. Gordow wurde zum stellvertretenden Kommandeur der 21. Armee ernannt.
Am 12. August begann die Schlacht um Gomel, das 63. Korps wurde zwischen Rogatschew und Schlobin umzingelt. Generalleutnant G. Petrowski fiel am 17. August beim Ausbruchs-Kampf. Am 25. August 1941 wurde die 21. Armee der Brjansker Front unterstellt, sie musste weiter nach Südosten zurückgehen und hatte dabei schwere Verluste an Personal und schwerem Material. Am 31. August wurde der Fluss Desna überquert, es war nicht möglich, die besetzte Verteidigungslinie am linken Ufer des Flusses zu halten, da bereits fünf deutsche Divisionen die Kolonnen überholt hatten. Auch der Abstand zur benachbarten 40. Armee vergrößerte sich auf 60 Kilometer. Am 5. September warf sich die deutsche Panzergruppe 2 in die Bresche mit dem Ziel, in den Rücken der Südwestfront zu gelangen.
Im Kessel von Kiew Bereits am 31. August 1941, vor dem offiziellen Beginn der Offensivoperationen spürte der linke Flügel der 21. Armee (jetzt aus dem 28. und 66. Schützenkorps gebildet) starken Druck durch vier Divisionen der deutschen 2. Armee, die von Nordwesten vorrückte. Gleichzeitig gerieten die Truppen des rechten Flügels (67. Schützenkorps) am 2. September in den Flankenangriff mehrerer motorisierter Divisionen des deutschen XXIV. A.K. (mot.) und mussten ebenfalls zurückweichen. In den Einsatzberichten des Hauptquartiers der Brjansk-Front war jedoch noch am 3. September für das 67. Schützenkorps eine Offensive vorgesehen, „um sich mit der 13. Armee im Norden zu verbinden“. Am 5. September beschloss der Kommandeur der 21. Armee, der keine Verbindung zum Oberkommando der Brjansk-Front hatte und den Rückzug des linken Nachbarn (5. Armee) wahrnahm, die eigenen Truppen hinter die Desna zurückzunehmen. Die Einnahme der Eisenbahnbrücke bei Makoschino durch die SS-Division Das Reich destabilisierte die Lage der Armee vollständig. Mit dem verspäteten Befehl zum Abzug wurde am 6. September aus dem Rückzug eine Flucht. Dies führte sofort dazu, dass drei Panzerzüge am Nordufer des Flusses abgeschnitten wurden. Mehrere Einheiten des 67. Schützenkorps konnten nicht übersetzen und blieben am Nordufer der Desna abgeschnitten. Der allgemeine Rückzug drängte die 21. und 40. Armee in den Raum Neschin zurück und am 6. September erfolgte die Unterstellung der Truppen bei der Südwestfront. General Kusnezow konnte die Verbindung zur 40. Armee nicht wieder herstellen. Am 7. September kämpften sich die Truppen der 21. Armee auf Bachmatsch – Makoschino – Saltykowa zurück, dabei gab es schwere Verluste an Mensch und Material (in einigen Divisionen erreichen die Verluste bis zu 40 %). Die 21. Armee, die an der rechten Flanke bereits umgangen war und auch am linken Flügel durch die nach Tschernigow strebende deutsche 2. Armee bedrängt wurde, drohte eingekreist zu werden. Am 13. September fiel Neschin und Bachmatsch, die Verteidigungsfront der auf Priluki zurückgeworfenen 21. Armee wurde auf mobile Verteidigung umgestellt. In der Kesselschlacht von Kiew wurden neun Schützendivision (24., 42., 55., 75., 117., 187., 219., 232. und 277. Schützendivision) der 21. Armee eingeschlossen und gingen in deutsche Gefangenschaft. Bis zum 22. September kämpften die Überreste der 21. Armee um ihren Ausbruch und konzentrierten sich dann zur Reorganisation in der Region Achtyrka.
Neuformierung Die 21. Armee wurde neu aufgestellt, in Achtyrka wurde die 295. Schützendivision aus dem Personal, welches aus der Einkreisung entkommen waren, neu formiert. Dazu kamen die 1. Garde-Schützendivision (Generalmajor I. N. Russjanow), die 81. Schützendivision, die 1. Panzerbrigade (Oberst A. M. Nasina), die 129. Panzerbrigade sowie das 2. Kavalleriekorps (Generalmajor P. A. Below) mit der 5. und 9. Kavallerie-Division. Das allgemeine Kommando wurde von Generaloberst J. T. Tscherewitschenko übernommen, der am Ostufer der Psel zwischen Lebedyn und Senkow eine neue 80 km breite Front aufrichtete. Im Süden dieser Linie sicherte das 5. Kavalleriekorps von General F. W. Kamkow und rechts die 40. Armee. Die deutsche Offensive südlich und nördlich von Charkow verwickelte die unfertigen Formationen der 21. Armee bereits am 27. September am Psel und bei Schtepowka in heftige Kämpfe. Am 6. Oktober begann der Abzug der Truppen der 40. und 21. Armee an den rechten Flügel der Südwestfront auf die Linie Sudscha, Sumy, Kotelw über Belgorod zum nördlichen Vorfeld von Charkow. Das Hauptquartier der 21. Armee wurde in Graiworon etabliert. Am 10. Oktober besetzten die deutsche 75. und 168. Infanterie-Division Sumy, Teile der 79. und 44. Infanterie-Division besetzten Achtyrka. Die Truppen der 21. Armee kämpften um Bogoduchow, das am 12. Oktober geräumt wurde. Angesichts der kritischen Situation beschloss die Stawka am 15. Oktober die Armeen der Südwestfront ab dem 17. Oktober auf die Linie Kastornoje, Stary Oskol, Nowy Oskol, Waluiki, Kupjansk zurückzugehen. Der Rückzug bedeutete auch die Aufgabe von Belgorod (24. Oktober) und Charkow. In Richtung Belgorod verfolgend, eroberten die deutschen Truppen am 19. Oktober Graiworon und Borissowka sowie am 20. Oktober Krasnaja Jaruga und Rakitnoje.
Bis zum 22. Oktober konzentrierten sich die Verbände der 21. Armee auf die erste mittlere Verteidigungslinie zwischen Belgorod und Woltschansk, dann am Morgen des 25. Oktober wurde der Rückzug zum Fluss Oskol fortgesetzt. Die deutsche 6. Armee rückte auf allen Straßen in Richtung des Oskol und Sewerski Donez vor. Im Streifen der 21. Armee besetzten Einheiten der 168. und 79. Infanterie-Division des deutschen LI. Armeekorps, nachdem sie Belgorod erobert hatten, Brückenköpfe am Ostufer des Donez. Gemäß der Operationsanweisung vom 28. Oktober hatte die 21. Armee mit der 81., 297. und 226. Schützen-Division sowie die 10. Panzerbrigade die Linie von Teleschowka, Klinowez, Bolscheroroitskoje zu organisieren und zwischen Nowy Oskol – Woltschansk und Wolokonowka zu halten. Die 21. Armee griff am 9. November mit der 226. Schützendivision und links davon die 76. Gebirgs-Division der 38. Armee die Vorhut der deutschen 79. Infanterie-Division am Sewerski Don an.